Mit der Kirche Schluss machen

Die typische Glaubensrichtung vor Ort, die jeweilige Kirche behauptet gegenüber den Lebenden der Region, in die sie zufällig hineingeboren werden, dass ihr Dasein dort eben doch kein Zufall ist. Wir seien gewollt, wären vom Herrn geliebt und ähnliches mehr, heißt es bekanntlich. Man kennt sich scheinbar aus, wo die Wissenschaft kein weiteres Wissen schafft? Jede Glaubensrichtung ist anders. Stutzig macht, wie verschieden der jeweils „einzige“ Gott die Regeln vorgibt: Die Mormonen erlauben Vielehe, bei uns ist es verboten. Muslimische Frauen tragen mehrheitlich ein Kopftuch. Im Hinduismus kennzeichnet ein roter Punkt die Stirn der verheirateten Frau usw.

Nüchtern eingeordnet, stellt sich Glaube als vor allem die besondere Tradition einer jeweiligen Richtung da. Die Prediger konnten ihre Leute im Raum davon überzeugen, dass es so wäre, wie sie’s sagen. Ein Mahner bietet verschworene Ideen mit starker Bindungskraft, die nicht wirklich nachzuprüfen sind und die Fantasie beflügeln. Vielen einfachen Menschen fällt schwer auszuhalten, dass sie nach dem Tod schlicht weg sind, nichts mehr denken und machen können. Tot wie hundsgewöhnliches Getier, das darf nicht sein. Sie wollen nicht wahrhaben, dass sie keine Ahnung haben wie Ameisen im Haufen, wo morgen der Wald, in dem sie leider leben, für eine Schnellstraße platt gemacht werden wird. Ihr Gott ist riesig, er ist gelb: Sie beten den Bulldozer an, der ihren Lebensraum zerstört.

Wer sagt, dass „Gott uns liebt“, baut eine Pyramide des Glaubens auf weniger als Sand. Die „feste Burg“ ist nichts als ein Luftschloss. Eine handfeste Vision geht in jede Richtung, sie einzuüben, sei es zur Barmherzigkeit gegenüber jedermann oder um zu töten für den Herrn, der das angeblich fordert. Glaube ist bestenfalls der Rahmen, der uns das Unerklärliche annehmbar macht und schlimmstenfalls ein kranker Wahn. Mit einer fixen Idee lässt sich manche Angst ertragen. Himmel und Hölle sind bekannte Druckmittel auch der extremen Sektierer. Es gibt verschiedene Konfessionen, Glaube ist ein weltweites Phänomen. Die Internetsuche erklärt das Wort „Phänomen“ als Erscheinung, etwas Sichtbares. Religion ist eine Tatsache. Etwas umständlich ausgedrückt: Wir sehen Gläubige, und diese Menschen meinen, etwas zu sehen.

Der Dalai Lama schaut weiter als das beste Teleskop. Er sagt medienwirksam: „Uns interessiert nicht, wie das Weltall beschaffen ist, wie groß. Wir erklären, was dahinter kommt.“ Ganz schön überheblich. Mal so dahin gesagt, ist es leicht getan. Albert Einstein dagegen musste hart arbeiten für seine Theorie. Forschung kann durch Beobachtung erhärtet oder widerlegt werden. Die Kirche hat ihren besonderen Weg gefunden, entfacht eigene Überzeugungskraft bei den Willigen. Da trichtert man schon den Kindern ein, wie das angeblich läuft mit dem, was tatsächlich keiner versteht. Ohne die, die drüber reden, wüssten wir gar nichts von Gott. Wer käme von allein drauf? Ein Wunderwesen wie der Herr Jesus daselbst oder sein noch wichtigerer Vater steigt nicht sonntäglich die Himmelsleiter runter zu uns. Religion und Staat haben gemeinsam unsere gesellschaftliche Ordnung zum Ziel. Die typischen Bedürfnisse einer größeren Familie, so könnte man eine Gruppe definieren mit ähnlichen Interessen, erfordern einen intellektuellen Rahmen. Ein größeres Selbstverständnis drängt sich irgendwie auf. Aber wie genau? Wer heute von der Kanzel das Evangelium predigt, ist dem leibhaftigen Jesus Christus nie begegnet, war nicht dabei, als dieser auffuhr in den Himmel zum angeblichen Vater da oben. Ein moderner Pfarrer oder Pastor hat nur davon gehört, dass es so gewesen sein soll und möglicherweise glaubt er selbst dran. Nun probiert er von Beruf, andere von dieser alten Geschichte zu überzeugen. Es dürfte nicht ganz einfach für unseren Alltag sein, wenn mehr passierte als nur das. Menschen, die etwas behaupten, gibt es zur Genüge. Da bleibt die Freiheit gegeben, ihre Thesen anzuzweifeln. Wie aber wäre eine Herrschaft über uns, der sich niemand entziehen könnte, wie fühlte sich das an?

Man stelle sich’s vor, ein Allmächtiger, der als solcher nicht in Frage gestellt werden könnte von uns kleinen Würmern, herrschte alle Tage vor Ort und regelte seine Himmelsgeschäfte selbst.

Der wäre unser Oberpolizist.

Gott selbst sorgte alle Zeit und sofort für Ordnung? Man sähe, wenn das so wär’, die Blitze gezielt ins Hirn der Verbrecher einschlagen, vielleicht schon beim kleinsten Vergehen. Böse Menschen, die im Laden der hilflosen Seniorin frech die Geldbörse klauen, wären umgehend dran. Gleich wenn diese Widerlinge wieder auf die Straße in die helle Sonne vorm Geschäft spazierten, zöge eine winzige schwarze Wolke über ihnen auf. Sie würden erkannt, splitternackt (wie von oben befohlen), entblößt, angeprangert, öffentlich bestraft, verbrannt, gebrandmarkt für die Zukunft, was weiß ich? Gott wüsste, das Nötige zu tun. Wir hätten nicht mitzureden. Das höchste Gericht verhandelte nicht. Die Sünde würde nicht von zweifelnden Menschen mit ihren Schwächen, richtig zu urteilen, noch lange diskutiert. Gott allein wüsste, was böse ist und machte kurzen Prozess. Dann gäbe es keine verschiedenen Religionen. Da gehorchten alle unbedingt. Aliens könnten kommen, die Erde kolonisieren, das ist so eine Vision.

An den Scheidewegen des Lebens „stehen keine Wegweiser“, wusste Chaplin. Und wenn es so wäre? Wir grübeln des Nachts: „Soll ich den Vertrag unterschreiben?“ Die Tür öffnet sich wie von Geisterhand, und Gott schaut vorbei. Der Alte ist ganz freundlich: „Pass auf. Es ist ganz einfach, unterschreib hier.“

So ist unsere Welt aber nicht.

