Das Schicksal liebt mich. Wenigstens das aus dem Tageblatt, davon bin ich überzeugt. Als ich im zarten Alter von Mitte zwanzig meine Leidenschaft für Kreuzworträtsel entdeckte, war es weniger die Begeisterung, diese zu lösen als eigene zu entwerfen. Es gab ja noch nicht das Internet, und so lasen Menschen Zeitungen aus Papier. In jeder Zeitschrift, die etwas auf sich hält, finden sich Horoskop, Rätsel und ein paar Comics. Meine Eltern kannten noch „Dankwart“ (in der Morgenpost) und zitierten manches.

So etwa Freundinnen über ihre Männer:

„Heute muss ich noch mit zum Fussball.“

„Wieso ,heute’?“

„Nächste Woche sind wir verheiratet.“

Nach dem Studium bin ich jahrelang freier Mitarbeiter der Zeitschrift „Yacht“ gewesen. Ich bot denen auch einmal ein eigenes maritimes Rätsel an, stieß aber nicht auf Interesse. Dann habe ich deswegen, mich zu erkundigen wie man es macht, bei einer Hamburger Redaktion angerufen. Früher hätten alle noch einen beschäftigt, der die Rätsel entwickelt, sagte man mir. Heute montierten sie lediglich vom Computer errechnete Layouts. Man müsse so eine Datei schon auf dem neuesten Stand halten, meinte der freundliche Redakteur. Das hieße immer mal neue Wörter und interessante Begriffe einzupflegen, wie er das nannte. Das Programm enthielt also einen Stammwortschatz, und die Zeitung konnte die äußere Form dem Zeitungslayout einer Rätselecke anpassen, erläuterte er.

Die Kombinationen? Darüber zerbrach sich kein Mensch noch den Kopf wie ich. Bei den Horoskopen wird es ähnlich laufen. Unsere Sternzeichen mit der Tagesvoraussage, die meine Frau und ich am Tag unserer Hochzeit in der Mopo vorfanden, war so geistreich, dass wir das ausgeschnitten haben. Es hängt gerahmt in der Küche bis heute bei uns.

Damals erschien diese Zeitung bereits im kleinen Format, und einige Jahre haben wir sie gelesen. Als kleine Schwester der Bildzeitung ist es unnötig, sie noch zu kaufen. Es steht nichts mehr drin, was annähernd dem individuellen Witz einer Hamburger Spezialität entspricht. Vielleicht doch? Ich kaufe keine Mopo mehr und bekomme es nicht mit.

Wir hatten bis vor einigen Jahren Sonntagszeitungen, die sich lohnten. Das einzig verbliebene Blatt ist die BamS, und die kaufe ich tatsächlich. Ich schäme mich nicht! Die anderen, inklusive unseres Tageblatts, sind bereits am Sonnabend für das Wochenende komplett. Mehr ist nicht wirtschaftlich. Eine traurige Entwicklung. Unser Tageblatt, welches seit je her inhaltlich in weiten Teilen mit anderen Zeitungen der Redaktion in Pinneberg übereinstimmt, ist der armseligste Rest Schenefelder Berichterstattung, den sich ein Leser nur denken kann.

Ich erlebte Vitt, Katy Krause, Christian und Tanja, dann noch die hilflosen Versuche von Cindy Ahrens, und nun ist es ganz aus. Verschiedene schreiben einige banale Spalten vorne links, und wer ist Ann-Kathrin Just? Das ist kein Schenefelder Tageblatt, es ist ein Witz. Das Horoskop ist noch das Beste dran. Natürlich gibt es insgesamt weiter gute Berichte in dieser Zeitung aus unserem Kreis. Sie zu lesen bedeutet mir wenigstens, auf dem Laufenden zu sein, was in Schleswig-Holstein und vor allem rund um Pinneberg geschieht. Ich mag Papier zum Frühstück. Das ist die absolute Luxuszeitung beim Bäcker. (Ich kaufe sie jeden Tag). Schwachsinn, es weiter zu bezahlen, das Tageblatt – für diesen Preis. Aber schwachsinnig bin ich ja ganz gern.

🙂