Therapie ist Unfug

Das sage ich gleich vorweg, ich will mich lustig machen über psychisch kranke Menschen, ihnen Dummheit bescheinigen, wenigstens temporäre. Wem das nicht passt, kann schon jetzt, hier an dieser Stelle – vorn im Text – aufhören zu lesen! Die „Gläubigen“ genauso, sie bekommen ihr Fett weg. Wem an „seinem“ Gott liegt, der lese meine Worte besser nicht. „So einen“ Gott gibt es gar nicht, ist meine Behauptung. Hier soll aus gutem Grund aufgeräumt werden mit unsinnigen Denkgewohnheiten. Da hat manches etablierte Tun keinen Platz, wenn einer erst begreift, wie schädlich es sein kann, sich selbst einzulullen mit dem doofen Zeug.

Anlass, mit dieser „Abrechnung“ zu beginnen, es geht schließlich um Geld, und wie dieses eingesetzt werden soll, ist die folgende Schlagzeile auf der Titelseite unseres Käseblattes und ein Bericht im Innenteil, der einen besonderen „Fall“ psychischer Krankheit extra beleuchtet.

„Psychotherapieplatz in weiter Ferne“

So titelt das Pinneberger Tageblatt am ersten September diesen Jahres und erklärt darunter in der Subline: „Durch neue Budgetierungen ab Januar 2027 droht sich die Situation weiter zu verschärfen“. Schlimm? Ich denke, die Bundesregierung macht Ernst und will Einsparungen, Unfug reduzieren. Alle wollen angeblich Reformen, das wird ja stets gefordert. Nur nicht bei sich selbst wollen die Menschen anfangen mit dem Sparen, in ihrem Fach. Bei ihrem Problem wollen sie ihren Status quo erhalten, ja – sie wollen immer mehr Geld!

So sind Menschen.

Auf Seite fünf folgt dann der detailierte Artikel. Die Überschrift lautet:

„Wenn der Körper streikt“ und darunter heißt es weiter: „Einst war sie ,Macherin‘, heute kämpft eine 58-Jährige mit ME/CFS und sucht vergeblich nach einem Therapieplatz“ – da kann man sich schon denken, was hier geschrieben steht.

Das muss man nicht lesen.

Ich habe Erfahrung mit dem Thema: Meinem Vater wurde mit Ende fünfzig eine „Depression“ bescheinigt, und wir haben erlebt, wie bescheuert einer denkt, der mit dieser Diagnose eine ganze Familie im Bann halten kann. Mir hat es das eigene Leben zerschossen, denn nicht so lange darauf schleuderte ich aus der Bahn mit einer ersten, heftigen Psychose. Ich musste keinen Therapieplatz suchen. Mich hat man behandelt. Die Situation hat es erzwungen.

Bis heute gibt es viele junge Menschen, die so aussteigen müssen aus dem erwarteten Weg und dann oft ein Leben lang behandelt werden. Sie müssen sich behandeln lassen, aber beinahe nie wird in einer positiven und wertschätzenden Weise über solche Menschen berichtet. Psychos werden stigmatisiert. Menschen mit Psychosen müssen nicht suchen nach einem Therapieplatz, sie kriegen keinen, das steht von Anfang an fest. Aber sie werden behandelt, weil sie eine Gefahr darstellen „für sich und andere“, heißt es. Die werden eingesperrt, bis sie einigermaßen vernünftig reagieren, da gibt es gute Medikamente, und die Pflegekräfte in den geschlossenen Psychiatrien sind handfeste Menschen, dass man anerkennend sagen kann, gut läuft die Notfallbehandlung – aber anschließend ist das Allermeiste leider scheiße.

Das ist kein Thema in den Medien. Und darum geht es hier in diesem Text, auf dieser Website, um die verlogene, dumme Masse, die unser Leben überhaupt bestimmt in der Demokratie. Das sind Mehrheitsentscheidungen. Wer am lautesten brüllt, gewinnt. Damit kann eine Gesellschaft, die nach dem Krieg 1945 klug geworden war, sich selbst zerstören in kollektiver Dekadenz, und das ist ein Thema!

Meins.