# Gott ist eine Behauptung

Jesu Geburt fiel in die Zeit der Herrschaft des Kaisers Augustus. Dieser Römer ist eine historische Person. Die römischen Kaiser setzen ihre Fußstapfen so markant in den Boden unserer Vergangenheit, dass ihr Leben als vollkommen unbestrittene Tatsache gilt. Nach Hinweisen, dass Jesus Christus ebenso wirklich lebte, Teil unserer menschlichen Geschichte ist, muss man suchen. Jesus wird als König der Juden bezeichnet. Verglichen mit Julius Cäsar, der reichlich Wind machen konnte rund um seine Aktivitäten oder den griechischen Philosophen, deren Schriften uns noch bekannt sind, bleiben exakte Nachweise über das Leben und Handeln des „Messias“ eher dürftiges Zeug, das auch angezweifelt wird. Das Wirken vom sogenannten Gottessohn, sein Hiersein und die Bedeutung, die das alles haben soll, sind vor allem durch die Schriften der frühen Christen publik geworden. Was bleibt nach, wenn man unbedarft fragt: Stimmt eigentlich, was in der Bibel steht?

Wer nicht fragen muss, akzeptiert sich selbst, sein Verständnis von der Welt und kommt also klar. Da geht es um mehr, wir lernen viel. Man passt sich an, zunächst an die Eltern, dann im selbstständigen Dasein. Eine Wirklichkeitsanpassung ist so gut, wie sie zum Menschen passt, der daraus seinen Glaube oder eben Unglaube zieht. Es ist die Karte, nach der jemand sein Schifflein durchs Leben navigiert. Religiösität kann eine Rolle spielen. Andere beten Macht und Geld an, und wieder welche erklären sich das Sein nach der jeweiligen Mode oder denken sich Eigenes. Mir ist es nicht anders ergangen. Ich hatte meine Vorstellungen. Das ist insofern Vergangenheit, weil sich meine Ansichten in so vielen Details als unhaltbar erwiesen haben, dass ich mich fragen muss, was bleibt? Ich kann mich selbst genauso wie meine Vergangenheit nicht abhaken im Sinne von „schmeiße alles weg“. Es heißt bestenfalls seinen Frieden machen mit dem, was war. Aus meinem Weltbild wurde das kleinere Dorfbild. Das soll heißen, zu Hause kenne ich mich so einigermaßen aus. Die harten Fakten, was einer tatsächlich weiß, danach musste ich suchen; spätes Erwachsenwerden. Für mich auch eine Mutprobe, Gott nicht länger als unbedingt, als bezwingenden Herrscher, Beherrscher meines Schicksals anzuerkennen, genauer: meiner Vorstellung von Gott eine Rolle zuzuweisen, die nur jeweils einen Weg kennt. Den weiten Raum, den mir unsere freiheitliche Welt ja bietet, engte ich mir selbst immer wieder ein, um dem Unbestimmten unbedingt zu folgen. Das ist möglicherweise eine Fehlinterpretation dessen, was überhaupt geraten ist, aber ein verbreiteter Irrtum. Aus der Kirche tritt man ja leicht aus. Aus dem Sein nicht, und damit kann man Gott also nicht ärgern, beleidigen ohne entsprechende Konsequenzen.

Welche Konsequenzen?

# Religion ist heilbar

Wir dürfen Gott prüfen wie jede andere Sache, auf die wir uns einlassen? Manche sind naiv, gutgläubig, und das ist nicht gesund. Angenommen, mir wird eine typische Kleidung vorgeschrieben mit dem Hinweis, der Herr wolle es so, dann stellt sich die Frage, was passiert, wenn ich die Regel breche? Wie genau sich eine höhere Macht artikuliert, durch wen sie spricht und fordert, führt, uns leitet, liebt, kann man probieren nachzuprüfen. Ein Stück weit gehen, weiter die Grenze suchen, ein Risiko in Kauf zu nehmen, ist wohl so verkehrt nicht? Religion sei „heilbar“, las ich auf einem Aufkleber. Das ist schon einige Jahre her. Es war so ein beuliger Bulli, ein altes Auto fuhr vor mir im Verkehr und mit noch anderen Weisheiten beklebt. Seitdem denke ich darüber nach. Was sind überhaupt Krankheiten?

Hier geht es nicht um Grippe oder Krebs. Die Psychiatrie will auch diagnostizieren und kennt manche Begriffe. Schizophrenie etwa ist der Name einer Erkrankung. Der Täter „litt an einer schizophrenen Psychose“, heißt es manchmal in den Nachrichten, wenn Menschen attackiert wurden. Die Allgemeinheit unterscheidet nicht so differenziert wie die Fachärzte. Es gibt viele Formen dieser Krankheit. Manche Menschen fallen gar nicht auf in der Masse und sind nur zeitweise, in Schüben quasi davon betroffen, nicht bei Verstand zu sein. Sie erholen sich gut, auch dank der modernen Medikamente. Kranke hören Stimmen, aber das ist nicht real. Es gibt welche, die glauben, Gott spricht zu ihnen, und dann machen sie irgendeinen Blödsinn. Das wäre dann „nicht der richtige Gott“ gewesen, mag sich ein Pfarrer distanzieren, aber Religion und psychische Krankheit gehen schon mal Hand in Hand.

Gesundheit als Begriff ist weniger eindeutig, was damit gemeint sein soll, wenn man sich mit den individuellen Schicksalen beschäftigt, die unsere Welt so hergibt. Allein die Unterscheidung von psychischer Gesundheit gegenüber körperlichen Befindlichkeiten zeigt schon, dass man auch zwischen diesen Fakultäten fündig wird, den Grad von Gesundheit zu definieren, mehr hier oder mehr im anderen Fachbereich und dass es keine absolute Gesundheit gibt, wird ebenfalls klar. Sind Behinderte gesund? Ist jemand, der nach einem Unfall eine Menge Fähigkeiten verliert, noch gesund oder erst wieder gesund, wenn alle früheren Funktionen, flüssiges Gehen zum Beispiel möglich sind? Wollte man das so einordnen, und es gibt ja vollkommene Rehabilitationen, dann müssten von Geburt an Verkrüppelte als grundsätzlich krank angesehen werden. Das wertet ab, machte solches Leben lebensunwert –, ein geradezu perverses Wort, finde ich.

Die Kirche versucht sich ebenfalls dran, die individuelle Persönlichkeit miteinzubeziehen in ihre Welterklärung. Das Gleichnis vom Sämann probiert, die naturgegebenen Ungerechtigkeiten, die unterschiedlichen Kapazitäten, überhaupt unsere Verschiedenheiten zu skizzieren, hier in Bezug zur Fähigkeit, gute Worte aufzunehmen, sie ins eigene Dasein zu integrieren und wie Samen aufgehen zu lassen, dass sie noch Früchte tragen. Das ist eine Lieblingsstelle im Buch der Bücher für mich, weil sie uns den nötigen Raum gibt, nicht unbedingt annehmen zu müssen, was uns gesagt wird. Ein Gott, der keinen Raum für Gefühle und individuelle Befindlichkeiten ließe, der keine Zweifel zulassen könnte oder Umwege, Zorn, kann so groß nicht sein, denke ich.

