Der Himmel ist leerer Raum

Ich frage, Google antwortet. Übersicht mit KI: Die Kampagne „Da ist jemand richtig begeistert von dir“ ist eine christliche Initiative (u.a. von Bibel TV), die vermitteln soll, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt und schätzt – unabhängig von Leistung oder Erfolg.

Sie betont, dass Gott den Einzelnen sieht, kennt und wertschätzt.

# Not amused

„Richtige“ oder doch eher falsche Begeisterung für das ganze Projekt? Ich denke: Gott ist nicht begeistert. Oft genug ist das Leben scheiße. Wir werden verarscht, ob wir glauben oder nicht. Gott so gesehen ist nicht grundsätzlich freundlich. Der Rahmen unseres Daseins kann bitter eng gefasst daherkommen. Glaube hilft schon mal, aber Kirchen sind perverse Machtstrukturen, kaum mehr. Da stehen gute Sachen in der Bibel, na klar. Wer wolle es bestreiten? Soziale Verbünde sind aber die immer gleichen Menschen wie in jeder Partei, dem Sportverein, die uns gegebenenfalls ausnutzen, ködern. Schon Jesus selbst gibt seine Absicht unverholen zu:

„Ich will euch zu Menschenfischern machen“ (Matthäus 4,19).

Das sagte der listige Prediger und darauf aus, die Jünger zu schulen, den Apparat zu bilden, ihn größer zu machen.

Man will Boden gewinnen.

Dafür gibt eine Vereinsführung Geld aus. Man bezahlt eine Werbeagentur. Ein Slogan wird gefunden. Die Wirklichkeit unserer Gebete ist Selbsthypnose. Wer „Visionen“ habe, möge sich „behandeln“ lassen, wusste ein ehemaliger Bundeskanzler, dessen Pragmatismus heute manche vermissen.

Mehr denn je erkennen wir: Kirche macht nicht selten psychisch krank.

Immer weniger Menschen gehen tatsächlich gestärkt aus dieser Struktur raus in die Welt. Es mag besser geholfen haben zu glauben, als die Gesellschaften homogener waren? Heute ist Kirche der Nährboden für Kindesmissbrauch oder bedeutet überhaupt, manipulativ zu sein, psychisch Auffällige heranzuzüchten, und Kirche ist vor allem ein Wirkungsort für destrukturierte Frauen. Sie suchen ihr emotional befriedigendes Betätigungsfeld, eines, das ihnen einfacher erscheint voranzukommen als in der Wirtschaft oder unserer umkämpften Politik.

# Geltungssucht, Eitelkeit, Dummheit – diese drei

Aber die Dummheit ist die Größte unter ihnen, möchte man meinen, in Abwandlung des bekannten Bibelverses. Wir sollten uns nicht auf die Heilsamkeit der christlichen Barmherzigkeit verlassen und schäbig auf andere Religionen schauen. Glaube an einen einzigen Gott, der uns liebt, ist so krank wie nur was. Da kommt es nicht auf die spezielle Auslegung an. Die meisten Attentate sind psychisch kranke Überreaktionen, und „ein“ Gott ist das Motiv der Irren.

Sie hören Stimmen.

Das Problem ist der einzige Gott, den sich ein Gläubiger als höhere Gestalt vorstellt, die ihm selbst ähnlich wäre, eine psychologische Denkfalle leider. Man personifiziert das nicht Begreifbare und möchte Einfluss auf seine Fiktion gewinnen durchs Gebet. Das kann nicht gelingen und bedeutet, einen Denkfehler schön zu reden. Entsprechend Gefühle nicht wahrhaben wollen, macht krank. Zu ignorieren, dass Glaube, (jemandem) etwas zu glauben, nicht tatsächliches Wissen bedeutet, sein kann, heißt, sich selbst eine massive Kränkung beizubringen. Viele Gläubige scheinen hinzunehmen, dass ein anderer ihnen sagte: „So ist es“, ohne wahrhaben zu wollen, dass es nur „so“ sein könnte. Wo man zugelassen hat, dass die Ansichten von einem Fremden, dem Pfarrer oder wer auch immer was behauptete, das eigene Leben so stark beeinflussen, sollte realisieren, wie stark da ein aktiver Eindringling, sei es auch nur diese Idee, in uns ihr Eigenleben entwickelt.

