Das schöne Projektil

Der Zorn packt mich regelmäßig, nötigt mir einen Text ab, hilft, am Platz zu bleiben. Eine Wutrede mit Ansage: Meine Bilder verstören und überhaupt meine Haltung mag sexistisch sein, frauenfeindlich? Das war ja nicht so. Ich habe mich zu dem entwickelt, der ich heute bin. Mich hat die Gesellschaft abgewatscht, gemaßregelt. Diffus manipulieren wollten mich welche, ich könne mutmaßlich „irgendwie“ gefährlich sein? Sie haben eine schöne, kluge junge Frau zum Spitzel prostituiert. Nachdem es brenzlig wurde für diesen verschworenen Haufen, konnten die ihr eigenes Falschsein nicht zugeben. Meiner vermeintlichen Freundin geht es so gut nicht mit ihrer Rolle scheinbar. War das den sauberen Strippenziehern, die sie instrumentalisierten, egal?

Kanonenfutter.

Damit nicht genug, neue Mädchen mussten verheizt werden. Die haben mir nichts bedeutet und den Weltrettern auch nicht. Jahrelanges Fangespiel ohne Erfolge zermürben sämtliche Kriegsparteien. So habe ich das erlebt. Weil es Menschen einfach schien, ob der Wahrheit, dass ich psychisch erkrankte in der Vergangenheit und das bekannt ist, probierten nicht wenige, sich zusammenzurotten, mich zu piesacken. Das steht fest. Ich bin stärker heute, aber dauerhaft beschädigt genauso, kenne meine Achillesferse. Meine Fehler sind bekannt. Ich verberge mich nicht. Verdeckt operieren die Guten. Sie lügen täglich.

Ich bin tatsächlich gefährlich, eine bösartige, neurotische Attacke ist jederzeit erwartbar, wenn jemand den entsprechenden Nerv trifft. Ich muss nicht krank sein, um deftig zuzuschlagen und empfinde keine Reue gegebenenfalls. Ich bin körperlich schwach, untrainiert und schrecke dennoch nicht zurück vor spontaner Gewalt. Mindestens derbe Beleidigungen haue ich raus, wenn ich begreife, verarscht zu werden. Ich sehe mich außen vor, habe mich ausgrenzen lassen, der Klügere gibt nach. Ich mache nirgends mehr mit. Selbstredend gehe ich zu keiner politischen Wahl. Die Welt retten dürfen andere. Natürlich unterstütze ich die Polizei nicht im Falle meiner eventuell benötigten Mithilfe bei irgendwas. Mein Vertrauen in die allgemeine Ordnung ist dahin. Alle leiden, wenn der Rechtsstaat Schaden nimmt, mich aber hat das Land verloren. Ich schaue einfach zu.

Einen Polizisten sehe ich an als jemanden, der immer lügt. Die Kripo verbirgt sich und ihre Motive. Das kann man beim Krimischauen im Fernsehen interessant finden. In der Realität werden alle noch vorhandenen Ideale beim Anvisierten zerstört. Menschen wie ich, wir können nicht mehr anständig sein. Um möglichst Beute zu machen, korrumpiert der Beamte grundsätzlich und immer wieder seinen Dienst an der Gesellschaft. Davon bin ich überzeugt. Er ist der Freund und Helfer nur für die, die er nicht verdächtigt. Der Ordnungshüter kann nicht sehen, dass im Rechtsstaat das Urteil erst im Gericht fällt. Das Blindwütige solcher Jäger zu begreifen, hat mir jede positive Mitarbeit für unser System unmöglich gemacht, da ich, als unter Verdacht Geratener, nun jeden Polizisten (und wer sich für einen hält genauso) verdächtige, nämlich des Missbrauchs seiner Macht.

Alles Gute ist mir suspekt geworden. Ich blockiere. Es ist ja klar, dass mir etwa die Mülltrennung egal ist und die grüne Idee überhaupt. Ideale sowieso sind mir wurscht. Ich glaube nichts mehr. Gott ist tot. Keine Empathie. Mir gehen andere Menschen in der Regel am Arsch vorbei, und ich tue bloß freundlich, weil sich’s damit leichter lebt.

Ich bin scheißfreundlich zu meinen Nachbarn, stelle gern die Mülltonne raus, wenn das dran ist oder nehme die Pakete an für die anderen, die arbeiten müssen. Ich selbst muss kein Geld verdienen. Ich habe geerbt, weil meine Familie mich zwang, alles zu verkaufen, wofür ich (für sie mit) gearbeitet habe. Die sind faul, böse und möchten aber gute und klug wirkende Menschen sein? Sie haben eine verschworene Gruppe gebildet, wollten nur das Geld.

Wir reden nicht mehr, und das ist auch gut so.

Im Dorf gibt es genügend Leute, die meine Aktivitäten anerkennen. Mir tut das sehr gut. Ich bin zu Hause angekommen. Der Fisch stinke vom Kopf, heißt es, und hier stimmt das. Das Geschmeiß der städtischen Verwaltung und seine sauberen Preisträger im Ehrenamt verspotte ich, wo’s geht. Sie möchten nicht als Mob betrachtet werden, weil sie ja würdige Träger der Welt sind? Der Wind gegen die Politik weht härter heute allgemein. Das haben sie verspielt, das Vertrauen der Bevölkerung und meines sowieso. Politiker, Polizisten, Ehrenamtler, Ärzte, sie konnten mich ändern und nicht zum Guten, würde ich sagen. Mir gefällt mein destruktiver Ansatz. Das gibt mir ein Stück weit die psychische Gesundheit, die ich so nötig brauche für meine andauernde Verteidigungshaltung. Selbstredend sind neue, echte, tiefe Beziehungen undenkbar und schon gar nicht zu Frauen. Neue Liebe geht nicht, nie wieder, weil ich nicht mehr daran glaube. Die Luftschlösser der anderen, mehr ist es nicht. Ich kann gute Umgebungen ausgestalten, das ist wenig romantisch. Meine Zärtlichkeit ist Eigennutz, gebe ich zu. Mir gefällt das Langverheiratetsein tatsächlich. Ich tue viel dafür, dass es uns gut geht hier zusammen. Der kleinste Kreis stimmt.

Das habt ihr erreicht (die aus dem Turm und ihre Freunde). Schönen Dank dafür. Ihr habt ein Mädchen verheizt für eure Machtdemo, habt mit hochtechnisiertem Geschütz auf mich geballert, sonst was den Leuten erzählt, was ich anstellen könnte? Leicht, weil ich sichtbar auf dem Präsentierteller stehe mit meiner naiven Malerei, meinen offenen Worten. Die dicken Fische kriegt der Staat ja nicht. Die lässt man laufen. Ich sollte im Netz zappeln. Frische und Gesundheit haben überall Schaden genommen, glaube ich. Und das ist nicht meine Schuld. Ich freue mich, wenn es anderen schlecht geht, die ich nicht mag. Das ist kein feiner Zug, noch einer. Ich bin ein schlechter Mensch geworden und zufrieden.

Ich kann leben damit.

🙂