Fett weg

Die Bullerei erscheint mir parallel zur Kunst. Vertraut insofern, dass Maler fertige Bilder gelegentlich von der Wand nehmen und ein wenig daran herummalen, weil ihnen etwas nicht recht gefällt. Für einen Polizisten ist es schwer zurückzustecken. Es gibt ungelöste Altfälle. Man sieht das im Fernsehen hübsch für die Zuschauer aufbereitet. Eine Truppe hartnäckig Verbohrter lässt nicht locker. Wenn nach Jahren die modernen Analysen an den noch immer in der Aservatenkammer aufbewahrten Fundstücken Ergebnisse bringen, erfolgt ein Abgleich von Spuren. Das kann den späten Erfolg bedeuten. Nachdem der (vom „Tatort“ verblödete) Fernsehzuschauer einige Dokumentationen angeschaut hat, kann sich sogar ein Ungeübter ins Wesen hineindenken, das einen guten Kommissar ausmacht. Wir sehen, da sind keine Schauspieler. Diese Jagdhunde sind optisch als Menschen verschieden, aber gleich in ihrer Beharrlichkeit, zum Ziel zu kommen. Man denkt an Forscher, die eine alte Stadt ausgraben und die Fundstücke wissenschaftlich einordnen müssen. Machen diese einen historischen Fehler, kommen andere, sagen: „Das kann so nicht stimmen.“

Fehler machen ist das eine, sie stehen lassen das andere. Sagt der Maler zum Chirurgen: „Ihre Fehler bedeckt der grüne Rasen. Meine hängen ein Leben lang an der Wand.“ Der Tod ist endgültig, und vielleicht hat Gott einen Fehler gemacht? So denken wir nicht darüber; wir akzeptieren, wenn wir müssen und Gott nicht gut kennen. Die Dokumentationen im Fernsehen zeigen in der Regel Mord. Der verjährt nicht in Deutschland. Irgendwo fehlt ein Mensch und manchmal auch die Leiche. Dann ist die Sache nicht so einfach. Was für eine tolle Sache scheint das zu sein, nach Jahren an der richtigen Stelle Knochen auszugraben? Niemand stellt die Sinnhaftigkeit solcher Unternehmungen in Frage. Da können Kriminalisten keinen lebendig machen, aber es scheint für die Angehörigen erleichternd, Gewissheit zu haben. Manchmal heißt es im Fernsehen, wenn von einem besonders lang zurückliegenden, wahren Verbrechen berichtet wird, der Täter habe seine Strafe inzwischen verbüßt und lebe heute „in Norddeutschland“ oder ähnlich. Es ist für viele schwer einzusehen, dass Verurteilte wieder unter uns sind. Die gezeigten Taten – szenisch mit Schauspielern ergänzt – erlauben es, Menschen und ihr Verbrechen authentisch zu zeigen, dass ein mulmiges Gefühl aufkommt, weil wir Zuschauer denken, dem Mörder begegnen zu können.

# Zukunft ist strafbar?

Schauen wir auf das einkassierte Polizeigesetz von Mecklenburg-Vorpommern, wird eine weitere Seite der Polizei deutlich. Man möchte mehr sein als Freund und Helfer, hilft zur Tat! Die Kripo probiert, über ihr Ziel hinauszuschießen. Sie schaut nach vorn und animiert noch Unsichere, es nun wirklich zu tun, das Ding zu drehen oder Rache zu nehmen. Die Polizei schlägt am bekannten Ort zu. Man schafft Täter, züchtet Unkraut. Der verdeckte Ermittler lügt immer, und wir wundern uns, dass die Guten als Chamäleon zum Paradoxon ihrer selbst werden. Unsere Kripoleute möchten – auf einer Stufe mit den Kriminellen – ebenfalls betrügen, mindestens, was ihre Identität betrifft.