# Kunst ist Bild

Ich stelle keine Forderungen. Ich mache sichtbar. Psychisch krank werden die Leute, weil sie von anderen fertig gemacht wurden. Es gibt keine guten Menschen, aber viele, die glauben, Gutes zu tun und wie nebenbei ausgrenzen. Man schaue sich die modernen Mütter an, die einen Kinderwagen schieben ohne einen Blick auf ihr Baby, aber das mobile Telefon ständig in der Hand. Da fängt die emotionale Kälte der Machtmenschen gegenüber Schwächeren an. Das Jetzt-komm-ich im Autoverkehr oder ein Jetzt-komm-noch-ich ist sprichwörtlich geworden. Es ist die Dekadenz unserer Zeit, eigentlich Zukunftsangst, was zu verpassen, abgeben zu müssen an andere. Schwäche wird in Stärke umgedeutet. Wo auch immer eine Ampel auf Rot schaltet, das letzte Fahrzeug flutscht noch schnell rüber! Das macht man heute so? Dann heißt es, wo die Polizei kontrolliert, es sei Abzocke. Die Beamten beklagen Personalmangel. Alle Branchen beklagen Fachkräftemangel, und die Partei, die alles besser machen will, erklärt die Ausländer zum Feindbild, weil die uns bedrohten überhaupt im Land. Die sollen alle raus. Dann ist unser Land vergleichsweise leer und die Wirkungsstätten zum Arbeiten bleiben insgesamt und größtenteils unbesetzt. Die Deutschen selbst wollen nicht arbeiten. Das hat unser Kanzler festgestellt. Wer soll dann noch was machen, damit wir existieren? Die Regierung versage, heißt es ständig und deswegen bräuchten wir eine Alternative.

Der Osten wählt diese Partei mit ihrem verlogenen Namen. Da bleibt einem doch die Spucke weg. DDR – „der dumme Rest“, fällt mir ein, was nützt noch ein Parteiverbotsverfahren? Damit ist die Spaltung unseres Landes perfekt. Nun kann ein Bürgerkrieg beginnen. Ich jedenfalls fahre keinesfalls auch nur einmal hin in diese neuen Bundesländer, die ja hälftig von Nazis besetztes Terrain sind. Und Nazis sind dumme, bösartige wie faule Scheißer, das steht für mich fest. So hat man mich erzogen. „Nie wieder“ hatte es in den Achtzigern noch geheißen.

Das ist vorbei.

Sie sind salonfähig. Aus braun mach blau, das merkt ein Maler, Farben wirken! Das Abrutschen im Osten geschieht nicht ohne Grund. Die bisher Regierenden scheinen so unfähige Demokraten zu sein, dass es ein Leichtes ist, denen Untätigkeit vorzuwerfen? Eine Analyse: Wer nach der Wende gleich in den Westen übersiedelte, dürfte mutiger gewesen sein als der Rest, der dümmere, schwächere Rest, der dort blieb. Umgekehrt sind Abzocker in den Osten gegangen, da sie einfaches Gelände bevorzugen mit einfachen Menschen, die sie dominieren können. So wurde aus der Wiedervereinigung das heutige Dilemma. Wir haben unser Land krank gemacht insgesamt, können das „Riesengeschwür Ost“ nicht durch eine Brandmauer abschnüren, weil dies eine Amputation wäre, die das System killt!

Und so wie wir Probleme nur gemeinsam lösen können, muss auch psychische Krankheit und Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Hilfe für Schwächere, Erziehung von Kindern begriffen werden, systemisch. Was alle angeht, müssen alle lösen. Womit wir wieder bei der Mehrheit angekommen sind. Was aber, wenn kollektive Doofheit herrscht? Da gibt es keine Rezepte. Da helfe sich jeder selbst. Man bemerke seine höchsteigenen Fehlversuche genau, ist wohl der beste Rat. Da kann einer sofort damit aufhören, dumme Sachen zu machen, wenn er diese erst bei sich feststellt.

Ich habe das geschafft. Ich bin so einer, dem man sagte, er sei krank. Das stimmte nicht, war nur ein Argument von welchen, die mich leicht plattmachen konnten damit. Ich habe es geglaubt. Ich war „ein Gläubiger“ könnte man sagen. Und hier findet sich das Thema, man höre auf, anderen ihren Scheiß abzukaufen, kehre vor der eigenen Tür, bemerke seine Verantwortung, das eigene Versagen und schere sich nicht um die Nachbarn. Das ist kein neuer Rat, aber die, die es angeht, begreifen nicht, dass sie diejenigen sind, die es angeht.

