Das schöne Projektil

Der Zorn packt mich regelmäßig, nötigt mir Text ab und hilft, am Platz zu bleiben. Eine Wutrede mit Ansage: Meine Bilder verstören und meine Haltung mag sexistisch sein, frauenfeindlich? Das war ja nicht so. Ich habe mich zu dem entwickelt, der ich heute bin. Mich hat die Gesellschaft abgewatscht, gemaßregelt. Diffus beeinflussen, heimlich kontrollieren wollten mich welche. Ich könne mutmaßlich „irgendwie“ gefährlich sein, war das Motiv. Es nötigte diese Leute, sich zu organisieren. Sie haben eine schöne, kluge junge Frau zum Spitzel prostituiert. Nachdem es zu brenzlig wurde für den verschworenen Haufen, konnten sie ihr Falschsein nicht zugeben.

Meine vermeintliche Freundin ist unglücklich mit ihrer Rolle. So kommt mir das vor. Sie wurde instrumentalisiert. War das den sauberen Strippenziehern egal?

Kanonenfutter.

Damit nicht genug, neue Mädchen mussten verheizt werden. Die haben mir nichts bedeutet und den Weltrettern auch nicht. Helfer helfen vor allem sich selbst. Warner möchten dramatisch wirken. Ein Drama zieht seine Erfinder unweigerlich mit hinein in ein Netz, wie das Internet alle zum Mitmachen zwingt. Es wird für die einzelnen Autoren immer schwieriger, die Kontrolle zu behalten, je mehr Faktoren sich multiplizieren und zu eigenständigen Entscheidern werden.

Wo Manipulation auf Intelligenz trifft, ist das Ergebnis toxisch. Die Entwicklung gerät außer Kontrolle. Wer mit Gift hantiert, muss sich vorsehen! In einem bösen Spiel betritt der Tod wie leibhaftig selbst den Plan. Er wird zu einem eigenständigen Akteur, dessen Wege nicht voraussagbar sind. Mancher meint, den Schikanierten nach Belieben zu triezen? Überhebliche Strippenzieher merken nicht, dass ihre Figur eigenständiger wird. Die Fäden legen sich scheinbar wie nebenbei in Schlingen. Diese Augen ziehen sich zu mit einem Ruck, wenn eine unerwartete Wendung alle Pläne zu Makulatur werden lässt. Falls eine geheime Idee durchsickert, ist sie vollkommen entwertet. Wer am Galgen baumelt, könnte das spät mitbekommen …

Den schwarzen Peter weiterzureichen, das ist nur eine harmlose Karte. Eine tickende Zeitbombe aber, die dir einer unbemerkt antüdelt, wird Panik auslösen. So eine Dynamik bedeutet schließlich, dass niemand weiß, wie die Sache weitergeht.

Es stört Populisten nicht, dass die von ihnen in Kenntnis meiner mutmaßlichen Abnormalität gesetzten jungen Frauen wie paralysiert sind?

Nicht alle lassen sich bequatschen. Einige sind mutiger und erlauben sich manchen Prank. Jahrelanges Fangespiel ohne Erfolge zermürben sämtliche Kriegsparteien. So habe ich das erlebt. Weil es Menschen einfach schien, ob der Wahrheit, dass ich schon mal psychisch erkrankte, probierten nicht wenige, mich zu piesacken. Das steht fest. Mehr als paranoide Ängste, unterscheiden sich Elefanten im Porzellan von der Fata Morgana einer diffusen Bedrohung. Dumme Spione sind lächerlich im Vergleich zum gewohnten Bond im Film. Eitelkeiten finde ich fehl am Platz, wo gute Polizeiarbeit gewünscht ist. Mich konnten diese fadenscheinigen Freunde, von sich so überzeugte Leute sind es offenbar, gerade durch ihre wiederholten Blödheiten ändern. Ich bin dadurch stärker geworden, aber dauerhaft beschädigt und kenne meine Achillesferse. Meine Fehler sind bekannt. Ich verberge mich nicht. Verdeckt operieren die Guten. Sie lügen täglich.

Ich habe Feinde und das, weil ich Fehler machte, ja.

Meine Gegner, wer genau das ist, weiß ich nicht. Ich tippe auf unsere Polizei. Das möchte ich mal erläutern. Eine lange Geschichte mit viel Rauch und keinem Feuer. Wer hier liest, geht meine Umwege gern mit. Die anderen steigen besser aus aus einem Text, der mäandert wie ein langer Fluss. Das ist ein Strom, mein Redestrom, der eigenwillig abschweift, sich Zeit lässt für manche Biege, sie umständlicherweise noch mitzunehmen. Immer neue Gedanken schmücken dieses Tagebuch.

# Eine Reflexion bestenfalls soll es sein

„Eine gute Reflexion analysiert persönliche Erfahrungen, Verbindungen zu Theorien und zukünftige Handlungsoptionen. Sie strukturiert sich in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Zentral ist die kritische Reflexion des eigenen Handelns statt bloßer Inhaltsangaben, formuliert in sachlicher Sprache.“

So schreibt Google das irgendwo ab: „Übersicht mit KI“, und liefert einen schönen Happen, den ich gern voranstelle. Eine geordnete Struktur kann ich kaum bieten. Mehr ein Sammelsurium von Einfällen ist es geworden. Ich habe eine Erfahrung gemacht, und das ist die Geschichte dazu, eine Geschichte. So ähnlich beginnt ein Lieblingsbuch von mir.

„Mein Name sei Gantenbein“, Max Frisch.

Mir ist bewusst, wie sich alles verändert, was war, wenn man dafür Worte sucht und die Erlebnisse schließlich aufschreibt. Edward Hopper musste ebenfalls hinnehmen, dass jede Malerei sich während der Arbeit verselbstständigt, das Thema Anpassungen erfährt, die so ursprünglich nicht geplant waren. Hopper ging gut vorbereitet ans Bild. „Wenn ich mich an die Staffelei setze, ist alles erledigt.“ Er dachte lange nach, malte erst, wenn er wusste, was er wollte.

Beneidenswert finde ich das.

„Viele Wege führen nach Rom“, ist gegebenenfalls ein Rat, der helfen kann, sich nicht einschüchtern zu lassen von den Helden, mit denen man uns üblicherweise das Maul stopft. Es sei der Jugend empfohlen, frühere Generationen zu erforschen, wie die Menschen damals dachten. Ich habe viel gelesen. Das hilft mir heute täglich.

Im Auge der Gesellschaft nagelt diese mich fest auf ihr Bild, das den Leuten nützlich ist für ihre Ansichten. Das Naheliegende meiner eigenen Wahrheit interessiert die Umgebung nicht? Mich hat immer umgetrieben, einen Grund zu finden, warum ich nach dem Studium krank wurde. Die ersten vier Schübe meiner Krankheit waren heftig, geschahen im Abstand von nicht einmal zwei Jahren und zwangen mich, therapeutische Hilfe anzunehmen. Man redet mit dem Arzt, wirft wie angeraten die Pillen ein und wird trotzdem weiter regelmäßig krank. Das kann es doch nicht sein. Einmal sagte ich in diesen Gesprächen zum Psychiater: „Wenn ich das selbst machen kann, psychotisch zu werden, weiß ich, wie es passiert.“ Der beste Gedanke, der klügste Einfall war das, würde ich heute sagen, aber der Arzt reagierte irritiert. Er hatte es nicht begriffen.

Als es mir schon besser ging, die Schübe großabständiger und harmloser daherkamen, ich verheiratet war, stellte ich in Schenefeld im Rathaus meine Bilder aus.

Der Arzt und sein Nachfolger, der mich behandelte, seitdem der Kollege vor ihm Rentner geworden war, kamen zur Vernissage. Ich hatte beide eingeladen und fand das sehr nett. Wir gingen anschließend zusammen noch in das Atelier einer Freundin und ließen den Tag mit ein paar Leuten ausklingen. Ich hatte im Zug nach Stuttgart ein Heftlein der Bahn gelesen mit einem Interview und erzählte ihnen davon. Ich sagte, da wäre eine Frau in Schweden Psychotherapeutin geworden, die angab, ihre eigene schizophrene Erkrankung überwunden zu haben. Auf die Frage, was sie typischerweise ihren Patienten mit auf den Weg gebe, weil sie besondere Erfahrungen einbringen könne, hatte die geantwortet:

„Ich fordere meine Patienten auf, nach dem Grund für ihre Krankheit zu suchen.“

Ich glaubte, etwas Kluges zu meinen Ärzten gesagt zu haben, als wir privat zwischen Farben und Bildhauerei plauderten, hatte mich aber getäuscht.

Da gebe es „viele Gründe“, meinten beide, gingen kaum drauf ein. Privat vor Ort waren sie nicht gewillt, sich zu erklären. Mich hat es weiter beschäftigt. Meine Antwort heute ist, es geht nicht, allein mit sich selbst psychotisch zu erkranken. Das ist ein fundamentaler Gedanke, und ein Patient denkt diesen zunächst nicht, weil klar scheint, dass er derjenige ist, der das Problem hat. Der Kranke ist der, der sich ändern soll und das in einer Therapie lernen muss. Dies ist unser gesellschaftlicher Ansatz. Das ist nur soweit richtig, wie einer die anderen nicht ändern kann, aber sich selbst. Deswegen verschuldet die Umgebung trotzdem diesen Druck, dem der Erkrankte nicht standhält. Man sagt einem wie mir erhöhte Vulnerabilität nach und empfiehlt polsternde Pillen. Das dicke Fell von der Pharma (das andere naturgegeben mitbekämen), benötigte ich, sagten mir Fachleute. Ich halte das für eine halbe Wahrheit mit fatalen Konsquenzen. Meine Erfahrung ist, ohne Pillen, ohne Arzt ist’s besser.

Volles Risiko.

In dem Moment, wo einer begreift, dass es andere braucht, um überhaupt zu erkranken, kann der zwischen den Schüben normal Handlungsfähige Schritte gehen, die seine Umgebung provozieren und eine paranoides Szenenbild seiner Zukunft bewusst erschaffen. Das ruft zusätzlich seiner Ängste und so gesehen eingebildeten Gegnern auch ein paar echte auf den Plan.

Die wahnhafte Bedrohung von einer realen Gefahr „bewusst“ zu unterscheiden wollen, ist ein gesundes Konzept. Das zwingt jemandem, der sich angewöhnte, Ängste auszublenden, genau hinzuschauen. Noch besser, wenn man sich das Ganze selbst ausgedacht hat. Eine eigene Methode zu kennen, dem Leben zu begegnen, hilft umso mehr, wo das Krankheitsbild „Unselbstständigkeit“ typischerweise eine Behandlung erfordern soll, die nicht ohne Behandler auskommt. Schließlich wird auch die erstgenannte Idee oder Bedingung erfüllt, eine Theorie konkret, die gewesen war, absichtlich zu scheitern. Es ist klar, dass jemand, der einen Sturm heraufbeschwört und trotzdem in See sticht, ein Zauberlehrling ist: „Die Geister die ich rief, werd’ ich nun nicht los.“

Der alte Goethe.

„Willkommen im Leben, Herr Bassiner“, meinte kürzlich in diesem Sinne meine neue Hausärztin. Ich habe schlechte Zuckerwerte und musste mich nach Jahren ganz ohne Arzt umschauen, was zu tun ist. Jetzt kontrollieren wir vierteljährlich Blutzucker. Die erfrischenden Besprechungen mit dieser noch jungen Ärztin machen Spaß. Ich habe ihr erzählt, was mir widerfahren ist, und wie mich alles verändert hat. Das Resüme: Nur wer aneckt, stört und Reibung verursacht, bekommt spürbar Gegenwind. Mit dem zu segeln, ist eine Kunst!

Ohne Wind kann ein Segler gar nichts machen, wird sich nach einem Schleppboot umsehen müssen.

Nun kommt eine Brise auf.

Schönen Dank auch und:

„Leinen los!“

# Dann beginnt das Spiel

Kurze Einführung in die Neuzeit gefällig? Es ist heute so, dass man den Wachtmeister nicht an seiner Uniform erkennt. Diese modernen Kommissare kommen nicht daher wie der Inspektor Columbo: „Ich hätte da mal ’ne Frage.“ Sie tarnen sich. Damit verhält sich ein verdeckter Ermittler exakt wie ein Krimineller. Seine Tarnkleidung ist, sich als ein anderer auszugeben, das Gegenüber zu täuschen. Das ist gewollt? Damit muss unser Staat hinnehmen, dass wir Bürger grundsätzlich misstrauischer werden und in der Folge vernünftigerweise aggressiv! Wir können nicht mehr unterscheiden, wer uns bedroht, der Dieb auf seinem Raubzug, der Nachbar, der seine Eitelkeit auslebt, bei anderen Mäuschen zu spielen, die Bürgerwehr, die eine Gefährdung erkannt haben will nach dem Motto: „Wir regeln das selbst!“ oder die tatsächlichen Ermittler, die noch an Recht und Gesetz gebunden sind ganz zum Schluss. Wenn unsere Bude gehackt wurde, sagt uns keiner, wer es war.

Aber alle möchten mithacken.

Der moderne Mensch lebt unentrinnbar in seiner Kommunikationsgesellschaft. Heute sind Informationen Geldwert, nähren Trolle mit Tratsch. Die müssen sonst nichts arbeiten, wenn sie nur eine gute Geschichte kennen über einen, den sie als jemanden verstehen, der nichts merkt. Mit einer stumpfen Einschätzung, wie ihr Auserwählter tickt, finden sie Freunde, die mittun zu hetzen. Ihr Opfer kann sogar Täter genannt werden. Wer glaubhaft erklärt, die Psyche anderer zu verstehen, vermag diese wie nebenbei in den Tod zu treiben – und wird noch als tatkräftiger Lebensbegreifer von seinesgleichen gewürdigt. Gute Menschen sind aktiv! Man gründet eine Stiftung, schafft Frauenhäuser, gendert den Beipackzettel. Der Hinweis für Suizidgefärdete, Hilfe aufzusuchen, wird verpflichtend bei Reportagen zum Thema usw.

# Sinn und Sinnlosigkeit sind nur Bewertungen

Aktuell erfahren wir, hat sich wieder eine schockierende Tat ereignet. Sie ist beispielhaft für Ähnliches der letzten Jahre. In der Schweiz zündet sich ein Fahrgast im Linienbus an, nachdem er sich mit Benzin übergossen hat. Sechs Menschen sterben. Es gibt auch Schwerverletzte. Der Bus brennt vollständig aus. Es sei kein Terroranschlag, sondern die Tat eines psychisch Kranken, heißt es in den Nachrichten. Mir stellt sich (wie jedesmal) die Frage:

Sind Terroristen gesund?

Ein Sprecher ist erschüttert aufgrund der Sinnlosigkeit des Geschehens.

Dem muss ich klar widersprechen. Diesen Sinn, von dem jede Regierung redet, gibt es ohnehin nicht. Der Kantonspolizist (oder wer es war, den ich im Beitrag hörte) meint wohl, so ein Verrückter könne gern in seiner Ecke, wo er wohnt, vor sich hin spinnen, solle aber bitteschön seinen Suizid für sich allein durchziehen? (Wenn’s denn unbedingt sein muss). Viele denken so. Das ist aber frech und dumm gedacht gegenüber dem Leid der Verwirrten, die das Normale hassen, weil ihnen unmöglich ist, dabei zu sein. Es ist noch nicht lange her, da bezeichnete man das Dasein von psychisch Kranken als „lebensunwertes“. Die grundsätzliche Beseitigung dieser kranken Menschen steht Seite an Seite mit solchem Denken, das nur Arbeit, Nützlichkeit, Fleiß und Disziplin als sinnvoll anerkennt.

Die anderen Fahrgäste wären „auf der Heimfahrt von ihrer Arbeit gewesen oder kämen von der Schule.“ Sie wurden auf bösartige Weise und unerwartet mit der nicht fassbaren Situation konfrontiert, klagten Menschen, die es mitbekommen hatten.

Hätte sich anstelle des Amoks ein Unfall im normalen Verkehr ereignet mit ebensovielen Toten und Verletzen, redete niemand bei der Polizei oder in der Bevölkerung vom sinnlosen Ereignis. Wenn aber eine junge Frau gestorben wäre wie kürzlich in Hamburg beim Bahnunfall mit Linienbus, fragten sich die Hinterbliebenen schon, warum das sein musste? Sie fragen nach dem Sinn dieses Todes. Das sind Narrative, die wir über die Realität setzen, wie es sein sollte, und diese Vorstellungen können zerbrechen wie eine schöne Schale aus Porzellan. Selbst bei einer anschließenden Reparatur werden die Schäden erkennbar bleiben, und so ist es mit einem Weltbild, das wir pflegen, es gerade so zu haben.

# Suizide bitte draußen!

Die Amoktat im „Postauto“, so werden die öffentlichen Busse dort genannt, geschah in der beschaulichen Schweiz. Man möchte sauber, ordentlich und gegenüber militärischen Konflikten bewaffnet, aber grundsätzlich neutral, sowie insgesamt demokratisch liberal sein. Ein Land zum Vorzeigen! Die Bewohner leben in netter Ordnung unter gepflegten Bergspitzen. Das ist eine Steueroase und mehr noch eine Insel der Glückseligkeit inmitten unserer turbulenten Welt. Man spricht langsam und verdreht jeden Buchstaben, drechselt die Sprache, dass wir Untertitel benötigen im Fernsehen. Die Berggermanen verstehen sich ohne. Sie haben Mundart. Albert Einstein war Schweizer Staatsbürger. Sein „Gott würfelt nicht“ ist die vage Idee, die der normale Mensch da rauszieht, und der Schöpfer liebt die Ordnung?

Von selbst räumt sich aber nichts auf.

Man wird nun ein Schild am Einstieg der Busse anbringen, das Mitführen brennbarer Stoffe verbieten?

Natürlich können wir sauber strukturierte Inseln schaffen. Menschen „machen klar Schiff“. Das zeigt uns auch, dass wir das sind, wir selbst sind bestenfalls eine Ordnung. Wir spiegeln unser eigenes Sein im Kreieren von Wohnungen, Straßen, den sozialen Gruppen darin. Ländergrenzen definieren weitere ethische und verschiedene soziale Zusammenschlüsse. Menschen sind selbst ein System aus Organen, Gliedmaßen, dem Gehirn. Ein gesunder Organismus kümmert sich. Jeder hat aber auch mindestens ein paar schlechte Angewohnheiten. Damit fängt Individualität an. Aus der Perspektive des Einzelnen ergibt sich das Problem seiner Beschränktheit, die es ihm unmöglich macht, für alle zu denken, das Ganze zu ordnen, es zu verstehen. Keine natürliche Gesellschaft lässt sich in ein sinnhaftes Korsett zwingen, dass alle gleichermaßen brav zum sozialverträglichen Miteinander formt. Weder ein Gesetzesrahmen noch eine von uns projizierte göttliche Macht haben je erreicht, der Welt erkennbar Gerechtigkeit oder einen besonderen Sinn zu verleihen, den alle gleichermaßen erkennen, dem höheren Zweck uniform folgen. Wir rätseln weiter, was das hier soll, und die Frage muss man stellen, ist unser Leben überhaupt zweckgebunden? Es könnte ein Fehler sein, das misslungene Experiment eines besoffenen Alien. Sogar die Bibel gibt zu, dass Gott zweifelte und seine Schöpfung selbst wieder auslöschte mit der Sintflut.

„Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ist der deutsche Titel eines bekannten Romans, der auch verfilmt wurde. Der „liebe“ Gott? Man kommt nicht aus ohne das Böse in der Logik jeder Erklärung der Welt scheinbar. „Mache dich nützlich“, gibt Ziehvater Larch im Buch seinem Schützling Homer mit auf den Weg. (Original: „The Cider House Rules“, John Irving).

Ein guter Rat, aber nicht leicht für jeden umzusetzen.

# Das alternative Denken

„Macht euch die Erde untertan“, fordert Gott im Bibeltext (vor langer Zeit). Das haben wir hinbekommen. Fertig! Wir wären „gewollt“, meinte sinngemäß der Kardinal Ratzinger. Der Mensch sei kein Zufallsprodukt der Evolution oder der Geschichte, sondern ein gewollter Gedanke Gottes, befand der spätere Papst Benedikt.

„Wir sind nicht ein zufälliges und sinnloses Produkt der Evolution. Jeder von uns ist Frucht eines Gedankens Gottes. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht.“

Das bleibt die Behauptung eines sterblichen Menschen.

Es ginge auch andersherum. Ich wüsste einen alternativer Ansatz, unser Leben an seinem Platz im Sonnensystem zu interpretieren: Der Mensch als grundsätzlich böse Kreatur. Drehen wir die Lage um, schauen auf einen Vergleich. Das Modell der ganzen, großen Welt in dieser fiktiven Versuchsanordnung ist unser eigener, kleiner Körper oder der Leib von jemandem, den wir kennen. Versetzen wir uns jetzt in die Krebszelle eines Tumors, der sich allmählich entwickelt in seinem Wirt, dem Menschen. Dieser Mensch steht hier aber als die große, vielfältige Struktur, synonym für den Planeten Erde. Da könnte sich so ein einzelner, winziger Krebs im Inneren für was Besseres halten? „Schau dir die Leberzellen an“, sagt der naseweise Einzeller zum Kameraden, „sie können nichts machen, als nur Leber sein. Wir sind zu Höherem berufen. Morgen darf ich zu den Metastasen. Da bauen wir richtig!“

Das Ende kommt unausweichlich für eine Gattung, die alles andere zerstört.

Und falls der Mensch, der den Krebs hat, zum Arzt geht, schießt dieser ihm eine Chemotherapie ins System. Für die Tumorzellen Gift, wie „vom Himmel“ geschickt. Manche sagen ja im Zusammenhang mit den aktuellen klimatischen Veränderungen, die Erde habe Fieber. Das geht in diese Richtung. Der Mensch, ein tumorbildendes, mutiertes, evolutionäres Zufallsprodukt, der Fehler im System? Die Allmächtigkeit könnte uns hassen, wenn wir so wollen, und dennoch dürfte es einigen vorkommen, als wären wir geliebt, weil wir manches bauen und ausgestalten können, und die Tiere können das nicht in dem Maße. Das wäre wohl schön eingebildet, sich nicht nur als Spezies gut zu finden, sondern noch anzunehmen, besondere Liebe zu erfahren?

Das Thema lässt weitere Spielarten zu.

Eine heute nicht mehr im Handel befindliche Ausgabe von „Karius und Baktus“ lag früher bei jedem Zahnarzt im Wartezimmer. Dieselbe Geschichte von Schmarotzern, die ihre Umgebung zerstören. Dazu passt die aktuelle Kritik, und das ist ein Grund, warum dieses Buch nicht mehr empfohlen wird: Kinder übernehmen laut der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) eher die Perspektive der schadenverursachenden Figuren.

Davon, dass jemand Tumore mag, habe ich noch nie gehört. Vielleicht ein nachdenkenswerter Ansatz?

Das gäbe ein nicht-wokes Kinderbuch!

# Das Leben und sein Zweck kritisch hinterfragt

Zitat: Die Frage nach dem Sinn des Lebens nimmt älteste Motive metaphysischen Denkens auf. Doch vom „Wert“ und „Sinn“ ist ausdrücklich erst im ausgehenden 18. Jahrhundert die Rede. „Wert“ ist ein Karrierebegriff aus der Nationalökonomie, „Sinn“ kommt mit der durch Kant bewirkten anthropologischen Wende in Umlauf und wird bei Schiller, Schopenhauer, Kierkegaard und Feuerbach auf das sinnsuchende, individuelle Ich zugespitzt. Und so nimmt Nietzsche sie auf: „Wozu die ,Weltʻ da ist, wozu die ,Menschheitʻ da ist, soll uns einstweilen gar nicht kümmern, … aber wozu du Einzelner da bist, das frage dich.“ Es liegt in der Konsequenz dieser Wendung zum einzelnen Ich, dass Nietzsche keine allgemeine Antwort geben kann, sondern nur eine, die auf das Ich, genauer: auf sein persönliches Ich, bezogen ist. (Welt, Volker Gerhardt, 19.08.2007).

Schaut man sich um nach einem Zweck, den das Leben haben könnte, muss man die Frage nach dem Grund unseres Hierseins auf Erden stellen. Dabei kommt einer nicht umhin, Glaubensfragen von der Tradition zu trennen. Man sollte unvoreingenommen draufsehen. Nicht auf das Große, das Ganze bauen zu können etwa im Gebet, weil man diese erlösende Kraft, den versprochenen Trost nicht erlebt, mag verstören? Es kann einem aber geschehen, sich weniger auf die Glaubensrituale zu versteifen und trotzdem Zuversicht zu spüren, auch ohne besondere Konfession. Was genau Gott erreichen will oder welchen Zweck das Leben als solches erfüllt, unsere Wissenschaftler haben diesbezüglich mehrheitlich schon aufgegeben. Die Klugheit hat gesiegt, sollte man meinen? Leider nicht. Menschen können als Teil des Systems, in dem sie leben, sich selbst als Menschheit nicht wirklich von außen betrachten, die Frage nach dem Warum tatsächlich beantworten. Das ist eigentlich klar. Warum es Menschen gibt, wissen wir nicht. Nicht alle trauen sich solche Ehrlichkeit zu, können dieses Grundübel eingestehen. Man muss aber nur den Grusel zu denken üben, es wäre anders.

Kein Gott kommt einmal die Woche herniedergestiegen und frischt unseren Glauben durch Präsenz auf. Engel helfen nicht. Die Naturgesetze beinhart bevorzugen „die Gläubigen“ nicht. Es bleiben Aufgaben genug, ob nun im Weinberg des Herrn oder woanders. Natürlich können wir forschen, was passierte, als die Dinosaurier starben und das Zeitalter der Säugetiere begann. Eine ganze Menge mehr versteht die Wissenschaft heute, „wie“ etwas geschieht. Wir haben viele Rätsel gelöst. Weder Aliens noch Götter aber können real bewiesen werden, und das ist auch gut so.

Die Frage, warum alles passiert, ist ungeklärt – und wird es vermutlich auch bleiben.

Kirchen geben nicht auf. Die Leute möchten Antworten, auch da, wo es keine gibt. Ein Teil der Menschheit wählt extreme Parteien, einige Massen werden immer ungebildet bleiben, weil ihnen die Dummheit als Lebensform eben zusagt, andere können nicht raus aus ihrer Haut usw. Manche meinen, UFOs zu sichten. Es sind wenige, die sich ihren Ängsten stellen. Erst dann aber lohnt sich’s zu leben. Es heißt manche einsame Stunde zuzulassen.

Menschen haben ihre schwachen Momente. Unser Wille wird oft begrenzt durch nicht zu ändernde Umstände. Das ist nicht unsere Welt, sondern eine größere Realität, das ist Gott, wie auch immer wir es nennen. Widerstand prägt unser Leben mehr als das Geliebtwerden für unser Sosein. Grenzen geben auch Halt. Die Gravitation ist eine zuverlässige Größe. Alle hoffen und glauben, aber man kann es übertreiben. Abhängigkeit von Überzeugungen ist Zwang, und der macht krank. Die Formen der spirituellen Erklärungen haben sich mit der Zeit zugespitzt auf das zugkräftigste Modell der monotheistischen Religion. Ein devotes Einschleimen beim Herrn ist das Beste, was dem Prediger passieren kann, und deswegen reden wir vom „einen“ Gott. So kann sich jeder selbst fertigmachen, geißeln, wie es heißt, wenn die unerlaubten Gefühle überhand nehmen, der Zorn auf irgendwelche Umstände uns übermannt. Nur deswegen gibt es diese Theorie vom einzigen Gott:

Sie macht uns hörig.

Die jeweiligen Religionen konkurrieren miteinander, seitdem sie bestehen. Die Römer etwa verachteten die neue Bewegung der Christen. Es gibt wenige Aussagen nichtchristlicher Quellen über das tatsächliche Leben von Jesus.

In diesem Zusammenhang Tacitus:

„Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Für den Augenblick war (so) der verderbliche Aberglaube unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Gräuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und gefeiert werden.“

Die vielen Götter der Römer, Griechen oder Germanen ermöglichten, den jeweiligen Himmelsakteur auch zu verfluchen. Wer meint, ein Kriegsgott „Mars“ sei aktuell aktiv, darf wohl schimpfen auf das Chaos, das ein solcher Wüterich der Welt beschert? Einen nur einzigen Gott anzunehmen, erklären Christen damit, dass Jesus als Sohn desselben schließlich auf Erden war und es den Menschen sagte. Die behaupten, dass sie das glauben, und gut ist. Ziemlich naiv, würde ich sagen und möchte doch eher von einer Verschwörungserzählung ausgehen.

Man denke mal nach, was wahrscheinlicher ist und tatsächlich passierte: Als ein paar Leute behaupteten, sie hätten begriffen, dass nur ein einziger Gott aktiv wäre und dieser uns liebte unter der Bedingung, dass wir dran glauben, setzten sich solche Erklärer an die Position einer notwendigen Schnittstelle. Sie wurden zu unentbehrlichen Wahrsagern. Das konnten sie für ihr Wirken nutzen. Ohne die Behauptungen von Moses, seinen Freund da oben genau zu kennen, hätte er seine Leute nie zusammenhalten können für sein großes Projekt „gelobtes Land“ dahinten (hinter den sieben Bergen und der Wüste usw). Viele Götter sind kaum beeinflussbar, ein einziger schon, wenn man den persönlich kennt. Dafür, diese gegenseitige Vertrautheit überhaupt auszubilden, muss ein Gläubiger verstehen, mit Gott zu reden. Damit solche Selbsthypnose im Hirn des Gläubigen installiert werden kann, benötigt dieser regelmäßige Spritzen seiner Dosis „Glaube“, den sogenannten Gottesdienst. Nun, mit dieser Erklärung, die ja auch Ängste vertreiben kann, drängen sich bis heute Prediger auf. Bei Kindern und jungen Menschen verfängt es weiter, während immer mehr Erwachsene wie aus dem Sportverein austreten. Kirche ist ein Ort, der uns zwingen möchte an seine Gegebenheiten. Auf subtile Weise bestärkt man sich in der Richtigkeit seiner Annahmen und verwechselt diese mit der größeren Wirklichkeit.

Dasselbe Prinzip nutzt die Konsumgesellschaft.

Man schafft Fenster, und nicht wenige sehen im jeweiligen Zeitgeist ihre einzige Perspektive. Unser System vergewaltigt den Einzelnen, wo das gelingt, zum zweckgebundenen Arbeiter. Der braucht einen „Arbeitsplatz“. Von allein kann ein geistiger Krüppel, und das ist die Mehrheit bei uns, nicht überleben. Wer Verkäufer ist, dürfte im Zweck, seiner Firma zu nutzen, aufgehen. Der direkte Selbstnutzen ist ebenfalls gegeben. Geld für die Arbeit ist das Geld, das wir zur Verfügung haben zur Ausgestaltung unserer Existenz. Das ist unsere Gegenwart. Wir haben dran angepasste Wesen, die in der früheren Wildnis allein nie klarkämen, sich aber in der heutigen Zeit bestens zurecht finden. Das birgt auch Risiken. Menschen, die fixiert auf die Heutezeit wie in Waben im Bienenstock agieren, schaden nicht nur sich selbst durch ihre Einfalt, solche werden auch nach Belieben von Populisten in einen anderen Kontext verschoben. Die SPD etwa verliert Wähler, ist keine Arbeiterpartei mehr. Ihre bisherige Klientel wandert ab in die Extreme. Das gefährdet unser höchstes Gut, die Demokratie. Der Fortschritt der Menschheit zeigt zweierlei: Wir haben Menschen, die mehr hinbekommen als je welche vor ihnen. Es gibt Reiche wie nie zuvor, Sportler mit neuen Bestmarken, Musiker mit virtuosen Techniken, die alles Frühere in den Schatten stellen.

Die Masse Mensch aber insgesamt ist nicht klüger geworden.

# Jenseits von Eden

Spezialisierung kann isolieren. Wer sich nicht weiterentwickelt, läuft seinen tatsächlichen Möglichkeiten unter Umständen ein Leben lang hinterher. Der Fortschritt unserer Zeit besteht in den intellektuellen Entwicklungsmöglichkeiten, die größere Freiheit generieren. Je mehr Auswahl einer sich erschafft, wohin seine Reise zukünftig geht, desto weiter weg vom bisherigen Zweck und zurück zur Natürlichkeit findet der kreative Mensch.

Kein Widerspruch zur christlichen Lehre:

„Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ (Römer 12).

Die Bibel hat einiges zu bieten, das sich lohnt. An dieser Stelle scheint mehr ein „du darfst merken“ gemeint zu sein als das Übliche: „Du sollst!“ Man prüfe sich, stelle Gott und Glaube in Frage, weil es nicht die Wahrheit sein kann, von der wir ausgehen, sondern nur unsere Auffassung von Wahrheit. Prüfungen sind immer angebracht, um besseres Denken zu ermöglichen. Wer schimpft, sich Luft macht, begreift zornig zu sein und kann auch lernen, seine Wut in den Griff zu bekommen.

Früchte des Zorns?

Warum wird die Bibel nicht fortgeschrieben, Band zwei, drei usw. könnte man fragen, aber die Antwort ist, sie wird es ja. Bibliotheken überall sind das Gedächtnis und die Grundlage unseres Menschseins. John Steinbeck etwa führt seine Leser geschickt zum weniger bekannten „timschal“ einer alternativen Bibelübersetzung. Der Begriff ersetzt das unbedingte Sollen durch eine ambivalentere Form. Steinbeck erklärt das hebräische Wort im Roman mit: „Du kannst“. („Jenseits von Eden“, 1952). Es gibt dem Menschen die Wahl: „Du Mensch kannst töten. Und du kannst es auch lassen.“ Die Bibel so neu zu lesen, gibt uns die Verantwortung für das eigene Schicksal zurück.

„Entscheide!“

Das natürliche Leben verlangte uns ab, für die Ernährung zu sorgen, Schlafgelegenheiten zu schaffen, den Schutz vor Wetterunbilden und nicht zuletzt, soziale Kontakte zu suchen. Spezielle Berufe entwickelten sich aber erst in der Folge. Die Moderne zwingt uns den Zweck eines Systems auf, bis wir das merken und unsere Gruppe, der wir uns anpassen, freier wählen. So ergibt sich die Wahl des Berufs genauso wie die Religionsfreiheit in einer fairen Gesellschaft. Das erfordert unsere Eigenleistung und allgemeine Abgrenzung, die aktive Bereitschaft mitzumachen, psychische und körperliche Gesundheit. Das können gar nicht alle im Land hinbekommen.

Der vom Staat erklärte „Sinn“ grenzt jeden aus, der nicht normal integriert funktioniert und zwingt diesem seine Betreuung auch auf. Ein Individuum geht den besonderen Weg, der dem Einzelnen gerade möglich erscheint. Was für alle gelten soll, ist immer bloß der grobe Rahmen, niemals der Sinn des Lebens an sich. Gesetzliche Bestimmungen, was normal und richtig sein soll, ändern sich ständig. Die Regeln hinken dem Erleben des besonderen Mitbürgers immer hinterher. Der Islam erkennt seinen Gott auf vom (beispielsweise) Katholizismus abweichende Weise, andere Konfessionen sehen uns noch wieder anders, selbst wenn sie uns den einen Gott für alle erklären möchten. Und eine heterogene Gesellschaft, die Religionsfreiheit ausruft, stülpt dem Ganzen ihren liberalen Gesetzesentwurf über. Demokratien maßen sich an, für alle besser zu denken, mehr Freiheit zu generieren als jeder Unrechtsstaat. Trotzdem bleibt aller Ansatz, das Leben zu regeln, nichts als ein zeitweiliger Entwurf. Einzelne scheitern immer irgendwo. Vollständige Sicherheit ist nicht erreichbar.

# Ordnung und Sicherheit

„Es ist 14.30 Uhr, als sich auf der Rückseite eines abgeschirmten Geländes in Paderborn am Donnerstagnachmittag ein kleines Tor öffnet. Ein schmaler Schotterweg führt hinaus. Dann setzt sich eine Gruppe in Bewegung: Mehrere Erwachsene umringen und begleiten eine Jugendliche. Sie ist 14 Jahre alt, Deutsche – und sie gilt als Islamistin, die versucht haben soll, Polizisten zu töten. Und sie soll einer Betreuerin ein Brotmesser in den Rücken gerammt und sie lebensgefährlich verletzt haben.

Wie extrem die Sicherheitsmaßnahmen sind – und warum der Fall die Behörden an ihre Grenzen bringt, lesen Sie mit BILDplus.“ (22.03.2026, Charlotte Mahncke, Christian Müller, BILD).

Die Polizei fühlt sich immer besonders angegriffen, wenn sie eine Gewalttat nicht verhinderte, die Bevölkerung diffuse Bedrohung wahrnimmt. Das sind die Momente, wo jemand vom sinnlosen Attackieren redet, der grundlosen Gewalt spricht. Aus dieser Einschätzung spricht die ohnmächtige Wut des Polizisten, das Motiv des Täters nicht zu begreifen. Der im Denken von seinen Scheuklappen begrenzte, eindimensionale Ordnungshüter kann nicht organisierte Gewalt kaum vorausberechnen. Der Polizist wird bei Amoktaten von der Gesellschaft aber trotzdem pauschal kritisiert, weil seine Aufgabe ist, Sicherheit für alle zu gewährleisten.