Nur zwei Prozent der Bevölkerung leben gesund, hieß es kürzlich in den Nachrichten. Einiges ist bekannt, was wir bestenfalls machen sollten und tunlichst lassen auf der anderen Seite. Man rät zum Sport. Was als gesunde Ernährung gilt, ist bekannt. Es gibt psychologische Ratgeber. Nicht gut ist Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol zu trinken, Drogen konsumieren und mehr davon. Das erfahren wir dauernd. Aber nur zwei Prozent leben so, wie man sollte? Da stimmt wohl was nicht, entweder mit uns oder eben mit der Definition, was überhaupt richtig ist. Wenn man sich’s vorstellt (hier im drastischen Bild überzeichnet), einem von Geburt an Missgebildeten regelmäßiges Joggen aufzuerlegen, was der als Rollstuhlfahrer gar nicht kann, wird klar, dass auch andere, individuelle „Gesundheiten“ als solche angesehen werden könnten. Wollten wir die Dummheit verbieten, dürften wir scheitern, aber so klingen Ratgeber, die keinen Spielraum der Entwicklung zulassen.

Wer wie ich ganz auf dem Boden ankommt, weil die Existenz so grundsätzlich aus den Fugen gerät, muss neu zu denken lernen. Das habe ich hinbekommen, darüber berichtet mancher Text, und es geht auch weiter in meine Bilder ein. Ich verarbeite, was mich umtreibt. Mit dem Glaube fertig werden, bedeutet mehr, als Religion banal in Frage zu stellen. Mich beschäftigt, wie groß ich meine Unabhängigkeit ausdehnen kann, die Denkfreiheit erweitern, ohne von einer Dummheit in eine andere, neue zu wechseln. Es gibt anerkannten Glaube und demgegenüber Aberglaube, das Anhängen an Verschwörungstheorien, und manche lehnen jede Religiösität ab. Wo sollte ich mich wiederfinden, habe ich mich gefragt, als mir klar wurde, dass mein Ausrichten an der Welt, anderen nachzulaufen, blind dem Schicksal zu vertrauen, mich krank macht. Gott in Frage stellen, was das sei, ein Herr oder eine sonst wie geartete Macht, ist also viel mehr; eine grundsätzliche Sinnfrage, was gesundes Leben heißen könnte? Das braucht eine individuelle Antwort. Kirche tritt mehr und mehr zurück in unserer modernen Gesellschaft. Man liegt im Trend, neu nachzudenken, was das soll: Glaube. Los wird man nicht mal eben, was früher gegolten hat. Wo die individuelle Verblendung beginnt, muss einer aufhören, seiner fixen Idee weiter anzuhängen. Falls man aber auf die nicht zu knackende Nuss des Unerklärlichen stößt, nötigt uns das Übel weiter vollen Respekt ab. Das ist Gottes Wille ohne Wenn und Aber. Wir stoßen an Grenzen. Es hilft nicht zu sagen, man sei jetzt eben Atheist.

# Ausgrenzung ist ein Teil des Lebens

Jetzt kam wieder was im Fernsehen, das Stigma psychischer Krankheiten sei geringer geworden. Des Langen und Breiten folgten Beschreibungen über die nun häufigen Depressionen, wie traurig, auch bei jungen Menschen etwa im Studium, ihre Sinnsuche oder das sogenannte Burnout und wie wie gut, dass man heute offen reden könne, wie schwer es sei, einen Therapieplatz zu bekommen usw. –.

Kein Wort wurde denen gewidmet, die psychotisch werden.

Es dürften nicht weniger junge Menschen sein.

Darüber redet niemand. Man gibt solchen Armen weder eine Plattform noch eine lebenswerte Zukunft. Sie sollen ihre Medikamente nehmen, sie tun es nicht wie empfohlen, dann werden sie wieder krank und gefährden sich selbst und ihr Umfeld erneut. Eine schiefe Bahn in der Regel, diese Menschen sind ein gesamtgesellschaftliches Problem und demzufolge keine Menschen: Es sind Patienten für immer. Man bestimmt über ihren Kopf hinweg, weil sie eine unkontrollierte Gefahr für sich selbst und andere sein könnten. Wenn ein Arzt nicht zurande kommt mit so einem, schiebt man ihn ab in Richtung eines anderen Kollegen. Begehen sie Straftaten, werden sie für schuldunfähig erklärt, aber jeder im Umfeld sagt ihnen, sie hätten eben dies tun müssen oder anderes (wären so gesehen doch schuld), und man nötigt ihnen mehr auf, dass sie wie eingefangen leben müssen. Das dauert, aber das Ziel ist scheinbar erreicht, wenn sie ganz kaputt gemacht worden sind von sogenannten Helfern. Diese Kräfte, ein Konglomerat aus Psychiatern, Polizisten, Betreuern und nicht zuletzt den eigenen Verwandten setzt ihnen zu, bis oft kein anderer Ausweg bleibt als dauerhafte Unterbringung oder das Leben jedenfalls in einem Kanal, parallel zur normalen Gesellschaft. Nur ganz wenige kommen da raus. Der Titel des alten Films „Einer flog über das Kuckucksnest“ sollte sein: „Nur“ einer flog, kam raus, schaffte die Flucht. Für mich ist es immer Häuptling Bromden, der Indianer gewesen, der verstanden hat. Das soll jeder für sich interpretieren, aber meiner Meinung nach geht die Psychiatrie auch heute noch am Menschen vorbei.

Was kann einer erwarten?

Mehr als nur den Job machen, der uns eben passend scheint, möchten wir Anerkennung und Erfolg, einen Platz in der Gesellschaft, der so weit respektabel ist, dass sich ein paar Freunde finden, die ähnliche Interessen vertreten. Da braucht man ein paar, die Bock drauf haben, was zusammen und überhaupt miteinander zu machen. Wir möchten Kollegen kennen, ein Team zur Arbeit haben, eine Fertigkeit können, die man schließlich beherrscht. Gut wäre ein ansprechender Verdienst, Aufstiegsmöglichkeiten, eine Karriere und ja, wir möchten uns nicht nur verlieben, sondern ankommen überhaupt, ein paar Kinder in die Welt setzen, die stolz auf ihre Eltern sind, solche Sachen. Da nützt der beste Schulabschluss oft gar nicht, und das ist doch seltsam, wenn gute Absolventen anschließend psychotisch abschmieren? Was soll das sein: Intelligenz, wenn die plötzlich nicht mehr wirkt? Nicht nur das musste ich mich zu fragen lernen.

