Es wurde schon einiges über Kunst gesagt, sie käme von Können und solche Sachen. Wenn ein Wort so viel abdecken muss, kann es für manches herhalten. Ich hatte einen guten Lehrer, an den ich noch oft denke, Otto Ruths. Das war mein Professor, ein Hamburger Maler. Das gute an Otto und seinen Hinweisen ist, dass sie noch immer nachgeprüft werden können von mir bei meiner Arbeit. Ob etwas stimmt, was ein Lehrer sagt oder ob Schüler es einfach glauben, macht einen Unterschied. Einmal zog mein alter Professor einen Hopper-Band hervor und meinte zum Titel – da war diese Frau abgebildet, die allein in der Lobby sitzt und aus dem Fenster in die Nacht schaut – was der Maler alles weggelassen habe, wie einfach das Bild gehalten sei.

# So etwas kann einem schon den Wind aus den Segeln nehmen

Ist nur gut, wie Edward Hopper malte? Gerade ist Ali Mitgutsch gestorben, der Vater der Wimmelbilderbücher. Und daran denke ich, wenn es darum geht, etwas wegzulassen oder nicht. Ratschläge: Malen, das Maul besser halten – muss man so arbeiten, dass es dem Lehrer gefällt? Irgendwann sind wir ja alt und dem Unterricht entwachsen.

„In deinem Alter!“

So spottet der schockierte Jüngling, nachdem ich bekunde, er könne noch „in die Fresse“ haben und reichlich dazu. Das war heute Morgen. Mir passiert so was ständig. Nicht ausgeschlossen, dass ich schwächlicher Pinselopa handgreiflich werde. Ich bin immer froh, wenn keine Vorladung im Briefkasten liegt, nachdem Cäsar durch ist.

Mein Freund der Briefträger.

Er habe keine Angst vor mir, meint der Pole. Warum auch? Cäsar ist immer zu Späßen bereit wie ich. Ich raste aus, wenn ich bedrängt oder böswillig übervorteilt werde. Der Grund ist, ich habe es mir rund fünfzig Jahre lang gefallen lassen, gelegentliche Kränkungen scheinbar nicht bemerkt. Das macht krank. Damit scheint es irgendwie vorbei zu sein, und nun werde ich ausfallend und haue, trete; aber ohne Geschick. „Das“, mache man des Nachts, wenn einen keiner sieht, findet die liebste Melli von allen. Die gute Post.

Was soll’s, diese Menschen, egal wie alt, die andere zum eigenen Vorteil missbrauchen, werden nicht weniger. Sie scheinen das Glück zu haben, nie um Hilfe bitten zu müssen. Viele verdienen gut, sehen ansprechend aus, machen Sport, genießen ihr Vorankommen und schauen auf Spinner und Langsame herab. Der Erfolg gibt ihnen recht.

# Kunst!

Ich habe nachträglich drei Kühe ins Bild skizziert. Das ist wieder so eine Idee, die nicht umgesetzt worden wäre, wenn ich noch wie ein Student denken würde. Um sie zukünftig wegzulassen, weil damit der Wert des möglichen Kunstwerkes steigen könnte, dürfte die kleine Herde nicht schwierig zu übermalen sein. Mir gefallen sie aber schon jetzt, obwohl die neuen Renner nur locker angedeutet sind. Ich habe mehr als zwei Stunden mit flüchtenden Viechern in Photoshop probiert, wo die hinsollen.

Meine Planung ist dahingehend, das Licht vom Überspannblitz zu nutzen, um sowohl dieses Leuchten transparent erscheinen zu lassen, als auch die Färbung der Rinder mehr oder weniger deutlich hervortreten zu lassen. So wird es gelingen, das bisherige Bild nicht zu überladen, wenn die Kühe teils überstrahlt oder im Dunkel der Nacht verschluckt, farblich zurückgenommen werden. Das ist wie ein Boot trimmen, mithilfe der Strecker im Segel, dem Schotzug oder Mastfall, bis das alles perfekt läuft. Malen ist eine Sache von Erfahrung, ein Spiel, wenn es gelingt, der Fantasie einen Anstoß zu geben und sich ein wenig Geschick eingestellt hat.

Die vergangenen Tage verbrachte ich damit, die Person links zu konkretisieren.

Man muss etwas ändern wollen. Es macht keinen Sinn, sich vorzunehmen dieses oder jenes fertigzustellen. Das Bild ist groß. Man benötigt Ausdauer, Erfahrung, auch Kenntnisse über die eigenen Fähigkeiten, um damit klarzukommen. Oft steht eine unfertige Leinwand rum. Dann macht ein Maler etwas anderes, bis es wieder Not tut, sich selbst damit zu beschenken, einige Dinge voranbringen zu können! Irgendetwas muss genügend stören, und man könnte eine Idee entwickeln, was genau hier zu tun ist? Das ist der Beginn von Kreativität, ein Motiv geistig entwerfen, eine Tätigkeit planen, nachdenken, ob die Sache zu schaffen ist.

Ich änderte die Hand, das Gesicht, und die Beine passte ich farblich an.

Es gibt kein Foto davon.

Ich habe unzählige Bilder gesammelt, Gesichter, Beine, Knie mit Licht von rechts, runtergezogene Unterhose, das wahre Vergnügen diese Suche. Ich kann genug können, um mir Dinge zu schaffen, die ich nie kaufen würde.

🙂