Die lange Reise

Das Stoßen an Grenzen dürfte eine Erfahrung sein, die der Mensch bereits machte, bevor er das Wort „Gott“ erfand. Dem Unfassbaren unseres Seins und der eigenen Beschränktheit eine Erklärung abzuringen, ist das Prinzip der Kirche oder einer Wissenschaft. Den Mitmenschen entsprechend unterstützende Worte anzubieten, hat jeweils Methode. Die Forscher haben verschiedene Bereiche als ihre Fakultäten abgegrenzt. Kirche steht außerhalb belastbarer Theorie und bemüht lieber unsere Fähigkeit, ihrem Narrativ glaubend zu folgen. Psychologische Ansätze haben vieles der Religionen zu ihrer Wissenschaft geformt. Wo die Bibel am Besten ist, im Sinn fordernden Bild und beim Rat des gebotenen Verhaltens, geht auch der Philosoph, der Psychologe gern mit. Falls aber vom Allmächtigen oder Herrn (im Himmel) die Rede ist, wendet sich ein nüchterner Denker lieber ab.

Dabei spielt die Entdeckung eine Rolle, dass uns keine individuelle Betreuung erfährt durch Gott, wo wir uns als Individuum selbst nicht wertschätzen. Als Grundvoraussetzung, die Erfahrung himmlischer Liebe zu erleben, muss man sich selbst als geschaffene Kreatur annehmen. Das heißt aber noch nicht zu begreifen, den Umweg symbolischen Denkens mitzugehen, den aufrichtiger Glaube uns abverlangt. Es ist kein Mann auf einer Wolke sitzend gemeint, der zu uns spricht, uns führt im Dialog beim Gebet, obschon man als unreifer Mensch die Bibelworte so wörtlich nehmen kann.

Wer davon nicht abkommt, wird unweigerlich krank!

Die in dieser ursprünglichen Psychologie gemeinten Wahrheiten sind derart, dass man das Geschenk des Lebens, das man ist, sich selbst, pfleglich behandeln muss, um sich die Freundlichkeit des Gebers zu erhalten. Wo einer nicht merkt, auf sich als System aufzupassen, gibt es ständig Ärger, und das Gefühl kann sich aufdrängen, von Gott verlassen zu sein, ja – sogar von einer höheren Macht beständig verarscht zu werden.

Das absolute Scheitern und der vollkommene Zusammenbruch kommt unausweichlich für denjenigen, der ein unerreichbares, von diesem Punkt seines Lebens aus unmögliches Ziel verfolgt. Es geschieht, wenn von dieser Person das eigentliche Motiv, die Einsicht ins höchstens gegebene Können, genauer das Unvermögen, komplett ausgeblendet wird. Wenn man nicht wahrhaben will, wie es einem selbst geht und weiter voranmacht, obwohl alle anderen allein beim Anblick solcher Selbstüberschätzung spüren, wie sich jemand verwindet, um nicht zu merken, kommt der Absturz irgendwann. Die Realität kann sich scheinbar plötzlich gegen uns stellen.

Man redet von der Zeitenwende. Wie ein Wetter am Horizont kommt da was auf uns zu. Wer nicht aufpasst, merkt es spät. „Patenthalse“ nennt der Segler sein ungewolltes Manöver, das die neuen Bedingungen brutal dirigiert, und falls es am Wind geschieht, schlägt die Fock back! Das Boot muss erzwungenermaßen wenden und so oder so den neuen Kurs mindestens anpassen. Flexibilität geht anders. Wir haben was verpennt. Es kommt uns nur so vor, als ginge alles plötzlich ganz schnell. Tatsächlich weht der Wind anderswo bereits aus einer neuen Richtung. Nur wir selbst haben es noch nicht mitbekommen. Wir glaubten, uns auszukennen?

