Fragen und Antworten

Schuld ist kein leichthin zu verwendendes Wort. Schuld an was zu sein, kann wie nebenbei eine Festlegung sein, unter Bekannten über jemand, den man gemeinsam kennt. Ein Urteil, vor Gericht ausdiskutiert, zeigt, wie schwierig die Sache wird, wenn alle Beteiligten zu Wort kommen in einem Fall. „Sie sind mir eine Erklärung schuldig“, können wir einen Partner festnageln. Das ist auch die gute Methode vor Gericht. Darum machen wir das mit so einer Verhandlung. Es lügt sich eben nicht so einfach. Wem es bislang leicht gefallen ist, sich den jeweiligen Problemen zu entziehen, könnte irgendwann an diese Grenze stoßen, einer Situation anheimzufallen, die weglaufen unmöglich macht. Boris Becker ist es passiert.

Daraus könnte die Gesellschaft und schließlich der Einzelne lernen. Wir brandmarken Gewalt, aber was ist das, können wir sie abschaffen, wohl kaum. Also wäre es klüger, nach der Ursache zu schauen, warum Menschen zornig werden. Das ist eigentlich bekannt, böse wird, wen man verarscht. Die Menschen gehen nicht los und hauen, weil sie Bock darauf haben, aber so erscheint es einer feisten und eingebildeten Masse gern.

Leute werden nicht als Straftäter geboren. Sie entwickeln sich entweder zum eigenen Wohlbefinden und Nutzen aller oder entschließen sich für eine schiefe Bahn, wie wir es früher nannten. Die vielen Erklärungen, ob jemand sich seiner Schuld bewusst gewesen ist oder aus einer Krankheit raus handelte, verzetteln sich gern in einer Wissenschaftlichkeit, die übersieht, dass es eine grundsätzliche Übereinstimmung gibt, wenn Gewalt und Machtmissbrauch schlechthin andere fertig machen, nämlich, dass der Täter zugleich ein Opfer ist.

# Gerechte Strafe?

Verurteilt zu einer Strafe, ist ein Täter ja das Opfer seiner Dummheit, in eine Lage gekommen zu sein, die es anderen ermöglichte, ihm die Schuld zuzuweisen an was. Natürlich schreien Einfache auf, wenn es wo heißt, ein Täter erkläre sich zum Opfer. Aber es kann wohl nicht bestritten werden, dass ein Bestrafter Nachteile hat und somit sollten wir überlegen, warum Menschen überhaupt riskieren, in diese für sie nachteilige Situation zu geraten. Warum bricht ein Mensch die bekannten Regeln?

Da haben wir verschiedene Typen, zunächst den Bagatellfall, nächstens den Kleinkriminellen, schließlich den kapitalen Bösewicht und endlich den kranken Täter, der nicht zu wissen scheint, wie ihm geschieht. Darauf vor allem sollten wir schauen, um zu lernen. Im Kleptomanen, der nicht anders kann, als im Kaufhaus etwas mitgehen zu lassen, zeigt sich das Ambivalente der menschlichen Natur. Da erkennt auch der im Juristischen Ungeübte diesen Grenzgänger, von dem wir kaum sagen können, ob so einer krankhaft handelt oder schuldfähig ist. Noch bagatellischer, man verzeihe mir diese Wortschöpfung, ist der notorische Lügner. Jeder kennt solche Leute. Sind die nun krank oder Arschlöcher? Das kommt wohl darauf an, wen es wie betrifft, wenn man im Unklaren gelassen wird ob der Situation.

Viel wichtiger scheint es mir, die Chance zu nutzen, stur bei der Wahrheit zu bleiben, was auch immer dich jemand fragt. Notfalls gibt es die Alternative, mit Ansage zu schweigen: „Das darf ich nicht sagen (oder habe das Recht zu schweigen).“ Dann kann die Gegenseite nachbohren, und nun sollte es wieder möglich werden, wahrheitsgemäß Gründe anzuführen. So findet man eher Akzeptanz. Dieses Leben ist gesünder und wird uns helfen, Zorn zu verstehen. Wer schon einmal unbedingt zuschlagen musste (wie ich), wird wissen, wie blöd sich das im Nachhinein anfühlt, gar keine andere Wahl gehabt zu haben. Gezwungen zur Tat?