Wo Sinn, Wert, Zweck und Nutzen den Rahmen des Systems definieren (eine Hand wäscht die andere), verkümmern die auf diese Weise Spezialisierten. Moderne Menschen können sich nicht wirklich in die Denkweise anderer hineinversetzen, wenn für solche nur der Begriff „Systemsprenger“ übrigbleibt. Wem die Integration in die Erwachsenenwelt nicht gelingt, wird schließlich behandelt und diagnostisch eingeordnet. Die jeweilige Störung wird ihm als Fehler angerechnet und als Krankheit erklärt. Es bedeutet die Kapitulation der Helfer, die lieber einen Stempel auf seine Akte drücken, als zuzugeben, dass sie selbst die Probleme nicht begreifen. Verstünden Psychiater, wo der Schuh genau drückt beim Patienten, könnten sie mehr tun, als Pillen zu verschreiben und ihr Gegenüber, dem sie als Weißkittel überlegen sind, zu manipulieren. Sie könnten fair ihre Arbeit machen, wenn sie mehr wären als Seelenklempner. „Klempnern“ ist ja auch abfälliges Herumwracken im Volksmund, wenn man’s also nicht besser versteht. Unser neuer Bundeskanzler machte sich bekanntlich Luft gegenüber seinem Vorgänger, der sei „ein Klempner der Macht“, probiere also bloß, Kanzler zu sein, könne es aber eigentlich gar nicht, sollte das wohl heißen.

Psychisch kranke Menschen könnten lernen, keine zu sein. Das hieße für sie, sich zu ändern, ihre Denkansätze, ihre Bewusstheit müssten sie von den Störungen befreien, die ihnen unmöglich machen, Ziele zu definieren und diese auch zu erreichen. Die Störer sind die anderen Menschen und die naturgegebenen Umstände, also Sachen, die Gesunde notfalls ausblenden können. So gesehen ist ihr Zorn, wenn sie realisieren, dass man sie stört, eine erste wichtige Erkenntnis für solche armen Zeitgenossen. Die Umgebung reagiert mit Zwangsmaßnahmen, und verewigt damit nicht selten eine Spirale abwärts für den psychisch Kranken. Wir können irre Wüter nicht dulden. Menschen wie Donald Trump oder Wladimir Putin, der israelische Ministerpräsident Netanjahu dürfen dagegen scheinbar ungebremst attackieren?

Der Psychiater hat noch ein Interesse daran, dass sein Patient gesund wird, der Polizist nicht. Die Polizei will alle bekannten psychisch Kranken persönlich kennen. Dafür fordert sie ausreichend Personal von der Politik, solche Menschen verdeckt zu begleiten. Sie möchte bisher harmlose Spinner sogar zur Gewaltbereitschaft hin provozieren und unbemerkt dabei sein, um im passenden Moment mit dem Zugriff Schlimmeres zu verhindern. Ein Polizist braucht vorhersagbare Menschen, die im Raster geordnet kartiert sind. So ein Ordnungshüter möchte keinesfalls eine Entwicklung in Richtung Gesundheit, weil damit ein Baustein seiner täglichen Observierung wegfällt. Der Psychiater kann dem nichts entgegensetzen als bloß rudimentäre Korrekturversuche. Darum heißt der bekannte Film mit Jack Nicholson: „Einer flog über das Kuckucksnest“ –, einer. Nur im Ausnahmefall gelingt dem Einzelnen die Flucht aus dem Netz der Helfer. Im Film ist es der „Häuptling“, der schließlich begreift.

Er wird nicht weit kommen.

Wir erklären auch zwischenmenschliche Gewalt wie beinahe alles mit Kausalität. Man darf sagen, dass Iran, Hamas und Hisbollah die Israelis zum Gegenschlag nötigten. Russland umgekehrt wird nicht zugestanden, vom Westen unterdrückt gehandelt zu haben im Fall des Ukraine-Krieges? Dort reden wir vom „Angriffskieg“. Man möchte es im Westen darstellen, als habe Russland grundlos zugeschlagen. Da ist (wieder) „sinnlose Gewalt“ der Erklärungsversuch. Ein Wort, das wir benötigen, um unsere Ohnmacht gegenüber der Situation nicht zugeben zu müssen.

Das ist dieselbe Überheblichkeit, die wir auch psychisch Kranken gegenüber an den Tag legen. Überheblichkeit ist kollektive Dummheit in diesem Fall, beileibe kein einzelnes Bewerten hier und da.

Das kostet.

Wie im Großen messen wir im Kleinen, bei spektakulären Delikten, mit zweierlei Maß. Was den Mann von Frau Pelicot bewogen hat, sie derartig zu demütigen, wollen wir nicht wissen? Wenn es tatsächlich Christian Ulmen war, der pornografische Deepfakes seiner Ehefrau machte und Collien damit drangsalierte, interessiert sich künftig kaum jemand dafür, warum er das tat? Wir begnügen uns damit, Täter zu erkennen, aber wir haken immer an einer Stelle in die Geschichte ein, die mit einer Vorgeschichte anfing.

Zwei Positionen sind erkennbar. Wo es einfach geht, vertrauen wir der ehrlichen Forschung und probieren, dem jeweiligen Motiv nachzugehen, das einer Entwicklung ursächlich war. Werden die Dinge aber irgendwie unangenehm, gesellschaftlicher Druck von der Seite ist zu erwarten, knickt unser Verstand ein. Nun reden wir von der Sinnlosigkeit einer Tat. Wir möchten kein Schubladendenken, weil das positive Wege verbietet, sagen wir. Wer sich die Sache einfach machen möchte, tut aber genau das: So jemand hat seinen Kasten für manches.

# Schubladen

Je mehr Überwachung wir im Alltag der Menschen installieren, besonders bei psychisch Kranken, die wir heimlich manipulieren, weil wir glauben, die Doofen merkten es ja ohnehin nicht, desto häufiger kommt es heute zum „erweiterten“ Suizid. Dazu kenne ich keine Statistik. Diesen Zusammenhang aber anzunehmen, wäre notwendig. Viele der immer geforderten Gesetzesverschärfungen befrieden uns nicht. Die Behauptung, man wüsste, wie gefährlich jemand sei und müsse Maßnahmen zum Schutz anderer ergreifen, ist das eigentlich Übergriffige. Wir stempeln Menschen ab durch diese Einordnung und helfen keinesfalls. Bereits Verstörte werden mehr irritiert. Bis es knallt. Die Kranken haben überhaupt nichts von den Maßnahmen und auch ihre möglicherweise schwachen Mitmenschen, die man schützen möchte, schauen schließlich wie irre auf den Verrückten, wenn dieser auftaucht. Die Einzigen, die profitieren, sind welche, die sich anmaßen, solche unangepassten Individuen auszugrenzen durch das Beschreien ihrer Gefährlichkeit. Vermeintliche Helfer verdienen ihr Brot mit Psychoterror gegen Auffällige. Sie sehen einen Sinn? Die haben das Leben für sich selbst jedenfalls begriffen, meinen sie. Das ist frech gegenüber allen, die es ihnen durch ebensolches Begreifen nie nachtun können.

Zuschreibungen sind ein lukratives Geschäftsmodell. Mir ist das erst nach und nach klar geworden, selbst ins Visier der vermeintlich Schlauen geraten zu sein. Dafür weiß ich heute besser als der Arzt zu sagen, was uns Menschen krank macht, verrückt. Die Konsequenz meines Handelns ist ein anderer Ansatz, dem Dasein zu begegnen. Erst im Negieren jeglicher Gläubigkeit erfahre ich die Entspannung, dass die Dinge doch ganz gut laufen, manches tatsächlich wie gewünscht, das durch Wünschen, Glauben, Hoffen so früher nie klappte.

Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter, heißt es bekanntlich. Wer auf andere fixiert handelt, gewahrt ständig Korrekturversuche, Störungen, wie man das von Eltern, Freunden, Erziehern einst erlebte und sieht noch einen Gott obendrein, wo niemand über uns wacht, wenn wir allein unterwegs sind. Nichts ist oben. Das muss doch kränken, sich selbst immer zu maßregeln. Es ruft noch extra welche auf den Plan, die unsere Unsicherheit bemerken, das ausnutzen, dann tatsächlich bedrohliche Szenarien in die Kulisse malen. Meine heutige Lebensanpassung führt zu mehr Gesundheit. Mir hilft ein einfaches Rezept. Das ist kostenlos, funktioniert ohne Pillen, braucht weder Selbsthilfegruppe noch Therapie:

Man werfe sich selbst nichts vor, nie, lebe mit reinem Gewissen, was auch immer war.

# Ich bin kein Quiddje mehr im Dorf

Wir leben hier seit mehr als zwanzig Jahren. Ich habe mittlerweile die emotional erfrischende Bestätigung dazuzugehören, erfahre Respekt und Humor bei Begegnungen mit den vielen Nachbarn im täglichen Umgang miteinander. Ich muss mich nicht verstecken und kann offen reden bei den meisten. Das gefällt mir und macht selbstbewusstes Herumspazieren erst möglich!

Frühere Psychiatrieaufenthalte wollte ich nie verbergen. Mir ist es schließlich immer besser gelungen, im Leben Fuß zu fassen. Gerade meine frühen Ansätze, mich an der Mitgestaltung unserer Gesellschaft zu versuchen, waren nicht krank, sondern nötig, um einen eigenen Platz der Existenz auszubilden. Das macht angreifbar. Man wird leicht für einen Idioten gehalten, wenn man seine (unausgegorenen) Ideen publik macht. Eine Spurensuche ist nötig?

Ich schrieb einen wirren Brief im alkoholisierten Zustand an das Landeskriminalamt in Kiel.

Das ist schon viele Jahre her. Zu der Zeit gab es die Vorratsdatenspeicherung, die in dieser Form später wieder gekippt wurde. Dauernd lasen wir in der Zeitung: Ein Senior, Lehrer oder so wäre im Besitz kinderpornografischer Schriften, weil er – für manchmal nur Sekunden – die Verbindung zu einer Seite nachweislich hergestellt hatte, die dergleichen zeigte. Ich fragte mich, warum die Betreiber der Plattformen ungestraft im Netz verbleiben konnten? Die Antwort ist, der Staat geht den bequemen Weg. Vermeintliche Nutzer sind leichter fischbar.

Wir erleben es nun täglich, den lästigen Wettbewerb auszuschalten, findet seine neue Spielart mit dem Internet. Einen für sie missliebigen Edathy hat die Opposition seinerzeit gern kaltgestellt. Unglaublich fadenscheinig kommt mir das vor. Man weiß nicht, woran man ist, wer hier die tatsächlichen Verbrechen begangen hat, die aufgeklärt werden müssten im Rechtsstaat.

# Ich sehe mir Pornos an

Damals gab es noch nackte Kinder reihenweise in jeder Suchmaschine zu finden, gleich obenan, wenn man das Wort „Nudist“ oder „Nude-Contest“ bloß eingegeben hatte. Heute sieht man Vergleichbares nicht mehr. Zwanzig Jahre später benötigt es scheinbar erhebliche kriminelle Energie, in perverse Abgründe überhaupt ansatzweise vorzustoßen. Warum hat das so lange gedauert? Der Begriff „Darknet“ war uns seinerzeit noch nicht geläufig. Was genau man zu sehen bekommt, weiß man als Surfender ja nie, wenn man (etwa bei Google) ein Motiv klickt.

Ein Stoppschild, wie die skandinavischen Länder es für ihre Nutzer sich ausgedacht hatten, vorwegzuschalten, wollte unsere damalige Familienministerin haben und wurde bald aus dem Amt gelobt. Der Staat müsse nicht nur die Kinder, sondern genauso uns Männer schützen, fand auch ich und wollte das mit der Polizei diskutieren! Konnten wir Google nicht drannehmen, das Internet in Deutschland dahingehend zensieren, Bilder löschen?

Ich schrieb mit der Hand, seitenlang.

Und schickte es nach Kiel. Wie dumm von mir. Ich wurde vorgeladen in Pinneberg. Ein doch eher amüsantes Plaudern mit der Kriminaloberkommissarin S. war das Ergebnis.

„Wir schauen uns solche wie Sie mal an.“

Eine schöne Polizistin im Kommissariat erklärte mir das Internet. „Wenn wir löschen, wird dasselbe Bild eine Minute später wieder woanders eingestellt“, sagte sie und in dem Zusammenhang: „Frau von der Leyen ist doof.“ Ich wollte es genau wissen: „Was ist Kinderpornografie?“ „Die Beine breit.“ Sie fragte: „Haben Sie einen Freund, mit dem Sie Bilder tauschen?“ Ich verneinte. „Dann ist bei Ihnen also nichts zu holen?“ Sie wollte bloß Beute machen, keinesfalls die Welt retten. Jung, hübsch, blond –.

Das interessierte sie: „Sind Sie denn … noch … in’ Schuss? Ich bejahte.

„Vielleicht schickt Ihnen der Staatsanwalt ein Schreiben, dass das Verfahren eingestellt wird …“

Das geschah nie.

Meiner Meinung nach begann bald ein subtiler Spuk gegen meine Person von verschiedentlich auftauchenden Spinnern, die schlau taten, als kämen sie gerade zufällig vorbei.

Das geht bis heute.

Es hat einen anderen Menschen aus mir gemacht.

Ich bin tatsächlich gefährlich, eine neurotische Attacke ist jederzeit erwartbar, wenn jemand den entsprechenden Nerv trifft. Andauernde Hinterhalte machen empfindsam. Ich muss nicht krank sein, um zuzuschlagen und empfinde keine Reue. Ich bin schwach, untrainiert und schrecke dennoch nicht zurück vor spontaner Gewalt. Mindestens derbe Beleidigungen haue ich raus, wenn ich begreife, verarscht zu werden. Ich sehe mich außen vor, habe mich ausgrenzen lassen. Der Klügere gibt nach.

# Bockig

Ich mache nirgends mehr mit. Nicht im Segelverein, nicht in unserer Interessengemeinschaft der Elbjollen. Ich gehe nicht zum Boßeln, zeichne nicht mit anderen gemeinsam Akt oder urban, gehe nicht zum Jazz, spiele mit keiner Band, singe in keinem Chor, unterstütze die Kirche nicht. Ich spotte, mache mich lustig über „ihren“ Gott. Das ist ein armseliges Götzenbild, das diese Weiber in Stephans anbeten, mehr nicht. Sie verkünden einen billigen Abklatsch echten Empfindens. Ihre Predigt ist der Rede nicht wert. Frauen geben der Kirche den Rest, katapultieren die Glaubensgemeinschaft aus der Mitte der Gesellschaft in eine Nische, wo nur noch versponnene Idiot:Innen das Seelenheil finden.

Ich habe der Politik den Rücken gekehrt. Selbstredend gehe ich zu keiner Wahl. Die Welt retten dürfen andere. Die Politik ist genau wie die Kirche nicht selten der Ort, wo nun energiegeladene Frauen ihre Selbstverwirklichung suchen. Unter dem Druck, sich für ihr schwaches Geschlecht profilieren zu müssen, kommt letztlich Schwachsinn raus. Eitelkeiten ersetzen keine Fachlichkeit. Degeneriert ist die genderwütige Heutezeit. Ich blockiere das. Starrsinn kann man mir vorwerfen, das Gerede des Isolierten, ein gestriger Spinner mit unbedeutender Einzelmeinung. (Man muss es nicht lesen). Natürlich unterstütze ich die Polizei nicht im Falle meiner benötigten Mithilfe bei irgendwas. Mein Vertrauen in die Ordnung ist dahin. Alle leiden, wenn der Rechtsstaat Schaden nimmt, mich aber hat das Land verloren. Ich schaue einfach zu. Ich zeichne.

# Vertrauen dauerhaft verspielt

Der kritische Blick auf andere, auf unser Land war mir nicht angeboren. Meine Selbsterziehung folgte einigermaßen verspätet auf das vorausgegangene Probieren meiner Eltern (und der Lehrer in der Schule), mich das Leben zu lehren. Den depressiven Frust meines Vaters im Alter möchte ich keinesfalls kopieren. Mir ist aber klar geworden, glaube ich, wie es dazu kam, dass er sich ins emotionale Aus manövrierte. Spät verstand mein Vater, dass andere schon mal unehrlich sind, wo man es nicht erwartet, von solchen Menschen hinters Licht geführt zu werden. Was er nicht begriff, ist meines Erachtens, dass auch er selbst nicht alles korrekt wiedergegeben hat, was ihm geschehen ist. Er lebte schließlich im wahnhaften Motiv, selbst der Ehrliche zu sein, das Schaf, das übervorteilt wird. Solches Denken macht krank. Da macht sich jemand was vor, der glaubt, nur die Welt gegenüber sei gemein. Es bedeutet, sich selbst anzulügen und ist das Muster verschiedener psychischer Störungen. Sich stören lassen, durchlässig zu sein für Kränkungen, diese Grenzüberschreitungen nicht wahrhaben wollen, macht es anderen leicht, uns beiseite zu schieben. Wir werden verrückt. Das ist kein Wortspiel, sondern Realität.

Man muss schon beherzt für seine Belange eintreten. Menschen stellen sich selbst gern besser dar. Das ist normal. Man übersieht seine eigenen Fehler nur zu gern, wenn das gerade naiv wäre, sie zuzugeben. So gesehen lügen alle gelegentlich. Eine Lüge aber bei Fremden zu bemerken, einen Moment zu realisieren, wo man getäuscht wird, ist tief verletzend. Natürlich belügen uns Kriminelle. Es ist ihr Prinzip zu leben. Vom Staat jedoch erwarten wir ehrliche Politik – und können enttäuscht werden. Von der Polizei wollen wir, dass sie unser Freund ist und sehen uns selbst als anständigen Bürger an, der diese korrekten Helfer schließlich benötigt?

Das ist ein Kinderglaube.

Weltbilder ungeprüft zu übernehmen, ist Gift. Blinder Glaube generell macht krank. Kirche etwa ist Menschen fangen, nichts anderes, weil diese dem Prediger zu Gefallen seinen Laden unterstützen. Wer an einen Gott glaubt, der etwas für ihn machen soll, weil er diesen Herrn anbetet, ist wie einer, der erwartet, dass Mama hinter ihm her räumt (wenn er sich bei ihr beliebt macht). Der Räumdienst fährt auch vorneweg für den, der es glaubt: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.“ Gefährliches Wunschdenken und die Fixierung auf einen „Mann“ im Himmel, dem Herrn, ein fleischgewordener Übervater. Das ist krank! Frauen dürften ihre Aufgabe bald auch darin sehen, (den fiktiven) Bur-Malottke neu zu beleben. Eine notwendige Forderung wird aufkommen, die Bibel umzuschreiben, das Buch der Bücher zeitnah und durchgehend zu gendern: „Jenes höhere Wesen, das wir verehren.“ Heinrich Böll, der Visionär, hat früh erkannt, dass mit der Kirche was nicht stimmt. Wir sind sozial gebunden und die Natur verlangt uns manche Problemstellung ab, diese Sorgen ernstzunehmen. Sein Leben aber muss jeder selbst aufräumen und absurdes Denken genauso. Die Wirklichkeit ist unsicher. Wir werden ständig getäuscht, können gar nicht immer auf der Höhe sein.