Jetzt habe ich alles doch. Da sind Frau und Kind. Ich habe Freunde, Haus und Hobby, meine Kunst, ich kann was. Man schaut sich um, zurück, denn die Geschichte dazu ist so anders, nicht normal. Sind es die lieben Eltern gewesen, die alles möglich machten, ihre finanzielle Unterstützung? Habe ich so hart gearbeitet, oder war es Gott, der mich führte? Das könnten andere sagen, die nicht sehen, wie alles war. Einen Gott erledigen, der so wäre, wie scheinbar andere zu wissen meinen, kann ich. Den brauche ich nicht. Mich grämen, weil meine Eltern die wirtschaftliche Basis meiner Existenz erbrachten, tue ich nicht. Mich schämen, weil ich zugeschlagen habe (nicht nur einmal), letztlich einen Senior noch am Boden trat (auch ins Gesicht), fällt mir nicht ein! Das musste sein. Reue kenne ich nicht. Mir tut mein schäbiges Bild, ein Gemälde von dem Mädchen leid, dass ich mochte. Das stimmt. Letztlich aber eine gute Idee, diese Blase aus Ärschen zum Platzen zu bringen, die sich so unangreifbar fühlten.

Warum wurde es so wichtig, den Glaube, wie ich diesen meinte zu kennen, loszuwerden? Das möchte ich aufschreiben.

# Körper und Geist

Da läuft so eine Alte rum im Dorf, ganz nett, auch nicht wirklich durchschaubar, was unsere zufälligen Begegnungen doch irgendwie absichtlich erscheinen lässt. Die lebt immer wieder auf in ihrem Steckenpferd, der kruden Idee von Wiedergeburt. Das sei alles Quatsch, entgegne ich meist barsch, aber sie kommt damit, das könne ich nicht beweisen. Ich möchte einiges ins Feld führen, und weil sie dergleichen nicht zulässt, mache ich’s mal hier, an dieser Stelle. Der Volksmund redet vom „Seelenklempner“, die Kirche will Seelsorger sein, und früher sagte man einfach, jemand sei etwa geisteskrank, weil wir davon ausgehen, dass einerseits der Geist da ist und auf der anderen Seite unser Körper. Viele kommen gar nicht auf die Idee, dass es nicht haltbar ist, so zu denken? Den Körper können wir als dinglich anfassen, auch das Gehirn ist stofflich. Vom Geist zu reden, der Seele hingegen, bedeutet eine Begrifflichkeit und intellektuelles Verständnis. Hier wird unser Verhalten, die spontanen Richtungsänderungen eines jeden, seine festen Vorsätze, das, was einer noch weiß genauso wie Geplantes in eine Form gegossen. Diese Schüssel des Seins kann bestenfalls unser Gehirn sein. Mehr darin begreifen wollen, heißt, in die Denkfalle zu tappen, unsere oft flüchtigen Gedanken bereits wie Stoffliches in die Hand zu nehmen. Jeder Mensch muss Entscheidungen treffen und wird seine individuellen Lösungen auch wiederholen, weil die mit Erfahrungen einhergehen. Daraus eine Persönlichkeit machen zu wollen, demjenigen einen Namen zu geben, sollte niemals ignorieren, dass das nur Sinn für den ganzen Menschen macht, ihn so zu bezeichnen. Den Geist oder eine Seele, nennen wir’s Psyche, gibt es so gesehen nie für sich allein. Karl May lässt seinen Freund im Buch von sich selbst so sprechen: „Winnetou hat gesehen, wie der Mond aufgegangen ist.“ Der Apatschenhäuptling sagt nicht: „Ich.“ Wir Zivilisierten haben unsere Sprache verfeinert. Da ist scheinbar eine ganze Welt entstanden, die, nur durch den Intellekt konstruiert, doch eine Menge Realität entwickelt. Sich selbst als „ich“ definieren, zeigt bereits die Wirksamkeit geistiger Kraft. Das will ich nicht abstreiten.

Kommunikation ist eine reale Kraft. Unsere Vorstellung von der Wirklichkeit macht, dass wir über den Mond reden können, als wären wir selbst drauf herumspaziert. Diese Bilder von dort werden als übernommenes Wissen ein Teil des allgemeinen Denkens. Wir sagen „Hamburg“ und meinen etwas damit, obwohl wir so vieles der Hansestadt gar nicht kennen können. Ein Bein, der Fuß, unser Leib und der Kopf mit dem Gehirn darin sind anfassbar. Der Geist, das ist ein Wort, mehr nicht. Gedächtnis ist ein Wort, nicht mehr. Niemand kann die Erinnerung vom anderen übernehmen, wie man die Datensätze von einem zum anderen digitalen Gerät überspielt. Die Gedächtnisleistung variiert, im Alter wird man vergesslich. Unser Gehirn schafft Kreativität, und auch diese Fähigkeit ist nicht immer gleich gut wirksam. Selbst fähige Autoren erleben ihre Schreibblockade von Zeit zu Zeit. Ich will damit sagen, dass unser Geist unzuverlässig ist und nicht zu kopieren. Es ist nicht der Datensatz einer Festplatte, obwohl manche das Gehirn wie Hardware sehen. Der Zugriff auf die geistigen Fähigkeiten erfolgt nicht mit der Qualität eines Computers, und in vieler Hinsicht sind wir mehr als ein bloßer Apparat. Der Mensch kann sich nicht abstellen. Wir leben im Schlaf. Der Tod ist unumkehrbar, und ein Lebewesen können wir nicht einfach im Reagenzglas basteln und anschalten. Weil wir so vieles nicht verstehen, sollten wir aber nicht denken, unser Geist könne unabhängiges Gut von uns selbst sein, also getrennt vom gewohnten Körper, seinen Gliedmaßen, der Erinnerung einer eigenen, erlebten Geschichte.

Der Widersinn einer absurden Fantasie zeigt sich im Gedanke der Wiedergeburt. Wer das glaubt, hat sich selbst nicht verstanden. Man kann kein Mann sein mit den entsprechenden Erinnerungen an alles, was einem passierte seit der Kindheit und später eine Frau im nächsten Leben, ohne sich der Einbildung hinzugeben, es sei so gewesen. Wunschdenken als Motiv anzunehmen, ist viel wahrscheinlicher als die Realität vom tatsächlich weiterlebenden Geist. Eitelkeiten befriedigen zu können, gibt auch anderen Thesen ihre Nahrung, weswegen man sie auslebt. Man möchte Leute beeindrucken, animieren mitzumachen, die Idee nach dem Muster einer Partei auszubauen. Es hilft außerdem beim Verdrängen unangenehmer Emotionen, wenn man eine gut funktionierende Geschichte immer wieder vor dem inneren Auge durchlaufen kann. Jede Verschwörungserzählung kreiert ihre eigene Stabilität, wie auch eine romanhafte Erzählung viele Bilder liefert, die sich einprägen und damit einen Platz im Gehirn beanspruchen, einen intellektuellen Raum. Man lernt den Weg dahin zu gehen, weil in seiner Lieblingsfantasie anzukommen, nach dem Muster der Selbstbefriedigung Erleichterung verschafft. Zudem kann man Idioten beeindrucken mit jeder fixen Idee. Das nährt die Illusion, Freunde zu haben. Idioten sind immer reichlich vorhanden.

