Lesen und Schreiben

Als Jugendlicher und später junger Erwachsener habe ich viele Bücher gelesen, Comics hatte ich reichlich. Manches besitze ich noch aus dieser Zeit, Schätze bis heute. Seitdem ich lesen kann, lese ich auch Zeitungen. Ich mag sie aus Papier und in typischer Größe. Die letzte verbliebene Sonntagszeitung bei unserem Bäcker gegenüber, die auch tatsächlich Sonntags erscheint, ist die Bildzeitung. Also kaufe ich die zum Frühstück. Mit das Beste daran ist ein doppelseitiges, immer großartiges Foto irgendwo mittendrin – eigentlich jedes Mal haben sie eins! Die politischen Highlights und Kritik an der Regierung füllen die ersten Seiten. Es ist immer lesenswert! Die Darstellungen anderer Themen im Hauptteil finden selten meine ungeteilte Zustimmung. Zu trivial, der Stil der Bild ist nicht, was ich alltäglich lesen möchte. Vieles überblättere ich sowieso.

Jetzt kommt eine Fotosammlung auf Doppelseite. Es scheint um soziale Brennpunkte in der Hauptstadt zu gehen: „Ist Berlin noch zu retten?“ Den Text lese ich nicht, aber die Bilder sind interessant. Ein Graffiti ziert mutmaßlich eine Fläche am Spielplatz.

„WER EIN HAUS vermietet BEUTET MENSCHEN AUS“

Gekennzeichnet ist es unleserlich, vielleicht „KONTRA“ – genau zu erkennen ist das „Tag“ nicht –, die Unterschrift des Verfassers wahrscheinlich? Seine Unterscheidung zwischen durchgängigen Versalien und dann doch Gemischtschreibung scheint zufällig. Es deutet hin auf einen einfachen Geist, und so kommentiert die Bild:

„Ein Spielplatz in Prenzlauer Berg: Antikapitalistische Erziehung beginnt in Berlin im Kindesalter“, (BamS, 19.07.2026).

Die Aussage: „Wer ein Haus vermietet, beutet Menschen aus“, ist so, in ihrer unbedingten Form, tatsächlich falsch. Das kann aber eine persönliche Erfahrung bedeuten, die in Bezugnahme auf den vom Schreibenden erlebten Vermieter als absolut zutreffend empfunden wird.

Wut kann nicht verboten werden.

Meine Eltern, und mit ihnen (ab unserem fortgeschrittenen Alter als ebenso Erwachsene) wir Kinder, waren Vermieter. Ich sehe das also aus der Perspektive des Geschäftsmanns und weniger vonseiten der Linken, der Antikapitalisten. Ich mag den Kapitalismus. Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen. Ich mag Unternehmungen und kann Mitläufer nicht leiden. Darum bin ich auch Künstler geworden. Ich unternehme immer etwas. Die meisten konsumieren bloß. Sie sind dumme Menschen in meinen Augen, und sie sind viele. Nicht wenige von solchen gefielen sich, mir zu schaden. Das war deren Unternehmen, mich zu mobben, voll scheiße. Vermeintlich soziale Aufpasser, Dreck bis nach ganz oben hat Einfluss in diesem Dorf. Der Fisch stinkt vom Kopf, und hier wurde jahrelang im Hof der Küche Gammel geköchelt. Das Zeug musste ich löffeln. Die Gestalter des Gemeinwohls wollen welche sein, die selbst alle Regeln des Miteinander aushebeln. Ich bin fertig mit so einer Gesellschaft, bin gleichzeitig Hausbesitzer und gelte doch als Staatsfeind? Keine einfache Mischung – und ich kann heute ausgesprochen aggressiv werden, wenn man mich schädigt!

