„Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten.“ Wilhelm Busch, deutscher Dichter. So steht es im Tageblatt. Der Spruch des Tages. Ich denke an Dürrenmatt: „Was gedacht wurde, kann nicht zurück genommen werden.“ Festgehalten bedeutet für immer: Physiker sind gnadenlos und konsequent logisch. Und die Kunst? Der Schriftsteller hat das geschrieben, nicht etwa einer der Wissenschaftler.

Zusammengezählt: Es gibt keine Liebe, denke ich heute – das ist nur ein Wort. Früher glaubte ich daran, und diese Zeit ist ein Schatz der Erinnerung? Ein Lernfeld, das zu üben. „Es war doch immer klar, dass wir uns nicht geliebt haben“, sagt der Ex einer Freundin, wohl als Begründung, warum er geht. Sie schluckt nur – antwortet ihm nichts. Sie hat es mir gesagt: zwölf wunderbare Jahre – alles weggewischt, mit diesem Satz.

Wegwischen kann man etwas, Schmutz? Aber manche Dinge kommen hartnäckig wieder zurück. Und die Liebe, der Glaube daran? Die saubere Liebe.

Verletzt zu werden, tut weh. Wir können aushalten, weglaufen, uns wehren. Wir können die Justiz anrufen. Nach der Trennung die vergangene Zeit neu bewerten? Das macht aus den früheren Gefühlen eine Schublade mit Argumenten. Bewertung in Zahlen: „Wir sehen uns einmal die Woche.“ (Du nimmst die Kinder vierzehntägig. Ich zahle dir soundso viel). Richter: „Sie gehen für drei Jahre in das Gefängnis, weil.“ Abrechnung in Zahlen.

Ich liebte dich drei Stunden.

Geliebt zu werden, schenkt Zeit, die vor Angriffen schützt. Empörte probieren, das Böse insgesamt abzuschaffen, den Schmutz, Dreck, den Abschaum des Lebens – und so viele Menschen nehmen an, dass sie gute Menschen sind, aber das stimmt nicht.

Wir haben Gesetze gemacht und die „Straftat“ erfunden, um Ordnung zu schaffen – aber ob das nützt? Strafen ist der hilflose Versuch, nachträglich in etwas einzugreifen, das rekonstruiert nur mehr oder weniger wahr ist. Die anschließende Bewertung: zwölf Jahre geliebt oder nur ausgehalten? Ein paar Worte zum Machtgewinn: Das ist ein Urteil.

Im Angesicht des Konflikts ist die direkte Lösung, auf weitere Reaktionen zu verzichten, die bessere Alternative. Zwanghaft zurück schlagen oder über die Freiheit zu verfügen, es nicht zu tun macht den Unterschied. Nur durch Lernen können Lebewesen sich positiv verändern. Eine Strafe ist das schlechteste Mittel dafür. Der Mensch könnte größer als in Worten denken. Eine Emotion auf eine Definition zu reduzieren, bedeutet individuelle Wahrheit komprimieren. Eine allgemeine Formel für jedermann. Liebe als gültigen Begriff für alle anzusehen, hieße dann für jeden von uns, sie auf dieselbe Art zu empfinden, und so ist es ja nicht.

Wir kommunizieren oft unbewusst auch in Gesten. Bilder bestimmen unser Tun. Geräusche der Umgebung haben Einfluss. Sinneseindrücke und innere Befindlichkeiten, Signale, die unser Körper an das Gehirn überträgt, beeinflussen unsere Entscheidungen. Die Qualität des Lebens wächst mit zunehmender Freiheit, bewusst innehalten und wählen zu können. Zu verstehen, dass zwanghafte Reflexe unumgänglicher Teil des Lebens sind, fällt uns immer noch schwer.

Vom freien Willen zu reden oder davon, ein guter Mensch zu sein und auf die Moral zu pochen, verrät nur den Eingebildeten, der es gewohnt ist, auf’s eigene Denken hereinzufallen, wie bei der Selbstbefriedigung.

Das Leben zu genießen – ist bewusst nur möglich, wenn wir unsere Überzeugung aufgeben können: Woran wir glaubten, bis es zu unserer persönlichen Enttäuschung wurde. Es bleibt nur die Erinnerung – und ich kann noch fühlen, wie es einmal war …

🙂