Man nimmt Kontakt auf. Dann ködert die getarnte Kuh ihr hoffentlich labiles Versuchskaninchen, eine kriminelle Handlung zu begehen oder zumindest davon zu schwadronieren. Das hört der Kollege mit, nimmt diese Bemerkung auf, und dann braucht man nur noch eine Freundin in der Staatsanwaltschaft. Schon wird ein offizielles Ermittlungsverfahren nötig, dann angeklagt. Hat der Dussel keinen Anwalt, wird ihm bereits in der vorgeschriebenen Vorladung das Wort im Mund umgedreht. Die Zielgruppe sind bekanntermaßen psychisch anfällige Menschen mit unsicherer Existenz. Solche reden sich um Kopf und Kragen. Die können hierhin wie dorthin manipuliert werden. Das Täterprofil sollte vielversprechend sein, da hilft es, gezielt zu sondieren. Gut ist der direkte Draht in die ortsansässige Psychiatrie, um mögliche Kandidaten zu finden, denen bisher noch eine vorzeigbare Vorstrafenliste fehlt. Unsere Polizei hilft gern, diese geschickt auszubauen für die zukünftige Karriere auf der schiefen Bahn abwärts. Eine psychologisch geschulte Kollegin des Teams bringt die Sache unter Dach und Fach. Kurzer Prozess, und das Ganze flutscht wie jede andere, normale Arbeit im Büro. Die Kripo konstruiert Bedingungen wie der Autobauer fertig gelieferte Zubehörteile montiert. Nix mit unbekannter Leiche im dunklen Terrain bei flüchtigem Täter. So kann keiner arbeiten, meinten die schlauen Meckpommer. Wir schreiben uns das Gesetz selbst und klären am Fließband auf, was nie passierte, aber sein könnte? Damit waren einige nicht einverstanden und haben geklagt, gut so! Die Wirklichkeit von James Bond und seinen kleinen Brüdern sieht anders aus als im Film. In der Realität sind die Rollen der Protagonisten unklar. Der Ermittler folgt bloß seiner These und kann dem Irrtum anhängen, einen Verdächtigen vorzuverurteilen. Im Falle eines Kapitalverbrechens mit Tatort samt Leiche noch akzeptabel. Beim Blick auf mögliche Straftaten von eventuellen Tätern das Problem, weil hier möglicherweise Unbescholtene vom Gesetzeshüter getäuscht werden, der eine fette Beute jagt, die wir als Bürger pauschal nicht sind.

Wir hören, es sei nun doch nicht erlaubt, dass verdeckte Ermittlerinnen eine Liebesbeziehung zum vermeintlichen Täter vortäuschen, um an Informationen zu gelangen. Auch dürfe man nicht heimlich beim Observierten einbrechen und dessen Computer manipulieren zwecks Datenklau für die gute Sache. Jedenfalls greifen diese Tricks nur, wenn ein freundlicher Richter der Kommissarin seine Zustimmung gibt. Das Gesetz müsse nachgeschärft werden, befand das Bundesverfassungsgericht. Bürger und Bürgerinnen sollten sich nicht der Illusion hingeben, hier würde ein sicherer Raum entstehen, weil die Möglichkeiten der Polizei kanalisiert wären zu unserem Besten. Diese Darstellungen zeigen vielmehr die Wünsche unserer Ordnungshüter, wie diese durch moderne Techniken hochgezüchtet sind. Der Polizei werden enge Grenzen gesetzt; eine selbsternannte Bürgerwehr kennt keine Gnade und möchte lynchen. Perfide wird das Ganze, wenn die Beamten mit den Weltrettern ihren Deal machen. Was dem deutschen Nachrichtendienst verboten ist, besorgt man sich von den Spitzenfreunden im Ausland, und so ist es auch in der Provinz. Was man denen in Pinneberg nicht erlaubt, erledigen die Sozis vom Dorf ums Eck. Während sich frühere Detektive weitgehend mit bereits verübten Verbrechen beschäftigten, möchte das moderne Bullenschwein eine verwerfliche Denkweise vorab beweisen. Wir definieren Gefährder. Netzwerke, die Böses planen, werden rechtzeitig entdeckt. Es geht um die Strafbarkeit, um die Möglichkeit zu strafen dem Wort nach, nicht um Menschen in Not, denen ein helfender Polizist guter Freund ist. Das hat Hochkonjunktur, glaubt man den Nachrichten. Dieser Aktionismus meint uns zu schützen, weil die Verbrechen vereitelt werden? Skepsis ist angebracht. Diese Medaille hat eine Kehrseite und schafft auf kreative Weise böse Menschen, zersetzt die Gesellschaft insgesamt.