So einfach könnte man manche Psychotherapie beenden, wenn derjenige Behandelte sich nicht behandeln lassen würde, sondern effektiv selbst handelte, effektiv zu handeln lernte! Das will ja Therapie erreichen, dass die Kranken selbstständig werden, aber oft gelingt dieses Projekt „Geistige Gesundheit“ nicht. Woran es liegt? Dazu fällt mir manches ein. Mein Beispiel könnte auch anderen zum Leitbild werden, das glaube ich schon.

# Psycho

Fangen wir noch kurz mit dieser Frau an, die eine „Ich-kann-gar-nicht-Krankheit“ hat, oder sagen wir besser: auslebt. Das darf die Psychiatrie nicht tun, die Augen verschließen vor denen, die eskalieren und nun Geld fordern für das Behandeln von welchen, die dankbar reagieren, wenn man ihnen stundenlang, jahrelang zuhört. Die Psychiater moderieren das Allermeiste am Geschehen sehr umfangreich und helfen aber kaum, dass man belegen könnte, was ihr Anteil gewesen ist im Falle von Gesundung. Davon, dass geredet wird, wird es nicht besser.

Die Überschrift ist bereits symptomatisch. Wenn „der Körper“ streikt, steht da. Man kann so etwas hinschreiben. Papier ist geduldig. Behandelt wird anschließend dann das Gehirn, weil es nun wieder heißt, die „Psyche“ sei schuld. Die Logik dahinter will so sein: Das Gehirn stellt Ansprüche, der Körper streikt. Wir können diese Argumente schlucken wie die Pillen, die man uns gibt, und alles bleibt wie es ist.

# Satire muss!

Es gibt jetzt auch eine Abnehmpille.

Das kam gestern.

Menschliche Versuchskaninchen berichten, wie großartig sie in kurzer Zeit schlanker wurden. Dann hätten sie mit dem Medikament aufgehört, wurde gesagt, und die doofen Dicken bekamen sofort ihren alltäglichen Heißhunger – wie früher. Sie wurden schnell wieder richtig fett. Das ist jetzt eine „Krankheit“, man nennt es „Adipositas“, und die Betroffenen fordern, diese Pille dauerhaft, kostenlos verschrieben zu bekommen. Ärzte unterstützen diese Forderungen. Besser kann man Dummheit nicht illustrieren, und die hat einen neuen Namen, sie heißt eben wie die Diagnose, die sich einer ausdachte.

Eine neue Farbe, aus braun mach blau, und schon geht die Post ab. Die gelbe Post? Sie wurde auch reformiert (wie die Bahn). Die Post heißt jetzt DHL. Das kam auch gestern. Die Initialen bezeichneten die Namen der Firmengründer, sagte die Sprecherin im Fernsehen. Dieter, Heinz und Ludwig? Ich mache mich lustig darüber? Na klar.

Anders ist es nicht auszuhalten!

# Religion

Jetzt noch, wie versprochen: die Gläubigen. Das sind diese Idioten in der Kirche. Die bekommen auch ihr Fett weg. Sie sind auf dieselbe Weise krank wie die psychisch Kranken. Gläubige reden sich ein, sie wären von Gott geliebt, obwohl doch offensichtlich kein Gott da ist, der Liebe zu verschenken hat. Das ficht diese Leute nicht an. Sie sind süchtig danach, sich gegenseitig zu bequatschen und sind so vergleichbar mit Junkies. Es gibt Suchtproblematik, und man erkennt diese bei Spielern und Leuten, die Drogen nehmen. Wann wird man verstehen, dass Gläubigkeit eine Sucht ist? Wann wird die Psychiatrie merken, dass man es mit Traumatisierten zu tun hat, denen man aber unzählige Diagnosen verpasst, die nur geringen Nutzen bringen? Psychisch Kranke werden mit der Droge „Behandlung“ gefüttert und zu lebenslang Abhängigen herangezüchtet, ist meine Meinung. Das ist auch das „Prinzip Glaube“, und es ist das Konzept extremer, populistischer Politik.

