Keine Wahlempfehlung

Menschen lügen –, weil es möglich ist. Ich kann es nicht mehr hören, das Gerede von den Unrechtsstaaten, dem „Angriffskrieg“ der Russen und mehr davon. Wir sind die Guten. Na klar. Das wäre nur schön, wenn uns einfach genügte, gut zu sein. Durch das dauernde Wiederholen unserer besonderen Rechtsstaatlichkeit in jeder Lautmeldung verfälscht man die Realität, putzt manchen dunklen Fleck weg, kehrt einiges unter den Teppich, trägt die saubere Weste drüber.

Wir gewinnen das Bild unserer Umgebung durch Kommunikation und in der Regel eben nicht durch tatsächliche Inaugenscheinnahme. Das bedeutet manche Gewohnheit kritisch hinterfragen müssen, um die Unsicherheit zu kennen, die unser Weltbild kennzeichnet. Ältere schauen amüsiert auf den kleinen Hinweis „Live“, der gelegentlich im Fernsehbild neben dem Logo steht. Das Problem mit der Wahrheit zeigte sich schon mit der Erfindung der Langspielplatte. Ein Kritiker, der seinerzeit bei Horowitz im Konzert dabei gewesen war, bemerkte auf der späteren Platte, dass ein Spielfehler des Weltstars im Konzert (den jeder mitbekommen hatte), bereinigt wurde und konfrontierte den Musiker (oder die Plattenfirma) damit. Das habe ich in einer Biografie gelesen.

# Murke

Es sind nicht bloß böse Russen, die ihre Bürger belügen. Wir alle sind vom Fake bedroht. Das hat man mitbekommen. Deswegen sollten wir realisieren, dass jeder, der sein Gutsein noch extra betont, die eigenen Absichten tatsächlich verbergen dürfte. Die Welt in Gut und Böse aufzuteilen nivelliert, dass es sich um graduelle Unterschiede handelt, die also nicht schlagartig auch feste Grenzen bedeuten, weil Grenzziehungen oft nur Linien sind. Ein Strich auf Papier ist nur einer, und eine rote Linie auf dem Smartphone ist noch weniger als das.

Unser öffentlich-rechtliches Fernsehen sollte wahr sein, auch was die Darstellung der eigenen Vergangenheit betrifft. Jetzt bin ich zufällig auf einen Bruch in der Selbstdarstellung des betont seriösen Qualitätsfernsehens gestoßen.

Das möchte ich erzählen.

An einem Wochenende Anfang Januar kommt ein Bericht über eine Ehrung. Ausgezeichnet wird ein Kampfsportler aus Norderstedt. Der Mann betreibt eine Sportschule, und ich sehe also einen Bericht im Norddeutschen Rundfunk. Wenige Tage später probiere ich, mir das in der Mediathek noch einmal anzusehen. Mich interessiert ein Detail, das ich leider nicht richtig mitbekommen habe, weil ich an diesem Abend, als es im Fernsehen lief, abgelenkt gewesen bin. Wenige Tage sind vergangen. Da sollte möglich sein, die Information nachzuholen? Über die Bildersuche entdeckt man das Video gleich. Es lässt sich allerdings nicht anschauen. Da kommt beim Link ein „Oje“. Ein Fehler sei aufgetreten. Nach mehreren Versuchen finde ich nur ähnliche Sachen zu diesem bemerkenswerten Preisträger. Der spezifische Beitrag kann nicht angesehen werden. Ich verordne das Thema am Wochenende und beginne, mir einige Sendungen dieser Tage ganz anzuschauen, die ich noch in groben Zügen erinnere. Es ist ganz einfach. Das halbstündige Magazin im Fenster zeigt eine schnelle Vorschau der Inhalte auf dem darunter quer verlaufenden Balken. Ich kann den Bericht nicht finden. Ich erinnere, wie es losging. Zu Beginn wurde ein Bild von der Rumpfmitte eines Judoka im Hintergrund gezeigt. Die Moderatoren im Studio kündigten das Thema an. Sie meinten was von „schwarzer Gürtel“, so weit weiß ich’s noch.