# Frauen, Kirche

Ein Gespräch, erst kürzlich geführt, mit einer unserer Aktiven, die auch in der Kirche singt, ergab reichlich Positionierung ihrer selbstverständlichen weiblichen Haltung zur Religion. Zusammengefasst hörte ich etwa Folgendes, das ich bewusst aus dem Zusammenhang nehme, in dem wir redeten, um zu komprimieren. Da war zum einen ihre klare Unterstützung, besonders der katholischen Kollegen, denen zustünde, in der Kinderbetreuung nur konfessionstreue Mitarbeiter zu wünschen. Man dürfe Atheisten in diesem Bereich nicht haben wollen, fand meine Bekannte, und es gehöre sich eben für einen christlichen Kindergarten, dass da alle am selben Strang ziehen beim Vermitteln der gewünschten Werte. Insofern seien Kündigungen gerechtfertigt, wenn Mitarbeitende zwischenzeitlich aus der Kirche austräten. Sie sympathisierte auch mit der Integration einer zum Islam konvertierten Frau, die einen Niqab trägt, alles bis auf den Sehschlitz verhüllt, innerhalb der christlichen Gemeinde und deutete dazu an, dass zwei ihrer Bekannten, im Kirchenumfeld tätige Frauen, in gleichgeschlechtlicher Paarung lebten.

Nimmt man alle Aussagen zusammen, ist ihre große Toleranz für zeitgemäße Weiblichkeit und ihr Verständnis der Ökumene nichts anderes als der Anspruch, Raum für eine moderne Denke zu schaffen. Terrain für sich gewinnen, heißt Macht ausüben. Das ist der nachvollziehbare Wunsch einer Frau in der zeitgenössischen Kirche, aber nicht „der Wille Gottes“, halte ich dagegen. Frauen wollen Bereiche für sich und verdrängen damit frühere Strukturen. Rausschmiss erwünscht! Frauen grenzen aus, wenn ihnen gelingt, sich im Apparat einzunisten, der männlich geprägt war. Frauen im System wollen denen kündigen, die Kindern atheistisch, ohne Glaube, konfessionslos in der Betreuung gegenübertreten? Wer allen kündigt, die nicht „richtig“ glauben, reduziert seinen Gott auf einen Vereinsvorsitzenden, der nur linientreue Mitglieder möchte, jedenfalls keinen Gottvater für die gesamte Menschheit, Tierwelt, alles Leben. Keine höhere Macht, die für den ganzen Planeten zuständig ist, kann Kleidervorschriften wollen oder sexuelle Spielarten unseres Seins nur irgendwie bewerten. Da ist doch offensichtlich, dass eine so verstandene Gemeinde ihr Kirchenschiff aus der Mitte der Gesellschaft an den Rand steuert. Man darf sich nicht wundern, wenn immer mehr den Laden verlassen, und nichts als ein Geschäft ist das Ganze ja auch, eine Verbindung, die nach ihrer Logik zusammenbleiben will. Mit einem einzigen Gott, für diese Welt insgesamt zuständig, hat es nichts zu tun.

Da wird ein Bild skizziert, und dieses Bild ist ein Geschäftsmodell, wandelt sich zeitgemäß. Es verkleinert die Wirklichkeit und das noch im Glaube, man sei tolerant und eröffne dem weiblichen Geschlecht den notwendigen Platz (neben dem Herrn an seiner Seite). Dieser Logik folgen immer weniger, und das ist auch gut so, ist meine Meinung.

Hier ist kein heiliger Geist am Wirken, aber der Zeitgeist geht dahin, dass Frauen überall mitmachen wollen, wo unsere Strukturen bislang patriarchalisch geprägt waren. Seitdem gelingt, die Schwangerschaft als solche zu kontrollieren, ob sie geschieht oder nicht in der sexuellen Verbindung, entstehen neue Räume für Frauen, die diese füllen möchten. Sie wollen Berufe, möchten gesellschaftlich Einfluss nehmen. Ehrlich wäre, eine solche Entwicklung schlicht anzuerkennen, die uns alle erfasst. Schwieriger finde ich’s, wo Menschen anderen erklären, diesen Druck zur Freiheit als „Wille vom Herrn“ für die eigene Konfession verbuchen zu wollen. Wer seine besondere Sicht allgemeingültig einfordert, muss akzeptieren, dass welche gehen, ihr Seelenheil anderswo suchen.

Eine Forderung: Unsere Gegenwart kann auf Fanatiker verzichten. Gläubige sollten sich auf die Wirklichkeit besinnen, soweit sie diese selbst ausloten können und vorsichtig bleiben gegenüber dem allgegenwärtigen Fake. Atheisten genauso müssten einsehen, dass auch sie Gläubige sind. Durch das Wegerklären offener Fragen, werden keine Antworten präsent. Wir benötigen Annahmen. Wir sind auf soziale Kommunikation angewiesen. Jeder darf seine Grenze ziehen und sollte gegebenenfalls lernen, das auch zu tun. Wir können die Politik in die Pflicht nehmen, dass diese nicht pervertiert und müssen selbst Gelassenheit üben, die persönliche Wahrheit nicht scheuen. Die Gesellschaft ist unser aller Gegenüber und kann mitgestaltet werden sogar im Trotz, nicht blind mitzulaufen, sondern nötigenfalls Blockade zu üben.

# Gründe

Psychische Krankheiten müssen von Fachleuten behandelt werden, gehen nicht leicht wieder weg wie ein Schnupfen. Ich habe eigene Erfahrungen, und es bleibt mein Thema ein Leben lang. Die Gesellschaft fordert ihre Lösungen, wie mit Kranken umgegangen werden soll. Die an Krebs oder orthopädischen Beschwerden Leidenden fordern gute Medizin. Psychisch Kranke sind weniger selbst in der Lage, konkrete Forderungen zu stellen. Deswegen kann der Hilfsapparat sich so breitmachen, wie das insgesamt am Besten funktioniert mit der Behandlung. Die Mitsprache der Patienten oder gar ihre Möglichkeiten, Klage einzureichen sind beschränkt, weil die Kranken „Beschränkte“ sind. Bekloppte erzielen keine juristischen Erfolge. Das Beispiel Gustl Mollath beweist es: Mollath saß zu Unrecht ein, war nicht krank, konnte sich schließlich wehren, kam frei.

Es gebe viele Gründe, warum einer psychotisch wird, meinten meine Ärzte, ich habe das ja erzählt. Das kontrastiert mit der Idee, es bestünde (doch) ein einziger, ganz besonderen Grund, den man nur kennen müsste. Ich habe trotzdem nach der einen Antwort gesucht. Was ich heute denke, ist dann auch konkreter, als zu sagen:

„Da gibt es immer viele Gründe.“

Wer in einer unzuverlässigen Umgebung existiert, dürfte und muss vernünftigerweise Angst empfinden. Ein gesunder Organismus, also jemand, der das sogenannte „dicke Fell“ naturgegeben hat, wie der Volksmund meint (Menschen, die anderen erhöhte „Vulnerabilität“ zuschreiben), verhindert Kontrollverlust bei Furcht durch ihm gegebene Mechanismen der Selbstlenkung. Ein Soldat unter Beschuss wird und muss seine Ängste spüren, bleibt handlungsfähig. Geistige Gesundheit heißt, kontrolliert das Beste zu tun, was möglich erscheint auch bei unklarer Bedrohung. Natürlich können wir Messungen probieren, wie belastbar Menschen sind und damit eine Vulnerabilität definieren im Vergleich. Es werden ja auch Intelligenztests durchgeführt. Intelligenz ist ein Begriff, den sich Menschen ausgedacht haben und so ist es mit der Vulnerabilität. Worte sind nur bedingt belastbar. Das eingangs diskutierte Thema „Gott“ zeigt das besonders gut. Gott ist zunächst eine Behauptung. Mit einem Begriff sollen Dinge wegerklärt werden, die sich nicht leicht fassen lassen.

Die Psychiatrie möchte mit einer die Erregung dämpfenden Medikation hohe Empfindsamkeit in den Griff bekommen. Diese Stoffe werden produziert, weil man das machen kann und weniger, weil wir diese Medizin nötig haben. So eine geistige Keule tut ihr wunderbares Werk beim vollkommen Durchgeknallten, dass der innerhalb weniger Stunden wieder zu Verstand kommt. Das ist großartig. Dieselbe Pille in geringer Dosis, jahrelang eingenommen, verhindert neue, extreme Krankheitsschübe nicht und ruiniert die Gesundheit des Menschen langfristig vollkommen. Das wird dennoch gemacht, weil es möglich ist, und wir es uns gefallen lassen, man ärztlicherseits den besseren Weg nicht geht.

Der Arzt ist mitverantwortlich, wenn sein Patient Dummheiten macht. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten eigenmächtig ihre Tabletten absetzen. Das ist nachvollziehbar. Diese Medizin macht fett, träge, unbeweglich. Es gibt unwillkürliche Muskelzuckungen genauso wie grundsätzliche Steifigkeit, Spätfolgen. Eigentlich zu begrüßen wäre also, wenn einer probiert, ohne so etwas klarzukommen? Mitnichten. Während Helfer bislang juristisch machtlos gewesen sind, wo ein Patient schuldunfähig, weil krankheitsbedingt etwas tut, können diese Lebensretter ihm nun eigene Schuld zuweisen, sein Zeug nicht eingenommen zu haben. Das gibt den Behandlern die (wie sie meinen) notwendigen Instrumente, künftig schärfere Freiheitsbeschränkungen anzuberaumen, gegen die der Betroffene sich kaum wehren kann. Das finden viele toll. Man probiert nicht, wirklich zu helfen, möchte lieber strafen, wegsperren, wo immer es geht. Das ist der Mensch, und er mag sich noch für diese Macht, die er anderen gegenüber ausübt.

Das dicke Fell auf anderem Wege zu erlangen oder zurückzugewinnen, falls es wirklich eine naturgegebene Eigenschaft ist, probiert die sogenannte Therapie. Mit mehr oder weniger Erfolg, würde ich sagen; man braucht schon das Glück, am richtigen Platz der besseren Behandlung zu landen. Der Grund, warum Menschen psychisch krank werden ist nur einer: Sie können sich gegebenenfalls nicht gegen ihre Furcht vor anderen Menschen abgrenzen.

Ein Mindestmaß an Vertrauen in die Umgebung braucht einer.

Für mich hat das Problem, das ich mit meiner sozialen Angst untrennbar verbinde, diese eine, nie zu beantwortende Frage, die regelmäßig aufkommt:

„Wo bist du?“

# Kindheit bedeutet abhängig sein

Mein Mutter ist schuld, meine Eltern haben verbockt, dass ich psychotisch wurde. Das muss man ganz klar sagen. Meine Mutter schaffte, eine symbiotische Bindung aufzubauen, und dann war sie nie da, wenn es Liebe gebraucht hätte meinerseits. Das möchte der Psychiater natürlich nicht gern diskutieren. Es gibt Patienten, die bringen ihre Eltern um. Ein Arzt könnte mitverantwortlich gemacht werden, wenn so etwas geschieht. Das weiß der Weißkittel. Er laviert lieber durch sympathische Erzählstoffe, sagt, er spiele die Geige in der Freizeit, sei eben auch ein Künstler. Wie nett. Man klönt und kommt nicht voran, und das heißt Therapie? Zwischendurch klingelt noch das Telefon. Andere Patienten möchten Rat. Der Doktor nimmt sich einen Moment Zeit: „Gehen sie mal um den Block, Frau Soundso. Beruhigen Sie sich! Das wird schon.“ Ich denke, der Psychiater ist auch schuld, hat nicht wirklich geholfen. Er hat das Leid, meine Probleme kanalisiert. Ich sollte mitlaufen, ohne zu stören, an seiner Hand. Auch: Die Gesellschaft insgesamt ist schuld. Sie hat Besseres zu tun. Ich habe mich beim Arzt danach erkundigt. Er sagte: „Eine Theorie aus den Vierzigern, von der man wieder abgekommen ist.“ Schade, denke ich heute, dass ich’s mir habe gefallen lassen, immer abgespeist zu werden mit Floskeln.

Die Zeit, die wir anschließend der jüngeren Kindheit ansetzen, bis ein junger Mensch tatsächlich als erwachsen gilt, nennen wir Adoleszens. Was erwachsen zu sein bedeutet, müsste individuell beantwortet werden, aber wir können auch sagen, was bei uns als normal gilt. Daran messen wir einander, und später beginnt für einige ein regelrechter Wettkampf des Vergleichens und das Definieren von Karrierevorstellungen. Nicht alle kommen unbeschadet mit im Strom. So einer bin ich. Obschon mir die besten Noten, besonders in den künstlerischen Fächern bescheinigt wurden, ich ein Fachabitur nach der Realschule (mit hervorragendem Zeugnis) hinbekam, Grafik-Design an der Fachhochschule studierte und dort ebenfalls ein sehr gutes „Diplom“ schaffte, so hieß dieser Abschluss seinerzeit, scheiterte ich krankheitsbedingt bald nach Arbeitsbeginn als freiberuflicher Illustrator – komplett.

Ich wurde vollkommen aus dem Leben genommen, könnte man sagen.

Die Ursache dafür konkret zu benennen, war meinen Ärzten zweitrangig. Psychiater, die ich aufsuchte, konsultieren musste, setzten alles dran, mich schnell wieder auf die Bahn (ein geflickter Rennwagen), zu schicken. Dann erneut ging die Sache krachend in die Hose. Die besten Jahre meines Lebens gingen dafür drauf. Sollte ich einen Vorsprung meiner Freunde bezüglich ihrer Karriere bemerkt haben, konnte ich nur einsehen, dass dieser uneinholbar geworden war? Heute, mit über sechzig Jahren, ist ein so verstandenes Arbeitsleben nicht mehr korrigierbar, ein nicht gelebtes Liebesleben auch nicht, und die anderen werden noch zitiert: „Was willst du denn? Du hast immer als Illustrator gearbeitet. Du bist erfolgreicher Regattasegler und zuverlässiger Freund, bist länger verheiratet als die meisten von uns, hast einen tollen Sohn. Wir kennen dich als begnadeten Künstler, humorvollen Kamerad, und du bist überhaupt klug.“

Die Demütigungen parallel dieser gesamten Zeit nach dem Studium fühlen andere nicht?

Mir war – anders als den Verhaltenstherapeuten, zu denen ich jahrelang gehen musste – schon wichtig, gezielte Ursachenforschung zu betreiben und daraus eine Haltung zu generieren, die mich endlich erwachsen und selbstständig frei machen könnte. Das war der Antrieb. Die fixe Idee trieb mich, mit einer besonderen Partnerschaft, der großen Liebe an meiner Seite, könnte das (noch) alles klappen. Die schäbige Haltung zur Realität ist so gesehen, dass mir die tatsächliche Wirklichkeit meines Lebens nie genügte. Das ist ja nicht einmal krank. Viele denken so. Darunter sind einige, die manchen Neustart hinbekommen. Sie heiraten ein zweites Mal. Sie orientieren sich beruflich neu. Sie erreichen neue Spitzenpositionen in ihrer Karriere. Das alles konnte ich nie schaffen, und wie vernagelt suchte ich weiter nach Gründen – und der besonderen Frau.

Das Malen schließlich brachte mich auf die richtige Spur, meine eigenen Gedanken in Bildern überhaupt zu lesen, die ich mehr unbewusst auf Leinwand sichtbar machte. Ich selbst fand meine ersten Versuche in freier Malerei großartig nach einigen Jahren mit Auftragsarbeit am damals neuen Computer. Heute muss ich einsehen, wie naiv ich dranging, wie schwach die Umsetzungen der überhaupt banalen Themen mir tatsächlich geschahen. Vom „Gelingen“ zu reden erübrigt sich, angesichts der Werke anderer. Ich verkaufte das Geschaffene auch kaum und unter Preis sowieso. Das ganze Projekt Malerei ist, böse eingeordnet, ein weiterer Fehlschlag meines verpfuschten Lebens. Es mag Menschen geben, die mich so abwerten: ein Versager, Bekloppter, Spacken. Sie meinen es zu wissen?

Heute sehe ich meine Probierbewegungen milde. Ich bin recht frei und genieße manchen Moment. Meine Eltern machten einander viel vor, wie das in wohl einigen Ehen passiert. Ich konnte mich nicht zurecht finden unter diesen Bedingungen, und es könnte mein Fehler sein? Mein Vater lobte seine Frau als ganz besondere, während wir Kinder, meine Schwester und ich, klein waren. Er betonte mir gegenüber, wie zwingend notwendig man eine (solche) Partnerin bräuchte und glaubte, dass mir das Suchen und Ankommen schwerer fallen könnte als anderen. Eine Bürde für mich wurden solche Vorgaben. Die Liebe meiner Mutter war eine unzuverlässige. Sie schlug mich, wenn ich in ihren Augen versagte. Kleiderbügel, Lineale und ihr guter Rechenschieber wurden brauchbare Waffen, mich zu verprügeln. Mein Vater war ganz weich diesbezüglich und hat mich niemals „verhauen“, wie man das nannte. Er war als Kind in der Schule regelmäßig verprügelt worden, bekam auch Stockschläge von den Lehrern. Das wurde so gemacht, und überhaupt waren körperliche Auseinandersetzungen nicht verpönt. Ob meine Oma Lina oder sein Vater meinen Vater Erich als Kind schlugen, weiß ich genau nicht, erinnere aber Erzählungen vom Problem, beim Schlittschuhlaufen eingebrochen zu sein im Mühlenteich in Wedel. Die Kinder gingen dann zur Post. Da gab es „ein warmes Rohr“, irgendeine Versorgungsleitung außen am Gebäude, wo die Jungs sich zu trocknen probierten, bevor sie nach Hause liefen.

Sonst habe es „Arschvoll“ gegeben, meinte mein Vater.

Meine Erziehung muss ihre Mängel gehabt haben, davon bin ich überzeugt, und hat mir manche Flausen im Kopf herangezüchtet. Ich wurde immer anfälliger, andere über mich bestimmen zu lassen, und das kann nur Furcht vor ihnen gewesen sein; die ich aber lernte auszublenden. Mit so einer Einstellung scheitert man aber irgendwann, und besonders wenn Selbstständigkeit gefragt ist. Zur Selbstständigkeit gehört Selbstbewusstsein. Ich hatte keins. Damit landen diese Überlegungen immer wieder am selben, ganz einfach zu definierendem Ausgangspunkt: Ein erfolgreiches Leben benötigt Selbstreflektion, Selbstbewusstsein und eben nicht das Dasein unter Medikamenten, die alles zutünchen, was nur irgendwie unangenehm ist.

