Alle paar Jahre schneidet die Stadt ihre Sträucher deutlich zurück. Einige Bäume stehen plötzlich frei, die längere Zeit gar nicht zugänglich waren. Der Weg an der Düpenau wird hübsch ordentlich gemacht und auch die weniger populären Ecken, die kaum für einen Sonntagsspaziergang taugen, müssen gepflegt werden. Ein oranges Auto der Stadt oder ein anderes des beauftragten Gärtners kommt zur passenden Jahreszeit angefahren. Dann muss manches Unterholz weichen. Eine Stelle passiere ich oft, wo mir das auffällt, ob viel oder wenig Bewuchs ist. Da steht ein mir bekannter Baum, sage ich mal, den ich alle paar Jahre zur Gänze sehen kann. Dann wächst er unten wieder zu. Zeit für den Baumfrisör, denke ich und sinne darüber nach, wie lange ich hier schon laufe, diese Strecke – Tag für Tag. Kein Durchkommen heute Nachmittag, als ich das Foto mache. Ich bin extra von zuhause ein zweites Mal hingegangen, habe meine kleine Taschenkamera mitgenommen und bin noch einmal zurückgelaufen. Das Licht ist so schön.

Ohne Smartphone ist man ein behinderter Exot. Ich kann nicht mal eben was fotografieren, und dass als Maler und Grafiker, der ich bin. Armselig, wo heute jedermann Bilder macht. Früher war es eine Aufgabe für Profis. Man musste zeichnen können. Menzel verspottete Kollegen, die so blöd wären, das eigene Haus zu verlassen, etwa für eine Besorgung, ohne wenigstens ein winziges Skizzenbuch in irgendeiner Jackentasche dabeizuhaben. Er ließ sich vom Schneider zahlreiche Extrataschen in den Ausgehmantel hineinnähen. Ich sollte mich schämen! Es ist wieder Frühling, Mai, die Bäume schlagen aus. So auch das Dickicht. Es hat ordentlich zugelegt in den vergangenen Jahren. Da ist kein freier oder einfacher Weg zu diesem Baum hier. Wahrscheinlich nicht einmal die Hunde pinkeln dran.

🙁