Das geht über religiöses Vertrauen hinaus. Manche vertrauen auf die Solidarität ihrer Familie, den Kollegen in der Firma, den Nachbarn, die sie mögen müssten. Europäer nahmen an, dass ihre Ostgrenze sicher sei. Wir glaubten, die Amerikaner als zuverlässige Partner fest an unserer Seite zu wissen. Politiker bauen auf die Unterstützung durch ihre Partei, der Gemeinsamkeit in einer Koalition. Ihre jeweilige Vorstellung von „Menschlichkeit“ macht sie aber auch blind für eigene Defizite, die anderen mögliche Kritik geradezu aufzwingen. Der naive Glaube an umfängliche, ihnen scheinbar zustehende Unterstützung lässt viele Menschen übersehen, wie die Lage tatsächlich ist. Die politische Mitte ist durch zwei Lager gekennzeichnet, rechts und links, die deswegen für sich allein nicht richtiger sein können als ihr Gegenüber, weil sie um den notwendigen Diskurs herum pendeln. Falls jemand vollkommen vernagelt die seiner Meinung nach notwendige Position links oder rechts vertritt, dürfte es ihm an – genauso gebotener – Kompromissbereitschaft abgehen. Unflexibel in solcher Konsequenz scheitert man nicht nur in der Politik, sondern überhaupt im Leben.  

# Politiker stehen auf dem Präsentierteller

Wer sichtbar ist bei jeder gesetzgebenden Rahmung im Auftrag des Wählers, also angetreten ist, für alle zu handeln, hat viel Macht, aber auch das Risiko, diese wieder zu verlieren. Dazu kommt, dass die Wähler den Einzelnen in der Politik überschätzen. Kein Vorsitzender einer Bewegung oder Partei entscheidet allein, kann überhaupt allein bestimmen, weil der Rückhalt auch im eigenen Haus nur gegeben ist im Austausch mit anderen. Die Beschränkungen der Macht beginnen sofort, wenn jemand sagt, er wolle dies oder das für die Bürgerinnen und Bürger. Schon aus der eigenen Partei treten welche auf den Plan, die die Lage anders beurteilen. Dann blockiert die Opposition. Schlussendlich steht jeder Idee die Wirklichkeit eines Sachverhaltes gegenüber.

Donald Trump ist das beste Beispiel dafür, wie daneben der mächtigste Mann der Welt liegen kann in der Beurteilung der Lage. So viel Chaos hat noch kein amerikanischer Präsident angerichtet. Widerstand macht kreativ: Der kriegerische Wladimir Putin nicht weniger scheitert in seinem Vorankommen bei der in Russland so genannten militärischen Spezialoperation mit jedem Tag, den dieser Krieg länger dauert. Das Einzige, was der russische Präsident wirklich erreichte, ist der Unfrieden im westlichen Verbund, und damit kommen die Russen dem Ziel doch näher, eine multipolare Weltordnung zu etablieren. Das kostet Menschenleben –.

Regionale Politik stößt auch an Grenzen. Als der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig die Wahl für ihn selbst überraschend an Daniel Günther verlor, resümierte er immer wieder seine Sicht auf den vorangegangenen Wahlkampf:

„Der Eindruck war ein anderer.“

Für viele war spätestens seit einer Fernsehsendung und einem Interview in der Regenbogenpresse kurz vor dem Wahltermin klar, dass man diesen Politiker abwählen würde. Was für ein Fauxpas! Ein Mann, der unverhohlen über seine frisch von ihm geschiedene Ehefrau lästerte, was gar nicht Thema war. Ein Eigentor, und dieser Macho hatte es nicht bemerkt. Er brachte nebenbei alle Frauen im Land gegen sich auf? Selbstreflexion geht noch an. Öffentliche Bloßstellung vom Privaten, bei dem man selbst stark wirken möchte, kann nur Schaden anrichten.

Zwei Dinge sind notwendig, sich selbst wahrzunehmen – also nicht verkrampft gegen sich selbst zu handeln, und das Zweite ist herauszufinden, warum man eigentlich so doll will, was man meint, unbedingt tun zu müssen? Wem diese beiden Einsichten gelingen, der bekommt die Wahl zurück, in diese oder eine andere Richtung zu gehen. Wie ferngesteuert und verbissen scheinen Menschen Wege zu verfolgen, die augenscheinlich zwanghaft für sie sind. Man tut wie gesagt und merkt das gar nicht. Gerade Kirchenglaube missioniert uns immer wieder, im Auftrag einer angeblich großen Idee unterwegs zu sein, letztlich aber falsch, gegen jede Vernunft zu marschieren – leider. Man hält sich für sozial, hilfsbereit, will das Gute?

Andere sehen uns anders!