Die Mediathek hält sämtliche Ausgaben der halbstündigen Sendung bereit. Da müsste es dabei sein. Die konservierten Folgen dauern typischerweise 29 Minuten. Eine Minute zur kompletten halben Stunde mag fehlen, weil Werbung vor dem Wetter oder Ankündigungen auf nachfolgende Sendungen nicht enthalten sind. Offenbar behält sich der Sender zudem vor, einzelne Themen (kommentarlos) nach Bedarf wieder zu entfernen? Die Sequenz vom Sonnabend des Wochenendes (wo ich den Beitrag wahrscheinlich gesehen habe), ist nur 24 Minuten lang. Das Gedächtnis des NDR hat Demenz. Es gibt keinen Hinweis auf einen fehlenden Beitrag, welche Inhalte fehlen oder die Gründe, weswegen die tatsächliche halbe Stunde verkürzt wiedergegeben wird. Denkbar wären Aussagen im Film, mit denen man sich vonseiten des Fernsehens nachträglich nicht mehr identifiziert oder ein rechtliches Ersuchen von Dritten, das Video nicht mehr zu zeigen. Ich prüfe interessehalber weiter in den Folgetagen. Inzwischen nähern wir uns der Januarmitte. Nun sind sämtliche Bilder des Beitrages verschwunden. Als hätte es das nie gegeben. Das ist Deutschland. Man muss unweigerlich an „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ denken. Heinrich Böll schrieb seine Erzählung vom Redakteur, der obenrum Paternoster fährt und Schweigeschnipsel sammelt, wohl auch, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass eine Konserve als solche nicht immer erkannt werden kann. Im polternden Aufzug erlebt Murke bei dessen Wende ganz oben im Halbdunkel die tägliche Portion Angst. „Die einzig unverputzte Stelle vom Funkhaus“, schreibt Böll ironischerweise. So gesehen das wahre Gesicht. Es ist heute Standard, dass es in den live gesprochenen Nachrichten heißt, wenn eine Persönlichkeit aus der Politik oder ein Spezialist zugeschaltet wird: „Das Gespräch haben wir aus technischen Gründen vor der Sendung aufgezeichnet.“ Ein freundlicher Hinweis an den Zuschauer, der uns gnädigerweise noch gegeben wird. Man würde es andernfalls gar nicht bemerken. Schon in naher Zukunft dürften Wirklichkeit und Kommunikation in nie dagewesener Weise verschmelzen.

Wir akzeptieren in der Regel, aber nicht alle glauben einfach, was ihnen so vorgesetzt wird. Spontane und unbedachte Äußerungen können nachträglich elegant korrigiert werden. Sogenannte alternative Fakten sind überall unterwegs, sich in manchen Kopf zu brennen und nicht nur dort, wo sie, publikumswirksam bloßgestellt, den Anschein erwecken möchten, bei uns gäbe es das hochglänzende Mogeln mit der besten Verpackung nicht. Das Bild, das wir von einem Politiker gewinnen, der sich zur Wahl stellt, ist durch Plakate, Filme und sonstige Lautmeldung geprägt. Nur äußerst selten lernen wir so jemanden persönlich kennen, dem wir doch unser Vertrauen schenken sollen. Ein Herumalbern und Lachen zum falschen Zeitpunkt, wenn es im Video festgehalten wird wie bei Armin Laschet, kann eine Wahl entscheiden. Die Wirklichkeit dahinter kennen wir nicht. Man meint, Bescheid zu wissen aufgrund einer Aufzeichnung, prüft nicht weiter nach, wenn die Meinung erst steht.