Eine operative Geschlechtsumwandlung ist heute mögliche Realität. Das mag jemanden auf die Idee bringen, ein geistiges Ich vom variablen Körper transportieren zu lassen? Der Körper verändert sich ohnehin mit der Zeit, und man könnte Gliedmaßen durch einen Unfall verlieren und hätte dennoch sein Selbstverständnis behalten. Ein Gehirn erinnert sich aber nur in Relation zum gesamten System, mit dem es die eigene Vergangenheit erlebte. Im Alter gehen bei nicht wenigen von uns auch Zellen im Gehirn so kaputt, dass die Erinnerungen unpräzise werden, schließlich werden viele dement. Jetzt noch anzunehmen, im Himmel fortzubestehen oder gar als neue Existenz wiedergeboren zu werden, bedeutet, das Gedankenspiel nicht zuzulassen, was denn eigentlich genau vom Geist weiterlebt? Das Bewusstsein vieler alter Menschen ist stark reduziert. Was wir als Selbst definieren, hat vollkommen unterschiedlichen Inhalt, je nachdem, wann wir in der gesamten Spanne eines Lebens die „Seele“ auf ihre geistige Tiefe hin ausmessen würden. Man kennt diese Leute, die sich für eine wiedergeborene Figur der Geschichte halten. Da ist kaum vorstellbar, dass einer sich für früher, in einem früheren Leben also, als hochintelligent gewesen einschätzen möchte – und heute zugibt, vollkommen dumm zu sein?

Gläubige überhaupt halten mehr von sich, sie missionieren andere, aber genau das konterkariert den guten Gedanken von grundsätzlicher Ehrfurcht vor dem Sein. Daran krankt auch das Evangelium. Wäre Jesus weise gewesen, hätte er mal öfter die Klappe gehalten und die Klugheit bewiesen, seine oft guten Gleichnisse selbst zu leben. Er hätte nicht so viele gegen sich aufgebracht, länger gelebt und manche Seele noch dadurch gerettet, dass er sie durch sein Beispiel auf einen guten Weg geleitet hätte. Darauf könnte niemand eine Religion aufbauen, sich auf das Märtyrersein berufen, als wäre es großartig, in dieser Tradition mitzuleiden, das stimmt. Ein Modell für den Widerstand gegen Unterdrückung bietet die Geschichte von Verrat und Kreuzigung allemal. Diese soziale Gemeinheit, jemanden wegen seiner lautgemachten Ideen als Aufrührer anzunageln, macht bis heute anschaulich, wie Menschen sind. Das ist eine Hilfe, wenn uns Ausgrenzung erfährt, zu begreifen, dass es in der Regel die Meute ist, die böse ist, auch wenn man uns beschuldigt. Wer sich zusammenrottet für eine Verurteilung, neigt zum Lynchmord. So gesehen verdanken wir der Jesusgeschichte unsere moderne Justiz, den Rechtsstaat. Danke dafür. Deswegen, weil wir es so in der Bibel lesen, anzunehmen, da säße heute seine Dreifaltigkeit daselbst auf ihrer Himmelswolke, ist Quatsch.

Würden Menschen mit ihrem Denkapparat mehr darauf achten, was sie mit sich und ihrem Körper anstellen, wo sie es vermeiden, sich für eine wohl anfühlende Beschäftigung zu verwenden, könnten sie lernen, bessere Wege zu gehen. Wer sich von Bevormundung befreien kann, dürfte auch mehr auf Leidende achten und wie nebenbei gut sein, nicht zwanghaft moralinsauer wie so viele Helfer und selbsterklärte Gutmenschen. Einen Gott zu glauben, der das persönliche Schicksal bereithält, den Herrn zu bemerken, der uns gezielt betreut, führt zu oft in eine paranoide Abhängigkeit dieser fixen Idee. Das muss jeder ablehnen, der sich für Freiheit, Entwicklung und überhaupt Lernfähigkeit des Menschen einsetzt. Liberales Gedankengut steht keinesfalls im Widerspruch zu vielen guten Passagen der religiösen Denke. 

Glaubenssätze müssten zum Nachdenken anregen. Sie wurden nicht grundlos notiert und über Jahre bewahrt. Widersprüche zwischen dem, was geschrieben steht und dem, was man meint, deswegen zu tun, sind typisch. Die Bibel ist eine Sammlung von besseren und schlechten Texten, darf man’s sagen? Gläubige sind mal mehr mal weniger sicher unterwegs. Glaube müsste die Allmacht und dass diese niemanden bevorzugt anerkennen. Andere nicht nur zu respektieren, sondern hinzunehmen, dass diese mal stärker sind, klüger, obwohl man gläubig ist, fällt schwer. Fordernd sagt auch noch das zweite Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Dieser schöne Gedanke beinhaltet manche Schwierigkeit, damit zurechtzukommen. Das eine ist die Symmetrie, der man keine Schieflage andichten darf: „Man liebe sich selbst nicht weniger“, heißt es korrekt.

Die psychologischen Probleme erzieht sich ferner jemand an, der sich für einen guten Menschen halten möchte und dabei übersieht, dass gelegentliche Abgrenzung unvermeidlich ist, man es sogar tut, die anderen zu düpieren, ohne seine eigenen Ungerechtigkeiten mitzubekommen. Es zeigt sich, die penetrantesten Bessermenschen sind stets unser Banknachbar im Gotteshaus. Passiert es, eventuellen Feinden gegenüberzustehen, schießt der nächste Denkfehler nach oben auf das Tablett unserer Motivationen wie eine Blase an die Oberfläche vom Grund des Gewässers. Den „Knüppel im Sack“ dabei zu haben, drängt sich auf. Im Märchen funktioniert es. Ein Trugschluss hat es in sich, der da wäre, zu denken, überlegen zu sein, weil man glaubt. Den Freund an seiner Seite anzunehmen, weil man an diesen glaubt, ihn anbetet, bittet im stillen Selbstgespräch (und das ja der größte aller Kumpels ist), dürfte nur im Ausblenden aller Misslichkeiten gelingen. Man redet mit sich selbst, wenn man betet, nicht mit Gott. Man schafft die Durststrecke durch die Wüste, weil eine Fata Morgana am Horizont Mut macht. Manche gehen mit diesem Werkzeug irre, andere ziehen tatsächlich Kraft aus ihrer fixen Idee und wieder welche haben gar nicht nötig, sich was einzubilden.

Wir kennen das große Ganze nicht, und auch da könnten wir schon in der Bibel lesen, wird geraten, sich keinesfalls ein Bildnis vom Allmächtigen zu machen. Trotzdem widerspricht sich das Buch der Bücher schon mit jedem Gleichnis, das man Christus in den Mund legt. Der Gottessohn darf bildreich reden, aber wir malen das notgedrungen ab. So ist Menschsein. Immer wird vom Herrn gesprochen.

Ein alter weißer Mann mit Bart oder was soll das sein?