Die großsprecherisch vorgetragenen Behauptungen, wieder einmal hätte man einen Ring böser Menschen gesprengt, werden konterkariert durch manchen spontanen Angriff auf die Bevölkerung etwa im Regionalexpress wie gerade geschehen. Hinterher begreift die Gesellschaft ein ums andere Mal, wie dumm und menschenverachtend Behörden handeln. Das schürt Zorn. Für den wie es heißt staatenlosen Palästinenser, der im Zug vor wenigen Tagen zwei junge Menschen getötet hat, interessierte sich niemand. Die Richterin musste ihn überraschend auf freien Fuß setzen. Der Psychiater erkannte keine Notwendigkeit, den sozialpsychiartrischen Dienst zu informieren oder eine Betreuung anzuordnen. Der mehrfach vorbestrafte, drogensüchtige Mann wurde in die Obdachlosigkeit entlassen. Seine Sprachkenntnisse, eingeschränkt. Die Behörde, deren Adresse ihm bekannt war in Kiel und die ihm als Anlaufstelle, wie es weitergehen könnte in den Sinn kam, schickte ihn fort zu einer anderen. Keiner zwang ihn ins Flugzeug einzusteigen, schob den Abgelehnten ab. Es gebe kein Herkunftsland, befanden mit der Frage konfrontierte Entscheider, das Ausland wolle ihn nicht. Das ist falsch verstandene Milde, in Wirklichkeit Feigheit, Probleme anzupacken. Keine Institution schuf eine Perspektive. Menschen ohne Zukunft ist das Leben anderer egal. Das weiß man doch. Wir erschaffen uns einmal mehr Probleme, weil wir faul gegenüber der Realität sind. Aus eigener Kraft müsste der Entlassene klarkommen, entschieden Beamte, die in einem warmen Bett gewohnt sind zu schlafen. Er ist menschlicher Müll für uns? Bei dem Verirrten gab es nichts zu holen. Eine tickende Zeitbombe. Möglicherweise empfand der Mann Eifersucht beim Anblick lachender Menschen? Wer hätte sich mit dem beschäftigen wollen, einen Nutzen aus ihm ziehen können, irgendwie mit ihm arbeiten, in seine Zukunft investiert? Dieser Ausländer war den Leuten egal. So einem gibt keiner was, und man konnte ihm auch nichts wegnehmen. Er hatte keine Erbschaft gemacht, die jemand teilen wollte. Er war mit keiner Politiktante befreundet, die ihn als Narren herumzeigte. Der hatte überhaupt keine Freunde hier, nicht einmal falsche.

# Spacken und Künstler

Da gibt es immer mehr verstörte Menschen, und ich bin so einer. Dafür muss man nicht spinnen. Ich habe gegen mich Verschworene kennengelernt. Ich kann diese und in gewissem Maße auch ihren Rufmord benennen. Manche wollen mehr Ordnung als nötig, weil sie dann Ordner sind und wichtig. Wir sollten beim Blick auf Polizisten und welche, die nur vorgeben, welche zu sein, uns erinnern, dass auch die Nationalsozialisten überzeugt gewesen sind, das Richtige zu tun. Der Henker von Sophie Scholl ging zur Arbeit, wie es üblich war. Die Moderne erlebt sich im Rahmen, den unsere Eltern geschaffen haben. Die heute aufwachsende Generation ist nicht etwa die Brut guter Menschen, weil das Böse damals war und inzwischen besiegt. Jede Institution arbeitet für sich selbst, auch wenn sie behauptet, für andere nötig zu sein oder gerade dann. Polizei stellt eine Waffe gegen die Kriminalität dar. Waffen sind gefährlich in den falschen Händen, die Gesellschaft muss genau hinschauen, wer diesen Dienst tut. Wie kann sich eine Behörde frisieren, als störend empfundene Fesseln loswerden: Der Trick besteht darin, Zivilisten zu finden, welche nützliche Informationen beschaffen, um die Hürden unserer Gesetze zum Schutz der Bürger zu umgehen. Es ist nicht die Ermittlerin, die eine unzulässige Liebesbeziehung vortäuscht, sondern irgendein dummes Huhn, das manipuliert glaubt, was ganz Tolles zu tun. Man gewinnt seine Informanten, wo sie gefunden werden und das schafft eine Transparenz, dass nun ein ganzes Dorf Bescheid weiß, wen es zu jagen gilt.