Menschen reden von „Lügenpresse“, mich wundert es nicht. So genannte Querdenker werden als „verschwurbelt“ lächerlich gemacht. Das ist ein gefundenes Fressen für Populisten, dem verwirrten Haufen die neue Richtung zu weisen. Vom verletzten Völkerrecht reden nicht wenige (können dieses Recht aber nicht durchsetzen). Von den Kriegsverbrechen der Russen sprechen unsere Medien oft. Es verwundert, dass die Ukraine einen dagegen sauberen Krieg führt, es sei denn, man glaubt das. Die Gräueltaten der israelische Soldaten sind offensichtlich. Sie lassen sich nicht als Terror einordnen? Die Gegenseite, die auch unsere sein muss, weil Israel geschichtlicher Partner ist, hat bereits den Status des Terroristen zugewiesen bekommen. Jetzt weiß niemand mehr, was richtig ist? Eine Politik, die sich selbst zur moralischen Instanz erklärt, muss an dieser Paradoxie von Gut und Böse scheitern, die noch angefacht wird durch Aktionismus. Das zersetzt unser Land von innen heraus. Wir klagen eine Seniorin der Mitschuld am Massenmord der Juden an, weil sie als junge Frau im Lager die Schreibmaschine schrieb. Ein symbolisches Urteil, gut gemeint aber mit fatalen Folgen. Bislang unpolitische oder neutrale Menschen wechseln ins Lager der Trotzigen. Selbsterklärt gute Politiker prangern China an, Nordkorea und manches Verbrechen im Ausland. Das Ergebnis ist nicht das gewünschte, mehr Menschen zweifeln an der Aufrichtigkeit des eigenen Systems. Wir verlieren den Blick auf unsere demokratische Qualität, weil sich jeder als fehlerlos verkaufen muss, der eine Leitungsfunktion innehat. Wer Schwäche zugibt, ist weg vom Fenster. Transparenz zwingt die Leute zum Lügen und dem Aufsuchen von nicht einsehbaren Schutzräumen.

Obwohl man weiß, wie gefährlich Desinformation für jemanden ist, der auf solcher Basis Entscheidungen trifft, setzen Sicherheitskräfte verstärkt auf verdeckte Ermittlungsarbeit. Manipulation fällt nicht selten auf. Getarnte Einflussnehmer übersehen nur zu gern, wie irre die Reaktionen ausfallen, wenn der Observierte paranoid darauf reagiert. Da bleibt nur der Schluss, man will das so. Polizeiliche Kräfte fühlen sich insgesamt im Stich gelassen? Man kennt ihre Klagen. Wenn’s keine Schlagzeilen gäbe, sparte man noch mehr am Apparat, glauben einige im System (darf unterstellt werden), die skrupellos genug sein dürften, Terror als nützlich zu begreifen. So gesehen unterstreicht alltäglicher Amok die Wichtigkeit der Polizei.

In den Augen der Bevölkerung ist es so, die Gründe für Frustration schaffen die jeweils aktuell Regierenden. Die Machtlosigkeit einer Regierung, mit ihren jeweiligen Problemen klarzukommen, nimmt der Wähler ihnen übel. Weder die Aktion der Liberalen, das Bündnis zu sprengen noch der hilflose Bundeskanzler, im Versuch seinerseits „sittliche Reife“ einzufordern, machen eine gute Figur. Der oft offen im Amt als nicht geeignet bezeichnete Wirtschaftsminister wird mit seinen Grünen zum lachenden Dritten bei diesem Streit. Das macht die Zukunft nach der Wahl nur komplizierter. Mir jedenfalls ist der Humor vergangen. Nach der anstehenden Bundestagswahl könnten wir (wie Österreich) einen Wahlgewinner ganz rechts haben. Die sich dem gegenüber als demokratisch bezeichnenden Parteien müssten eine Koalition der Gegensätze schmieden. Wie lange diese Verbindung dann hält, ist ungewiss und das Ganze vom Scheitern bedroht wie die geschmähte Ampel. Der Bundeskanzler wird nach seiner Nominierung gefragt, was er besser machen will? Er bekräftigt seine Absicht, Geld zu schaffen, um einerseits die Ukrainehilfe unvermindert fortsetzen zu können wie sämtliche sozialen Projekte zu Hause. Man kann weder Geld noch Arbeitsplätze erschaffen, halte ich dagegen. Firmen benötigen notgedrungen Angestellte, wären gern effektiver und glücklich, wenn sie mit weniger Menschen im Betrieb auskämen.