Dem kann nur der Einzelne selbst entgegentreten. Wenn das System dumm und machtgeil handelt, muss der Einzelne damit aufhören, dumme Dinge mitzutun. Das ist nicht einfach. Eine Herausforderung anzunehmen, das Leben zu wollen, das Selbstständige, kann aber auch beflügeln.

Was ich gegen die Kirche, die Religion, die Gläubigen habe? Diese Leute unterscheiden sich nicht von anderen Herden, die mitlaufen, nachlaufen. Das ist der Kern aller psychischen Krankheit, Unselbstständigkeit. Man hofft auf einen „Führer“, lullt sich ein wie der Alkoholiker, statt Verantwortung zu übernehmen, Risiken allein zu kalkulieren.

Beispiele sind immer reichlich vorhanden, die Idiotie sichtbar zu machen, sich selbst in die Tasche zu lügen. Damit meine ich, wie leicht der Mensch bemerken könnte, dass er nicht gemocht wird. Das Dasein ist vielmehr ein nicht enden wollendes, sich täglich erneuerndes Konvolut von individuellen Problemen. Menschen können einander helfen. Eine höhere Macht, die uns gezielt unterstützt, ist hingegen nicht erkennbar. Es sei denn, man redet sich alles schön. Eine Ohnmacht kann denjenigen erfassen, der erdrückendes Ungemach erfährt, das er nicht begreift. Statt helfend und irgendwie magisch gefördert, wird jeder andauernd „vom Herrn“ ignoriert? Weil da eben kein persönlich zugeschnittener Betreuer die Wacht hält.

Eine Mega-Katastrophe beherrscht die Nachrichten, eine Überschwemmung in Nepal, die unsere Ahrtal-Flut vor einigen Jahren zum harmlosen Bächlein schrumpfen lässt. Und? Wurden Gläubige verschont und Ungläubige ertränkt vom Allmächtigen? Wohl kaum. Wie oft bleiben Menschen fassungslos zurück, dass gerade sie alles verloren haben, weil eben kein Sinn aufscheint in solcher Katastrophe. Es ist geradezu empörend, wie Glaubenseiferer derartigen Zufall negieren wollen und tatsächlich die reinste Verachtung den Opfern einer Tragödie gegenüber, mitnichten gütiges Verstehen einer höheren Macht. Einfach nur eklig frech. Das Unglück zeigt doch, das Universum steht uns unkalkulierbar, oft feindselig gegenüber, wie auch jedermann gegen seinen Nächsten mindestens die Elbogen ausfährt, wenn es ihm um eigene Belange geht. Druck kann ein Rahmen sein, sogar Halt geben. Manche werden aber einfach bloß zerquetscht.

Der Mensch macht seinen Lebensraum kaputt. Sein Erfindungsreichtum, das Leben angenehm zu gestalten, das natürlicherweise hässlich war, geht so weit, dass nun die Menschheit absehbar alles Leben und sich selbst vernichtet. Der Planet geht kaputt, die Lebewesen rotten sich schließlich aus, haben das Geschenk eines erträglichen Klimas zerstört.

# Gegeneinander bis zum Tod

So ist alles gegen den Einzelnen gerichtet. Das fängt mit der Schwerkraft an. Wer es nicht aus dem Bett schafft, hat bald einen Dekubitus, dann Blutvergiftung, stirbt. Kein Gott hilft uns auf die Füße, wenn wir nicht selbst den Arsch hochkriegen. Die Welt zu schätzen, wie sie ist, sich selbst annehmen als ein Wunderwerk, das unbestritten ein Geschenk, ein geschaffenes Geschöpf zu sein bedeutet – ein geniales System, ein Erbe der Evolution –, das wir nur verwenden, zwingt uns doch nicht, auf einen guten Onkel zu hoffen, dem wir später gegenübertreten. Das ist eine zugkräftige Verschwörungserzählung! Dummdreiste Menschenfischer sind listig unterwegs, sich mit neurolinguistischen Manipulationen den Lebensunterhalt von anderen (die sie Schafe nennen!) finanzieren zu lassen.