Glaube kann verglichen werden mit einem Virus, eine intellektuelle Infektion. Anderen geht es ähnlich: Wer daherkommt und alles negiert, sagt, er sei Atheist oder einer, der mit einer anderen Konfession unterwegs ist und felsenfest behauptet, die Welt sei soundso, gemäß seiner Auslegung, glaubt eben sein Zeug. Exaktes Wissen vom Grund unseres Hierseins hat niemand. Menschen könnten zudem recht nebensächlich sein im Universum, so unbedeutend, dass nur wir selbst so beharrlich nach unserem Sein fragen, uns manche Begründung einreden und einen höheren Sinn. Wenn man glaubt, darf man nicht sagen: „Das ist alles von Gott hier gemacht“ und dabei geflissentlich übersehen, dass ein Bild vom Herrn, den man zu kennen meint, kaum mehr ist als die Karte einer Landschaft, mitnichten der Boden, auf dem wir gehen, stehen usw.

Ein praktisches Beispiel wäre diese Überlegung, sich das Fluchen zu verbieten, die Lästerung des Herrn und ähnliches entsprechend dem Gebot, Gott wolle es nicht. Zorn zu unterdrücken, macht uns für andere pflegeleicht, angepasst. Gefühle nicht wahrhaben wollen, kann aber auch krank machen. Das Gebot, Gefühle wie Hass nicht Überhand nehmen zu lassen, ist die reine Vernunft, aber grundsätzlich jeden Ärger herunterzuschlucken, ist falsch. Unser Glaube muss so gesehen immer mitwachsen mit unserem Erwachsenwerden. Das Lernen und Prüfen darf nie enden. Was man uns als Kind sagte, ist nichts mehr als das.

„Influence“ heißt auf Deutsch Einfluss. Übersetzt man „Influencer“ wörtlich, sind diese Leute „Beeinflusser“, es sind Richtungsgeber, denen viele folgen. Das ist jeder Erwachsene für Jugendliche. Eltern geben die Richtung vor. Blindes Folgen kann aber niemand verantwortungsvoll wollen. Es ist an uns, Einflüsse auf ihren tatsächlichen Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. Meine Haltung heute immer wieder ist deutliche Kritik an unseren Kirchen. Das muss ich aus bitterer Erfahrung aufschreiben. Eine in weiten Teilen bösartige Verbindung ist jeder soziale Klüngel –, sagt ein Haufen von sich auch noch so oft, wie gut er alles tun will.

# Bequatscher! 

Eine reale, übergeordnete Person, das könnte ein „Chef“ sein? Ich habe nachgedacht, was es mit mir machen könnte, wenn nicht ein Plakat behauptete, „da ist jemand richtig begeistert von dir“, sondern ein tatsächlicher Jemand ankäme, genau das zu sagen. Alle Alarmglocken schrillten! Man geht vernünftigerweise auf Abstand. Ein Mitschnacker redet so. Bei Kindern und jungen Menschen verfängt dergleichen unter Umständen? Ich muss mir nur vorstellen, ich wäre selbst noch jung und ein Kollege auf der Arbeit irgendwo sagte, der Boss sei richtig begeistert von mir. Vielleicht würde mich das beflügeln, motivierter zu schaffen. Das könnte bittere Folgen haben, denn man kann ja auch absichtlich losgegangen sein, mir Honig um den Bart zu wischen, um mich in eine kriminelle Verbindung zu locken (beispielsweise).

Wenn unser Leben eine Zeit lang in angenehmen Bahnen verläuft, ist das nichts als Zufall. Daraus die Annahme zu generieren, nun habe man es begriffen, „der Herr“ habe einen gesehen und fände Wohlgefallen am eigenen Tun, wird dazu führen, den nächsten Konflikt mit der Umgebung, der unweigerlich kommt, von dieser fixen Idee irgendwie abzuspalten. Man könnte probieren, seinen Zorn über einen eigenen Fehler oder die als unberechtigt empfundene Kritik von jemanden herunterzuschlucken, und genau das tun viele Gläubige. Sie wollen Kränkungen nicht wahrhaben und nehmen sie als Prüfung von oben hin.

