Wenn ich heute male, ist das etwas ganz anderes für mich als anfangs, etwa zur Jahrtausendwende, mit den ersten Versuchen. Zunächst war es ein Abenteuer, überhaupt ein Bild zu beginnen. Durch die Ausbildung begriff ich mich als Info-Grafiker, fing spätberufen an, individuell zu arbeiten. Schade, meine ich inzwischen. Da hätte man auch früher drauf kommen können, eigene Sachen zu machen. Wäre ich nicht besser ähnlich der Illustration drangegangen und sollte mich am Markt orientieren, auf ein Genre beschränkt beispielsweise Landschaften anbieten? Immer wieder bin ich dem Rat ausgewichen, derartige Ansätze zu verfolgen.

# Meine Aquarelle verkauften sich

Ich hatte im Urlaub etwa zwanzig Stück gemacht, bald das Interesse dran verloren. Eine Galeristin fand es nachteilig, die schönen Dänemarkbildchen zusammen mit anderem auf der Webseite zu zeigen. Entweder persönliche Kunst oder nett hin gekleckerte Dorfszenen, empfahl sie. Nicht beides rausstellen nach dem Motto: „Seht mal, das kann ich auch noch.“

Ratgeber kommen ungefragt, und schön ist ja, wenn es überhaupt Resonanz gibt. Ein Freund hätte sich dafür begeistern können, riet, mehr ansprechende Aquarelle, aber beliebte Landschaften, vielleicht Mallorca zu malen? Oder das mit den drolligen Senioren am Deich! Da sei doch der Beginn einer Serie erkennbar. Mein Weg ist anders. Ich bin mehr als verstört, was Kunst alles bedeuten darf. Ich kann mich beschäftigen, das ist besser, denke ich.

Mein Schwager erkundigte sich mittels der Webseite bei einem „Fachmann“ im Baden-Württembergischen: „Der Mann ist zu gut“, resümierte dieser. Das sollte heißen, ich wäre zu engagiert für die seriellen Kunstkreise, aber nicht zielgerichtet unterwegs, meine Qualität an den entsprechenden Markt zu bringen. Matthias fand heraus, Künstler würden „gemacht“.

Nur so vor sich hin zu arbeiten, beinhaltet die Resignation, es nicht geschafft zu haben. Bei näherem Betrachten bleibt das Begreifen, die Bilder selbst als das Wichtigste am Malen hinbekommen zu haben. Das motiviert weiterzumachen, aber auf einer neuen Basis. Meine Kollegen und ich müssen einen inneren Antrieb erst zum Laufen bringen. Wir haben keinen Chef. Es beginnt diese imaginäre Diskussion mit einem eingebildeten Zuhörer, was man mag und wie es wäre, stattdessen das Richtige zu tun. Fleißige werden übersehen und einige wollen gar nicht ins Rampenlicht. Es fehlen kritischer Gegenpol und äußere Bewertung. Wir machen nur halbe Sachen? Das einzuordnen, bleibt welchen überlassen, die sich dazu berufen fühlen.

# Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum

So heißt es im Psalm. Er war so freundlich, uns noch einen Fußboden in den Kosmos zu nageln. Ich kann malen. Ob ich Kunst kann; im Fokus der Öffentlichkeit stehen, ich frage mich, ob ich das will? Möglicherweise nicht, und das ist eine gute Antwort für diejenigen, die mit sich hadern, überhaupt zu malen. Es geht auch einfach so.

🙂