Ich bin nicht bescheuert

Wir kannten nur Ampeln, keinen Kreisverkehr, die Dänen hatten das; wir nicht. Inzwischen gibt es auch in Deutschland viele Kreisel. Man kann immer fahren, kaum, dass man stoppen muss. Schon bist du drin! Es nervt, an der Ampel zu stehen. An einigen „Lichtzeichenanlagen“ ist zusätzlich noch ein Schild angebracht: Bitte bis an die Haltelinie fahren, Kontaktanlage. Das heißt wohl, halte ich zu weit ab vom Strich, kann ich warten, bis ich schwarz werde. Oder besser, es bleibt rot für immer. Man muss vorsichtig sein. Wer die falsche Farbe im Munde führt, gilt den anderen als Rassist.

Heutzutage möchten wir alles korrekt haben. Laschet darf nicht lachen, wenn Steinmeier die Opfer der Flutkatastrophe würdigt, bäh. Auch nicht hinten im Bild. Einer hat es gesehen. Dann wissen es alle. Wer schreibt, bleibt. Wer filmt, der blimpt? Ein neues Wort wird benötigt, wenn die Plagiatsjäger auf der rechten Spur überholt werden, von denen, die Deepfakes „in echt“ können. Jeder pupst mal. Politik, Kunst, alles Öffentliche ist massentauglich, die Themen entsprechen dem Konsens. Wer das nicht begreift, bleibt allein. Das ist auch gut so. Ich möchte nicht gestört werden durch Hassmails.

# Gendersternchen* nachträglich

Auch: Wir würdigen Frauen! Gestern kam eine Astro-Doku. Die Mädels spielen neuerdings eine Rolle in der Geschichte, die es möglich macht, alles noch einmal neu zu erzählen. Das Fernrohr, das Galileo nahm, wurde ihm von seiner Cousine geschenkt. Die Galaxien, die Hubble entdeckte, konnte er nur sehen, weil seine Geliebte ihm … usw. – bald wird es eine neue Vergangenheit geben. (mehr …)

Wir sterben und wissen es

Als freier, künstlerischer Maler kommt man nicht umhin zu denken. Alle denken, auch die, die keine Künstler sind, tun es. Manche bilden sich was drauf ein; niemand stellt es ihnen ab, wenn Denken nervt, krank macht oder lästig wird. Es geschieht uns. Nicht alle denken darüber nach, wie sie es tun und ob es anders geht. Alle Aktivitäten werden von Gedanken begleitet. Manche reden von Bauchentscheidungen, und das soll wohl heißen, dass dabei gerade nicht gedacht würde. Dann kommen Gefühle ins Spiel. Einige sagen, Emotionen lösen Gedanken aus, und andere finden die Gedanken ursächlich für die Entwicklung einer Gefühlslage. Tatsächlich gibt es die Möglichkeit, einen Kurs zu besuchen oder Literatur zu konsumieren, die einen befähigen soll, auf das eigene Denken manipulativ einzuwirken. Dadurch würde derjenige selbstbestimmter, und das hätte sowohl Einfluss darauf, gesteckte Ziele zu erreichen wie das Gemüt zu beruhigen. Die Logik dahinter ist klar: Lasse ich mich von der Umgebung steuern oder nehme das Ruder selbst in die Hand?

Ich habe schon Segelanfänger in meinem Boot an die Pinne gelassen. Es ist erstaunlich, dass es ihnen, wenn sie besonders unbedarft sind, nicht gelingt mit dem Boot eine zielgerichtete Fahrt zu machen. Nichtsegler, die gar nichts von der Bedienung einer Jolle wissen, können nicht segeln. Das bedeutet, ihr Schiff dreht Kreise, treibt irgendwie, die Segel flattern oder stehen back. Die Unfähigen können den Sinn vom aufgeholten oder tief herabgelassenen Schwert nicht verstehen, die Platte unter dem Boot, die sie Kiel nennen und die eine planbare Fahrt erst möglich macht. Sie wissen nicht, mit der Pinne umzugehen. Sie drücken diese nach Lee von sich weg, wundern sich erst, dass das Boot nun genau in die andere Richzung segelt, als sie meinen, und im nächsten Moment flattern die Segel usw. – da sind wahrscheinlich wenige, die dann schnell ganz von allein lernen. Mit einigen helfenden Worten bessert sich die Lage jedoch bald. (mehr …)