So ist alle Blödheit ein Wahn, dem fremden Ziel nachzulaufen, als wäre es einem selbst das Notwendigste. Zuerst kommt aber immer das eigene Wohl. Egal wie altruistisch jemand redet, muss jeder Mensch sich doch zunächst ums eigene Existieren kümmern. Dazu erfahren wir verbreitet Unwissen, kennen die Realität nicht, obwohl wir es meinen. Unser Organismus hat viel weniger Kenntnis vom Drumherum als Möglichkeiten, sich innerlich zu prüfen, übersieht seine Fähigkeit zur Bewusstheit aber nicht selten. Kommunikation scheint zu machen, dass manche in ständiger Diskussion ihre Zeit verschwenden, auch im stillen Zwiegespräch, statt ihr Gehirn auf die andere Art zu verwenden: Es schadet nicht, sich selbst wertzuschätzen!

# Das will ich erzählen

Einen guten Kirchenmann habe ich gekannt, der leider weitergezogen ist auf dem langen Weg seiner dringend notwendigen Mission. Sein afrikanischer Name ist Programm und lautet übersetzt in etwa „die lange Reise, der lange Weg“ –.

Bezeichnend erinnere ich unser Kennenlernen auf einer Veranstaltung.

Viele Menschen standen in einem nicht allzu großen Raum, redeten. In einer Ecke gab es auch mehrere Tische mit Getränken und Häppchen. Ein Brunch mit der ganzen Gemeinde. Nachdem meine neue Bekanntschaft, ein wirklich interessanter Gesprächspartner, und ich uns eine Weile intensiv unterhalten hatten, sagte der Pastor abrupt:

„Ich möchte etwas essen!“

Wir drängten gemeinsam zu den Tischen vom Buffet. Dann garnierten wir uns Teller mit den Köstlichkeiten, die es gab, fanden passendes Getränk und setzten die Unterhaltung fort. Für mich bis heute einer der prägendsten Momente im Leben, wie jemand Höflichkeiten nicht über das eigene Wohlbefinden zu stellen bereit ist. Ich bin noch immer dankbar für meine späte Einsicht, dass Kirche überhaupt nicht dumm sein muss.

# Öffentliche Demontage

Kein anderes Thema: Diese Zeichnung von Bärbel Bas, die kürzlich hingeschmissen hat, musste ich einfach machen! Diese Politikerin provoziert durch ihren Gestus; aber das dürfte sie selbst niemals wahrhaben wollen. Sie schadet unbewusst ihrem eigenen Anspruch, den gewollten Motiven, ihrer Politik, der Partei, für die sie kämpft, und sie erlebt schließlich den Moment, wo – auch deswegen – zu viel zusammenkommt, sie nicht länger belastbar ist, sie nicht standhält. Dann kommen einige Höflichkeiten der anderen, und weg vom Fenster ist diese Frau. Schicksalsschläge erleben alle. Natürliches Mitleid und Empathie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier Sachthemen und Ausdruck, wie jemand seine Politik darstellt, eine große Rolle spielen in puncto Akzeptanz der Person.

Das krasse Beispiel, um meine unschönen oder ungeschminkten Worte anschaulich zu machen, ist – oder gibt uns nebenbei – die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni: Obschon man ihr extreme Positionen ankreidet, die viele gemäßigten Politiker ablehnen, schafft diese ungewöhnliche Frau besonders durch eine authentische Ansprache, Stolz und ihre natürliche Weiblichkeit an der Spitze ihrer Partei und on top im Staat zu regieren. Google will wissen: „Im Vergleich zu vielen ihrer Vorgänger zeichnet sich Melonis Amtszeit durch eine bemerkenswerte politische Stabilität im traditionell unruhigen politischen System Italiens aus.“ Ich glaube, die Befürchtungen gegenüber rechtskonservativen Parteien in Deutschland und Frankreich werden auch deswegen weiter bestehen, weil ihre Spitzenfrauen Alice Weidel oder Marie Le Pen nicht annähernd ähnliche Sympathiewerte wie die schöne Meloni erreichen.

Bärbel Bas ist nicht aufgrund ihrer Trauer wegen privater Todeserfahrungen schwach geworden. Das ist nur ein Teil ihres Lebens, der persönliche Schicksalsschlag.

Bärbel Bas ist keine Persönlichkeit, die großen Rückhalt deswegen generieren könnte, weil man sie gleich mag, wenn sie einen Raum betritt.

