Die Ulmen und andere Arten sind gefährdet

„Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche“, könnte das hier auch betitelt sein, mein Thema. Die Feinde der Buchen muss man nicht lang suchen? Keine Holzfällergeschichte, aber eine Glosse für die freie Gestaltung will es sein und gegen den Zeitgeist geschrieben, der aus Kriegen und Verboten seine Tugend machen möchte. Wir definieren die Gegenseite, und los geht’s! Die anderen, das sind Terroristen, Gefährder, Sexisten oder eben die Bewohner vom „falschen“ Staat. Ich möchte da vorsichtiger bewerten.

Mir ist auch das Gute suspekt –.

Kein Themawechsel, jetzt zur Biologie: Die Ulmen sind Bäume, bedroht vom Pilz. Das „Ulmensterben“ ist dem Biologen ein Begriff. „Ulmensterben, auch bekannt als Holländische Ulmenkrankheit, ist eine verheerende Pilzinfektion, die seit dem frühen 20. Jahrhundert die Bestände dieser Baumgattung in Europa und Nordamerika massiv dezimiert hat“. Das erfährt ein Interessierter, wenn er den Begriff in die Suchmaschine eingibt.

# Bedrohte Arten sind ein Motiv für unsere besten Kämpfer

Beide Seiten rüsten sich: „Ministerin zielt auf die Nonnengans“, lautet eine Schlagzeile Ende März im Pinneberger Tageblatt. Dieser Vogel sei ein Übel, sagen Landwirte. Diese Gans scheißt ganz viel. Die Bauern wollen schießen. „Töten gegen das Koten“, möchte man schreiben. Alliterationen sind unsere ersten Kanonen, zunächst eskaliert der Streit in Worten. Es reicht einigen, gehöre sich, eine Erlaubnis hinzubekommen, den Plagevogel künftig ohne einschränkende Regeln endlich und effektiv zu bejagen, sagen immer mehr Betroffene, vom Schiet getroffene Ackerslüd. Die Landwirtschaftsministerin von Schleswig Holstein, Cornelia Schmachtenberg, unterstützt die Bauern. Sie hat einen Brandbrief an die EU-Kommission geschickt. Da fordert die CDU-Politikerin, dass die Nonnengans (zügig) als jagdbare Art in die Vogelschutzrichtlinie aufgenommen wird. Man glaubt es nicht, aber nicht alle sehen es so.

Wieder einmal: Der Nabu hält dagegen, pocht auf EU-Recht, das die Jagd nur in Ausnahmefällen zulasse. Ausgang ungewiss.

Auch das passiert:

„In einer Hamburger Einkaufspassage wurde eine Frau von einem Wolf angegriffen und gebissen. Das Tier wurde später aus der Binnenalster gezogen. Schon zuvor hatten Anwohner Wolfssichtungen gemeldet“, ist eine Schlagzeile der Nachrichten-Plattform „Welt“ vom selben Tag, und sie passt dazu. Der Wolf ist einerseits bedroht und genauso ein gefährliches Tier.

Nur die Ulme tanzt aus der Reihe meiner kleinen Aufzählung. Ulmen sind harmlos. Oder doch nicht? Noch eine aktuelle Schlagzeile:

„Strafen für manipulierte Fotos: Wie die Bundesregierung vor allem Frauen besser schützen will“

Und da sind diese Ulmen doch wieder.

Die bedrohte Art ist ein Pornograf. Er heißt vorn Christian und war mutmaßlich kreativ auf Abwegen. Seine Ex wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem Namen angefertigt zu haben und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. „Hintergrund der aktuellen Debatte über digitale Gewalt sind schwere Vorwürfe der Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der ,Spiegel‘ berichtet hatte“, schreibt unser Tageblatt. Deutschland sei ein „Täterparadies“, klagt Fernandes.

Jetzt passiert was!

Es gebe einen Entwurf für ein neues Gesetz, wird berichtet. Was steht drin? Die unerlaubte Herstellung und Verbreitung von Nacktbildern und von KI-manipuliertem Material – sogenannte Deepfakes – soll bestraft werden.

Da bin ich, wie sonst der Nabu, gefragt, denn hier ist ganz klar die Kunst eine gefährdete Art!

Ich fürchte mich vor euch, der gemeinen Masse. Ihr könnt nicht malen, aber nacktfaken. Wenn das verboten wird, ist es auch das Aus für die Meinungsfreiheit, die Kunst, das Bild an sich? Man muss damit rechnen: Das neue Gesetz kostet mich (und welche wie mich) die Existenz gleich mit. Wir müssen in den Untergrund, auf die Matratzen. Eine neue Ebene, der Keller unter dem Darknet wird unser sein. Man jagt uns Bildermacher wie die Nonnengans, ist meine Angst. Ich aber will beißen, unbequem sein und eure Pläne weiter vollkacken – wie dieser penetrante Vogel!

# Gute Menschen sind eitel, ich schäme mich nie!

Mitlaufen, das wäre ja noch schöner. Es gibt keine Gewalt ohne Gegenüber einfach so. Huhn oder Ei ist auch hier die unlösbare Anfangsfrage. Mir bleiben alle Demos suspekt, gebe ich zu. Herden blöken bloß den Zeitgeist. Tausende gehen auf die Straße, um Collien Fernandes beizustehen?

„Die Scham muss die Seite wechseln!“

Solche Schilder halten diese guten Menschen hoch. So ein Quatsch. Arschlöcher laufen immer mit und lachen sich noch kaputt innerlich. Eitel sind die Massen, wollen gesehen werden, zeigen mit dem Finger auch auf mich, das spüre ich genau. Meine Seite verdient Beachtung. Da wird nicht gewechselt. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und jeglich das Obst soll verboten werden. Das gibt kollektiven Vitaminmangel und bedroht mehr als eine Art. Das Leben selbst ist in Gefahr, das freie Denken. Ich halte einen Spiegel in der Hand, damit diese eingebildeten Demospinner sich selbst drin erkennen mögen. Das wird vergeblich sein? Man muss schon beim Nabu arbeiten oder sich trendy auf die Straße kleben, damit ein Begehren Aufmerksamkeit erregt. Wer mit Kugelschreiber einige Linien dahin strichelt, ist unwichtig. Na gut. Aber ich zeichne so gern und finde euch Frauen so blöde, das muss einfach sein. Ich bin für Ulmen und ja, für Putin bin ich auch! Man stelle sich den Trump und seine Amerikaner mal ganz allein als tatkräftige Macher vor, ohne Widerstand irgendwo. Da hätten wir in zwei Wochen den Weltfrieden, der amerikanische Präsident seinen Friedensnobelpreis, und es gäbe keine Presse mehr. Die hätten gar nichts zu berichten, wenn Moskau ein Vorort von Washington geworden ist und Netanjahu Statthalter in Teheran. Gut und Böse ist relativ, daran muss erinnert werden – und deswegen trete ich ein für böse Kunst.

Hose runter!

Sofort.

🙂