# Das glaubt dir keiner

Es hilft, zu bemerken, keine Reue zu empfinden. Zeigt es doch, dass die Wut fortbesteht und hilft, sich klarzumachen, tatsächlich gute Gründe zu kennen für eigene Rache. Daraus abzuleiten, grundsätzlich Opfer zu sein, wenn man Gewalttäter ist, nimmt einem die Gesellschaft nie ab. Tatsächlich ist es so, aber wen interessiert das? Anschließend einer Attacke ist es vorbei mit der kurzen Macht, dem Arschloch seine Grenzen aufzeigen zu können. Dann kommt die breite Gewalt der vielen und setzt die reale Grenze einer Gefängnismauer um dich herum, mindestens die Auflage einer Bewährung.

Bewährung zu nutzen, heißt also, den Spieß umzudrehen. Wer die anderen ständig als provozierend empfindet, dem wird die Gesellschaft Täterschaft zuweisen bei entsprechend zwanghaften Reflexen. Andere kommen klar damit, dass sie nebenbei übervorteilt werden. Man will es nicht wahrhaben, aber Menschen mit Erfolg und dickem Bankkonto sind in der Regel klüger als die von ihrer Gewerkschaft abhängigen Pfeifen. Typisch wie Lemminge, die gemeinsam mitgerissen tun, was ihresgleichen grölt, wiederholen sie sich ihr Leben lang. Diese Menschen haben Überzeugungen! Sie traben, wie’s ihnen gesagt wird, zur Schlachtbank wie das Vieh, zur Impfung gegen sonst was, weil’s alle machen oder in einer Mottoparade mit Regenbogen im Hirn und vegan. Sie haben einen biologischen Fußabdruck und sind nächste Woche klimaneutral. Diese Masse glaubt an Schuld und Sühne, wird das immer tun und liest die Bild. Die brauchen weder Bibel noch Kirche. Sie wissen Bescheid.

# Selbstbeschiss macht lange Zeit zufrieden

Das Ziel des Lebens ist der Tod? Jedenfalls das Ende unseres bekannten Daseins. Was befriedigt den individuellen Menschen, und wann sollte einer damit anfangen, so klug sein, dafür zu schaffen? Das kann sich jeder fragen. Millionäre haben Macht, ja, aber selbst diese müssen einmal warten und können typischerweise intelligente Wege finden, schließlich ans Ziel zu kommen. Ich glaube nicht, dass es Geld und mehr davon ist. Das passiert ihnen nebenbei, dass mehr zusammenkommt, weil es manchen tatsächlich gefällt zu arbeiten und ist weniger wichtig, als Neider glauben. Geschicklichkeit zu lernen, steht dem Kriminellen gegenüber, der nach und nach anderes begreift, nämlich im Dunkeln zuzuschlagen und alles dransetzt, sich niemals dem Gericht stellen zu müssen. Solches Geld und diese Art von Macht meint den eigenen Staat oder ein Netzwerk zu benötigen, welches die Gesellschaft der Normalen draußen vor lässt. In diesem Clan muss eine Hand die andere waschen, wirkliche Freiheit (und das bedeutet Macht) ist mehr.

Kunst käme von Können heißt es und: „Du kannst mich mal!“, sage ich dort, wo es mir passt.

# Man kann sich stellen …

… und wird herausfinden, dass in der Tat immer die anderen schuld sind, jeder ein wenig. Tatsächlich, zusammen bildet die Masse einen Widerstand, der nur mit Geschick zu umschiffen ist. Lücken und Möglichkeiten, die wir haben, uns vorwärts in eine unseren Wünschen gemäße Richtung zu bewegen – es könnte welche geben! Was willst du also sein, ein kleines oder großes Arschloch, als krank weggesperrt oder im Knast, immer auf der Flucht oder Wahrhaftigkeit lernen? Dann bleibt nur, stets nach Alternativen zu schauen, wenn Wut uns bestimmt. Klug zu sein, bedeutet Angst, die uns zwanghaft aggressiv macht, wahrzunehmen. Da weicht jeder Zwang auf. Varianten besseren Handelns bieten sich an.

Und das ist eine Wahrheit, die allen gleich ist.

„Sie sind mir eine Erklärung schuldig“, mag genügen, die Oberhand zu behalten, wenn uns jemand verarscht.

Einfach ausprobieren.

🙂