Es ist ja klar, dass ein schwer vom Schock seiner Psychose Getroffener Hilfe, auch medikamentöse Einstellung benötigt, aber die weiteren Wiederherstellungsmaßnahmen bleiben ungenügend in den meisten Fällen bei solchen Patienten. Das gesamte Konzept, dem Leben zu begegnen beim Kranken, müsste so umfassend optimiert werden bei ihm, dass kein Gesundheitssystem irgendeines Staates das je wird leisten können.

Dieser Text kann kein allgemeiner Ratgeber sein diesbezüglich.

Was ich schreibe, ist nur persönlich. Ein Bericht sollte aber klar machen, wie einfach die Schlüsse sind, die man draus ziehen kann. Niemand müsste lamentieren, wie vielfältig die Gründe, Ursachen und Störungen seien, wenn man zum Punkt käme, das Selbstbewusstsein der Kranken effektiv zu stärken. Es braucht ein gutes Körpergefühl, und das hat so einer nicht. Wer lernt, sich selbst und damit der eigenen Muskulatur Vertrauen zu schenken, sein Gangbild und die Haltung insgesamt verbessert, kann auch leichter einschätzen, wie viel oder wie wenig Ehrlichkeit ihm die Umgebung präsentiert. Der Psychiater ist dabei keine Hilfe. Er weiß nicht, dass ein krankes Gehirn den Körper, die Arme und Beine, überhaupt sämtliche Muskulatur steuert. Der Therapeut sieht nur den Intellekt und die Emotionen, den kranken Geist. Der Arzt ignoriert, dass ein Leib dranhängt am Kopf und das Hirn nicht allein herumläuft. Emotionen machen manches mit der Muskulatur. Jeder hat so seine Angewohnheiten, etwa die Atmung abzuschnüren. Das könnte ein großartiges Arbeitsfeld für den ernstzunehmenden Helfer sein, sich drauf einzulassen, hier anzusetzen. Man rät lieber zu Yoga, Chi Gong und wie der ganze modische Kram heißt, Entspannung „nach Jacobson“. Es ist ja schön und gut, in einer Gruppe zu liegen und sich belabern zu lassen, wo und wie lange man sich anspanne, um dann locker zu lassen. Eine fernöstliche Technik mit lauter Frauen zusammen durchzuturnen, ist nicht schlecht. Wir bräuchten aber selbstständige Menschen, keine sozialen Dehnungsveranstaltungen mit anschließender Teerunde, integrierter Selbsthilfegruppe.

Erwachsen geworden, kann ein Mann auch verzichten. Er wird die Liebe als solche relativieren, die er bekommen könnte, dürfte aufhören zu suchen (wie in meinem Fall nach einem Ersatz für die dominante, aber unzuverlässige Mutter Ausschau zu halten). Ich habe mich abgefunden und erlebe oft, in Frieden mit der Vergangenheit, stolz auf das Geleistete zu schauen. Es ist sehr angenehm, ein Zuhause zu haben, das Wohlgefühle möglich macht! Dann wieder finde ich mich nicht ab, das kann man wohl sagen, nehme jeden Fehler persönlich, wüte, und so gesehen habe ich auch gelernt, Zorn als Antrieb weiter nutzen zu können.

# Schluss mit Liebe!

„Die Person“, A. – (Name nicht genannt), zum Schutz der Person: Das Ende unserer Beziehung, wenn sie diesen Namen verdient, der Schluss der Freundschaft einer Studentin zwischen ihr und mir, dem langverheirateten Ehemann, kam deutlich, aber schlecht begründet von ihrer Seite. Heute ist klar, man hat sie abgezogen, in Sicherheit gebracht vonseiten der Menschen, die sich als ihre Betreuer gefielen, stets die Hand drauf zu haben, auf alles, was wir taten. Das Wort „Liebe“ fiel nie. Wir schrieben einander, machten nichts außer reden, Ausstellungen zu besuchen oder mal eine Veranstaltung. Je länger das ging, jahrelang, desto mehr wurden ihre Statements gecastet von Aufpassern. Da bin ich mir sicher. Sie konnte nicht mehr frei sprechen. Das merkte man. Unsere Mails sind frisierte gewesen. Da waren hier und da winzige Abweichungen, ein anderes Wort, Fehler im Zusammenschnitt noch unten dranhängender Absätze. Warum sollte das geschehen, wenn nicht jemand mit Absicht diese Textpassagen neu eingebaut hatte?

Wir waren nie mehr ehrlich zueinander schließlich. Als mir klar wurde, dass man besonders mich verarscht, verstand ich’s auch umgekehrt, dasselbe Spiel zu gestalten. Letztlich bleiben allseitig die Gefühle und das nötige Vertrauen in Beziehungen überhaupt auf der Strecke.

Nie wieder!

Ich habe gelernt, allein zu empfinden, wer auch immer um mich herum ist, mit mir zusammen Zeit verbringt, mit mir lebt. Ich denke absolut eigennützig (ohne Abstrich an dieser Aussage). Es gibt keine Liebe, nirgends. Das ist nichts als eine Behauptung, ein dummes Wort, ein Wunsch usw. Es bedeutet Machtspiel, Geilheit, die Illusion von Vertrauen, was weiß ich, aber Liebe, das hat es nie gegeben. Die Leute machen sich was vor. Man nenne mich Narzisst, Nihilist oder – Psychopath? Das stört mich nicht, weil ich mir dieses Leben nicht aussuchen konnte, mich unter Zwang formen musste. Wo Menschen verdeckt an Einfluss gewinnen über den Einzelnen, wird dieser eine paranoide Haltung kultivieren, bis diese zum Überleben taugt. Das Ergebnis ist ein besser angepasster, aber kaputter Mensch, der sich nie mehr nützlich anbiedert. Egoismus pur kommt dabei raus, andernfalls Suizid. Mehr zu tun, verlangte übermenschliche Kräfte und reichlich Lebenszeit plus. Mit über sechzig ist das Leben weitestgehend vorbei. Da lässt man sich’s gut gehen und gut ist’s. Sollen andere doch verrecken.

„Das schöne Projektil“, so habe ich diesen Text überschrieben, weil man mir eine liebenswerte Person wie einen Speer in den Leib gestoßen hat. Sie ist gleichwohl eine Pistolenkugel, die steckengeblieben ist, abgeschossen von geltungssüchtigen, sogenannten Erwachsenen. Wir beide wurden zum Spielzeug solcher Eitelkeiten. Mit einem Steckschuss ist man ja nicht gesund. Ich lerne jeden Tag, das Ganze als Modell meines Lebens und früheren Episoden nutzbar zu machen, aber diese Wunde bricht regelmäßig auf. Da bleibt nur die fatalistische Haltung. Als „unerwünschte Person“ bin sowohl ich als auch meine „Freundin“ angesehen, die sich besser nicht blicken lässt in einem Drama, das schäbiger wurde mit jedem Tag.

Das haben wir davon, nichts als Erinnerungen.

Man kann nicht davonlaufen. Ich denke jeden Tag an unsere gemeinsame Zeit, male mir aus, wie eine Beziehung sein könnte, die so anfing und komme zum selben Schluss. Das geht nicht. Wenn alles ein Fehler war, dann will ich der alleinige Profiteur sein. Meine zynische Haltung ist der Ohnmacht geschuldet, abrechnen zu müssen mit der Vergangenheit, weil keine Option bleibt. Damit werfe ich jeden verbleibenden Tag bewusst weg. Ich zerstöre alle Chancen, mache alle Ideale kaputt. Wo immer Empathie sich einschleichen möchte, merze ich Gefühle aus wie Unkraut. War das ein Ziel dieser Gutmenschen? Dann haben sie eine tickende Zeitbombe geschaffen! Wer mich nur irgendwie in die Ecke drängt, dürfte eine unerwartet überdimensionierte Antwort auf solches Verhalten kassieren. Meine Existenz ist mir heute reichlich egal, dass ich alles für bequemes Funktionieren tue, aber nichts Konzeptionelles sehe. Ginge mein Leben irgendwie kaputt, eine ernsthafte Erkrankung oder finanzielle Not – ich kümmerte mich nur aus der Position des Gewohnten. Da ist nicht eine Vision in meinem Hirn, was zu schaffen wäre oder lebenswert sein könnte, dafür noch zu kämpfen.

Geht die Welt auch den Bach runter, ich spotte, versaufe lustvoll wie der Ahab in „Mobby Dick“.

„Hier hast du mein letztes Eisen!“

Das schreit der in den Fangleinen vieler Harpunen verhedderte Kapitän. Letzter Akt: Fest mit dem Leib vom weißen Wal verbunden, klebt Ahab schließlich auf Mobby Dick. Eine Unachtsamkeit hat ihn aus dem Boot gerissen. Der Wütende bohrt seine Harpune tiefer ins Fleisch des verhassten Widersachers, der unbeindruckt abtaucht für eine halbe Stunde oder so, um anschließend gepflegt die „Pequod“ zu versenken. Ahabs Leiche hängt, scheinbar mit dem Arm winkend, noch oben drauf, als das riesige Tier wieder im Ozean verschwindet. Nur Ismael überlebt, und Gott ist zufrieden. So werden wir, wenn der Hass uns treibt. Wir reißen eine ganze Mannschaft mit in den Tod, die uns Vertrauen schenkte mitzufahren. Da sehe ich mich an Deck die Kommandos geben auf meinem Lebensschiff, spüre das kalte Wasser, das Würgen täglich.

Fehler gehören zum Leben dazu. Sie prägen unser zukünftiges Denken. Fatalismus kann das Ergebnis sein. Man bleibt handlungsfähig, erkennt die Möglichkeiten, ist aber inzwischen skrupellos: Das bin ich. Kein Staat, keine Beziehung oder Freundschaft verdient es, wichtiger genommen zu werden, als die Notwendigkeit, die eigenen Emotionen in Schutz zu nehmen vor dem Übergriff, der Einmischung von anderen, eine die Gesundheit gefährdende Attacke, ein verbales Virus.

Der Umgang mit Fehlern ist also überdenkenswert.

Eigenverantwortung, das heißt keine Eltern oder gar einen Gott verantwortlich zu machen für Missliches. Da ist keiner, der sich in unser Leben einmischt, uns persönlich betreut oder das Handeln stört. Erst die reale Gefahr meiner Lebenswirklichkeit, dass es doch so sein könnte und ein Apparat verdeckte Manipulation anwendet, hat mich nachhaltig kuriert. Es gibt den Staatsschutz, und ich habe sogar Belege für sein Interesse an meinem Leben. Die haben mich im Auge. Ich sehe sie ebenfalls, unterscheide das von Wahnvorstellungen durch die Übung, es allmählich zu können. Das ist meine individuelle Kunst. Sie macht mich zum effektiven Späher für alle, die es geben könnte, sich zu informieren. Meine Kritik, auf einer einsamen Website platziert, ist immerhin ein Fenster. Hier gibt es noch Transparenz. Das ist keine Zeitgeistsoße, Deko à la Banksy, keine Mode, norddeutscher Realismus. Es gibt an dieser Stelle keine Hafenbilder oder irgendwie überhaupt Wohnzimmerkunst. Verkauf ist nicht notwendig. Das ist meine Galerie online. Ich schaue anders auf andere, kann die fixieren mit meinem Zeichenstift.

# Berufslügner

Es ist wohl nicht verkehrt, einen Spion als Berufslügner zu bezeichnen, und so sollte man auch vorsichtig sein, wenn man mit der einfachen Polizei in einen Konflikt gerät. Bei jeder banalen Verkehrskontrolle darf kein Autofahrer einfach plappern, was ihm so durch den Kopf geht. Da heißt es, nur das Notwendige zu tun. Schweigen ist unter Umständen klug. Und genauso müssen wir diesen Apparat mit seinem ihm innewohnenden Korpsgeist insgesamt kritisch anschauen.

Diesen Leuten kann man nicht blind vertrauen.

Ich konnte meinen Frust kultivieren und traue mir diese Haltung zu: Einen Polizisten sehe ich als jemanden, der immer lügt. Die Kripo verbirgt sich und ihre Motive. Das darf man beim Krimischauen im Fernsehen interessant finden. In der Realität werden alle noch vorhandenen Ideale beim Anvisierten zerstört. Menschen wie ich können nicht mehr anständig sein. Um möglichst Beute zu machen, korrumpiert der Beamte grundsätzlich und immer wieder seinen Dienst an der Gesellschaft. Davon bin ich überzeugt. Er ist der Freund und Helfer nur für die, die er nicht verdächtigt. Der Ordnungshüter kann nicht sehen, dass im Rechtsstaat das Urteil erst im Gericht fällt. Das Blindwütige solcher Jäger zu begreifen, verbietet die Mitarbeit für unser System, da ich, als unter Verdacht Geratener, nun jeden Polizisten (und wer sich für einen hält genauso) verdächtige, nämlich des Missbrauchs seiner Macht.

Der moderne Polizist entspricht nicht dem Bild vom Kommissar im Film. Die Kripo im Roman, und besonders die Serienpolizisten aus dem Fernsehen, beschäftigen sich mit ihrem Fall, den sie schließlich lösen. Die Realität unterscheidet sich deutlich. Eine Arbeitsgruppe hat immer zwanzig oder mehr Sachen auf dem Tisch, nicht den einen Fall wie im Plot einer fiktiven Erzählung. Vieles wird nie befriedigend aufgeklärt. Man sucht sich einen alternativen, vielversprechenden Ansatz und hat den auch gefunden. Da sind umtriebige Kollegen, die, anstelle Verbrechen aufzuklären, sich gezielt Personen vornehmen, die Straftaten erst noch begehen könnten.

Die Medien profitieren und feuern die Hetze auf vermeintliche „Gefährder“ gern an. Mit diesem Begriff wird ein illegaler Alien innerhalb der Gesellschaft erkannt. Jemand ist kein Mensch mehr, der diesen Stempel verpasst bekommt. Wir verurteilen die Nationalsozialisten, die den sogenanten Judenstern erfanden? Wir Guten heutzutage sind gleichwohl bereit, Menschen auszugrenzen, die mitten unter uns leben, an sich selbst scheitern. Die Rechtfertigung: Man müsse schließlich konkret von Straftaten ausgehen, die jemand begehen könnte. Gutachten stützen entsprechende, richterliche Vorgaben. Rechtsstaatliche Strukturen immerhin sind maßgeblich, unsere Ohnmacht zu kaschieren, wo es nicht zum Einsperren reicht, man aber trotzdem Handhabe möchte zur Überwachung.

Die Presse springt gern auf auf diesen Zug. Wer raussticht aus der Masse als eventueller Täter, Psychopath, aber draußen herumläuft, den möchten die Leute doch sehen! Der Boulevard echauffiert sich über unsere unfähige Justiz, dass die das erlauben, dass so einer frei ist. Man weidet sich daran, Menschen unscharf zu verpixeln und anderntags wieder klar abzubilden. So können alle teilhaben am Teeren und Federn des Bösen, und man selbst in der Redaktion ist fein raus, steht drüber, beruft sich mal auf das Persönlichkeitsrecht, dann auf die inzwischen erlangte Prominenz des Fotografierten.

# Christian B.

Konkret im Norden bei uns erkennen wir beispielsweise einen „Christian B.“ als willkommenes, mediales Futter, dem jedes Recht auf anonyme Freiheit verwehrt ist. Er trägt eine elektronische Fußfessel. Sein Konterfei ist bekannt. Zivile Ermittler folgen ihm auf Schritt und Tritt. Niemand ist bereit, ihm eine Wohnstelle anzubieten. Alle freuen sich, diesen Mann wie eine Sau durchs Dorf zu treiben. Frauen bilden WhatsApp-Gruppen und warnen einander, wo gerade er sich bewegt, einkauft, als Obdachloser zeltet:

Der Hauptverdächtige im Fall der verschwundenen Madeleine McCann.

Er ist im Fokus einer geschwätzigen Staatsanwaltschaft, die seit einigen Jahren glänzen möchte mit ihrer Idee, der Lösung für den spektakulären Kriminalfall.

Bislang erfolglos.

Der anfangs der Beschuldigungen wegen anderer Sexualstraftaten Einsitzende hat seine Strafe beendet. Er wurde freigelassen unter Auflagen. Eine Fallkonferenz zu seiner Entlassung aus dem Gefängnis hatte das Risiko „weiterer Sexualstraftaten zum Nachteil weiblicher Personen jeglichen Alters“ gesehen, berichtet aktuell das „Pinneberger Tageblatt“ Ende Februar diesen Jahres. Die Schlagzeile: „Christian B. verlässt Schleswig-Holstein“. Der von seiner Vergangenheit und Gegenwart Gepeinigte nennt dem Schleswig-Holsteinischen-Zeitungsverlag seine Motivation, nach Braunschweig umzuziehen, die Stadt, in der gegen ihn ermittelt wird:

„Aggressiver Polizeiterror mit teilweise acht Polizisten und zwei Fahrzeugen, was soll ich mehr sagen?“

Das Tageblatt berichtet (nicht ohne Komik, finde ich) von den Ergebnissen dieser Überwachung. Etliche Bußgeldverfahren kann der Beschuldigte vorweisen.

„Freihändiges Fahradfahren“, „Radfahren auf dem Gehweg“, „Rotlichtmissachtung als Radfahrer“.

# Weiter in Niedersachsen

Die „Braunschweiger Zeitung“ nimmt den Faden der Erzählung gern auf. Medialer Trubel begleitet den aus dem Gefängnis Entlassenen weiter.

„Petition gegen Christian B. gestartet, Hauptverdächtiger im Fall Maddie McCann nicht mehr in Schleswig-Holstein – Nachbarn in Braunschweig wollen ihn loswerden“

So lautet die Schlagzeile auch bei uns im „Pinneberger Tageblatt“, das einige Wochen später noch einmal berichtet und den Artikel freundlicherweise aus Braunschweig ebenfalls nutzen kann, am Ball bleibt. Das neue Problem wird gesehen, dass eine engmaschige Überwachung der mutmaßlich gefährlichen Person nicht unbegrenzt angeordnet werden darf. „Eine solche Überwachung, die der Gefahrenabwehr dient, kann von einem Gericht zwar per Folgebeschluss verlängert werden. Dafür muss die Gefährlichkeit (…) aber weiterhin begründet werden. Zeigt ein Überwachter nach einem halben Jahr keinerlei auffällige Aktivitäten, stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit immer dringlicher“, schreibt der Redakteur Hendrik R. im Artikel über menschliche und juristische Probleme auch in Niedersachsen. Der prominente Vorbestrafte stößt überall auf Ablehnung. Seine neuen Nachbarn in Braunschweig wollen B. nicht in der Nähe haben. Die Leute probieren, wie sie es hinbekommen, ihn schnell wieder loszuwerden. Er wohne jetzt „in einer Privatwohnung“. Die solle „einem Freund gehören, der ihm Unterkunft gewährt“, schreibt das Blatt.