Sie erschaffen keine sozialen Tummelplätze.

# Die Aufgabe der Kunst

Das prägt, schafft Meinung, treibt unsere Kreativität an, die Perspektive einer selbst gestalteten Zukunft: Meine Eltern, wir hatten einen Laden. Ich habe zwar nie begriffen, selbst gute Geschäfte zu machen aber gelernt, Unternehmer treiben das Land an. Sie sind unverzichtbar. Manager kalkulieren mit Blick auf den Gewinn. Sie sind nur soweit sozial eingestellt wie unbedingt nötig. Selbst kreiertes Geld der Regierung bleibt ein Fake. Natürlich kann man auf die Schulden anderer verweisen und das eigene Darüberstehen durch solide Politik früherer Jahre. Deswegen überall mit Wumms das Geld rauszuhauen, überzeugt nicht lange. Subventionen in die Wirtschaft und höhere Steuern für Spitzenverdiener dürften kaum Anreize sein für Systeme, die bereits konsequent ins Ausland abwandern. Es wird mehr Chaos geben als ohnehin schon. Der Ruf nach einer harten Hand kommt. Dann dürften künftige Regierende offen gewalttätig werden, lustvoll und willkürlich handeln, sich die Taschen voll stecken nach dem geschichtlichen Vorbild mancher Diktatur. Wer an die Demokratie glaubt, sollte diese durch seine Bereitschaft mitzumachen unbedingt unterstützen. Auf mich muss die Gesellschaft verzichten. Da bin ich nicht dabei. Mir ist jeder Glaube abhanden gekommen. Frust und Wut bleiben.

Eine persönliche Erfahrung: Man kann wohl nicht erwarten, dass jemand die Hand weiter küsst, die ihn schlägt, wenn die Erkenntnis unübersehbar zeigt, wessen Hand die böse ist, die vom Staat. Mein soziales Engagement für diese Gesellschaft, also ein Miteinander für die gute Sache, unser Land, unsere Demokratie geht heute gegen Null.

Ich bin Einzelkämpfer.

Ich arbeite hier unentgeltlich, schreibe für meine Sache, verfolge meine Ideale, trotze dem Stream. Zum Jahresbeginn würdigt unsere Dorfzeitung Ehrenamtler. Das sind schon mal Artikel, die ich überblättere. Nach besonderen Erfahrungen mit diesem Unkraut, das nicht selten die Plätze besetzt, wo Preise vergeben werden für freiwilliges Engagement, kotzt mich vieles nur noch an. Große Themen sind auch drin im Käseblatt nach Neujahr. Auf Seite drei resümieren Schleswig-Holsteinische Abgeordnete zum Ampel-Aus. Wie sich’s anfühlte, als sie davon mitbekamen, davon berichten die Politiker unseres Bundeslandes im Pinneberger Tageblatt. Sie beschreien die Erfolge, die ihre Koalition für unser Land erarbeitet habe nach Merkel, nach der Großen Koalition, und es ist beschämend. Das waren Erfolge? Man mag es hier im Detail nicht wiedergeben. Eigentlich werden die Gründe aufgelistet, warum wir Wähler die Schnauze voll hatten von denen. Fazit, nicht nur die Sicherheitskräfte belügen die Bürger, die Politiker tun es, die Ehrenamtler protzen mit ihren Helferdiensten, und natürlich erkenne ich meinen eigenen Fehler: Ich gefalle mir im tumben Trotz.

Ich mache gar nichts mit.