# Ich bin der Sohn vom Fischhändler, und mein Spaß ist grafisch – Haha!

Ich habe ein Schild bei „Römmer“ drucken lassen im Osterbrooksweg, auf eigene Rechnung:

„Dies ist kein Abstellplatz auf gut Glück, dass Müll von selbst verschwindet. Das illegale Abstellen von Sperrmüll ist eine Ordnungswidrigkeit oder auch Straftat. Sperrmüll muss zur Abholung bei der GAB angemeldet oder selbst hingefahren werden. Die Eigentümer (…)“

Mich ärgert, dass immer Unbekannte, seit Jahren geht es so, ihren kleinteiligen Sperrmüll bei uns einfach an den Straßenrand stellen. Ich habe schon Regale zersägt und gelegentlich Schrott dieser Art, Spiegel, Schrankelemente, Styropor und Kartons selbst mit unserem Auto zum Abfallhof gefahren. Den Styropor musste ich allerdings wieder mit zurücknehmen: „Das macht jetzt ein anderer Entsorger.“ Im Zurückweisen von Arbeit sind alle großartig. Ich habe nach Weihnachten den Gehweg an der Straße in voller Breite vor dem Arkadenhaus gefegt, weil unser bezahlter Räumdienst zwar üppig gestreut hat im Winter, aber dann lag das Zeug wochenlang.

Bin ich naiv?

Ich zersägte einen Tannenbaum im Februar, der seit den Feiertagen im Dezember ab Januar an den Mülltonnen abgelegt wurde, verrottete. Wir tun was: Meine Frau stellt zweiwöchentlich die braunen Tonnen an die Straße. Verantwortliche für alle anzusprechen ist sinnlos. Unsere Verwaltungsgesellschaft bitte ich um gar nichts mehr. Seit über fünf Jahren möchte ich von denen das Angebot einer Elementarversicherung für die gesamte WEG, eine auf uns zugeschnittene Versicherung, die ich allein nicht bekomme als einzelner Eigentümer, eine Elementar, die gezielt Starkregenereignisse erfasst. Nur ein Angebot wünsche ich mir, damit alle die Kosten abwägen können. Ich habe manche didaktische Vorarbeit geleistet, die Probleme zu definieren und meine Freundschaft zu Daniel bemüht, der eine weltweite Versicherung managt. Unsere Verwaltung macht überhaupt nichts, wenn ich die um so etwas bitte, ist mein Eindruck. Deswegen habe ich mir wenigstens das Vergnügen der kleinen Bastelarbeit gegönnt. Das Geschehen (die Welt sowieso) bleibt davon leider unverändert, wie mein Foto beweist.

Mich selbst konnte ich ändern.

Ich lasse die Sachen jetzt stehen. Ich habe diese Tafel erdacht, mit Herrn Römmer das Design entwickelt, was uns Spaß bereitet hat, und dann ist mir gelungen, es winklich korrekt zu bohren im schwierigen Gelände vom Waschbeton, es sauber anzuschrauben! Gar nicht schlecht für einen wie mich. Die Schrauben habe ich vorher mit Butter gefettet. Das hat geholfen, sie tief in die Dübel zu drehen. Mein Nachbar, der regelmäßig den gelben Container aus der Box holt, an die Straße stellt, sah mich machen: Er bot mir gleich seine Unterstützung an, und das halbe Geld für das Schild habe ich auch sehr gern von ihm angenommen.

Jetzt steht da weiter dieser Scheiß, und ich kann allen sagen:

„Kümmert euch gern. Ich habe ein Schild drangeschraubt und bin fertig mit meinem Teil. Ich habe bei der Stadt angerufen und mit Boje telefoniert. Da passiert gar nix. Ich habe Belau angesprochen, der mit dem Fahrrad rumfährt, und der hat den Müll fotografiert. Passiert ist gar nichts. Ich habe den Müllmann auf dem Trittbrett angesprochen, den ich mag, und der Müllwagen ist anderntags gekommen und hat – einfach so – alles mitgenommen.“

Regelmäßig steht neuer Kram da, liegt rum und einer von uns scheinbar räumt es (wutschnaubend) weg nach Wochen. Nur ich, ich bin fertig damit, ich mache gar nichts mehr und freue mich über die Zersetzung unserer Geselschaft sogar noch, die wohl insgesamt so doof ist, dass sie die BILD bestimmt nötig hat!

🙂