Weiter:

„In den sozialen Medien wird hitzig diskutiert, ob man seine aktuelle Adresse nicht kurzerhand öffentlich machen sollte?“

Das lese ich, und es macht etwas mit mir.

So sind Menschen. Wer angreifbar ist, wird angegriffen. Naivität ist fehl am Platz, wenn man auch klug sein kann. Gutgläubigkeit führt schließlich dazu, ausgebeutet zu werden. „Eine Geschichte ist erst zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat“, Friedrich Dürrenmatt. Das ist nicht nur der Rat für angehende Autoren. Es sind hilfreiche Worte überhaupt. Man soll seine Befürchtungen ernst nehmen. Wer Ängste ausblendet, nicht wahrhaben möchte, was geschehen könnte, fügt sich Schaden zu. Der von allen gefürchtete und ausgegrenzte Sexualstraftäter B. mag im Gefängnis mit Blick auf das baldige Ende seiner Strafe optimistisch in die Zukunft geschaut haben? Die unbeschwerte Freiheit gönnt man ihm nicht und piesackt den Mann weiter. Einige freut noch, wie leicht es funktioniert. Das macht wach und nachdenklich. Für mich stellt sich die Frage, ob auch ich selbst ständig verarscht werde, was immer die Leute ob meiner Vergangenheit glauben zu erkennen? Wer psychisch aufgefallen ist, dem kommt keiner unbedarft entgegen. Viele tun nur freundlich. Wo jemand freimütig über Pornografie schwadroniert, bedeutet er eine mögliche Gefahr für Bekannte, die annehmen, vergleichsweise anonym zu sein, es bleiben möchten? Das dachte ich schon, dass andere so denken könnten. Ich habe erst lernen müssen, das tatsächliche Wesen auch meiner Nachbarschaft, der vielen Freunde, die ich meine zu haben, kritisch zu betrachten.

Hinterfotzig: Das verborgene Tun meiner Familie auszuhalten, die den Kuchen einer lukrativen Erbschaft teilen und schließlich mitessen wollte, war so unglaublich frech.

Gut und Böse: Niemand fragt scheinbar, ob das größere Verbrechen nicht der kollektive Druck solcher Meute ist, die keinesfalls zur Rechenschaft gezogen werden möchte und sich auch in Braunschweig für eine notwendige Bürgerwehr rüstet, die Dinge unter Umständen zukünftig selbst in die Hand zu nehmen?

Ich gehe davon aus.

# Die Überwachungsgesellschaft und ihre Hypothesen

Unsere digitale Zeit ermöglicht die Überwachung von Menschen in nie gekannter Weise. Dazu braucht es bloß das entsprechende Gutachten, eine Legitimation, und los geht’s. Der Begriff Straftat macht deutlich, was gemeint ist. Etwas zu erkennen, das die Behörde befugt, diese Aktion mit einer Strafe zu belegen, den Handelnden als „Täter“ zu benennen. Es geht nicht primär um Leid oder Verbrechen, wie der Laie dieses empfindet. Die Polizei benötigt die juristisch belastbare Tat, die als solche beschreibbar ist, sich im Text der Gesetze bereits vorformuliert wiederfindet. Man sucht nach Sachen, die „strafbar“ sind. Es bedeutet die Möglichkeit, als Jäger einen Punkt zu machen. Fallenstellen und extra noch Köder auszulegen, ist eine legale Methode der Kripo. So kann man selbst zuerst aktiv werden, als Polizist eine Handlung rechtfertigen, die nicht „Tat“ heißen darf, selbst wenn ein so gesetztes Lockmittel die eigentliche Straftat beim Gegenüber erst provoziert. Das ist eine Spielregel auch bei der anschließenden Bewertung im Gericht. Das erlaubt sich der Rechtsstaat und noch mehr der Unrechtsstaat. Dort schafft man unverfroren komplett fingierte Inszenierungen.

Im Film wird der Kommissar zur Leiche gerufen. Anschließend befragt er die Anwesenden aus dem Umfeld des Toten. In unserer Realität aber nimmt die mögliche Gefährdung der Menschen durch einen eventuellen, zukünftigen Täter breites Interesse ein. Die Kripo hilft gern nach, dem ins Auge gefassten Aspiranten die Tat erst zu ermöglichen, die man ihm zutraut. Jemand, der sich ansatzweise verdächtig machte, erfüllt die Bedingungen für einen Platz im Raster. Dem entsprechend Typisierten bietet der Staat passende Straftaten auf dem Präsentierteller unter genauer Beobachtung. Man hofft, der Auserwählte beißt an und handelt entsprechend der Voraussage seines verdeckten Profilers. Wer auffällt, hat schlechte Karten gegen diesen Apparat, der nach dem von Orwell vorgezeichneten Muster zeitgemäße Wege erkennt. Dabei schrecken die vermeintlichen Freunde und Helfer nicht davor zurück, mögliche Täter erst zu welchen zu machen, die sie im entscheidenden Moment wie zufällig auf dem Schirm haben. Das ist pervers, aber real. Es trifft isolierte Menschen, die sich aufgrund ihrer Migration bei uns nicht auskennen oder eben latent psychisch Kranke, labile Zeitgenossen.

Solche sind beliebtes Spielzeug für die Polizei.

Die tatsächlichen Amokläufer sind typischerweise unauffällig und überraschen alle im Umfeld mit ihrer Attacke. Sexuelle Straftaten, besonders im Internet, werden von Menschen begangen, die sich geschickt verbergen. Technikaffine Leisetreter sind das. Die Polizei ist weitestgehend machtlos und wird immer wieder vorgeführt von besonders der gut organisierten Kriminalität. Das wurmt diese Leute. Weil das so bleiben wird, sucht sich die Behörde Arbeitsbereiche, die stattdessen gut kontrolliert werden können und schafft sich mittelbar die nötigen, strafbaren Umstände selbst? Für mich eine Tatsache: Man will Erfolge.

# Im Raster

Zu begreifen, dass ich, „der Künstler von Schenefeld“, ebenfalls so einer bin, man dauerhaft meine Akte führt und wo’s geht mit Schnipseln füttert, Ergebnisse bewusster Provokationen sammelt, ist bitter.

In meiner Vergangenheit findet sich keine Sexualstraftat.

Der Behörde reicht scheinbar die Idee eines Verdachts, da könne was sein? Meine Bilder und Meinungsäußerungen genügen auch dem Dorf. Man probiert, mir was anzuhängen wie Ballast durch penetranten Rufmord. Echte und falsche Polizisten ergänzen sich perfekt. Ganz wie im Fall des eingangs beschriebenen Psychopathen tratschen auch hier die Väter, Mütter und Töchter. Sie nutzen soziale Medien für ihre Spiele mit mir. Das lassen sie mich schon merken. Kleine Eitelkeiten gehören immer dazu. Eine fixe Idee ist das Motiv vieler Leute, sich gruppiert, aber unangreifbar sein wollend, verborgen, in Szene zu setzen. Man hat dafür eine möglichst überzeugende Theorie zur Hand. „Wisst ihr, was das für einer ist?“ Eine glaubwürdige Geschichte zieht besser als die ganze Wahrheit, die ohnehin keiner kennt.

Ich begreife mit Google: Die Bild-Zeitung ist mit Abstand die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland. Das sind wir. Einfache Wahrheiten machen glücklich. Narrative bieten Leitbilder für Folgende. Jeder benötigt seines, auch zur Rechtfertigung gegen das der anderen. Ein Modewort. Das Internet will’s wissen, fragt: „Wie erkenne ich ein Narrativ?“, antwortet selbst:

„Die in eine bestimmte Richtung lenkende Erzählung wird Narrativ genannt. Sie wird vor allem dazu verwendet, die Aufmerksamkeit der Empfänger manipulativ an eine für den Erzähler vorteilhafte Stelle zu lenken und gleichzeitig ungünstige oder unangenehme Stellen zu umschiffen.“

Ich kann das ebenfalls tun!

Besser als eine verschworene Ideologie gibt mir meine eigene Version der Geschichte die kreative Sicht auf den Staat, die Gesellschaft und schafft mir täglich Aufgaben zu schreiben, zu zeichnen.

Ich glaube an das pervertierte System, sehe mich ungerechtfertigt im Fokus der Behörde. Die Kripo sammelt Hinweise. Google löscht Suchergebnisse, wenn man meinen Namen eintippt. Um mich kümmern sich welche. Das geschieht, ohne mich zu fragen. Es scheint eine perverse Fürsorge zu sein, die nur die befriedigt, deren Laborratte ich für sie sein soll. Zwei Lager im Apparat stelle ich mir vor. Andere Kollegen wollen lieber strafen und organisieren Momente, die meine Gefährlichkeit herauskitzeln könnten? Meine sexuelle Abartigkeit möchten welche erst zum Vorschein bringen, um dann zu sagen: „Jetzt haben wir ihn!“ Gegebenenfalls im Ausschnitt verwendbares Material soll für eine endlich belastbare Anklage vorhanden sein? Diese Erkenntnis schockiert mich nachhaltig. Ich bin davon überzeugt, dass es so ist. Einer Polizei, die raffiniert und heimlich digital einen Lauschangriff beginnt, also selbst zum Täter werden darf, sich ständig noch damit brüstet in allen Medien, dass sie irgendwo verdeckt überwacht und wieder ein sogenanntes Netzwerk zerschlagen hat oder ganze Gruppen, Parteien lustvoll beobachtet, ist alles zuzutrauen.

Wer solche Techniken anwenden kann, hat auch die Fähigkeit, Ergebnisse wunschgemäß zu manipulieren.

Ein kleiner Rest vom Glaube an sich selbst und eine reale Hoffnung, hier auf dem Planeten Erde dennoch bestehen zu können, bleibt dem Observierten auch in einer undurchsichtigen Lage. Ein aktueller medialer Satz ist hängen geblieben bei mir.

„Wir können nur an uns selbst scheitern. Aber dieses Scheitern gerät in den Bereich des Möglichen.“ Zitat: Björn Höcke.

Das ist, ausgesprochen von einem, der es wissen muss, der einzige Vorteil des Einzelnen in dieser Welt, die Verlogenheit systemisch generiert. Jede Firma, Partei und genauso der Staatsapparat ist stark nur im geschlossenen Verbund. Eine schlagkräftige Gruppe ist eine, die ihre Fehler nach innen hin versteckt. Mir steht also eine Verschwörung gegenüber, die dem Nachteil solcher Verbindungen anheimfällt: Es gibt Leckagen im Netz der vermeintlichen Bürgerwehr, dem Nachrichtendienst mit seinen Sondierungen, mich ins bekannte Böse mit einzupusseln, sodass auch ich eine Sammlung der Fehler abhefte. Ein Katz-und-Maus-Spiel und beileibe kein paranoider Spinnkram. Das macht mich zu einem Bollwerk der Kunst und für unsere Freiheit allgemein. Ein Polizist in Deutschland muss damit leben, dass das Recht als solches (noch) stärker ist, als seine geifernde Köterschnauze erschnuppert, was da für Leckerbissen locken. Wir Bürger bleiben wehrhaft. Nur wer für seine Rechte eintritt, hat welche, heißt es. Der Preis ist enorm. Wir sind ein Land der Mutlosen, Aggressiven und Verstockten.

Ich bin ein Frustrierter, und das nimmt unser Staat gern hin.

# Andere motzen auch

Die Welt, Deutschland, Schleswig-Holstein; das Zusammenleben hat sich verändert. Kiel: „Weniger Angriffe – mehr verletzte Beamte“, lautet die Überschrift eines aktuellen Zeitungsartikels im Pinneberger Tageblatt. In der Polizeistatistik des vergangenen Jahres sind Widerstandshandlungen und tätliche Aggressionen gegen Einsatzkräfte gelistet. Die Zahl der Angriffe sei nach wie vor erschreckend hoch, wird FDP-Landtagsfraktionschef Christopher Vogt zitiert. Redakteur Eckard Gehm kommentiert: „Wo bleibt in der Politik die Diskussion über einen ganzheitlichen Ansatz, der die Gesellschaft so weit befriedet, dass sich der Trend umkehrt?“

Der Staat ist immer unser Gegner. Die Regierung sieht das Ganze und erkennt ihre Ziele im Generieren von Stärke. Ein Land befindet sich insgesamt im Wettbewerb mit anderen. Es ist nicht die Politik, die für uns drinnen im System das jeweilige Recht des Einzelnen stärkt. Es ist der Druck der Gesellschaft, der das gegebenenfalls einfordern kann. Die Parteien spiegeln unsere Motive und verstärken Bewegungen. Der Motor aber ist die jeweilige Gruppe, die ihre Befindlichkeiten einbringt. Der Apparat Staat hingegen möchte ungebremst handeln, wie besonders die Politik von Donald Trump das aufzeigt. Nur mit einer echten Opposition funktioniert Demokratie. Europäische Parlamente verhindern den bislang unvorstellbaren Durchmarsch der Führung wie in Amerika, aber wir dürfen beunruhigt sein, wie lange wir stabil gegen ähnliche Strömungen unsere vielfältigen Meinungen integrieren können. Der amerikanische Präsident hat erkannt, wie die sogenannten Unrechtsstaaten doch voran machen, weil der weltweite Konkurrenzdruck nach innen weitergegeben werden kann. Sind die Leute im Land nur einigermaßen zufrieden, stützen sie ihre Regierung. Hauptsache, die Leitung wirkt entschlossen und einig im Ziel. Demokratische Ideenfindung hat es heute immer schwerer. Der innerparteiliche Streit bei uns wird längst nicht mehr als notwendige Auseinandersetzung begriffen. Russland kann Krieg führen, und die Leute stehen hinter ihrem Präsidenten. Innerstaatliche Rebellion wird dort bei weitem nicht so wichtig genommen, wie der Westen anmahnt, dass sie geschehen müsste. Unsere hehren Ziele in Europa, was die Klimapolitik oder die Wahrung von Menschenrechten betrifft, stehen auf dem Spiel. Die Mehrheit der Staaten hält sich nicht an diese Fairness, die wir einfordern. Während Russland und China von innen kaum nennenswerten Widerstand gegen Repressalien durch ihre Regierungen zu fürchten haben, bauen die bestehenden Demokratien im Westen kontinuierlich die Rechte ihrer Bürger ab.

# Die Politik nutzt unsere Befürchtungen aus

Fachkundige und ehrliche Politik ist eine Ausnahme, ein Glücksfall. Populisten sind bereits an der Macht oder wollen erst noch hin zum Staat. Die Erosion der demokratischen Rechtsstaaten weltweit macht ihnen Mut, mit bloß ihrem Mundwerk absahnen zu können. Das Erschreckende ist, wie viele im Land bereitwillig mittun, dem sich organisierenden Klüngel die Steigbügel halten. Die besten Unterstützer der neuen Rechten sind aber die unfähigen Politiker unserer ehemals großen, sozialen, demokratischen Volkspartei.

Das tut weh, dass die so doof sind.

Während ich diesen Text verfasse, passieren der SPD zwei kapitale Wahlschlappen. Zuerst scheitern die Genossen verdient in Baden-Württemberg, kurz darauf verlieren sie auch die Wahl in Rheinland-Pfalz. Die AfD erreicht Spitzenwerte. Die Moderatorin im ZDF-Studio, Shakuntala Banerjee, stellt Tino Chrupalla die dumme Frage, was er angesichts dessen, dass keine andere Partei mit seiner koalieren möchte, ändern müsste? Der bleibt entspannt. „Wir haben unser Ergebnis mehr als verdoppelt. Die anderen kämpfen mit Verlusten. Warum sollten wir was ändern? Wir machen überall voran, jedesmal kommen wir weiter“, sagt der AfD-Chef so ungefähr.

Die SPD ringt um Fassung. Die Roten begreifen es nicht. Die Antwort ist ganz einfach und unübersehbar. Die Bundes-SPD hat nicht verstanden, dass die Deutschen das Chaos der Vorgängerregierung abgewählt haben. Dem Kanzler Olaf Scholz warfen alle wiederholt mangelnde Führung vor. Schon zu dieser Zeit erreichten die extremen Rechten, die sich als Alternative anbieten, gute Werte in der Bevölkerung. Es nützt also nichts, diese Partei verbieten zu wollen. Bald ein Drittel unterstützt ihre Bemühungen, an die Macht zu gelangen. Die Mehrheit möchte rechtslastige, konservative Politik, verlangt erkennbar Führung. Und die SPD konkurriert mit linken Ideen, mal hier, mal dorthin und stets opponierend zur eigenen Regierung. Dümmer geht’s nimmer. Es werden neue Blöcke entstehen? Gut möglich: Die ehemalige Volkspartei wird weiter nach links rücken und – verbunden mit den extremen Linken – zum radikalen Klüngel geistig weiter verarmen. Die Gesichter von Bärbel Bas und Lars Klingbeil bilden das jämmerliche Eingeständnis vollkommener Einfalt ab angesichts der Lage. Das erlaube ich mir, als Meinungsäußerung hinzubekommen, solange wir das noch dürfen, sagen, was wir denken. Es könnte bald Schluss sein damit.

Die CDU mutiert, sage ich voraus, zum Juniorpartner der AfD, die demnächst irgendwo stärkste Kraft wird und dann weiter macht. Damit erleben wir künftig eine neue Parteienlandschaft. Die Rechten regieren, radikale Linke machen Terror. Keine schönen Aussichten. Schuld daran ist vor allem die planlose SPD. Menschen wählen Führungspersönlichkeiten. Wenn der AfD noch gelingt, einen charismatischen Anführer nach vorn zu bringen wie es andere in Europa, besonders die Italiener mit ihrer schönen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, schafften, kommen auch unsere Rechten zum Regieren – mit ungewissem Ausgang. Die Italiener zeigen, dass entschlossene Politik konstant und zuverlässig möglich ist, aber das will nichts heißen. Uneingeschränkte Führung droht, und das kann scheiße sein. Modell für Populisten stehen überall Despoten, die bereits die ganze Welt ins Chaos stürzen mit ihrer Egomanie. Das sind Führer. Wollen auch wir so werden?

