„Muss krank sein, gefährlich womöglich?“, es gibt Menschen, die mit diesem Filter auf andere sehen. Sie hoffen, die Abartigen nicht nur aufzuspüren, sondern Belege und Fakten aufzeigen zu können, und das scheint ja gute Polizeiarbeit zu sein. In der Doku über einen Vermisstenfall, welcher letztlich mehrere kapitale Verbrechen zu Tage brachte – der Hartnäckigkeit ehemaliger Ermittler geschuldet, die nicht locker ließen – berichtet einer, er habe dem Täter in die Augen gesehen: „Kühlschrank.“ Das möchte der Kopf einer selbsternannten Bürgerwehr in irgendeinem Kaff gern erleben?

# Und dann Held sein

Eine Bürgerwehr hat keinen Kopf. Das ist das Erste. Das ist eine mobbende Truppe möchtegeiler Arschlöcher in wechselnder Formation. Der zweite Fehler dieser Haufen besteht darin, dass sie das Böse zunächst provozieren müssen, um als Retter glänzen zu können. Ich sprach mit nicht wenigen Menschen (und kenne zahlreiche Details ihrer traurigen Lebenswege) in psychiatrischen Einrichtungen, zeichnete dort, schaute hin und hörte zu. Mein Bild von den Verrückten ist anders. Natalie, 32 Jahre alt, die deutlich jünger wirkt: „Ich habe dem Polizisten auf den Fuß getreten.“ „Da hattest du hoffentlich Stöckelschuhe an“, sage ich.

„Pantoffeln. Ich war im Bademantel.“

Mein Freund hat Suizid begangen, nachdem er, auch etwa in diesem Alter (erneut unglücklich verliebt), abgewiesen wurde. Dem waren bereits viele latent schizophrene Jahre vorausgegangen. Einer dieser bedauernswerten Menschen, die, nachdem sie erkrankten, den Ausgang in die Normalität nicht wiederfinden. Glücklicher dran mögen welche sein, deren Psychosen kurz und heftig ausfallen. Dann wirkt das typische Medikament regelmäßig gut.

Das Mädchen, die Naive aus meinem Bekanntenkreis, die seinerzeit nicht recht wusste, wie umgehen mit ihm, ist heute erwachsene Frau und selbst schwer erkrankt. Was Normale halt so haben, die Volkskrankheit mit dem „K“; sie rede offen darüber, meint sie. Das fällt wohl vergleichsweise leicht, denke ich (und sage es nicht). Auf die Vergangenheit angesprochen lapidar: „Ich kannte ihn nur kurz, und dann hat er sich ja auch gleich umgebracht.“ (Haha).

Mir tut das weh, aber ich lasse es mir normalerweise nicht anmerken.

Ich bin nicht in Pantoffeln, wenn ich zutrete. Und durchaus bei Verstand; ich weiß, wen ich verhaue und warum. Tatsächlich fühle ich mich grundsätzlich frei von Angst heute. Ich habe auf alle wesentlichen Fragen, die ich mir in den vergangenen Jahren stellte, meine Antwort bekommen. Ich bin fertig damit, die anderen nicht? Unsere (wie ich meine nicht selten konstruierten Zufälle des Zusammentreffens) Begegnungen, die ich erlebe, oft auf der selben Strecke, sind albern wie was: Marianne, Gerd, Helmut und der arme Willy – was wollt ihr?

„Immer in die Fresse!“

So etwa hat es Andrea Nahles ja einmal vorgegeben … um schließlich: „Seht ihr’s!“ sagen zu können?

Und es stimmt, das ist der Stil dieser Partei: Diese Sprache versteht der einfache Arbeiter?

# Sozial

Der Mensch sei gut und hilfreich denken viele, böse wären nur unsere digitale Marktplätze. Sie müssten in die Pflicht genommen werden. Die asozialen Medien sind schuld, sagen nicht wenige: Es gibt Menschen, die schreiben Hassmails? Das habe ich noch nie getan. Leute verabreden sich auf „Telegram“? Ich kenne diese Plattform und alle anderen nur aus der Presse. Meine Freunde telefonieren mit mir, ganz altmodisch. Es gibt Stalker, die schreiben hunderte Mails täglich an die Ex – das machte ich noch nie. Ich schrieb eine gute Handvoll E-mail, die nicht beantwortet wurden. Ich fragte Willy, Kalle, was ist los? Ich war ihr Hanswurst plötzlich, ach so.

Kreativ, „Malen hilft“, das ist ein Bild.

Dann malte ich also meinen Gewaltporno und stellte ihn online. Unter den Augen meiner Frau und denen meines heranwachsenden Sohnes malte ich drei Wochen lang die tolle junge Frau, die einige Male zu Besuch war, mir viel schrieb und ich ihr, und der man riet, auf Abstand zu gehen.

Das hat eine Blase zum Platzen gebracht.

Das hat meine Ehe belastet.

Noch mehr Schuld habe ich auf mich geladen, auf dem Parkplatz vom Supermarkt. Ich kann das zugeben. „Er sprang über eine Hecke aus dem Nichts“, steht (mich) belastend in der Akte. Da ist nicht nur kein Nichts, es gibt auch diese Hecke nicht. Ein Marktleiter musste gehen, ein Mitarbeiter noch dazu und der Lügner dreht feist auf: Da steht so viel Scheiß, dass diejenigen die’s zu Papier brachten, sich schämen sollten. Davon merke ich nichts. Ich habe meine Strafe freudig hingenommen, das dazu. „Ich gehe offen damit um“, sage (frech) auch ich und bin nicht krank.

Ich bin zufrieden.

Längst erledigt, Jahre sind vergangen.

Meine Erinnerung ist detailreich und muss nicht aufgebauscht werden. Der Gute in diesem Spiel (wenn es überhaupt einen gibt), das bin ich, nicht andersherum. Ich schäme mich nie wieder für gar nichts, so weit ist es gekommen. Wenn so viele Menschen so frech lügen müssen, um das gute Opfer darstellen zu können, verdient der dümmste Kopf von ihnen seine Kloppe, finde ich. Aber der Fisch stinke vom Kopf, heißt es ja. So nützt es wenig, dem auf den Schwanz zu treten, auch wenn dieser die Form eines Kopfes hat. Meine Grenze; ich trat drüber – und kam nicht weit genug.

# Schade

Ich färbe meine Haare nicht, war früher rothaarig und bin es noch. Das ist ein Kalauer, den einige verstehen, die ich Freunde nenne …

🙂