Brot wird ja bald teurer, wegen der Ukrainekrise. Gut, dass ich viel gelernt habe und richtig was kann, da macht es nichts. Ich kann’s mir leisten. Ein Künstler wollte ich nicht werden. Meine Eltern meinten, malen könne man auch nebenbei. Junge Leute erlernten besser einen richtigen Beruf, fand auch mein Onkel Hermann, spottete:

„Du hast ja Talent, John. Wir anderen müssen arbeiten.“

Es hieß, im Hobby könne man kreativ sein, das andere ginge nicht. Warum? Ich traute mich nicht zu fragen. „Wir“ könnten kein Fußball spielen, wusste mein Vater. Das läge an unseren dünnen Gelenken. Er bezog mich gleich mit ein. Es stimmte irgendwie. Ich war schlecht darin. „Wir“ könnten nicht mit Bällen umgehen, meinte er. Als sei es erblich, nicht fangen zu können. „Wir“ würden schlecht werfen, wären beim Kegeln oder Boßeln kaum zu gebrauchen. Das stimmte auch. Mein Vater hat Recht behalten.

Viele Spätberufene malen und stellen aus. Es gibt in jedem Kuhdorf einen Kunstverein. Corona macht es den Leuten schwer, Besucher für die Vernissage zu gewinnen. Unser Käseblatt berichtet: Nötig sei diese Kunst, Skulpturen stellten einen Wald dar, und „der Wald habe eine politische Botschaft“, schreibt die Zeitung.

Zwei der komischen Pflanzen sind auch abgebildet.

Es besteht kaum Interesse an der Ausstellung, trotz reichlicher Werbung. Wen wundert das? So wichtig ist es grad nicht für welche, die richtige Sachen arbeiten. Rentnerinnen haben es nötig, Torf auf Pappe zu kleben. Ein starker Drang, schrottigen Kram auszuleuchten und anzupreisen gehört dazu. Selten verirrt sich ein teetrinkender Mann in den Kunstkreis oder ist irgendwie schwul. Typ Lauterbach etwa, nichts Halbes oder Ganzes, mehr dazwischen. Es ist wie in der Kirche. Die ist auch in Frauenhand, wenn man nicht gerade bei den Katholschen schaut. Auch diese Yogatanten, die hinter dem verödeten Sportrestaurant auf einem Bein turnen. Ein seniler Opa, der Rest vertrocknete Gewächse, wie die vom Kunstkreis eben.

Manche sind auch dick.

Alte, schwabbelige oder verkorkste Frauen sind massenweise in Einrichtungen unterwegs, wo Quatsch in Gruppen stattfindet. Im Kunstkreis zeigen sie Arbeiten. Sie wollen damit sagen, dass es was Richtiges ist?

Was sollen sie sonst auch machen.

Der Mensch möchte ein Gegenüber. Die Energie, mit der wir eine Sache ausführen, benötigt Reflexion. Darum arbeiten die Erwachsenen: Sie dürfen noch nicht sterben und haben Angst, es könne ungemütlich sein, einfach abzuwarten. Hunger könnte Probleme bereiten, das ist einer der Gründe, warum wir eine Existenz gestalten. Deswegen ist die Kunst ungeeignet, sie ist bekanntermaßen brotlos. Alte können noch schlechter auf den Tod warten als junge Menschen, die mit der Einbildung herumspazieren, reichlich Zeit übrig zu haben. Alte sind desillusioniert. Frauen haben es besonders schwer, weil sie ein Leben lang am Herd versauert sind. Sie lernten nicht, sich zu beschäftigen. Sie machten nur sauber. Während ein Alter seine Harley putzt oder das Boot auf Vordermann bringt, um in die Saison zu starten, können die Muttis sich nur schwer zügeln, Kuchen in sich hinein zu stopfen.

Sie tüddeln mit dem Enkelkind rum.

Sie führen einen Köter aus, oder basteln eben einen Kunstwald. Den wollen sie dann zeigen. Wenn bald eine neue Corona-Variante aufkommt, weil wir keinen Bock mehr auf das Ukraine-Gemetzel haben, werden die komischen Pflanzen vollkommen vertrocknen ohne Vernissage …

Wobei, maskiert sehen die klar besser aus, bei den Falten.

Jetzt kommt ja erstmal der Sommer.

🙂