# Dann wacht man auf

Manche halten lange durch zu träumen. Nicht auf Begeisterung zu stoßen für unser Gebaren, das wir selbst so wichtig finden, es gerade so zu tun, ist typisch.

Es gibt Ausnahmen.

Sie bestätigen bloß die normale, eher negative Erlebniswelt, weil sie selten geschehen: Die erste Verliebtheit prickelt so besonders, weil es scheinbar doch passiert, die wechselseitige Begeisterung füreinander. Eine lange Ehe bringt dann einige Ernüchterung! Genauso Freundschaften verlieren mit den Jahren an der ihnen mal innewohnenden, umfangreichen Wahrheit breiter Gegenseitigkeit. Wer wie ich seine Freunde beim Segeln fand, muss mit der Zeit begreifen, dass es „Segelfreunde“ sind. Das gemeinsame Interesse verbindet; wie schön. Das ist es dann aber auch.

Langjährige Beziehungen sind belastbar und können in Krisen sehr wertvoll sein. Das darf uns nicht ausblenden lassen, dass nie alle Facetten unseres Seins so intensiv respektiert und reflektiert werden, wie wir uns das eigentlich wünschen. Sich jemanden vorzustellen, der von uns begeistert ist, kann ein schönes Narrativ sein, dem wir uns gelegentlich hingeben. Von sich selbst grundsätzlich immer fasziniert zu sein, ist so unbedingt auch nicht ratsam. Es hilft natürlich, sich nicht in Eigenregie fertigzumachen bei Fehlern. Mit einer relativen Selbstbetrachtung bleibt man als Kontrollinstanz kritisch, aber grundsätzlich wohlgesinnt dem eigenen Handeln gegenüber. Dafür ist es nicht nötig, sich einen Herrn in den Himmel zu zeichnen, wie einen modernen Chatbot zu gestalten. Ein Oberonkel, der immer Mut zuspricht. (So ein Quatsch). Andere sind nie wirklich von uns „begeistert“. Entweder sind es Menschen, die nicht auf der Höhe sind und ihr Gegenüber, uns also, idealisieren oder auf eine Weise Betrüger, die uns etwas vormachen mit einem verborgenen Motiv.

Geliebt, unabhängig von Leistung oder Erfolg, wird sich nur jemand empfinden, der eine größere Wahrheit über die eigene stellen kann. Das ist auch gemeint mit dem Plakat vor unserer Kirche, das glaube ich schon. Der falsche Abzweig kann dennoch die offene Kirchentür sein, durch die man geht, den Weg zu den Menschen sucht, die einem sagen, sie freuten sich, uns zu sehen. Dann beten? Gott darf nicht als leibhaftige Person verstanden werden, ein Freund im Himmel, mit dem wir tatsächlich reden. Ein Irrweg menschlicher Hoffnung ist aber genau das und deswegen ein zugkräftiges Motiv, auf das immer wieder welche hereinfallen.

Das Dasein hält manche Wunder bereit, Dinge, die kein Mensch begreift. Auch kann man dieser Person leibhaftig begegnen, die alles ändert im eigenen Leben, aber das heißt nicht, auf Begeisterung zu stoßen –, im Gegenteil:

Eine kalte Dusche.

Wer sich Glaube leistet, muss ggf. so ehrlich empfinden, dunkle Lebensbereiche miteinzubeziehen in die Wirklichkeit religöser Wahrheit. Der Rest ist beim Atheismus besser aufgehoben und kann sich pragmatisch täglich einreden, wie scheiße die Welt ist, und er das begriffen habe …

Das kann eine herbe Enttäuschung bedeuten, die Erfahrung zu machen, dass Werbung verdecktes Lügen bedeutet. Kirchen kämpfen gegen den Mitgliederschwund. Sie stellen Plakate auf, um Menschen in ihre Vereinigung zu locken. Mehr ist auch dieses: „Da ist jemand richtig begeistert von dir“ nicht.

Eine Pastorin dürfte begeistert sein, wenn sich ihre Kirche aufgrund der Werbung weniger leer zeigt. So nüchtern könnte man die enthaltene Wahrheit der Aktion auf den Kern ihrer Botschaft herunterbrechen.

Mit Gott hat es nichts zu tun.

🙂