Man verstehe mich nicht falsch: Wir stehen auf dieser Tradition. Unsere Staaten bekamen so ihre erste Gesetzgebung. Das sind wir. Die Schöpfung anerkennen, heißt aber nicht „den Schöpfer“ leibhaftig irgendwo anzutreffen. Wenn das wichtig wäre, gäbe es entsprechende Erfahrungen als unbestritte Wahrheit – für alle offen einsehbar. Wunderprediger lügen wie Karl May zum persönlichen Broterwerb. Man muss es ohne diese Vision hinbekommen und lebt belohnt im Gefühl von Freiheit, bringt Respekt auf, Empathie und solche Sachen, aber nicht erzwungenermaßen überall und immer, weil’s gesagt wurde. Missionieren, Bigotterie macht krank.

Glaube ist Wunschdenken. Eine Droge. Es nützt auch nicht zu sagen, man sei Atheist. Auch so einer muss Annahmen generieren, erlebt hypothetische Ängste. Welche Angst ist nicht Annahme? Die Hoffnung, das Fallbeil könnte versagen, dürfte ein zum Tode Verurteilter haben! Und so ist Glaube: Hoffen und Beten. Damit bedüselt man sich, mehr ist es nicht, und jeder erlebt, das mindestens gelegentlich zu tun. Dergleichen darf man nicht zu oft zulassen, und zum Doktor sollte man auch nicht immer hin rennen. Ebenso die Wahl einer Politischen Partei dürfte anschließend enttäuschen. So ist diese Welt. Man besinne sich auf das, was man selbst tun kann, prüfe, wie man drangeht, sich’s anfühlt und korrigiere gegebenenfalls. Das Gegenteil ist üblich: Die Leute merken ihren Scheiß nicht und kritisieren aber andere ständig. Sie hoffen auf einen „Retter“. Da sehe ich die Masse als insgesamt labil an, den Einzelnen als unter Umständen Schwachen, den die Gesellschaft noch über die Klippe schiebt – also an den Rand drängt, bis dieser nicht mehr kann – und dann vollends abserviert. Anschließend heißt es, er sei krank und eine Maschinerie wird aufgefahren, ihn zu betüdeln. Genauso könnte man das System insgesamt als unehrliche, kranke Struktur begreifen. Damit wäre zumindest erreicht, dass der als krank Beschuldigte annehmen darf, nichts dafür zu können und sich darauf besinnen kann, Abgrenzung zu üben.

Sich ehrlich machen. Man selbst ist nicht fehlerlos und die anderen sind auch bescheuert; das anzunehmen, hilft insofern, dass man weiter denken kann. Wer interessiert sich eigentlich für uns, wenn wir in Schwierigkeiten sind? Falls unsere Macke ist, sich nicht durchsetzen zu können und die Motive unklar bleiben, wohin die Reise bestenfalls geht, dürfte kaum jemand von sich aus beigehen, unser Leben zu verbessern. Es sei denn, wir haben noch eine Qualität wie etwa gutes Aussehen von Natur aus mitbekommen, und ein Partner fliegt nur deswegen auf uns. Keine gesunde Mischung, würde ich sagen. Berufshelfer tun das, was sie im Angebot haben. Will sagen, wer Klebstoff benötigt, bekommt UHU, weil der Laden das hat. Soll heißen, Hilfe bleibt immer pauschalisiert, allgemein, zeitbegrenzt, kostenpflichtig. Man darf sich nicht zu viel davon versprechen. Psychische Krankheiten haben viele Ausprägungen und entsprechend reichlich werden Diagnosen gelistet. Das täuscht darüber hinweg, dass nicht allen Menschen mit gleicher Fachlichkeit oder überhaupt Sympathie begegnet wird, die auffällig sind. Es kann unser Problem sein, auch vom Psychiater nicht gemocht zu werden. Sind wir in den Augen der anderen gefährlich krank, ein sogenannter „Gefährder“, dürften sich aber einige, noch viel bescheuertere Gutmenschen geradezu auf uns stürzen mit allerhand Fiesitäten. In jedem Fall gilt, niemand ist allein krankhaft gestört. Die sich für normal Haltenden sind in großer Zahl uns gegenüber gefährlich vernagelte Leute. Das muss man aushalten!