Legendär erinnere ich, und das findet sich noch im Netz: „Bundesministerin Bärbel Bas wurde am 27. November 2025 auf dem Deutschen Arbeitgebertag in Berlin von Teilen des Publikums ausgelacht.“ (Welt/Google). „Während ihrer Rede verteidigte Bas das geplante Rentenpaket und behauptete, die Haltelinie beim Rentenniveau belaste die Beitragszahler nicht, da sie aus der Steuerkasse finanziert werde.“ (Bild/Google). „Auf das Gelächter entgegnete sie vor Ort: ,Das ist überhaupt nicht lustig.‘“ (Die Zeit/Google). Die Arbeitgeber im Publikum waren vorwiegend Männer: „Im Publikum des Deutschen Arbeitgebertags saßen überwiegend Männer, viele davon im Anzug oder Maßanzug.“ (Tagesschau/Google). Bas selbst sagt dazu:

„Da saßen sie, ich sag’ das jetzt mal ganz offen, die Herren – ja, meistens waren es Männer – in ihren bequemen Sesseln, der eine oder andere im Maßanzug.“ (1.12.2025, Süddeutsche Zeitung, 2.12.2025, Tagesschau).

Männer lehnen manche Frauen ab, egal, was diese behaupten, für uns, die Gesellschaft zu wollen. Viele Männer lehnen Frauen pauschal ab, die sie nicht attraktiv finden. Man hört dann gar nicht zu – leider wahr.

# Der Herr wusste nichts von ihrer Not

Da kann man googeln, und es interessierte mich, Bas hatte ihren Amtsantritt seinerzeit ohne die optionale Formel „so wahr mir Gott helfe“ gesprochen. Bärbel Bas ist konfessionslos – sie entschied sich für die Formulierung: „Frau Präsidentin, ich schwöre es.“ (PRO/Das christliche Medienmagazin). Der Rücktritt wurde begleitet von den Anmerkungen, ein privater Trauerfall als auch Anfeindungen machten ihr die weitere Amtsführung unmöglich. Ein emotionaler Zusammenbruch scheint nicht ausgeschlossen, diese Ministerin kann nicht mehr?

Hätte Glaube, hätte Gott geholfen? Darüber denke ich unweigerlich nach: Was tut der Herr für uns, der – wie es heißt – Allmächtige, von dem in der Bibel die Rede ist? Das hat die Politik nicht gefragt. Manche sehen den Bruch mit dem Bisherigen auch als Chance. Wollte Gott, dass Frau Bas geht? Oder ist sie ihm egal, weil sie nicht an ihn glaubt? Wie schaut ein solcher Herr auf Frauen runter vom Himmel? Das ist kein Thema: Für viele sind hier Floskeln bei der Amtseinführung bloß ein traditionelles Blabla und spätere Haarspaltereien nach eventuellem Scheitern genauso fehl am Platz. Voran, voran, nach vorn schauen! Ein Nachfolger ist schnell gefunden.

„Alexander Schweizer (SPD) soll nach seiner Ernennung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Vereidigung im Bundestag umgehend in die Lücke treten, die Bärbel Bas am Montag mit ihrem überraschenden Rücktritt als SPD-Chefin und Ministerin gerissen hat“, schreibt unsere regionale Zeitung. Dort will man zudem wissen:

„Bas wolle sich dem Vernehmen nach weder bei der Entgegennahme ihrer Entlassungsurkunde noch tags darauf im Ministerium der Öffentlichkeit zeigen.“ (Pinneberger Tageblatt, 14.10.2026).

„Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer wieder zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. (…) Da ich nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Partei- und Regierungsarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben“, Bärbel Bas, Instagram. (MDR/Brisant).

„Noch einen weiteren Grund für den Rücktritt nennt Bärbel Bas in ihrer Erklärung: Die öffentlichen Angriffe auf ihre Person seien in dieser für sie persönlich schwierigen Zeit weiter forciert worden. Auch die CDU ist hier explizit mit gemeint, wie die Politikerin deutlich macht.“ (Brisant, 13.10.2026).