Ich male, ich schreibe und gehe einkaufen. Bald ist noch dran, mit dem Boot weiterzumachen, die Winterarbeit. Mein schönes Leben ist nicht Faulsein. Warum wählen? Es gibt keine Alternativen, aus denen sich eine auszusuchen lohnte! Hätte ich einen Betrieb, wählte ich die Konservativen. Das müsste ich auch ohnehin als Mensch, da die drei Parteien der Ampel, die Politiker unserer Regierung so unglaublich albern agieren, dass die ganze Welt spottet. Vielleicht verhindern zukünftige Staatenlenker die Abwanderung unserer Industrie, der Leistungsträger ins Ausland? Man könnte die Wirtschaft allein damit beleben, dass der zuständige Minister und sein Kanzler die Leute dahingehend durch Kompetenz überzeugen, Vertrauen zurückgewinnen durch im Ressort klug loslegende Politiker. (Eine winzige, extra Glosse innerhalb vom Pamphlet sei mir an dieser Stelle noch gegönnt: Die großen Themen unserer Gesellschaft, bessere Akzeptanz queerer Menschen, Freigabe von Cannabis und das Recht auf vollumfängliches Gendern wurden ja bereits in dankenswerter Weise von der Ampel gelöst. Man versprach uns, manches machen zu können, Gas nicht aus Russland, aber mit dem Arsch, ein Heizungsgesetz, das glücklich macht und die geile Pflegereform; nur mit dem Selbermachen von neuem Kapital hat es nicht geklappt. Hätte unser Olaf seinen Goldesel mal was dauerhaft Richtiges kacken lassen für seine Wummse, wählten die Deutschen ihn wohl bis ans Ende aller Tage. Er wirkt souverän, weil er an sich glaubt). Die bisherige Opposition würde, wenn sie denn zukünftig regierte, die Probleme mit der Migration und der inneren Sicherheit anpacken? Das wäre zu wünschen. Das Ergebnis dürfte aber gerade mir als Freigeist nicht passen. Da werden weitere Schritte zum Abbau der Demokratie betrieben, wie es weltweit geschieht. Und denen in Blaurot wird es nie weit genug gehen und den Ochsen, die bei uns Bullen sein wollen, auch nicht.

Da mal’ ich mir was.

# Das letzte Fenster

Meine Zelle ist hier. Die Tür steht offen. Das Fenster ist nicht vergittert. Einer wie ich müsste nicht als Hobbymaler pinseln. Ich bin erst sechzig Jahre alt, wäre vital genug, eine grafische Arbeit zu tun, die Geld einbrächte, Steuerabgaben erforderte, weil die Allgemeinheit solche Kunst schätzen dürfte. Ich verweigere mich dem ganz bewusst und mache Dinge, die niemand will mit voller Absicht. Mich provoziert die Ignoranz der Umgebung, die ihren Gewohnheiten treu voran trottet, Menschen kränkt durch Denunziation, lügt, mobbt. Ich habe kein Vertrauen mehr in andere.

Das Dorf, solche Leute hier machen das Denken hart und den Menschen bereit zum Verzicht. Die Politik spiegelt im Kleinen, was Berlin, die Welt sein dürfte. Es hat mich verändert. Der Ärger bleibt. Warum sollte ich Olaf Scholz unterstützen, wenn dieser Kanzler Dinge verspricht, die er niemals ausgestalten kann? Er glaubt scheinbar, als Regierungschef könne er Spielgeld für bare Münze nehmen und damit bezahlen. Weshalb sollte Friedrich Merz gelingen, was dem bisherigen Kanzler zu schwierig wurde, Menschen mitzunehmen? Die Finanzierung der großen Projekte Ukraine, Wirtschaft, Soziales hinzubekommen, benötigt eine geschlossene Haltung der künftigen Regierung. Das heißt, entschlossen zu sein, wozu auch immer, reicht nicht. Und Habeck? Grüne Politik scheitert immer wieder daran, dass nicht alle mitmachen bei Projekten, die auf Verzicht und erzwungener Veränderung basieren. Fordert man uns Auflagen ab, gehen die, die es können, weg ins Ausland. Firmen schreddern die Küken anderswo. Reeder flaggen ihre Schiffe aus. Betriebe produzieren ihren Stahl, wo es günstig ist usw. – und der Rest weigert sich mehrheitlich, stellt sich schließlich gegen seinen Moses. Das gelobte Land ist ein Kriegsschauplatz.