Und das meine ich mit Dummheit, die man auch lassen kann, wenn man seine Gefühle erst bemerkt, Wege findet, die befriedigen. „Nur Mut“ und „Never Underestimate Your Power“, das wurde mir gesagt wie allen – aber ich habe lange gebraucht, es zu verstehen. „Meine Hilfe käme vom Herrn“, befahl mir ein Pastor zur Konfirmation mit auf den Weg, und ich habe es geglaubt. Jedesmal, wenn etwas Kleines, Alltägliches nur schiefgeht bei mir, raste ich aus, weil niemand mich vor diesem Missgeschick bewahrte. Kein Herr hilft. Das allein ist meine „Krankheit“, und sie kommt vom Anfang meines Lebens her. Immer abwechselnd alleingelassen oder Einmischung habe ich erfahren, das nannte sich Erziehung. Mir wurde Unselbstständigkeit förmlich beigebracht, und ich bin nicht der Einzige, der sich selbst mit Leistung verwechselt. Das kann nicht durch Therapie korrigiert werden. Therapie suggeriert, dass der Therapeut gegenüber gesund ist. Dann soll ein Patient lernen, gesund zu werden? Das ist so widersinnig, wie Kindern in der Schule zu sagen, sie hätten die Krankheit „Kindheit“ oder wären eben dumm, weil sie „noch“ jung seien. So drückt man Menschen, die Schwierigkeiten haben, weiter runter, nimmt sie nicht ernst, hält sie in Abhängigkeit und das, wo ihre Krankheit darin besteht, dass sie Unselbstständige sind.

Machte man psychisch Erkrankten klar, dass sie nach der Behandlung einer kritischen Phase (wie etwa bei normaler Reha nach einem Autounfall) respektiert würden und zur Schule gehen müssten, damit es nicht wieder passierte, wäre schon einiges gewonnen. Das Wort Therapie bindet uns an das Wort Patient. Ein Lernender ist aber kein Patient, bloß weil er keine Ahnung hat. Ein psychisch Kranker macht dumme Sachen – das muss man doch sagen dürfen – und sollte diese im täglichen Verhalten wahrnehmen, um sich zu ändern. Selbstständigkeit bedeutet, auf eigenen Füßen zu stehen. Damit also nicht „der Körper streikt“, wie es so blödsinnig heißt, muss die Leitungszentrale merken, was sie an Unfug anbefiehlt. Widerstände spüren, sich leichter bewegen, ist aber gerade nicht, was ein Patient unter Medikamenten lernt. Dafür nützt keine Therapie, wenn das bloß zu reden heißt. Da bräuchte ein Patient die Bewusstheit, den Körper und überhaupt sich im Ganzen zu spüren und zu begreifen. Wem man sagt, er habe Soundso und würde deswegen therapiert, ist nicht selbstbewusst, sondern Hilfesuchender, schlimmstenfalls Befehlsempfänger.

# Glaube ist notwendiges Übel

Wer mehr daraus macht, seine Religion und entsprechende Überzeugungen täglich ableiert, herunterbetet, steht mit einem Bein im Wahn. So auch psychisch Kranke. Sie folgen fremden Stimmen, sind nicht frei von dem, was gesagt wird, orientieren sich an der Welt und nicht an sich selbst. Die Umgebung bemerken und ihr Sosein zu akzeptieren, genügt. Wer sich unterordnet, dass kein Gleichgewicht mehr zwischen dem großen Ganzen und der kleinen, eigenen Körperlichkeit erhalten bleibt, lässt sich von außen eindrücken, verbiegen und wird Beulen davontragen vom Herumgestoßenwerden. Die über die Maßen gläubigen und überhaupt gutgläubige Menschen sind Opfer, nicht stark durch ihren Glauben, den sie ständig beschreien müssen. Psychische Krankheit ist gleichbedeutend mit religiösem Eifer, identisch mit Fanatismus überhaupt. Das sind fremdgesteuerte Zombies. Darum funktioniert Therapie nicht: Der Psychiater ersetzt die bisherigen Stimmen durch seine. Er wird unersetzlicher Mentor, solange er sein Gegenüber als Patienten bezeichnet und dieses das akzeptiert. Eine Behandlung müsste sein wie ein Gips am gebrochenen Arm. Irgendwann ist mal gut. Das passiert viel zu selten. Misslungene Hilfe, dauerhafte Betreuung ohne echten Fortschritt liegt am theoretisch nicht haltbaren, am Symptom ausgerichteten System unserer Medizin.

