Das Trauma, sich vor anderen zu fürchten, ist weit verbreitet. Es schafft Mitläufer und psychisch kranke Menschen. Dazu kann angenommen werden, dass nicht wenige körperliche Beschwerden ihre Ursache darin finden, Angst zu haben. Angst gilt aber nicht als eine mechanische Beeinträchtigung, sondern wir verstehen sie als Gefühl. Was ist eine Emotion? Sich zu fürchten, hat unterschiedliche Gründe, ist individuell und überlebenswichtig. Nehmen wir an, jemand erkrankt wiederholt psychisch und irgendeine Diagnose gibt diesem zugehörigen Verhalten seinen Namen, so wird noch Angst dazukommen, das Problem entwickelt zu haben und sich auch davor zu fürchten. Prinzipiell ist jede soziale Störung angesiedelt, wo die Umgebung das Denken eines Menschen kontrolliert und gedeihen kann wie ein hineingesätes Virus. Andere probieren, über uns hinweg zu bestimmen und fordern uns zu manchem auf. Unsere Persönlichkeit ist in ihrer Individualität dort zu finden, wo wir die Wahl behalten, nein zu sagen oder delegieren können. „Ich mache es später“, antwortet ein freier Geist abgrenzend und vielleicht bleibt noch die Alternative, Geschwister, Kollegen oder Fremde zu finden, die sich gern einbringen und sei es bezahlt.

Unsichere Menschen, die deswegen vermutlich die verschiedensten Störungen und Krankheiten bei sich begünstigen, könnten lernen, ihre traumatischen Befürchtungen in den Griff zu bekommen. Der Anfang kann nur sein, Furcht als das allem zu Grunde liegende Problem überhaupt zu bemerken. Und die Lösung, wenn jemand versteht, sich zukünftig abzugrenzen, wo es bislang beinahe unbemerkt weh getan hat, zu gehorchen, ohne das zu müssen, wird neue Probleme auf den Plan rufen. Das ist ein ohnmächtiges Begreifen der eigenen Unbedeutsamkeit in dieser großen Realität und totaler Vertrauensverlust. Mit dem Verstehen, sich abgrenzen zu müssen und Wege dafür gefunden zu haben, beginnt die Einsicht wie ein Himmelskörper dem andauernden Beschuss von Meteoriten ausgesetzt zu sein. Bis ein Mensch die Sportlichkeit anderer erlernt, Anwürfe und Forderungen wie einen Ball zu fangen oder zurückzuschlagen, braucht es Zeit.

Mit dem Begreifen unserer Individualität geht eine neue Definition von Vertrauen einher. Fremden folgen, bei ihren Ansichten mitzugehen, wird zukünftig dem eigenen Ziel untergeordnet. Nützt mir dieses Gegenüber, habe ich gerade Zeit, zuzuhören, schenke ich jemandem Vertrauen? Dann aber unter der Prämisse, es niemals blind und vollständig zu tun. Ein gesunder Mensch behält die Oberhand über seine Furcht und findet in dieses Verhalten zurück, wenn Stress verhindert, entsprechend gereifter Einsicht zu handeln. Erziehung sollte sich zum Ziel nehmen, diese Prozesse als eine sportliche Einstellung zum Leben frühzeitig zu festigen, bei denen, die uns anvertraut sind. So auch im großen Rahmen des Staates, wo die Bürger und Bürgerinnen sich der Verwaltung des Gemeinwesens anvertrauen (müssen).

Nicht wenige werden derzeit als spätpubertierende Querulanten dargestellt. Ein gefährlicher Denkfehler, diese Menschen zur vermeintlichen Klugheit zwingen zu wollen, weil man als erwachsener Mitbürger begriffen habe, was selbstverständlich sei. Die große europäische Freiheit zu verspielen, wäre fatal. Unsere Werte höhlen wir von innen aus, wenn der Anteil Blockierender eine Dimension erreicht, die der voran machende Teil nicht länger mitnehmen kann oder will.

Eine Grenze um Europa herum zu definieren, bedeutet unbedingt und notwendigerweise, den europäischen Bürger zu allererst als solchen sichtbar zu machen. Wie sieht europäische Vielfalt aus, die sich mit all ihren Stimmen als selbstbestimmte Einheit empfindet? Das wäre zunächst eine Arbeit nach innen hin, die getan werden muss; Integration abweichender Ansichten ist besser, als unnötige Fliehkräfte anzufeuern. Die osteuropäischen Staaten werden ebenso Identität benötigen wie der Kern von Europa, der sogar damit hadert, wie es mit den Briten zu halten sei. Da macht es keinen Sinn, dem Bestreben amerikanischer Interessen nachzuplappern. Deutschland sollte sich auf die Freiheit des Einzelnen konzentrieren und seine Einheit in integrierter Vielfalt finden. Da kann doch jeder quer, diagonal und geradeaus oder anderweitig kreativ mithelfen. Ein neues Vertrauen in eine neue Welt benötigt Zeit. Muße zu verschenken, ist des Künstlers liebste Beschäftigung.

🙂