Unsere Probleme sind verschuldet durch doofe, abgehobene, pseudodemokratische Politik der Etablierten, und gegenüber hilft das nimmersatte Denken besonders der ungebildeten Bevölkerung, uns in den Abgrund zu manövrieren. Intelligente können nichts machen gegen eine bornierte Welle durch gleichwohl Überheblichkeit oder landesweite Demonstrationen der Gutmenschlichkeit. Wenn die Massen auf einem Kahn abwechselnd von Backbord nach Steuerbord eilen, kentert ein Schiff. Das droht Deutschland, das droht der Welt. Man wird nach dem Kapitän rufen, der das Chaos stoppt. So zieht die Idee von der Remigration. Das ist nicht verwunderlich. Eine gute Lüge wird zum mitreißenden Konzept der nationalen Idee. Wenn alle mit Migrationshintergrund unser Land verlassen, bleibt niemand nach. Es wird nicht passieren. Das begreifen die sogenannten Arbeiter, die früher die SPD wählten, sehr gut. Sie unterstützen die „Alternative“, weil sie mitbestimmen wollen, wer an ihrer Seite lebt, und das ist das gute Recht des Bürgers.

Präsidenten wie Donald Trump oder Wladimir Putin lassen sich hinreißen, ihren Eitelkeiten zu folgen und kommen weit damit. Wer von uns aber möchte mit diesen verantwortungslosen Hasardeuren tauschen? Wir beklagen unsere Machtlosigkeit, wir sind wütend, resignieren, sind aber nicht massenhaft übergriffig wie diese Staatenlenker, wir kleinen Leute. Man muss es aushalten, gegenhalten – mindestens.

# Macht und Machtlosigkeit

Das Schöne ist: Die Grenzen der Macht sind real. Es trifft uns alle. Die Ohnmacht, nicht weiterzukommen mit einem Vorhaben, beginnt bereits im Kleinen. Die Bürokratie abzubauen, wurde uns beispielsweise versprochen von der neuen Regierung unter dem aktuellen Kanzler Friedrich Merz. Inzwischen wird diese Koalition kritisiert wie die unglückselige Ampel mit dem drögen Olaf Scholz. Man konnte ihm in die Schuhe schieben, seinen Laden nicht zusammengehalten zu haben? Es ist aber die Gesellschaft insgesamt so durch und durch verstrickt mit üppigen Regeln, dass keine Regierung der Welt uns wieder in Fahrt bringen kann ohne unsere Mitarbeit. Der Denunziant von nebenan sitzt in jeder Nachbarschaft, will uns zum Unsinn drängen. Das finde ich auf der Seite der „Tagesschau“, nur ein banales Beispiel für erzwungene Umständlichkeit:

„Gebäudemodernisierungsgesetz, Forschende sehen katastrophale Verwässerung, kaum ein Vorhaben der Ampelkoalition war so umstritten wie das Gebäudeenergiegesetz. Jetzt haben Union und SPD Änderungen verabredet. Forschende und Klimaschützer sehen Deutschlands Klimaziele in Gefahr.“

Wer so schreiben muss? Die arme Redakteurin. Wer das lesen muss! Solche Gebilde verdaut man nicht so leicht als einer, der schon über sechzig Jahre alt ist. „Gebäudemodernisierungsgesetz“, das ist ein langes Wort, na gut. Aber diese Unart, das Gendern zu vermeiden durch Platzhalter – Studierende, Radfahrende, Geflüchtete usw. – lässt meinen Blutdruck steigen.

Forschende.

Da wundert mich, wie die mit den „Klimaschützern“ klarkommen? So steht es (oben) in der Notiz. Ich glaube, Frauen, die solche Blödheiten hintippen, merken gar nichts und tun sich auch keinen Gefallen mit den Schachtelsätzen, die sie nun zwanghaft ausformulieren. Konsequent hätte es geheißen:

„Forschende und Klimaschützende sehen Deutschlands Klimaziele in Gefahr.“

Lesende wie ich finden so etwas zum Kotzen dämlich.

Und das Wort „Klimaziel“ ist nichts als eine Behauptung, das kommt noch dazu. Wen wundert, dass immer mehr von der Fahne springen?

Begriffe machen sich breit, die genau genommen wenig Aussagekraft haben und mehr dem nützen, der damit hantiert. „Sexualisierte Gewalt“ ist beispielsweise eine solche Wortneuschöpfung. Das gibt den Medien ein praktisches Modewort wie manches andere. Massen regen sich auf, aber es ändert sich nichts. Immer neue Forderungen begegnen uns, was wo reformiert werden müsste? So viel kann man ja tatsächlich nicht machen, zerreißt sich’s Maul, und morgen kommt schon das nächste Thema. Männer sind Schweine? Ich halte dagegen: Frauen auch.

Ärger ist Teil des Lebens, Machtlosigkeit erleben wir ständig, könnten uns aufregen bei alltäglichen Regelverletzungen. Im Straßenverkehr geschieht allen andauernd banale Ignoranz, die auch gefährlich enden kann. Ich bemerke es heute ständig, das letzte Fahrzeug am Ende der Grünphase unserer Ampel (vor der Haustür) gibt noch extra Gas bei Gelb, fährt bei Rot. Ich selbst habe kein Smartphone, alle anderen schauen ständig drauf: Sie verwenden ihren Fetisch auch am Steuer, obwohl es verboten ist.

Die „Wertstoffinsel“, wie dieser Platz mit öffentlichen Altglascontainern und denen für Papiermüll genannt wird, ist immer vermüllt.

Wir Eigentümer und Mieter haben auch zugehörige Mülltonnen an unserer Anlage. Ein Nachbar stellt den gelben Container alle zwei Wochen raus. Meine Frau rollt unsere braunen Tonnen im selben Rhythmus versetzt an die Straße, damit die Müllabfuhr den nahen Zugriff hat. Mich ärgert, dass Unbekannte regelmäßig kleine Sperrmüllmengen genau dort abstellen, ohne deren Abholung zu veranlassen. Seit Jahren bin ich derjenige, der solche Regalteile, Schrankspiegel, Stühle, die dann wochenlang am Rand vom Gehweg liegen (oder den vergammelten, kleinen Tannenbaum irgendwelcher Nachbarn nach Weihnachten), schließlich zersägt, entsorgt oder sogar selbst mit dem privaten Pkw nach Ahrenlohe fährt. Man weiß nie, wer es ist, der seinen Scheiß da ablegt. Immer wieder andere sind schließlich denkbar, die eben frech handeln.

Jetzt habe ich ein Schild anfertigen lassen auf eigene Kosten und angeschraubt! Mein lieber Nachbar war so freundlich, den halben Betrag zu übernehmen, als er davon erfahren hat.

„Dies ist kein Abstellplatz auf gut Glück, dass Müll von selbst verschwindet. Das illegale Abstellen von Sperrmüll ist eine Ordnungswidrigkeit oder auch Straftat. Sperrmüll muss zur Abholung bei der GAB angemeldet oder selbst hingefahren werden. Die Eigentümer (…)“

Das ändert natürlich nichts.

Wie zum Hohn steht der immer wieder dort angehäufte Müll von irgendwem direkt an dieser Stelle. Große Bretter bedecken mein Schild, und ich muss geduldig sein. Vielleicht ist es ja angemeldeter Sperrmüll? Tatsächlich rufe ich beim Ordnungsamt an. Ich spreche auch mit B., der regelmäßig mit seinem Fahrrad für die Stadt unterwegs ist. Er macht ein Foto. Ich rede mit einem der Müllwerker auf dem Trittbrett vom großen, orangen Müllauto, den ich vom Sehen kenne und als sportliche Type schätze.

„Kein Problem, wir kommen nachher ein zweites Mal, nehmen alles mit“, sagt er und grinst.

Am nächsten Tag ist das Zeug verschwunden. Am übernächsten Tag steht dann aber ein einsamer Toaster da. Eine Provokation und direkt unter meiner Mahnung, so etwas nicht zu tun. Ein Bild zum Schmunzeln. Der Toaster verschwindet schnell wieder. So geht das, und ich freue mich als Grafiker über dieses Schild, das ich mir allein ausdachte.

Das kann Spaß machen, selbst wenn wenig dabei herauskommt: Mit dem erwähnten Nachbarn in amüsierter Teamarbeit gelang uns auch die Montage. Waschbeton mit seinen kleinen Steinchen erschwerte die winklige Anbringung und forderte meinen Bohrhammer. Ich bin kein Handwerker.

Das konnte ich trotzdem.

# Zum Wutbürger geworden

Alles Gute ist mir suspekt geworden. Man muss seinen Frust ausleben: Ich blockiere. Da ist klar, dass mir selbst die Mülltrennung oft egal ist und die grüne Idee überhaupt. Es versteht sich, dass ich noch auf den Rest der legalen Zeit hin eine neue Gasheizung eingebaut habe, wo ein Eiferer der Regierung uns zur Wärmepumpe zwingen wollte. Das ist mein Widerstand, kindisch. Ich habe seinerzeit eine solche Abneigung gegen die grüne Führung Baerbock, Habeck und Lang empfunden, eine Aversion gegen das Auftreten der Parteispitze, dass ich nicht dazugehören wollte. Das war keine Außenpolitik und auch keine ernst zu nehmende Wirtschaftspolitik in meinen Augen. Das angesichts ihrer Leistungen unangemessene Selbstdarstellen speziell dieser Grünen hat mich davon abgehalten und hält mich weiter ab, das Richtige zu tun. Die aktuelle grüne Parteiführung nehme ich nicht mehr wahr, nicht ernst, höre ihnen nie zu. Sie sind als Opposition argumentativ schwach, Personen ohne Charisma, farblos. Einen Bärendienst leisten Haßelman und Dröge der guten grünen Idee, setzen die Linie ihrer Vorgänger fort, stören allerdings nirgends. Wer ist Felix Banaszak, wer Franziska Brantner? Das bekommt man kaum mit. Dem Vizekanzler und seiner Außenministerin musste jeder zuhören. Solche Leute darf niemand ignorieren. Die Nachgebliebenen ihrer Partei ohne Regierungsverantwortung kann man abschalten. Nicht wegen der Themen lehne ich sie ab, sondern weil ich mit diesen Menschen keine Zeit verbringen möchte. Gut möglich, dass es ein Fehler ist, bockig zu sein, aber es befriedigt kurzfristig enorm. Erfrischende Menschen in dieser unverzichtbaren Partei, die ihren Kahn so in den Schiet gefahren hat, haben es schwer. Warum musste Jette Nietzard als Bundessprecherin der Grünen Jugend gehen? Sie sagte Wahrheiten wie: „Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.“ Das stimmt doch. Warum hat Cem Özdemir die Wahl zum Minischterpräsidenten in Baden-Württemberg gewonnen? Er hat sich auf’s Schwäbeln besonnen und alles nur irgendwie ideologische Grüne aus dem Wahlkampf verbannt.

Noch Fragen?

Ich kaufe doch kein elektrisches Auto. Man könnte die Energiewende, die wir meiner Meinung nach übrigens bitter nötig haben, entschieden vorantreiben. Ich unterstütze aus Trotz gar nichts der Sinn machenden Ideen. Soziale Ideale sowieso sind mir wurscht. Ich glaube nichts. Gott ist tot. Keine Empathie. Mir gehen andere Menschen am Arsch vorbei. Ich tue bloß nett, weil sich’s so leichter lebt. Ich bin scheißfreundlich zu meinen Nachbarn, stelle die Mülltonne raus, wenn das dran ist, oder nehme die Pakete an für die anderen, die arbeiten müssen. Ich selbst muss kein Geld verdienen. Ich habe geerbt, weil meine Familie mich zwang, alles zu verkaufen, wofür ich (für sie mit) gearbeitet habe. Die sind faul, böse und möchten aber gute und klug wirkende Menschen sein? Auch die haben eine verschworene Gruppe gebildet, wollten nur das Geld.

„Mein (Verwandtschaftsgrad einsetzen)* ist ja verrückt. Ich muss mir mein Erbe sichern.“

Das wurde mir wörtlich so zugetragen.

Ausgesprochen, noch bevor wir uns zum Leichenschmaus der Beerdigung meines Vaters hinsetzten. Eine Bestattung, die komplett ich mit meiner Frau – wie auch alles vorher beim Tod meiner Mutter – organisiert, geplant hatte. Und dann das. Vor Ort versammelt, im traurig-festlichen Ambiente beim Bestatter, angesichts der noch nicht gegessenen Butterbrötchen, Kaffee, Kuchen und den sich zu Tisch hinsetzenden Trauergästen:

„Jetzt müssen wir das Haus verkaufen.“

Gerade hatte ich noch meinen Erich am Bändsel der Urne selbst ins Loch gesenkt, vorher einige Worte im Trauerraum gesprochen. (Mein Vater wollte keinen Pastor).

Das Haus und Grundstück waren über Lina, der Mutter meines Vaters, von Opa Werner vererbt. Der umtriebige  „Galoppschuster“ konnte bei seinem Tod drei bebaute Grundstücke an die Kinder vergeben. Ein Sahnestück, es hat uns gut genährt: Hundert Meter tief von der Straße weg, in bester Lage, Mitte der Siebziger neu bebaut, alles vermietet.

Zwei Jahre Kampf meinerseits, einen alternativen Partner zu finden, blieben letztlich erfolgloses Bemühen.

Zugegeben, mit meiner Frau allein hätte ich mir die zukünftige Bewirtschaftung nicht zugetraut. Und ein Team mit allen konnte ich nicht formen. Kaputtmachen ist so leicht! Schließlich hatten wir Verteidiger vom Ganzen einen klebrigen Sumpf gegen uns, die Zwangsversteigerung wurde anberaumt. Anwälte scharren bekanntlich mit den Hufen in so einem Fall. Ein schmieriger Klüngel, der dem hier im Ort um nichts nachsteht an Perversität, kam auf seine Zielgerade. Ich habe beim Makler angerufen, nachgegeben, dann ging’s schnell.

Wir reden nicht mehr, und das ist auch gut so.

Isoliert, aber nicht allein –.

Im Dorf, um die Ecke, gibt es genügend Leute, die meine Aktivitäten anerkennen. Mir tut das sehr gut. Ich bin zu Hause angekommen.

# Zu Hause unter Menschen

Ich erkenne allerdings ein fatales Zeichen in dieser Erkenntnis meiner neuerlich wieder verbesserten Reputation. Zunächst, ja, da sind gute Erfahrungen: Meine langfristige psychische Gesundheit beruht heute vor allem auf einem Gefühl von innerer Stabilität, das so nie erlebbar war früher. Es trägt mich, fängt mich auf, ist gestärktes Bewusstsein und eben nicht der schützende Nebel der Pharma. Mich fasst an auf der anderen Seite, dass nicht Dankbarkeit mich durchströmt, eine warme Freundlichkeit etwa, wenn ich zurück an die vielen Momente denke, wo man mir aus der Patsche geholfen hat. Ich musste sehr oft Hilfe annehmen. Man lernt zu bitten und bricht sich keinen Zacken aus der Krone deswegen. Da sind immer welche, die einen nicht hängen lassen, wenn man um Hilfe bittet. Liebe Menschen. Sogar im verwirrten Zustand kümmern sich tatkräftige und unerschrockene Zeitgenossen, die es zufällig mitbekommen, wenn man nicht auf der Höhe ist. Das habe ich erlebt und sollte dankbar sein.

Schlimm ist aber, dass weiter unbedingt gerechtfertigt bleibt, sich allgemein vor den Menschen an sich zu fürchten. Das war keine Krankheit, dass ich immer Angst hatte vor anderen. Die Furcht ist heute geringer oder besser integriert in mein Selbst, weil ich lernte, mich zu wehren. Psychische Krankheiten bekommt man also in den Griff nicht aus Dankbarkeit, dass es Helfer gibt, gute Menschen oder Liebe, sondern weil die Einsicht reift, dass da immer reichlich Leute bloß darauf lauern, unsereinen auszubeuten. Wir müssen Stärke lernen, Festigkeit, gesundes Misstrauen.

Psychisch Kranke oder früher psychisch krank gewesene Menschen werden mit Argusaugen von der vermeintlich normalen Masse betrachtet. Wir gelten als gefährlich, wenn auch oft nur hinter vorgehaltener Hand. Kommt es wirklich zur Eskalation, darf die Hetze aber unverblümt verbalisiert werden. Das Denken der Allgemeinheit ist bösartig und uns gegenüber wie die Haltung bei Tieren mit Tollwut: „Abknallen!“ Polizisten nicht weniger nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn ein Kollege angegriffen wurde von einem „Verrückten“. Die Feststellung von Schuldunfähigkeit anschließend bei Gericht sehen die Beamten grundsätzlich als Affront gegen ihren Berufsstand. Weil das so ist, können psychisch Kranke mit Gewissheit davon ausgehen, dass die Polizei lieber einmal mehr als zu wenig schießt in einer unklaren Situation. Eine Gruppe von mehreren, mit Schusswaffen bewaffneten, daran ausgebildeten Polizisten in martialischer Schutzkleidung, die dem verwirrten Einzelnen gegenübersteht, ballert los, tötet und macht anschließend nur zu gern Notwehr deutlich, selbst wenn das Messer eines kranken Täters nur eine Atrappe aus Pappe ist. Das kommt immer wieder vor. Beispiele finden sich in der Berichterstattung jedes Jahr einige. Gerät die Situation außer Kontrolle und ein Kollege wird verletzt oder sogar getötet, kennen die Beamten kein Halten mehr. Ihre Empörung kommt im Konsens des Korps stets unisono daher: Sie fordern alttestamentarisch Rache und dürfen das offen im Fernsehen verbalisieren, wogegen einer der normalen Bürger, der dem Bundeskanzler etwa eine Pinocchio-Nase anzeichnet, mit einer Hausdurchsuchung rechnen muss wegen „Staatsgefährdung“.

Meinung ist nicht gleich Meinung, und das ist nicht nur im Unrechtsstaat problematisch. Psychische Krankheiten potenzieren das Machtgefälle noch dramatisch, das gegenüber dem einfachen Bürger besteht vonseiten eines Systems, das sich für gesund hält, sinnvoll und fleißig. Betroffene werden nur soweit akzeptiert, wie derjenige als „depressiv“ gilt. Das ist der arme, traurige Mensch und jemand, der sich behandeln lässt, aus der Gesellschaft rausgenommen herumeiert, einer, der nicht wirklich stört.

Wo Gewalt aber nur ansatzweise vermutet werden könnte, ruft der Apparat nach dem dicksten Geschütz.

So sind Menschen, die nur ein wenig Macht ausüben können. Ein wenig ist ihnen nie genug. Die Polizei heutzutage ist deswegen längst weiter, als nur Verbrechen aufzudecken, Tathergänge aufzuklären, dem Gericht das Material zur Verfügung zu stellen. Man möchte vorab aufräumen und notfalls auch die Todesstrafe auf dem kurzen Dienstweg erzwingen. Das klappt besonders gut tatsächlich bei Migranten, die isoliert und fremd bei uns herumirren und tatsächlich und leichter für alle ersichtlich Gefahr bedeuten für ihr Umfeld. Da handelt mancher Polizist skrupellos und kann sicher sein, dass das kollegiale Umfeld ihn anschließend nach Kräften schützt. Die Ordnungshüter wollen selbst sofort richten und kurzen Prozess machen. Das findet auch breite Unterstützung in der Gesellschaft. Das Ende der stabilen Kultur wird befürchtet durch Migration. Der neurotische Reflex einer völkischen Denkart zerstört aber genauso die für unsere Vielfalt und Freiheit notwendige Demokratie.