Ganze Menschen sind mehr als die Summe ihrer Bauteile.

Es geht nicht gut zu sagen, der Kopf sei schuld und deswegen streike der Körper. Es hilft genauso wenig, umgekehrt zu meinen, der Körper streike und der Kopf sei machtlos deswegen. Menschen mit nur einem Bein seit der Kindheit übertreffen manche sportlichen Rekorde von Gesunden. So sollten wir uns sehen, wenn wir nicht klar kommen: als Behinderte. Ich habe eine Frau mit Prothese auf einem Stand-up-Board gesehen, die an einer Meisterschaft teilgenommen und gut abgeschnitten hat. Sie beschrieb im Filmbeitrag, was mit diesem mechanischen Bein nicht geht. Sie zeigte, wo die künstlichen Gelenke nicht hergeben, was normale Paddler beispielsweise in engen Slalom-Kurven abrufen, wie die starre Technik Nachteile mit sich bringt, die sie kompensieren muss durch Vorsicht in solchen besonderen Bögen, die die Regatta fordert. Sie fährt zu gleichen Bedingungen mit den normalen Sportlern. Sie habe es einfach gemacht, sich angemeldet, ohne groß vorher was zu sagen:

„Die haben das geschluckt.“

Das ist eine Frau, die, soweit ich es verstanden habe, deutlich vor dem Mittelfeld ankommt.

Sie hat einen streikenden Körper wenn man so will.

Und?

Diese Frau geht, mutmaße ich, nicht zum Psychologen, der ihr erklärt, wovon was kommt. Sie weiß, dass ihr Bein kacke ist, nur Ersatz. Sie kompensiert ihre Behinderung durch exaktes Nachspüren, was bei ihr trotzdem geht. Sie sagt nicht, das Eine komme vom Anderen. Sie arbeitet integriert mit sich selbst. Ihr Gehirn tauscht sich aus mit dem Bein, statt zu sagen, da wäre Revolution, Streik – geht nicht. Wenn bei ihr etwas nicht geht, sucht sie einen neuen Weg, um ihr Ziel zu erreichen.

Sie kann unser Vorbild sein.

Kausalität linear als Erklärung zu wollen, führt in das Paradoxon, dass es in einem begrenzten System wechselseitige Abhängigkeiten gibt. Da existiert keine Psyche isoliert und genauso wenig die Seele, von der in der Bibel die Rede ist. Niemand kommt anschließend seines Lebens in den Himmel. Ein Leben nach dem Tod gibt es nicht. Was soll das sein, ein geistiges Dasein, wo doch heutzutage so schön deutlich wird, wie blöde die Alten werden in ihrer Demenz? Was von ihnen soll bitteschön der Geist sein, der sie im Himmel ausmacht? Ist es ihr Wesen, ihr Charakter, so wie wir sie in ihrer Kindheit kannten, den mittleren Jahren, als sie beruflich voranstürmten – oder „irgendwie“ alles zusammen? Dieses Irgendwie, von dem die sogenannten Gläubigen ja wohl ausgehen, sollte uns stutzig machen. Begriffe, die sich Menschen ausdachten, mögen dem Intellekt nützen, damit wir uns verständigen können. Nicht selten werden Worte aber zum Instrument. Dann manipulieren geschickte Sprecher uns mit ihren spezifischen Ausdrücken.

So sind Prediger.

# Vorsicht!

Insofern kann man nicht behandeln, was nicht existiert und sollte neu zu denken lernen. Ganzheitliche Medizin fängt an bei unserer Bewegung im Raum. Nichts geschieht ohne Muskulatur. Wo das Gehirn mitbekommt, was seine Anstöße mit dem eigenen System bewirken, wird so ein Gehirn sich auf seine vernünftigen Möglichkeiten besinnen. Das erreicht kein Therapeut, der dem Gerede eines Irren zuhört oder ihm Ratschläge gibt, kleine Aufgaben für zu Hause. Das Geld für solches Gequatsche können Friedrich Merz und seine Regierung bestimmt woanders besser verwenden. Da bin ich ausnahmsweise einmal voll dabei, und ich habe diese Leute nicht gewählt.

Danke Friedrich!

🙂