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“

Das sagte John F. Kennedy. Das berühmte Wort motiviert mich nicht mehr. Der es sagte, wurde erschossen. „Das WIR gewinnt“, ist ein Slogan der Lotterie Aktion Mensch. In der Werbung heißt es: Ein Los bietet zwei Chancen: sich eigene Wünsche zu erfüllen und sich gleichzeitig sozial zu engagieren. „Wir“ ist auch der Titel eines Buches von Frank-Walter Steinmeier. Es ist so unbekannt, dass es in der Ratesendung „Wer wird Millionär“ gut dotiert im Ranking als Frage platziert war:

„Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier veröffentlichte 2024 ein Buch mit welchem Titel?

A: Ich

B: Du

C: Wir

D: Sie

In einem Resüme zur Sendung, die ich zufällig gesehen habe, finden sich diese Zeilen:

„Doch bei 32.000 Euro verließ sie dann doch der Mut. Bei der Frage, wie das neuste Buch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (69) heißt, konnte ihr Telefon-Joker, ihr ehemaliger Geschichtslehrer Marko Polak, nicht mit Sicherheit weiterhelfen. Laetitia Richter entschied sich, nicht zu zocken, nimmt vorerst die 16.000 Euro und hofft auf das gute Herz von Günther Jauch, dass er sie am Freitag, in der Final-Show, noch mal auf den Stuhl einlädt.

Leider kein Gewinn!

„Das wäre ihr Gewinn gewesen“, so lautete ein anderer bekannter Ausspruch einer Show, wenn es nicht geklappt hatte für die Kandidaten. Daran denke ich, wenn ich mir über die Chancen klar werde, die ich im Leben verpasste. Man verlässt die Bühne und fragt sich, wohin es noch gehen könnte? Warum könnte mir nützen, die örtliche Politik durch Mitmachen zu beleben nach meinen Erfahrungen mit denen hier im Amt, im Turm da oben? Warum sollte ich noch wie bisher ehrenamtlich die Kirche unterstützen, wenn diese Leute es sind, die mich doch offensichtlich anpissen wie ihren Stephanus?

Ich richte aus Trotz den einfachsten möglichen Schaden an, den ich hinbekomme, bislang noch ohne zum eigenen Nachteil zu handeln durch Nichteinbringung in die Volkswirtschaft. Meine Kunst ist am persönlichen Lustgewinn definiert, folgt einer Meinung, die nur ich allein als richtig erkenne, wird notfalls auch ohne Öffentlichkeit schaffbar sein? Ich empfinde mich weiter als angegriffen, beobachtet, manipuliert. Das ist nicht leicht auszuhalten im Restaurant oder beim Mitfahren im Bus, Menschen zu bemerken, die, während sie reden, alle Augenblick verstohlen zu mir rüber schauen. Solche wollen kein Autogramm. Es ist Tratsch oder schlimmer, böse Absicht und bestimmt nicht meine Einbildung, dergleichen zu registrieren.

Ein guter Grund, das Weite zu suchen. Der Mensch benötigt seine Perspektive. Mich treibt die Fantasie, alles kaputtzumachen, es noch als Triumph werten zu können, das Portfolio zu löschen, schließlich die Originale zu vernichten, ein großes Œuvre absichtlich der Nachwelt vorzuenthalten. Ich genieße die Vorstellung von Rache an der Gesellschaft durch radikalen Weggang. Gedanklich schon unterwegs gehe ich jeden Tag weiter meinen Weg raus wie die alten Raumsonden der Nasa, die inzwischen unser Sonnensystem verlassen haben und unsinnigerweise eine Infotafel an Bord mit sich führen, die unsere Zivilisation den Aliens schmackhaft machen möchte. Ich fliege nicht mit Elon oder den anderen bekannten Lautsprechern. Ein alter Raumfalke müsste her! Weg hier, immer weiter weg will ich. Notfalls per Anhalter: Man benötigt ein Handtuch dafür? Das habe ich in einem Roman gelesen. Ein Handtuch wird sich finden lassen.

Ein Bleistiftstummel genügt mir ansonsten.

🙂