Der Mensch ist das Schlimmste, was die Evolution hervorgebracht hat. Während die Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag ausgestorben sind, für den sie nichts konnten, ruiniert unsereiner alles selbst, schafft vermutlich in nicht allzu ferner Zeit eine lebensfeindliche Umgebung. Gut möglich, dass menschliches Leben selbst dann fortbesteht, irgendwie weitergeht, vielleicht sogar hier (und nicht auf dem Mars), aber bestimmt anders, als wir es gewohnt sind. Wir können bereits künstliche Dinge kaufen, die angeblich wie Ei oder Wurst schmecken. Das dürfte unsere zukünftige Ernährung sein, auch ohne vorhandenes Huhn und Schwein. Man wird dafür werben. Als vegan bezeichnet, heißt es einschmeichelnd Bio, auch wenn eine Maschine in Wahrheit nur chemischen Pamp zusammenklebt. Das Zeug gilt schließlich als besser und zeitgemäß.

Werbung erzeugt eine neue Welt. Früh warb eine bekannte Nussnougatcreme mit gesunder Milch, die darin verbaut wäre. „Gibt es auch kranke Milch?“ Man dürfe „nicht mit Selbstverständlichkeiten werben“, monierte Onkel Hans-Jürgen spöttisch, (nur ein Nennonkel für mich, aber) ein kapitaler Geschäftsmann aus der Lebensmittelindustrie mit entsprechenden Kenntnissen.

Hunde bekommen ihr Kennerfleisch: Da sagt ein Slogan, dieses sei mit jeder Menge an natürlichem Fleisch etwas Gutes. Was bitte ist unnatürliches Fleisch? Wir Menschen werden morgen dieser Hund von heute sein. Wir kaufen selbst, das ist der Unterschied, und stopfen den Quatsch in uns hinein. Wenn’s zwickt, kleben wir halt ein medizinisches Kennerpflaster um dem gereizten Darm, planbar über Nacht. „Guter Schiss ist so wichtig“, kommt mir in den Sinn, wenn mein Gehirn automatisch zu persiflieren beginnt, was schwer erträglich zu überhören ist.

Manche schauen kein Fernsehen, sind besser dran, derartige Blödheiten nicht mitzubekommen. Schon jetzt werden omnipräsent Produkte „mit medizinischen Inhaltsstoffen“ oder so angepriesen, dass etwas gesund sei, behauptet die Industrie. Nicht ausgeschlossen, dass viele daran glauben, wie etwa die Russen an die Sinnhaftigkeit ihrer kleinen „Militäroperation“. Bei denen nennen wir es Fake, hier predigt man unsere Wahrheit. Die Wiederholung der moralisierenden Phrasen täuscht. Sie lässt uns über die menschliche Perversität im Unklaren, wenn wir uns gern einlullen lassen.

Wir vernichten täglich Arten. Wir führen Krieg. Wir versiegeln und vergiften die Natur. Wir ändern den Planeten, bis nichts mehr natürlich ist außer wir selbst. Bereits heute verspeisen wir Mikroplastik mit viel natürlichem Fisch kombiniert. Wir tragen medizinische Alltagsmasken, haben uns damit abgefunden und werden zukünftig einen kompletten Atemschutz benötigen wie der Darth Vader im Film. Jede neue Generation akzeptiert und gestaltet die vorhandene Umgebung anders. Der Mensch passt sich an. Anpassung heißt, intelligente Wege finden, zu überleben und Befriedigung erlangen gemäß der eigenen Natur. Das bedeutet in einem zweiten Schritt, die Umgebung sympathisch zu verformen, sozial zu sein oder schützende Gebäude zu errichten, zunächst aber die eigene Versorgung sicherzustellen. Erst ich, dann ihr anderen, ist unser menschlichstes Verhalten. Auch, wenn das Gegenteil beschworen wird. Dinge anders darzustellen, ist Prinzip.

Wenn ich Fernsehen schaue, sind es die Nachrichten, Dokumentationen. Zum Denken gehört für mich, Querverbindungen zuzulassen und nicht zuletzt daraus entstehende Ideen aufzuschreiben. Die eigene Bude voller Zorn zu verlassen, birgt eine reelle Chance, positiv überrascht zu werden von lauter Freundlichkeit draußen! Geht man naiv im Taumel der Selbstzufriedenheit los, weil wir halt gute Laune haben, fährt uns wahrscheinlich jemand in die Parade unseres Glücks. Im besten Sinne ichbezogen, der gerade deswegen andere im Blick behält, lebt ein Mensch nicht schlecht. Das heißt wohl, sich als Wesen voller Fehler zu akzeptieren und auskennen lernen, wer man ist, werden möchte oder meint zu sein. Was kann ich tun mit meiner Faust, wenn meine Hand eine Waffe führt, und wie wäre möglich, Zorn auszuleben als unumgängliche Emotion?