Als Künstler erlaube ich mir das: Nehmen wir die Fische im Meer für ein solches Bild, ihre und damit auch unsere Welt zu beschreiben, und weil sie als so klug bewundert werden, die Walfische, die eigentlich keine sind als tatsächliche Säugetiere. Delfine erregen Begeisterung. Man rechnet ihnen umfangreiches Denkvermögen zu. Das könnte stimmen. Was ein solches ozeanisches Lebewesen vom Großstadtleben in New York hält, dem Ballermann auf den Balearen, vom Ziel der Klimaneutralität der Menschen an Land, ist nicht bekannt. Die Bibliotheken der Wasserschweine las uns bislang kein Forscher verständlich vor. Dafür dürften Meeresbewohner keinen Sinn haben, obschon Ausflüge in die Luftwelt bei ihnen zum Alltag gehören, wie bei uns das Flugzeugfliegen. Wale können springen. Sie müssen atmen. Die in diesem Sinne Mondlandung eines besonders gewieften Wassersäugers auf dem Empire State Building ist aber nicht zu erwarten. Rege Kommunikation zwischen ihnen selbst und uns, den aus ihrer Sicht Aliens, dürften die Delfine sich kaum wünschen, es sei denn, sie wären Teil der Delfinkirche da unten. Dann müssten diese Schwimmer annehmen, durch Gebete ihre maritime Welt beeinflussen zu können? Wir bestimmen ihren Lebensrahmen mit. Das könnten aufmerksame Lebewesen durchaus begreifen und eine entsprechende Vorstellung entwickeln, dass da oberhalb noch etwas geschieht. Die Klügeren unter ihnen dürften aber die sein, die pragmatisch denken, ihr Dasein so weit wie möglich akzeptieren, wie es eben kommt. So ist es bei uns.

Menschen machen sich ihr Bild und verwechseln es schließlich mit der Realität. Immer wieder belegen Verbalisierungen ihre Verirrung. Aktuelle Schnipsel aus den Medien mögen das illustrieren. Das gibt es, ein Mann „stand auf einer Pferdekoppel am Nordportbogen und berührte sich am Glied“, lese ich so in unserem Tageblatt. Weiter, eine Pferdehalterin erklärt in ihrer Facebook-Gruppe, dass der Mann sich an zwei Pferden vergangen haben soll. „Im Kommentarbereich herrscht Fassungslosigkeit“, berichtet die Zeitung, weil der Mann zunächst „nur“ einen Platzverweis erhalten haben soll.

„Was stimmt in dieser Welt nicht?“, fragt eine Nutzerin.

Typisch Frau, und natürlich hat sie ein Pferd, denke ich voller Spott, wenn ich’s lese. Die Polizei hat Wichtigeres zu tun. Wer hier nicht stimmt, ist die Frau mit dem Pferd. Sie möchte einen Wichser loswerden, der ihrem Gaul ins Arschloch fasste und der so, wie er ist, nicht existieren darf in ihrer Welt?

In derselben Zeitung (am selben Tag) steht: „Mann in einem Dino-Kostüm sorgt für Aufsehen“, und da geht es um einen ungepflegten Typ auf einem Camingplatz, der zunächst für einen Animateur gehalten wurde. Tatsächlich nutzte eine unbekannte Person seine Verkleidung, um kleine Mädchen anzusprechen und eine entlegene Wiese mit ihnen anzusteuern. Da holten die dazugehörenden Mütter ihre Kinder weg von dem Dino, der als einer mit ungepflegten Zähnen beschrieben wird. Die Polizei leitete keine strafrechtlichen Ermittlungen ein, schreibt das Blatt und betont im Bericht, man solle keine Gerüchte streuen. Dito wie oben, die Polizei hat Wichtigeres zu tun.

Wir müssen kleinere Ängste selbst in den Griff kriegen und wehrhaft bleiben auch als moderne Frau. Die Welt stimmt, wie sie ist. Das können wir nicht ändern, dass es Spinner gibt. So groß kann man die Gefängnisse und Psychiatrien gar nicht bauen, alles vom Unrat zu säubern, den aufgebrachte Weibsen zu erkennen meinen. Ich lache mich tot als Mann. Da hilft weder Polizei noch das Beten oder Schimpfen auf Facebook oder eine sogenannte alternative Nazipartei. Immer bieten sich Menschenfänger an, weil Menschen Menschen fangen möchten – so oder so herum. Überall Kameras und Strafverfolgung zu wünschen, dürfte kaum helfen, diese Welt „stimmiger“ zu machen.

Hetzende Weiber wird es immer geben wie kranke Menschen, die ihre Triebe nicht begreifen.

Vielleicht war der bis heute verehrte Jesus von Nazareth tatsächlich nichts weiter als ein wandernder Guru mit irrem Gefolge. So ein Haufen wie eine durchgeknallte Sekte stelle ich mir vor. Der Messias könnte ein bloßer Aufrührer gewesen sein, ein kranker Spinner, der sich schließlich noch an kleinen (römischen) Mädchen verging? Da hat man ihm den kurzen Prozess gemacht. Das steht so nicht in der Bibel, aber wer will es besser wissen nach so langer Zeit?

Ein Buch ist nur ein Buch. 

# Man denkt sich das aus

Einen Gott zu erfinden, der über den Menschen wacht, der an ihn glaubt, schafft vor allem den Job „Papst“ – und Gefolge. Wer anderen diesen Floh ins Hirn setzen kann, bekommt die Aufgabe ihrer Betreuung. Das funktioniert so gut, dass bis heute eine riesige Firma Kirche gut strukturiert ihr eigenes Dasein legitimiert. So eine Hirnwäsche und kollektive Manipulation gelingt allein deswegen, weil hilflose Anhänger einen Anleiter benötigen, den Schmerz ihres sinnfreien Lebens auszuhalten durch entsprechenden Sermon von der Kanzel. Das kann kein Gott wollen, doofe Schafe, aber das ist Realität auf einem Planeten, der in erster Linie von Vorteilsnahme, Krieg und überhaupt Gewalt bestimmt ist. Dagegen hilft kein Gebet. Gott hört nicht zu, er antwortet nicht. Was wäre das für ein Arschloch als Vater, der nicht klar kommuniziert? Das bekam ich zur Konfirmation: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“, und es ist meine Auslegung, dies zu begreifen! Als von meinen Eltern emotional nicht respektiert (wie es vielen Kindern ergeht), bin ich im Wechselbad von mal mehr mal weniger Liebe groß geworden. Einen zuverlässigen Rahmen habe ich nur in wirtschaftlicher Hinsicht kennengelernt. Die dürftige Ausstattung meiner Eltern hinsichtlich ihrer Gefühle, wie diese einzuordnen wären und als Erzieher weiterzugeben, schafften die Grundvoraussetzung späterer Paranoia. Meine Mutter mischte sich ein und gab andererseits unzuverlässige Zuneigung, kaum Bauchgefühl mit auf den Weg. Mein Vater hatte nur rudimentäre intellektuelle Ansätze, sein Dasein zu begreifen. Er wechselte vom Tempo machen hinüber in Lockerheit zum falschen Zeitpunkt. So wurde mancher Druck aufgebaut und ein Nährboden bereitet, sich ein übergeordnetes Schicksal denken zu können, das bestimmt.

