Mal schnell gekunzt!
Wir haben uns die „Peking“ im Hansahafen angeschaut. Das ist ein besonderes Segelschiff aus dem vorigen Jahrhundert. Mit nur wenigen Hamburgern in der Gruppe zeigte sich ein typischer Durchschnitt im Alltag dieser Touristenattraktion. Die meisten Besucher kommen aus eher größerer Entfernung in den Norden und stolpern schon vorab gut informiert an Bord des schwimmenden Museums; ein Stück Zeitgeschichte und Hamburger Vergangenheit. Die Leute hier interessiert das kaum? Für mich ein Muss, hinzugehen. Trotzdem hat es sich auch bei uns hingezogen, bis wir uns schließlich aufgerafft haben.
Das Schiff bedeutet mir eine persönliche Rückschau auf meine Vorfahren und ihr Leben auf dem Wasser.
Mit der Jolle waren wir vor ein paar Jahren an der Peterswerft in Wewelsfleth am Schiff vorbeigesegelt, als dort die umfangreichen Restaurierungen gemacht wurden. Mein Großvater ist als Jungmann mit der Pamir um Kap Horn gefahren, ich kenne mich ein wenig aus. Es gab mehrere Laeiszsegler ähnlicher Bauart. Man kann von Schwesterschiffen reden. Die Viermastbark war zu ihrer Zeit ein ökonomisches Transportmittel. Mit einer überschaubaren Mannschaft von nur etwa dreißig Personen und einer Ladung, die hauptsächlich bloß ankommen musste, blieben die Schiffe einige Jahre lang konkurrenzfähig neben dem modernen Dampfer. Die Reederei war auf den Transport von Salpeter spezialisiert. Die Reise ging „nach der Westküste Südamerikas, weiter und zurück“, so erklärt sich die Heuer im Seefahrtsbuch der Matrosen. Die Segler wurden die Elbe runter geschleppt und gingen durch den englischen Kanal, aber häufiger „Nord um Schottland“ durch die Nordsee auf ihre lange Reise in den Atlantik, durch die Tropen, um Kap Horn, dann nördlich nach Iquique auf Reede. Das war Arbeit und nicht, den Mount Everest zu besteigen für ein Posting, dort gewesen zu sein. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie diese Männer schuften mussten, und sie waren ganz normale Matrosen.
Wir haben uns informiert, wie man das Hafenmuseum mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht. Der Hansahafen findet sich nahe der Veddel. So heißt auch die Haltestelle der S-Bahn, wo meine Frau und ich ausgestiegen sind, um dann zu Fuß über den Deich zu stapfen und durch eine öde Industrielandschaft den Weg zum Hafenmuseum zu suchen. Der Bus fährt nicht allzu oft. Wir mussten uns online anmelden, und ein „Gudo“ ging mit uns, eine kleine Gruppe Interessierter, an Bord, alles zu erklären. Ein Besuch ist lohnend! Die Lage des Museums deutet allerdings in eine finanziell bedenkliche Zukunft des Projekts. Am Arsch der Welt liegt der schöne Segler heute und muss doch allzeit konserviert und erhalten werden. Vom Kartenhaus beginnend, erhöht an Deck begann der Rundgang. Die Peking ist ein Dreiinselschiff. Unterwegs, die schmale Laufbrücke zur Poop nutzend (oder dann auf dem Achterdeck) meinte unser Führer, die Lage zu beschreiben. Er wies mit dem ausgestreckten Arm über das Wasser des Hafenbeckens in die Ferne –, ein möglicherweise reparaturbedürftiger kleiner Kreuzfahrer, an seinen Dalben festgemacht, bildete den Vordergrund, dahinter Hamburgs niedriger Osten:
„Der kurze Olaf.“
Die Süddeutschen unter uns dürften das gar nicht begriffen haben.
Es gibt einiges, das kann ein Mensch nicht ändern – aus seiner individuellen Position jedenfalls. Ein Präsident kann Dinge anschieben, einen Krieg gegen ein Land beginnen, aber „Herr Meier von nebenan“ kann dasselbe nicht tun. Falls irgendwer annimmt, mehr Einfluss zu haben, als das der Fall ist, oder er Sachen hinbekommt, wofür ihm die Fähigkeiten aktuell fehlen, dürfte zu scheitern die logische Konsequenz sein. Soweit kann man es nachvollziehbar aufschreiben. Nichtsdestotrotz ist dieses Muster, auf die Nase zu fallen, obwohl man es besser hätte wissen können, weit verbreitet. Mal davon abgesehen, dass einer nicht krank sein muss für Überheblichkeiten, ist, die eigene Leistungsfähigkeit falsch einzuschätzen, auch das Verhalten, das vielen Anpassungsstörungen zu Grunde liegt.
Ich bin kein schlechter Zeichner, habe viel gemalt und sehe mich doch außer Stande, nenneswert Annerkennung dafür zu bekommen. Das könnte mir weh tun? Meine Vergangenheit durchaus war geprägt vom Leid, nicht genug gemocht zu werden. Zu realisieren, selbst dran schuld zu sein, fand ich nicht leicht. Heute sehe ich die Dinge entspannter. Meine Bilder sind bewusst so konzipiert, wie sie sind, und das ganze Projekt ist absichtlich versteckt platziert, dass Anerkennung schon deswegen unwahrscheinlich ist. Der psychologische Ansatz: Nicht um Aufmerksamkeit heischen, wo diese leicht einzuheimsen wäre. Ich kann mich über Kollegen amüsieren, die bescheidene Erfolge hinbekommen mit ihren Ausstellungen, die ihnen viel Arbeit bedeuten, obschon das Ganze in erster Linie Augenwischerei bleibt. Sie machen sich (noch) was vor.
Meine Erkenntnis ist bitter, gibt mir aber psychische Gesundheit in bisher nicht gekanntem Maß! Ein handfestes Glücksgefühl kommt schon mal auf, und das ist zudem ein selbstgeschmiedetes. Man muss nicht mehr wollen, als man aus seiner Position kurzfristig erreichen kann, sollte dabei aber die eigenen Fähigkeiten nicht brachliegen lassen. Das ist mein Ansatz und einer, der auch anderen zu empfehlen wäre. Um als Künstler wirklich nach oben durchzustarten, müssen mehr als ein paar Sachen stimmen.
Respekt für die, die das schaffen!
Unsere Freunde sind immer so unehrlich wie die Kollegen in der Firma, die Menschen in einer politischen Partei oder das Volk einer Kirchengemeinde. Freundliche Worte verbergen nur zu oft das tatsächliche Desinteresse. Nette Bemerkungen verhelfen uns nicht weiter zur Existenz. Einbildung malt uns keine Leinwand voll, die so anschaulich wäre, dass daraus ein Meisterwerk wird. Erfolgreiche Kunst kann nicht ignorieren, in welcher Gesellschaft sie entsteht: Es gibt keine guten Menschen und wir kennen auch keine; glauben wir das trotzdem, stehen wir schon mit einem Bein im wahnhaften Denken, sind bereit psychisch abzurutschen, eine behandelbare Diagnose zu provozieren.
Wer seine Träume aufgibt, darf nicht das Träumen aufgeben so gesehen und sollte Inseln kennen, wo die individuellen Pflänzchen gedeihen. Als Traumtänzer zu scheitern, muss ein Erwachsener einsehen, ist nur doof.
🙂