Beschränkt und erfolgreich

Man bekommt, was der Laden hat. Es gibt noch diese Menschen, sie sagen beim Bäcker: Ich „bekomme“ (drei Roggen und ein Croissant). Das hat ihnen Mama so beigebracht? Ein Leben lang sind diese Leute so ins Geschäft spaziert: „Ich bekomme.“ Sie fordern es auf eine Weise, die das Ergebnis vorwegnimmt. Anstelle offen gegenüber einer Reflexion zu sagen: „Ich möchte drei Schrippen“, stellen sie es fest. Der Kunde, ein König.

„Ich bekomme.“

Die überraschende Antwort: „Schrippen sind heute aus“, irritiert den Käufer? Man meint schon vorher bestimmen zu können, was es gibt. Nach einer Formel zu leben, lehrt ein Selbstbewusstsein, das nur in einer planbaren Welt funktioniert. Wenn der Bürgersteig einen Radweg enthält, einander begegnende Fußgänger mit Hund oder Kinderwagen Trauben bilden, klingelt der rasende Senior: „Ich komme!“ Ich bekomme den Weg frei, für mich. (mehr …)

Man muss zurückschauen können

Heute habe ich etwas ganz Wunderbares erlebt. Ich verlasse gerade unser Einkaufszentrum. Eine Tüte mit Lebensmitteln schaukelt lustig in meiner Hand. Ich sehe wohl recht vergnüglich aus? Eine junge Frau trinkt „Red Bull“ oder ähnliches aus einer Dose in der Hand, hält inne und schaut mich lächelnd an. Ich probiere herauszufinden, ob sie was von mir will und ändere leicht meine Gehrichtung auf sie zu. Ich bin schon fast vorbei, während wir uns wie Honigkuchenpferde angrinsen. Statt mich nach dem Weg zu fragen, kommt sie ebenfalls näher (ich denke, vielleicht ist die bescheuert). Ein wenig entrückt ist dieser Blick. Ich begreife, wie schön die Unbekannte ist.

Sie sagt einfach: „Behalt’ dein Lächeln!“ (mehr …)

Es tut gleichmäßig weh

Meckern und töten, böse Welt! Ausgenutzt, bedrängt und nicht respektiert werden, das möchte niemand. Tatsächlich ist unser Leben genauso, dass wir die ganze Zeit angegriffen werden, wie etwa der Mond von Gestein getroffen wird und unser Trabant deswegen mit Kratern übersät ist. Auf der Erde, die unter dem gleichen Beschuss steht, finden sich kaum Krater, Spuren dieser andauernden Angriffe aus dem All. Das liegt an der Atmosphäre. Die Lufthülle ist nicht nur die vertraute Basis unseres Alltags, weil wir atmen. Sie ist das dicke Fell des Planeten, sein natürliches Immunsystem, das die unzähligen Asteroiden verglühen lässt, die uns nahe kommen. Luft ist mehr als nichts. Die rasenden Steine reiben sich im Bereich unserer Atmosphäre an winzigen Partikeln. Reibung erzeugt Wärme, in diesem Fall so viel Hitze, dass die Brocken verdampfen. Wenn sie nicht zu groß sind. Nur ganz dicke Dinger fallen uns auf den Kopf. Die Fachleute fragen sich, ab welcher Größe wird ein Himmelskörper unserer Welt gefährlich, können wir ihn rechtzeitig entdecken, darauf reagieren? (mehr …)