Was könnte emotionale Reife bedeuten, und was ist zu tun, um besser zu werden in dieser Fähigkeit; das ist mein tägliches Training, mich das zu fragen. Ich bin 1964 geboren, eine gute Zeit eigentlich, das Wirtschaftswunder wirkte kräftig. Viele Eltern dieser Zeit sind leider als Kriegskinder traumatisiert und unreif geblieben in manchem. Das geben solche Erzieher unreflektiert weiter, was sie selbst nicht verstehen. Meine Eltern waren nicht im kirchlichen Sinne gläubig. Sie vertrauten nur ungefähr dem Ganzen und hielten sich an allgemeine Sinnsprüche so gut das geht. Viele Menschen wollen es eher nicht genau wissen, mit dem Alltag klarzukommen. Sie sind in ihrem Tempo unterwegs. Sie handeln gewohnheitsmäßig. Das ist der ihnen Halt gebende Rahmen. Für ihre Kinder ist dies insofern problematisch, weil eine kleine Ordnung vieles lernen muss. Man kennt es von der Musik, schneller geht das Spiel erst, wenn man’s beherrscht. Nicht wenige Kinder werden genötigt, die aufgezwungene Geschwindigkeit zu übernehmen und lernen manche Sache entsprechend schlecht. Bei anderen Tätigkeiten, wo das Auge der Eltern gerade nicht hinschaut, machen dieselben Kinder möglicherweise einen intelligenten und weit wirkenden Sprung, der alle positiv überrascht. Dann loben die Erzieher, man sei talentiert. So werden Realitäten von Beginn an verschoben.

Nehmen wir an, tausend Sachen am Tag bereiten auf ihre Weise kleinere Schwierigkeiten? Wer sich bemüht, die Motive dahinter zu erkennen bei einer Alltagshandlung, dürfte oft genug innehalten müssen, bevor eine begonnene Handlung zum gewünschten Ergebnis führt. Kleinere Umwege gehören immer dazu. Unser Verständnis einer Situation ist zum Teil immer ungenügend. Bewusstheit hilft gegenzusteuern und Schwierigkeiten geschickt, mehr als notwendige Abweichung zu integrieren, statt die Tätigkeit insgesamt stoppen zu müssen. Sind die Überraschungen massiv, werden wir in gewisser Weise neurotisch, zornig, mehr Kraft aufwenden, lauter reagieren, fluchen usw. Das sind sogenannte negative Gefühle. Ein sich selbst ganz gut verstehender Organismus kommt damit klar. Man schimpft eben, nötigt sich bald zur Beherrschung. Mancher schnauzt gelegentlich jemanden an? Es ist möglich, sich Luft zu machen. Das nennt man Abgrenzung.

Wenn wir die genannte Zahl „tausend“ als Beispiel nehmen, wie oft in einer Zeitspanne Widerstand zu bemerken ist gegenüber unseren Begehrlichkeiten, sollten wir prüfen, ob uns umgekehrt auch einige Male unerwartete Unterstützung geschehen ist? Die Fragestellung macht schon das Verhältnis deutlich, es gibt mehr Reibung als Rückenwind im Leben. Die anderen hören auch mal zu, meistens werden wir aber ihnen zuhören müssen, wenn wir sie nicht als Partner verlieren wollen. Im kleinsten Gegenstand scheint die Tücke des Objekts aktiv, uns Schwierigkeiten zu machen. Mehrheitlich erleben wir die Ampeln rot (im Leben). Das nervt, aber so ist es nun mal. Als Kind konnten wir die Erwachsenen oft um Hilfe bitten. Als Erwachsener Gott andauernd im Gebet zu suchen, ist kindisch wie nur was. Wer gewohnheitsmäßig annimmt, der Allmächtige würde den Lebensweg bahnen, weil man an ihn glaubt, müsste einsehen, dass dies die Droge Wunschdenken ist, Negatives zu übersehen. Gott ist der blinde Fleck, den sich einer antrainiert, die Pille, die betäubt, wenn’s unangenehm wird. Das dürfte bedeuten, das wirkliche Leben schlimmstenfalls komplett zu verpassen!

„Gott hasst den Menschen“, und deswegen der ganze Stress? Das erlaubt sich keiner zu denken. Man nennt es: „Das psychotische Weltbild“, eigentlich ein Eingeständnis der Psychiatrie, dass sich die als krank Bezeichneten mit jedem Schub weiter auf dem Wege der Besserung befinden –.

Es ließe sich leicht nachprüfen, dass uns keine Unterstützung oder Liebe einer höchsten Macht gewährt wird. Das Geliebtwerden muss man sich einreden. Den Ärger wahrzunehmen, wie oft was misslingt (die einfachsten Tätigkeiten haben ihre Tücken), ist möglich. Hier entdeckt derjenige, dem der Zorn einst verboten wurde (zu wüten wie Papa beispielsweise), dass es wieder geht. Das kommt zwar nicht gut an, seine Gefühle auszuleben und dürfte zunächst verstören, wenn man spät anfängt, sich auszuprobieren, aber es ist der einzige Weg zum reifen Selbst. Zorn an sich zu erleben, stößt die nächste Tür auf, die fest verrammelt wurde: Angst.

Die Verrückten riskieren den verbotenen Blick, würde ich sagen, und es ist die normale Gesellschaft unreif (und geschickt darin, sich etwas vorzumachen gleichermaßen). Die Störungen, die „Gestörte“ zunächst durch die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zu kompensieren lernten, drängen mit dem Ende der Adoleszenz verstärkt auf den jungen Menschen ein. Wir gewöhnten uns an, den Bauch anzuspannen, die Atmung einzuschnüren, das Gesicht zum einschleimenden Grinsen zu verziehen und überhaupt, eine insgesamt ungesunde Haltung anzunehmen. Das sollte schützen, um dem Elternteil standzuhalten, der sich in alles einmischte. So konnte die geforderte Leistung doch erreicht werden. Nach der Schule und dem Leben zu Hause beginnt das eigenständige Leben. Es kommt uns vor wie eine fremde Welt, in der wir gefordert werden standzuhalten, wenn wir das Elternhaus verlassen. Das neue Umfeld zeigt nicht nur oft sein abweisendes, sondern auch das vom Bekannten abweichende Gesicht. Wer nun deswegen den Verstand verliert, bekommt im Helfer einen Apparat an die Seite gestellt, der in der Regel das Schicksal für Jahre besiegelt. Die pharmazeutische Betäubung schützt. Die Medizin will den kindlichen Rahmen der verbogenen Muskulatur festigen. Das provoziert aber gerade deswegen den folgenden Schub der Erkrankung. Wer lernte, nichts zu merken, kann kaum dahingehend therapiert werden, es nun zu tun, wenn man eine Fessel anbringt, die im besonderen Fall immer falsch dosiert ist.

