Vielen ist noch nicht aufgefallen, oder sie sehen darüber hinweg, dass Angeklagte die Angewohnheit haben, sich zu verteidigen. Was fällt denen ein! Natürlich gibt es auch Kluge, die schweigen. Verstockte, Blöde und Kranke haben wir, aber für gewöhnlich bezieht ein Beschuldigter Stellung. Das macht alles noch schlimmer. In der Regel urteilen Gericht und Nebenkläger fassungslos. Von kruden Erklärungen des Täters spricht die Presse. Eine leichte Sache für sie. Ist es denn zu fassen? Ein Verbrechen wurde begangen. Darf nicht sein. Dafür gäbe es keinen Grund, eine Rechtfertigung sei abwegig wie nur was, meinen Leute seit es Menschen gibt.

# Grund genug!

Was mag den Siegeszug der christlichen Religion begünstigt haben? Das Neue daran war die Idee des Gewaltverzichts. So etwas kannten die Menschen noch nicht. Beinahe automatisch erfolgt unser Zurückschlagen nach einem Angriff, aus der Furcht heraus, andernfalls in die Defensive zu geraten. Deswegen ist der Verzicht auf die gegebene Macht, anderen nun auch wehtun zu können, das Schwierigste für einen Menschen. Freiheit vom zwanghaften Gegenangriff, unserem nicht selten pathologischen Bestreben, den eigenen Einfluss auszuweiten, Machterhalt und Unterdrückung anzustreben, bedeutet diesen Reflex immer wieder neu hemmen zu müssen. Wer sich nicht wehren kann, ist möglicherweise krank. Zwanghaft wider die anderen handeln, täuscht Stärke nur vor. Freiheit bedeutet die Wahl, nachgeben zu können und je nach Situation auf Einflussnahme zu verzichten, eine neue Richtung zuzulassen.

Kritiker weisen auf Fanatiker hin und die Kreuzzüge, den Missbrauch: Natürlich glaubt nicht jeder, dass wir eine Kirche oder Religion überhaupt bräuchten, die Worte in unserer Bibel oder Schriften anderer Religionen benötigen. Das ändert aber nicht, dass Glaube und manche These unsere Vergangenheit prägen, auch in Zukunft Einfluss nehmen werden. Nur wenige Menschen denken konsequent atheistisch. Viele eiern irgendwo dazwischen rum. Wenn ihnen etwas Tolles widerfährt, das sie nicht verstehen können, war es Gott. Wenn Schlimmes passiert, schimpfen sie wieder wie gewohnt. Es ist die dumme Masse, und niemand sollte sich ihre Blödheit zum Vorbild nehmen.

Entweder ist alles Gott oder gar nichts, dazu ringe man sich durch. Meine kleine Laune, heute mal begeistert zu sein, weil die Dinge gut laufen, bedeutet nicht die ganze Welt. Da können wir verzeihen. Es akzeptiert so gesehen der Allmächtige den Diktator auf Erden als nötigen Teil des geschaffenen Universums. Mächtige verstehen einander besser als Ohnmächtige, die nicht nachvollziehen können, was sie selbst am Schalthebel täten. Das Ganze um uns herum stellt eine Macht dar. Was wäre, wenn Gott seine Urgewalt missbräuchlich gegen uns richtete?

# Der Mensch ist sein eigenes Problem

Wir haben wie die Jugend begriffen, es gibt nur diesen Planeten. Wie wir diesen Rahmen nennen, spielt keine Rolle. Alle müssen sich fügen. Ein vielarmiges Monster, ein Krake ist diese Menschheit. Wir halten eine Welt im Griff. Was am Ende eines Armes geschieht, wie der einzelne handeln wird, bestimmt mitnichten der kleine Finger des Ganzen. Das kann die Spitze sein, die dir ein Auge aussticht, und sie ist nicht selbstständig unterwegs zu töten.

Der Mensch kann die Erde nicht verlassen wie eine Stadt, die gerade bombardiert wird. Macht und Gewalt sind unabänderliche Dinge und insofern gewollt. Man wirft Gott vor, den Holocaust nicht verhindert zu haben? Zu kurz gedacht, wie zu glauben, das wäre ja früher gewesen. So gesehen gibt mir das Böse ein Problem, mich damit herumschlagen zu müssen. Nicht nur außerhalb der eigenen Person, bei anderen eben, wie es gern gesehen wird.

Ich fliehe aus Kiew? Weil ich ein Auto habe und Bomben fallen. Das stelle man sich in Schenefeld vor! Natürlich ist mir in so einem Fall klar, wer gegen mich aggressiv ist. Solange Gas meine Heizung versorgt, sehe ich’s entspannt. Mir hilft nicht, den wahnsinnigen Russen zu beschimpfen. Ich kann nachvollziehen, warum jemand sich zum Despoten entwickelt. Hexenkessel, die Lunte brennt! Wie entschärft man eine Atombombe im Küchenhof der Hölle?

Man überlege, wie Gerd Schröder (endlich) in Moskau eintrifft.

Er sagt:

„Wladi, so geht das nicht!“

# Jeder an seinem Platz

Die Pathologie einer Machtstruktur liegt in der zwanghaften Furcht, nachgeben zu müssen. Die anderen wären die Bösen, und ich eben guter Mensch: So gehen nicht wenige in die Kirche, und die haben das Ganze nicht verstanden. Sie spalten nach wie vor ab, was sie nicht begreifen möchten. Eine völlig verdrehte Sicht, die Ukraine „bedrohe das mächtige Russland“, heißt es. Keinesfalls erlauben wir uns anzunehmen, Mächtige wären in die Enge Getriebene, unter Druck, sich als ausgegrenzt zu empfinden wie der russische Präsident.

Das ist schließlich der Täter.

Nicht so weit denken.

Vor allem will niemand derjenige sein, der vor aller Augen Leid verursacht und dazu eine Erklärung abgibt, die allgemein Fassungslosigkeit und Kopfschütteln auslöst, Sanktionen provoziert, die Einschnitte sämtlich bedeuten. Wer möchte heute Wladimir Putin sein? Diese Frage stellt sich niemand.

🙁