Der Kapitän

Früher lasen wir Kinder „Tim und Struppi“ – von Hergé. Ich besaß alle Hefte. Sogar „Tim und die Alpha-Kunst“, dieses unvollendete letzte Album mit vielen Skizzen, kaufte ich mir umgehend nach seinem Erscheinen. Ich kannte Details der Entstehung und wusste, wie etwa „Die schwarze Insel“ neu gezeichnet wurde, weil die Briten sich an falschen Darstellungen störten. Die legendären Wutanfälle vom Kapitän Haddock inspirierten uns Geschwister auch, den eigenen Vater als „Haddock“ zu titulieren, wenn dieser sich lautstark aufregte. Das sollte schmeichelhaften Humor bedeuten und helfen, dass sich Erich (den wir tatsächlich beim Vornamen nannten) wieder einkriegte. Ich kenne es an mir selbst, wütend zu werden. Leider wahr. Vielleicht liegt es in unserer Familie? Erichs Vater war wirklich Kapitän, und zwar im Hafen. Auch dieser Vorfahre wütete. Das wurde erzählt. Nur ich von uns dreien allerdings trage einen Bart. Dieser ist zwar nicht in der richtigen Färbung so gesehen, um mich einerseits mit stilechtem Kapitänsbart gebührend zu schmücken und gleichzeitig den alten Schellfisch tauglich nachzubilden. Ich schätze mich aber glücklich, nicht grau zu werden! Den Maler in mir freut natürlich ebenso, weiter im Saft zu stehen! Da protzt man gern ein wenig: Der Künstler genießt in guten Klamotten. Eine leicht herbstliche Palette deutet sich an. Stimmige Farben beglücken, und als Besitzer einer kleinen Jolle gehe ich doch als „Schipper“ derselben durch.

Da weiß ich noch, Kapitän Haddock kaufte bekanntlich Schloss Mühlenhof. Durch Rackhams Schatz haben der Kapitän und Bienlein genügend Geld, um mit Nestor feudal zu wohnen. Bianca Castafiore kommt gern zu Besuch. Die Diva übt mit Wagner Tonleitern und gibt „Paris Match“ ein Interview.

„Ha, welch Glück, mich zu sehen!“

# Heute ein Schloss!

Man fühlt sich als kleiner König, wenn alle Sorgen freundlich zurücktreten: Unterwegs im schönen Norden rahmt die passende Kulisse das prächtige Bild. Wir leben in Frieden, können spazierenfahren und die Gegend genießen. Entspannte Stimmung im ruhigen Moment regt wohl an nachzudenken, wie gut es uns, wie gut es vielen in Deutschland geht. Das Motiv eignet sich auch, mal gepflegt so zu tun als ob –.

🙂