Kein Pillenschlucker überzeugt auf dem Musikfestival (beim Tanz). So jemand ist uncool, nicht selbstbewusst. Ein medikamentös Eingestellter spürt die Einschränkung, möchte handlungsfähig bleiben: Mit dem Psychiater in Absprache senken beide im Team den Pegel. Arzt und Patient verkleinern guter Hoffnung die empfohlene Pillengröße, die man sich zur Erhaltung einer schützenden Wirkung ausgedacht hatte? Das bedeutet leider, wenn ein böser Brief im Briefkasten landet, ist die Dosis zu gering, die anderntags noch gut, am Wochenende davor in der Diskothek aber zu hoch gewesen ist. Ein solcher Arzt ist keiner. Das ist keine Medizin. Es täuscht Fachlichkeit vor, weil die anderen, die „richtigen“ Ärzte eben auch Tabletten verschreiben gegen Bluthochdruck etwa. Ein psychiatrischer Facharzt möchte sein wie die Kollegen. Die Pharma bietet etwas an. Niemand prüft, ob die Methode sinnvoll ist. Es ist richtig, weil’s alle machen. Nur weil eine hohe Dosis der Betäubungsmittel (die alle dem Haldol nachgebaut sind) die meisten Kranken in der Klinik so weit beruhigt, dass der Schub allmählich abklingt, nimmt man an, mit einer Erhaltungsdosis Schutz aufzubauen? Da werden Menschen kaputt gemacht, die bereits zu schwach sind, sich gegen die Gesellschaft zu wehren, sich durchzusetzen.

Das Stigma des Kranken zerstört jede erfreuliche Zukunft auf lange Sicht.

Eigentlich war man zum ersten Mal auf die Idee gekommen, Widersprüche zu hinterfragen. Weder die Eltern noch die Lehrer oder eine größere Macht sind bereit gewesen zu helfen, als der neue Chef unzufrieden war, die erste Liebe abweisend reagierte, die Zukunft ihre hässlichste Fratze präsentierte. Das Schlimmste ist das folgende Trauma. Nun geschieht es immer wieder, dass der Ruf nach Beistand ein hilfloser Griff in den Himmel wird.

Da ist nichts als Luft und noch mehr davon nach oben.

# Die Idiotie, mein bester Lehrer

Mein Vater war ein höchst kreativer und fleißiger junger Mann, ehrlich begeistert davon, eine kleine Familie zu gründen in der Nachkriegszeit. Er hasste die Nationalsozialisten, weil er sich noch an diese Menschen erinnerte, was sie mit seinem Vater machten. Der Krieg, er hatte seine Erinnerungen. Er überforderte sich selbst und uns und merkte es nicht. Im Alter erkrankte er depressiv. Obschon Segler, lehnte er grüne Politik ab und schimpfte auf den Windstrom. Er liebäugelte mit der neuen Nazipartei und pöbelte sinnfreien Quatsch. Erich bezweifelte schließlich die Mondlandung, die alle begeistert im Fernsehen gesehen hatten! Die Saturn-V ist bis heute das Großartigste, was Menschen in puncto Raumfahrt geschaffen haben. Bei nicht nur einer Landung, den unzähligen Mitarbeitern der NASA, Nachrichtenleuten und Angehörigen, die an den Projekten mitwirkten, überhaupt zu glauben, das könnte Fake sein; hirnrissig. Die Tatsache, wie beharrlich sich diese Verschwörungserzählung hält, ist der beste Beweis dafür, wie Glaube funktioniert. Es braucht keinen Gott, um zu glauben, von einem geleitet zu sein. Warum ist das ein allmächtiger Herr angeblich, der aber nur für Christen einer sein soll, ihnen „im Angesicht der Feinde noch seinen Tisch“ bereitet? Der himmlische, und wie es heißt, einzige Gott müsste doch alle Menschen und überhaupt alle Lebewesen beschützen. Eine konfessionelle Herdenbildung zeigt vielmehr die Fadenscheinigkeit vom Ganzen. Moses hatte seinen Gott und der Pharao hatte andere. Jesus fischte seine Menschen und Mohammed seine eigenen, wie billig.

Die Hilfe vom Schöpfer genießt nur, wer sich als gemacht begreift und als Wesen annimmt. Wir bekommen die Leitung der Aufgabe übertragen, uns selbst als System durch eine Welt zu navigieren, die bereits geschaffen wurde. Das heißt, die Bedingungen zu akzeptieren. Es bedeutet, Wege zu finden lernen, sich selbst vertrauen. Man schaue sich selbstbewusste Menschen an. Sie sind auf natürliche Weise schön. Man werfe einen Blick in die sonntägliche Kirchengemeinde und dürfte erschrecken. Seitdem nur noch überschaubare Gruppen hingehen und Kirche in unserem Land eine Randnotiz wurde, sind vor allem emotionale Krüppel in den Bänken zu finden. Den selbstbewussten, erwachsenen Mann, der im Leben steht, bemerkt man nur vor dem Sommerurlaub an der Seite von Frau und Kind in der Kirche. Da gibt es anschließend auf der Wiese vor dem Gotteshaus noch einen „Reisesegen“. Anderntags fliegt die Familie in den Süden und vergisst wieder das religiöse (wie grüne) Ideal. Der Tourist übersieht die Armut außerhalb vom Luxushotel. Zu Hause, ein Stück weit die besondere Kultur möchten wir erhalten. Unsere Geschichte ist auch die Architektur der Kirchtürme. Zum Festtag gehen viele gern in den Gottesdienst. Ansonsten sammeln sich verschrobene, verkrümmte Tanten, Schrullen typischerweise in der Kirche, den Kirchenkreisen, den Singkreisen. Natürlich finden sich begeisterte junge Menschen in Massen zu Kirchentagen zusammen. Junge Leute können sich naives Glück leisten, weil sie viel Kraft in positive Bewegungen einbringen und dabei einiges voranbringen. Die sind auch in grünen und linken Parteien aktiv. Wir wären arm dran ohne sie. Kirche insgesamt und besonders in Deutschland, wo ich’s mir selbst leicht anschauen kann, finde ich aber absolut abschreckend, nicht nur, was den Missbrauch betrifft.

Verkorkste –, da sind mehrheitlich kranke Beterinnen und vielleicht ein teetrinkender Mann zusammen. Das sind dieselben, die ihre Yogagruppe besuchen, den Kunstkreis füttern mit ihrem unsäglichen Tratsch. Es sind vornehmlich sinnentleerte Frauen, und die reden von Gott. Jede islamistische Gemeinde ist ehrlicher und konsequenter als eine evangelische Weibertruppe. Insgesamt heißt Kirche, Traditionen und moderne Reformen im Verhalten dem Zeitgeist anzunähern zu versuchen.

Mit einem Herrn, der über uns wacht, hat es nichts zu tun.

🙂