Eine aktuelle Berichterstattung macht deutlich, wie die Bevölkerung über Gewalttaten von psychisch Kranken denkt. Man nimmt nicht hin, dass Menschen im Zustand der Schuldunfähigkeit handeln und verlangt eine vollwertige Strafe wie immer.

Zitate:

Im Mordprozess zu dem in Völklingen getöteten Polizisten Simon B. ging es am Dienstag insbesondere um die Schuldfähigkeit des Angeklagten. (24.03.2026, tagesschau).

RTL berichtet weiter, das Gericht fällt ein unerwartetes Urteil und spricht den Täter frei! Der Urteilsspruch sorgt für Empörung: „Menschen im Gerichtssaal, darunter auch Kollegen von Simon B. stehen auf, schreien ,Skandal‘ und fangen an zu weinen. Und auch für die Witwe, Frau B., ist das natürlich kein schöner Tag, zu wissen, dass der Angeklagte wegen Mordes freigesprochen wurde“, Emilio Nigrelli in Saarbrücken.

Sebastian Abel, Gerichtssprecher:

„Hierbei ist die Kammer im Ergebnis der Beweiswürdigung davon ausgegangen, dass der Angeklagte unter einer paranoiden Schizophrenie leidet.“

Auch nach dem Prozess zeigt sich Unverständnis bei den Kollegen des getöteten Polizisten.

„Das fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht für uns alle, für unsere Kolleginnen und Kollegen. Wir sind fassungslos, emotional und müssen den Tag erstmal verdauen“, Markus Sehn, Vorsitzender Deutsche Polizeigewerkschaft Saarland.

Der 19-Jährige soll jetzt in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. (ntv, 01.04.2026).

Das ist die Gesellschaft, in der ich leben muss, und ich habe öffentlich gemacht, dass auch ich mehrfach paranoid, schizophren erkrankte. Viele wissen zudem, dass ich einen Senior umstieß, trat und wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft bin. Da war ich allerdings bei klarem Verstand. Dieser Mann war sich nicht zu schade, massiv gegen mich zu handeln aus ganz ähnlichen Motiven möglicherweise, wie man es von den oben zitierten Menschen erwarten dürfte, Leute die sich aber auch alles rausnehmen, wenn sie sich überlegen fühlen, weil sie sagen können:

„Der da ist krank.“

Ich empfinde keine Reue, niemals – und lebe heute insgesamt entspannter, gesünder, weil ich mich traute, mit dieser miesen Meute hier über die Dörfer und dem frechsten Lautsprecher von allen handgreiflich abzurechnen. Ich schaue seitdem anders auf die Gesellschaft. Das hat mir die Augen geöffnet, nie wieder Leuten blindes Vertrauen zu schenken oder anderen zu glauben, die bloß gut tun. Ich sehe viele immer lügen heute. So erkenne ich die Polizei, die Politik, die Ärzte, die ehrenamtlichen Preisträger, Nachbarn, meine Verwandten usw. Die Mehrheit macht jederzeit unverfroren deutlich, welche „wie ich“ sollen weg.

Mein Fazit: Ein Befreiungsschlag ist kein „Angriffskrieg“.

Dieses Wort, das sich so breitgemacht hat, seit dem Überfall Wladimir Putins auf die Ukraine, dazu die ständige Wiederholung vom „Narrativ“ der Russen in unseren Medien, Russland selbst wäre bedrängt vom Westen; solche Worte sind nichts anderes als Waffen. Es soll heißen, die Russen sind Narren, sind irre, dass sie grundlos mal so zuschlagen.

Und das ist falsch.

Es ist dieselbe falsche Sicht, wie die Gesellschaft sie hat auf ihre psychisch Kranken. Die Leute fürchten sich, wenn einer plötzlich zuschlägt und Räume beansprucht. Dann muss so jemand krank sein, denken wir? Das mag sogar stimmen, aber anderen gegenüber eine Krankheit einzugestehen, führt auch heute noch in die Selbstversklavung. Helfer lassen nicht locker. Es läuft immer auf ein Kräftemessen hinaus. Wer nachgibt, lebt innerhalb der Zäune, die andere hinstellen.

Neue Ängste machen sich breit, mehr Kriege brechen los, die Energiepreise steigen. Wir möchten, dass es wird wie früher, als wir noch in Sicherheit leben konnten? Immer neue Forderungen, etwa an den Grenzen aufzurüsten oder überhaupt, Gesetze zu verschärfen, prägen unsere Medien. Wir sind unter Druck scheinbar. Da ist die Suche nach einer endgültigen Lösung, wo dann stabile Perfektion zu erwarten ist, eine verlockende Motivation. Der „Endsieg“ gegen den Schmutz, das Feindliche aller Art, den Gegner, ein Slogan der Nationalsozialisten winkt und wirkt wieder: „Sichere saubere moderne Kernkraft. Eine starke Polizei. Migranten raus.“ Das zieht Wähler an? In einer Gefahr falsch zu handeln, kann das Leben kosten. Es gibt einige falsche Entscheidungen, aber oft keine richtige. Das müssten Kinder schon in der Schule lernen. Wir können uns für bessere Wege entscheiden, wenn wir intelligent genug sind, eine Auswahl als solche zu begreifen. Die Mehrheit einer Bevölkerung ist allerdings nie intelligent. Die Masse möchte, dass die Dinge richtig sind. Alles soll gut sein und stimmen. Deswegen können laute Selbstdarsteller Mehrheiten für sich gewinnen. Menschenfischer geben an, den richtigen Weg zu kennen auch da, wo es diesen gar nicht gibt, nicht geben kann.

Dazu ein Bild:

Meine Finger sind ein wenig dünner geworden, ich habe abgenommen. Das liegt am schlechten Blutzuckerwert bei mir. Mein Ehering, den ich jahrelang nie abgenommen hatte, wurde so locker, dass ich fürchtete, er würde mir vom Finger rutschen. Beim Juwelier wurde der Ring um eine volle Größe „eins“ verkleinert und passte dann perfekt. Nach einigen Wochen war er dann aber so eng, dass ich ihn nachts nicht tragen mag und ihn deswegen vor dem Schlafengehen abnehme. Morgens geht er schwer rauf auf meinen Finger. Man muss ihn anfeuchten oder bis in den Vormittag warten. Dann wird das besser. Ich ging wieder hin zum Juwelier und wollte eine erneute Änderung mindestens besprechen. Die junge Frau war ganz selbstbewusst und meinte:

„Es gibt keine ,richtige‘ Ringgröße. Mal sind die Finger ein wenig dicker, dann wieder dünner. Probieren Sie es besser noch eine Zeit lang aus, wie Sie mit dem aktuellen Maß klarkommen. Natürlich können wir auch halbe Größen weiten.“

Es gibt keine „richtige“ Lösung, war die kluge Feststellung. Natürlich gibt es unendlich viele falsche Haltungen. Es gibt zig Varianten, ein Regattaboot schlecht zu trimmen, einige wenige, die es schnell machen. Man kann ein Boot auf zwei oder drei Arten zum Laufen bringen. Am Beispiel Ring hieße das, alles was deutlich zu weit oder zu eng ist, ist falsch. Ein Hula-Hoop-Reifen ist zu weit. Das wäre falsch wie jeder andere Ring, der zu locker sitzt oder eben das andere Extrem, deutlich zu eng. Millionen falsche Lösungen stehen einer geringen Zahl von möglichen gegenüber, aber die eine, die exakt richtige Lösung gibt es meistens nicht. Wir leben. So ist es mit dem Gesetz, dem Völkerrecht. Das sollen präzise Rahmen sein. Ohne Ermessensspielräume kommt niemand klar mit starren Regeln, diese notfalls individuell zu weiten oder die Zügel anzuziehen nach Bedarf. Andernfalls ist ein wenig Verständnis auch nicht schlecht, mit zeitweiligen Unschärfen zu leben.

Mit Worten wird zuerst gekämpft, sollen Wahrheiten zementiert werden, die für die Gegenseite bloß Lügen bedeuten. Wird der Druck zu groß, ist die Lunte kurz und die Bereitschaft da, alles hochzujagen. Wer keine Zukunft erkennt, die ihm angemessen erscheint und keinen Ausweg sieht, wird zuschlagen auf Gedeih und Verderb. Das mache sich eine Bevölkerung klar, die gewohnt ist, „Skandal“ zu rufen. Tote werden nicht wieder lebendig durch Strafen. Wir können immer jeder selbst der Nächste sein, der eine Faust im Gesicht hat, ein Messer im Leib. Mensch ist Mensch, und einer kann krank werden, böse und heimtückisch. Das gilt für jeden von uns, und man sieht es dem anderen nicht an.

# Den Schaden bekommen wir früh verpasst

Der Mensch kommt daher als Wolf im Schafspelz. Immer wieder: Helfer helfen nicht, sie manipulieren. Freunde sind oft keine. Andere drücken uns ihre Macht auf. Kinder können nicht weg. Begehren Kinder auf, wird nicht wenigen von ihnen überall, wo sie eben aufwachsen, ihr Zorn – eigentlich eine notwendige Ausdrucksform, die ein Lebewesen beherrschen muss – nachhaltig ausgetrieben. Das Nichtwahrhabenwollen der uns umgebenden Gemeinheit beginnt bereits in diesem typischen Satz der Erzieher:

„Davor brauchst du keine Angst zu haben.“

Mit den besten Absichten unterwegs, machen Eltern ihre Kinder kaputt. Damit werden immer reichlich destruktive Jugendliche ins Leben geschickt. Das sind welche, die anfällig für die Vergewaltigung einer Gesellschaft bereitstehen, die sich sozialisiert hat, Räume einzunehmen, Boden zu gewinnen. Das ist üblich für den Einzelnen genauso, wie ganze Gruppen oder Staaten probieren, Landgewinne oder eben intellektuelle Freiheiten für ihre Bedürfnisse zu fordern. Wer da nicht mitmacht, kann noch leben im Verzicht. Wer aber sein Terrain nicht halten und beanspruchen kann als eigenes, sich nicht verteidigen mag gegen Übergriffe, verliert. Am Schlimmsten trifft es diejenigen, die sich im vorauseilenden Gehorsam zu Hause und ganz mit sich allein schon vorab ergeben. Solche Kinder und Jugendliche ritzen sich oder finden andere Wege, sich privat fertig zu machen. Sie schaffen es, sich gegen die ins Auge gefassten, sogar notwendigen Ziele, die sie eigentlich verfolgen möchten, noch bevor da was in Gang kommt, das eigene Bein zu stellen.

Diese Kinder treten beim Fußball den Ball so schlecht, dass dieser stets das Tor verfehlt, obwohl sie immer üben, was die anderen scheinbar mit Leichtigkeit tun können.

Deswegen gibt es keine „geistigen“ Krankheiten, weil der Körper und seine Gliedmaßen untrennbar von den Impulsen sind, mit denen einer sich bewegt. Es geht uns in Fleisch und Blut über, wie wir alles tun. Wann endlich begreift das auch die Medizin? Unzählige ähnliche Beispiele ließen sich finden. Jeder kennt solche Menschen. Manche haben sogar ein Talent, strengen sich extra an für allgemeine Bewunderung, diese, wo’s geht, einzuheimsen. Aus ihrem Leben machen sie aber nichts damit. Sie gelangen nie an den Platz, wo Wertschätzung schließlich in Geld gezahlt wird. Sie können aus ihrer Begabung nur den Nutzen ziehen, begabt zu sein.

„Wie schön du malst!“

Menschen folgen einer leidgeprüften Fantasie und werden das Opfer ihrer kindlichen Traumata. Eltern ruinieren die schützende Hülle durch nebensächliche, aber andauernde, hauptsächlich verbale Übergriffe. Man merkt es selbst gar nicht? Körperliche Gewalt wird gern angeprangert. Fieses Plappern kann schlimmer sein. So etwas tut weh mitzubekommen. Einen Satz habe ich gehört, als ich zeichnend am Gehweg saß. Den Moment vergesse ich nicht, alltägliche Konversation. Ein Kind findet immer neue kleine Stöckchen, Blätter an einer Mauer, sammelt Zeugs.

Der Mutter passt es nicht:

„Wir wollen nicht im Schatten gehen. Da ist es zu kalt. Komm jetzt endlich!“

Die Mutter redet und bedauert, keinen Hund an der Leine zu haben? Den könnte sie leicht mitreißen. Und so sind solche Köter dann auch. Manche (dieser saudummen) Weiber haben heutzutage gleich mehrere (als Ersatz für Ehemann und Kind).

„Wir“ wollen, hat diese Frau gesagt.

Eine Mutter sollte Liebe geben, aber was heißt das? Das erinnere ich, ein Freund hat es erzählt. Das ist schon viele Jahre her. Ich weiß noch, er hatte seinerzeit gerade eine neue Freundin. Das Mädchen ist ein wenig mollig gewesen. Wir waren alle in unseren Zwanzigern und segelten zum ersten Mal eigene Boote, lösten uns von unseren Eltern. Mein Freund war entsetzt über die typische Kommunikation der Mutter, wie die mit ihrer erwachsenen Tochter redete:

„Iss noch was, Dicke!“

Menschen, die ihre Macht missbrauchen, drücken anderen ihren Stempel auf. Das geschieht jeden Tag überall. Jeder muss lernen, seine Grenze zu ziehen. Alles ist immer gegen unseren Leib gerichtet. Liebe kann auch erdrückend empfunden werden. Wind von achtern hilft schon mal, presst aber unsere Segel. Die Welt ist gegen den eingestellt, der lebt. Ohne Eigennutz des Helfenden gibt es keine Unterstützung. Sogar Gott verlangt unser Mitmachen hier auf dem Planeten.

Das müssen alle lernen.

# Glaube

Selbstständig sein. Einer nimmt Material und macht nur Klumpen. Der andere schlägt alles für ihn Unnötige davon weg. Eine wunderschöne Skulptur oder sogar ein Pferd kommt raus, springt scheinbar, hat noch Flügel – was weiß ich? Der eine ist Bildhauer und der andere knetet, matscht, haut nur, strammpelt, tritt. Der Erste ist der übliche Idiot wie jedermann um die Ecke, der Zweite kann sein schönes Ross nehmen und davonreiten, fliegen:

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

So sehe ich es: Es zählt nicht das eingenommene Geld, sondern die erlangte Befähigung, nicht der Vergleich mit den Nachbarn, aber heute zu schaffen, was gestern unmöglich gewesen ist. Wer kann, muss den ganzen Aberglaube, seine Eitelkeiten erkennen und wegnehmen vom Kern, den ein Mensch nicht fortbewegen mag von dem, was er selbst ist. Ich will sagen, es muss nicht Bildhauerei sein, das ist nur ein Beispiel. Malen bedeutet dieselbe Kunst und sie befriedigt, schafft Lösenswertes. Das alte Wort war Beruf. Es klingt für mich schöner, als einen Arbeitsplatz zu haben, irgendeinen Job. Es ist nicht überheblich, nach Entwicklungsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Jemand bekommt hin, sich als Straßenreiniger zu verwirklichen. Du kannst in einer Zelle sitzen, aber „es wird dir an nichts mangeln“ – Psalm 23.

Sogar das kann eine Wahrheit sein, für den, der diese versteht. Wir sehen besonders auf das Leben, nehmen uns an oder eben nicht. Um den Hass zu überwinden, muss man ihn zunächst an sich selbst erleben. Erst dann macht das Wort Gnade Sinn.

Das kann Glaube sein.

# Ich kann

Hinschauen. Mein Dorf: Der Fisch „stinkt vom Kopf her“, heißt es, und hier stimmt das. Das Geschmeiß der städtischen Verwaltung und seine sauberen Preisträger im Ehrenamt verspotte ich, wo’s geht. Sie möchten nicht als Mob betrachtet werden, weil sie ja würdige Stützen der Welt sind? Der Wind gegen die Politik weht allgemein härter. Das haben sie verspielt, das Vertrauen der Bevölkerung und meines sowieso. Politiker, Polizisten, Ehrenamtler, Ärzte, sie konnten mich ändern und nicht zum Guten, würde ich sagen. Mir gefällt mein destruktiver Ansatz. Das gibt mir ein Stück weit die psychische Gesundheit, die ich nötig brauche für meine andauernde Verteidigungshaltung. Selbstredend sind neue tiefe Beziehungen undenkbar und schon gar nicht zu Frauen. Neue Liebe geht nicht, nie wieder, weil ich nicht mehr daran glaube. Die Luftschlösser der anderen, mehr ist es nicht. Ich kann gute Umgebungen ausgestalten, das ist wenig romantisch. Meine Zärtlichkeit ist Eigennutz, gebe ich zu. Mir gefällt das Langverheiratetsein tatsächlich. Ich tue viel dafür, dass es uns gut geht hier zusammen. Der kleinste Kreis stimmt.

Das habt ihr erreicht (die aus dem Turm und ihre Freunde). Schönen Dank dafür. Ihr habt ein Mädchen verheizt für eure Machtdemo, habt mit hochtechnisiertem Geschütz auf mich geballert, sonst was den Leuten erzählt, was ich anstellen könnte? Leicht, weil ich sichtbar auf dem Präsentierteller stehe mit meiner naiven Malerei, meinen offenen Worten. Die dicken Fische kriegt der Staat ja nicht. Die lässt man laufen. Ich sollte im Netz zappeln.

Psycho.

Ein scheinbar stimmiger, in unsere Zeit passender Plot musste her, mich zu beschreiben, um eine Verschwörung zu generieren, mich zu observieren. Das hat nichts Gutes bewirkt, keine Verbrechen ans Licht gebracht, aber in mittelbarer Täterschaft der ständigen Provokation wollte man das Böse in mir hervorkitzeln. Lebenslust, Frische und Gesundheit haben überall Schaden genommen. Und das ist nicht meine Schuld. Ich freue mich, wenn es anderen schlecht geht, die ich nicht mag. Das ist kein feiner Zug, noch einer. Ich bin ein schlechter Mensch geworden und zufrieden.

Ich kann leben damit.

Es genügt, eine Zeit lang in ein und derselben Verkaufsstelle irgendwo einzukaufen. Eine immer neue Generation von einfach gestrickten Waschweibern aller Geschlechter steht bereit, die jüngeren von ihnen im Geschäft fertig zu machen mit Warnungen. Die alten Labertaschen. Sie haben recht: Ich trage einen Sprengstoffgürtel mit kurzer Zündschnur am Leib, halte stets eine Kalaschnikow in der Hose verborgen. Ich bin bereit.

Ich kann gehen.

🙂

Schenefeld, Ostern 2026