Rückzug aus der Öffentlichkeit begegnet uns immer wieder. Menschen ziehen die Reißleine. Mir ist Bärbel Bas immer eine gewesen, die ich mit demselben Spott wie Saskia Esken bedachte, aus der Sicherheit meines Fernsehsessels wohlgemerkt. Ich habe beiden Frauen in dieser Position als Co-Vorsitzende der SPD niemals auch nur ein einziges Mal mit Respekt zugehört. Mit beißender Verachtung kommentierte ich das Konterfei von Saskia Esken wie auch die Mimik ihrer Nachfolgerin Bas aus meiner Position als Mann, als Wähler und polemischer Spötter über diese meiner Meinung nach ungeeigneten Frauen. Ich hörte niemals zu, was sie sagten. Ich schimpfte, man müsse wegzappen bei solchen Menschen, und möglicherweise erfüllen meine Aussagen den Tatbestand der Beleidigung, mindestens jetzt, wo ich’s hier zugebe? Ich fühle mich beleidigt von diesen Politikerinnen, weil sie diese Ämter für sich beanspruchten, könnte ich dagegen sagen. Mir müsste ich vorhalten lassen, dass ich mir nie die Mühe machte, nur einmal die Werte und Ansprüche, ihre Zielabsichten, die Arbeit in der Partei anzuhören, weil allein die Optik für mich entschied:

„So eine will ich nicht sehen.“

Heute fühle ich mich bestätigt, dass nur Menschen gemobbt werden, die über ihr Opfersein hinaus auch die persönliche – darf man schreiben? – „Macke“ mitbringen. Nur nicht charismatische Menschen werden gemobbt, glaube ich, aber Google widerspricht: „Nein, das stimmt nicht. Mobbing kann jeden treffen, und die Vorstellung, dass nur nicht charismatische Menschen gemobbt werden, ist ein weit verbreiteter Mythos. Tatsächlich werden sehr häufig Menschen zur Zielscheibe, die als äußerst kompetent, beliebt, attraktiv oder eben charismatisch wahrgenommen werden.“

# Locker bleiben!

Nun habe ich mich selbst über Jahre unter Beschuss einer diffusen Gegnerschaft gesehen und muss mich also genauso fragen, ob ich nun besonders beliebt, äußerst kompetent, attraktiv, eben charismatisch bin oder eine Macke habe – und es deswegen geschah?

Das eigene Fazit kann nur sein, der empfundenen Machtlosigkeit nachzuspüren und realistische Möglichkeiten anzuvisieren, was man aus allem lernen könnte? Frauenfeindlichkeit darf man nicht öffentlich verbalisieren, Senioren verhaut man nicht. Man malt seine Freundin nicht nackt. Die Liste meiner Verfehlungen ist lang: Na und.

Mit Anschuldigungen ist nichts zu bewegen, mit Wehleidigkeit kommt keiner aus dem Loch, aber zu erkennen, wie die anderen einen sehen, gesehen haben könnten, gibt uns auch die Einsicht möglicher Änderungen. Da kann man wieder bei sich selbst beginnen. Und das heißt wohl nie, bei Null anfangen zu müssen.

Meine Abiturnote, Zeugnis der Fachhochschulreife der Freien und Hansestadt Hamburg, war übrigens einskommafünf.

Drunter falle ich nicht!

Friedrich Merz, der amtierende Bundeskanzler, nach seinem Abschlusszeugnis befragt, deswegen komme ich drauf, kann wie so oft nicht geradeaus antworten. Wähler achten auf solches Gezicke weit mehr, als dass sie die Programme der Parteien durcharbeiten, sich gründlich informieren, zumal die versprochenen Projekte immer wieder zerstritten, verschoben werden. Unser Kanzler, dieser hölzerne Kommunikator, der mehr sein will als sein dröger Vorgänger Scholz, – von Merz noch als „Klempner der Macht“ verhöhnt – hat sämtlichen Vertrauensvorschuss verspielt. Er steht tief im Minus, beim Wähler in der Kreide, wie auch wir Deutschen eine Schuldenlast zu tragen haben mit dem sogenannten Sondervermögen, das wir dieser Regierung erlaubten, weil wir den politischen Köpfen Vertrauen schenkten.

Jetzt haben wir den Salat.

Dem modernen Menschen ist auferlegt, seine Grenzen zu bemerken, wie dem Urmenschen schon früh bewusst geworden sein muss, was unverhofft geschehen kann. Daraus haben wir viele Worte geformt, die unseren Intellekt prägen. Eines bleibt aber immer gleich durch alle Gezeiten: Wer selten offen lachen kann, nicht beherzt zu seinem Zeugs steht, seine Vergangenheit nicht frei heraus zugeben mag, der hat wohl wenig Zukunft.

🙂