Zwei Kilo Glück günstig zu verkaufen!
Tipps werden gern gegeben. Man meint zu glänzen und lässt andere mitleuchten: „Ein wenig Glanz fällt auch auf dich ab, wenn du besser wirst.“ So legitimieren sich in digitalen Zeiten viele, ihr Wissen üppig weiterzureichen. Das kann man unentgeltlich tun für die Eitelkeit, es drauf zu haben – oder sich als Berater (unter Umständen) noch eine goldene Nase verdienen. Erfolgreich coachen oder selbst einfach nur machen, wovon man gern spricht, ist manchmal eine Lebensentscheidung.
# Künstler oder Lehrer?
Mir kommt nicht mehr in den Sinn zu unterrichten, aber meine Überlegungen kreativ zu gestalten, mein Denken also in Schriftform zu bringen, gefällt mir durchaus. Man liest sich selbst ja wieder und prüft das Notierte, ob es noch stimmt. Das kann eine Quelle werden für immer neue Ideen. Wir haben diesen Rückspiegel, um besser voranzukommen, sicherer und zufriedener womöglich.
Beim Zeichnen ist ein guter Rat, nicht zu langsam zu sein!
Manche geben auch sonst immer Gas. Reicht das aus, um im Leben klarzukommen – ?
Wohl nicht.
Die erfolgreichen Romane von John Irving sind gekennzeichnet vom Bruch mit dem Bisherigen. „Der Irvingsche Unfall käme auf Seite soundso“, spottete schon ein Kritiker bei seiner Rezension. Für den Schriftsteller sind diese dramatischen Brüche kein bloßer literarischer Kniff, sondern der Versuch, die Realität abzubilden, in der man im Leben oft unvorbereitet und willkürlich aus der Bahn geworfen wird (weiß Google auf Nachfrage). Wer grundsätzlich stolperte, wird es mühsam finden, wieder auf die Beine zu kommen. Nachsichtig mit den eigenen Fehlern umgehen können, ist nicht jedermanns Sache, aber eine gute Übung für eine entspannte Rückschau. Das braucht man irgendwann.
Dann ist auch Tempo wieder leicht.
# Was ist ein Lebenserfolg, und muss man einen haben?
Erfolg ist eines dieser ambivalenten Worte, mit denen sich Menschen herumschlagen, die sprechen und in Worten denken. Wir kommunizieren. Das kann auch problematisch sein. Sich etwas vornehmen und das Ziel erreichen, dürfte in der Regel befriedigen. Ein Problem ausmachen und seine Lösung konzeptionell vorauszudenken, schließlich die Aufgabe angehen und zu Ende bringen, wird meistens geschätzt. Wer nun seine Tante ermordet, weil sie ihm scheinbar im Wege steht, schafft allerdings nicht unbedingt, die Tat allgemein als Erfolg zu verbuchen. An diesem übertriebenen Beispiel könnte deutlich werden, wie dehnbar der Begriff „Erfolg“ ist und dass soziale Bewertung eine Rolle spielt, die der Einzelne kaum übersieht bei jeder Aktion.
Was ist gefühlsmäßig relevant, wenn mir niemand zusieht, ich meine kleinen Aufgaben bewältige, mal besser, dann nicht so gelungen; da setzen Ratgeber an, wie das kleine Glück hinzubekommen wäre? Motivationen sind in drei Kategorien auszumachen: was ich möchte, sollte oder tun muss. So kann jeder sich selbst fragen und die jeweilige Dringlichkeit definieren, einkreisen, um aktiv zu werden. Das betrifft durchaus körperliche Bedürfnisse. Wann aufs Klo, wie viel essen oder zu Bett gehen, weil es Zeit wird – das sind zu lösende Problemstellungen, aber sie werden kaum unter der Prämisse erfolgreicher Lösung betrachtet. Wer schlecht schläft vor einem wichtigen Termin, vermischt dennoch bereits die morgen zu erbringende Leistung mit dem natürlichen Erholungsbedürfnis. Ein Geschäftsessen erfolgreich zu bestehen, wenn man dabei Interessen der Kontaktaufnahme verfolgt oder Selbstdarstellung priorisiert, bedeutet unter Umständen vermintes Terrain. Dann ist die natürliche und notwendige Nahrungsaufnahme gekoppelt an das Erreichen von gesellschaftlich erstrebenswerten Zielen. Genuss oder doch ungewolltes Völlegefühl können nicht mehr sicher gegeneinander abgewogen, kontrolliert bzw. unabhängig von der Umgebung gesteuert werden, wenn uns dafür benötigtes Selbstbewustsein fehlt. Auch deswegen, im banalen Beispiel wird es deutlich, sind Zufriedenheit oder Glück nicht trennbar vom sozialen Bild, dass man in puncto Erfolg mit sich trägt.
Leistung und Gefühle gehen ihren gemeinsamen Weg und bedingen einander oft.
Wir haben ein einfaches Wort dafür, Stress, aber leicht versteht man sich trotzdem nicht, nur weil alle tun, als wüsste jeder Bescheid. Weil das so ist, erweiterte man vor nicht so langer Zeit den Terminus um den sogenannten positiven Stress, den der Mensch angeblich auch habe. Das fällt in die Kategorie emotionale Intelligenz, gefühlte Temperatur (in der Meteorologie), gutes und schlechtes Cholesterin – etc. Es sind Begriffe, die eine ursprüngliche Unbedingtheit lockern und den Bereich differenzieren, aufspalten möchten, um individuelle Sichtweisen zuzulassen.
# Das schnelle Glück
Wenn Erfolg und Glück zwei Seiten einer Medaille sein wollen, kommt man nicht umhin, Bewertungen vorzunehmen und Abgrenzung zu üben gegenüber den Meinungen anderer. Eine Summe von Ereignissen bilden in der Rückschau auf das eigene Leben die Bewertungsgrundlage für eine Einordnung, ob das Leben erfolgreich war. Und da muss jeder für sich entscheiden, ob Relevanz hat, was war?
Nach vorn schauen, wird immer geraten.
Das Gewesene lässt sich nicht korrigieren. Man kann immer nur noch einen draufsetzen oder weitere, alternative Wege ausprobieren. Für Verbesserungen gibt es keine Grenze. Da ignoriere man kritische Stimmen, denn was besser ist, fühlt sich auch besser an. Und das entscheidet derjenige, der fühlt. Es ist ja klar, dass man nicht wieder jung werden kann und noch einmal alles anders machen. Wer lernt, sich weniger selbst im Weg zu stehen, fühlt wie einer, der über seinen Schatten springen kann. Da ist man schnell wie Lucky Luke – und öfter glücklich.
🙂