Mein Horoskop erklärt: „Von gewissen Vorgängen um Sie herum haben Sie etwas falsche Vorstellungen, doch es kann nicht mehr lange dauern, bis Sie durchblicken. Sie brauchen sich also keine Sorgen machen.“ Wer hat keine falschen Vorstellungen; muss ich wissen, wie’s wirklich ist? Die weltumspannende Verschwörung kann es nie geben. Keine Bande kann sich sicher sein, dass alle loyal sind. „Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern soll verbotenerweise einen 15-Jährigen als V-Mann beschäftigt haben“, Stroer Digital Publishing GmbH, das klebt an meiner Ateliertür. Unsere Gesellschaft hat zahlreiche Kontrollmechanismen. Das ist gut, bedeutet aber auch, dass dieses System Aufmerksamkeit und Pflege benötigt. Ich halte für möglich, dass man sein kleines Enkelkind in unmittelbarer Nähe zum vermeintlich Pädophilen platziert für eine fragwürdige Informationsgewinnung. Das muss ich nicht als Tatsache wissen, um es mir vorstellen zu können. Andere könnten ähnlich denken. Friedrich Dürrenmatt schrieb einen Roman zum Thema, der mit Rühmann verfilmt wurde und noch einmal mit Nicholson in den Vereinigten Staaten. Kommissär Matthäi scheitert bekanntermaßen an der Realität, obschon seine Idee klug scheint. Das Perfide daran ist der Missbrauch von Annemarie als Lockvogel, die davon nichts ahnt wie ihre Mutter: Die Verachtung der Frau Heller bringt den alten Kripomann um den Verstand. Er muss gewinnen in einer Sache, die nicht mehr zu gewinnen ist.

Menschen lernen nichts dazu, solange sie ihre Einbildung pflegen können und dabei genug zu essen haben, ein Dach über dem Kopf und ein paar Gleichgesinnte um sich herum. Schilda ist jedes Kaff im Land. Wir erleben weiter Theater vollmundiger Selbstdarsteller, und ihr Spiel ist bekannt. Der Staat, betroffen, wie er von sich sagt, fragt immer nach der ihm rätselhaften Begründung zunehmender Verdrossenheit, verschworener Idiotie? Der Präsident drischt Phrasen. Die Innenministerin ist hübsch und gibt eine volle Quote. Unsere Außenministerin wird von vielen abgelehnt (ohne es selbst zu bemerken), und damit schweife ich nicht ab, zu behaupten, dass auch gute Polizeiarbeit sich vom Besserwissen unterscheidet. Belehrungen könnten einen „Angriffskrieg“ vom Zaun brechen, dem Beteiligte nicht gewachsen sind.

# Kreatives Schreiben

Personen, die meinen gemeint zu sein, sind nicht gemeint. Karl May hat es vorgemacht. „Ich“, hat er geschrieben. „Ich, Old Shatterhand“, und einen vom Pferd erzählt im wilden Westen. Hamburgs Westen ist mein Terrain. Der Kommissar bin ich. Nachdem Omnibus (Name geändert) andere Esel reitet, einige Besseres zu tun haben als provozieren, bleibt noch „der Fettfleck“ hartnäckig übrig. Sie ist kaum dick. Das ist nur ihr Gesicht, so ein unscharfer Fleck mit kleinen, bösen Schweinsaugen. Harry ist heute Tankwart und Michaela plötzlich auch noch da, unverpixelt. Böse Kuh, gute Kuh, die Kleine dazwischen ist in den Park abgebogen. Ich sage „Hallo“ zu Micha. Sie greift ins Trübe, wir fischen nicht mehr am Rathaus? Mahnke und ich haben einen Blick riskiert. Das ist erlaubt und beruhigt doch.

🙂