Wozu es führt, sich vollkommen zu isolieren und die eigenen Ideen durchzukämpfen, zeigt gerade der russische Präsident. Dabei gewinnt niemand. Das ist, was ich am Rechtsstaat mag. Jeder bei uns liefe Gefahr, zum Despoten zu werden, wenn die Gelegenheit zu derartigen Eitelkeiten bestünde. Der Rechtsstaat wurde nicht erfunden, weil wir großartig sind, sondern Menschen fies und unserem Treiben nur innerhalb von Grenzen Freiheit gelingt. Empathische Gesten und entspannte Nachbarschaftlichkeit sind das Begreifen eines Rahmens, weil unser Wunsch, zum eigenen Nutzen Vorteile zu scheffeln, erst dann fruchtbar wirkt, wenn auch das Drumherum gewinnt. Selbst wenn Putins Logik noch Anhänger findet, der Druck des Westens reale Spaltkraft ausgeübt haben mag – was wir nun erleben, ist dumm, menschenverachtend und hat eine Dynamik bekommen, die schwerlich Chancen aufzeigt. So vieles wurde zerstört, das Jahre benötigte, aufgebaut zu werden.

Das verfehlte Ideal, ein Gewinn bringender Narzisst zu sein, wird zur Katastrophe, wenn niemand es stoppt. Die umgekehrte Idee, besonders freundlich zu sein, weil es sich gehöre und überhaupt das Beste, zerstört den Menschen, der dieser Logik folgt direkt und umgehend auf noch kürzerem Wege. So jemand Gutes benötigt die Grenzen, die ihm andere setzen, nicht und macht sich im vorauseilenden Gehorsam allein fertig. Wie man auch beginnt, eine Erklärung zurechtzuschustern; gesundes Funktionieren nimmt seinen Anfang, wo jemand sich Luft verschaffen kann für eigenes und die Umgebung berücksichtigt, es genauso zu halten. So leben Paare, gestalten wir unsere Nachbarschaft. In einem vielstöckigen Hochhaus gelten andere Gebräuche untereinander als in einer Reihenhaussiedlung, aber der Konsens verträglicher Kommunikation ist derselbe.

Zwei bemerkenswerte Sätze fielen von Menschen in unterschiedlichen Dokumentationen, die ich registrierte und im neuen Zusammenhang kombinieren möchte. Das Erste liegt einige Jahre zurück. Ein Unikum von einer fahrenden Maschine zur Ernte von Schilf kommt zum Einsatz. Das war irgendwo, ich kann mich nicht erinnern. Dieser Trecker und Ernteapparat in einem, war jedenfalls keine Serienproduktion vom Erntemaschinenbauer der Gegenwart um die Ecke. Kein Mercedes, den man beliebig mit Ersatzteilen auf Stand halten kann, sollte mal etwas kaputtgehen. Dieses eigenartige Gefährt war uralt, und es ging ständig kaputt. Dann verzögerte sich die Ernte, bis ein Kenner in Eigenhilfe die Lösung bastelte.

Wir verstehen die moderne Wartung am Flugzeug. Diese sympathischen Schilfschnitter hatten (aus ihrer Not heraus) die gegenteilige Einstellung dazu: Wenn ein Flugzeug auf Herz und Nieren geprüft wird, kann man sicher sein, dass es schließlich fliegt. Die Wartung der Einzelteile erfolgt nach einem Plan, der dem extremen Anspruch an die Sicherheit genügt, die der moderne Mensch erwartet. Manche reden vom „learning by doing“, und genau das wollen wir beim Fliegen nicht. Die Zeiten nach dem Motto „hoffentlich kommen wir an“ sind vorbei. Ein Flugzeug wird geprüft, und dann fliegt es. Stürzt es trotzdem ab, war es ein Pilotenfehler. Konstruktive Mängel sind die absolute Ausnahme, Wartungsfehler kommen fast nie vor.

Anders diese Maschine, die vermutlich ein Eigenbau gewesen ist, auf der Basis eines anderen Fahrzeuges, das es so heute nicht mehr gibt. Die Arbeit kann nur geschehen, wenn Schilf geerntet werden kann. Es wäre durchaus schilferntefreie Zeit für eine gründliche Wartung. Ich kenne mich ein wenig aus, zwar verstehe ich vom Reet nichts als Dachdecker, aber ich kann schreiben und zeichnen mit dem schönen Material. Von meinem lieben Professor Martin Andersch lernte ich: „Rohrfedern schneidet man von November bis März.“ Das ist vermutlich die Zeit, in der unerschrockene Mannen durch das Matschland ackern, ihre Stängel zu ernten. Die übrige Zeit steht der seltsame Apparat im Schuppen. Da würde er auch inspiziert, meinte der Schilfbauer fröhlich und gegebenenfalls repariert.

„Maschine geht nur kaputt beim Fahren.“

Ein schöner Satz, aus dem Munde von einem, der gerade sein Leben genauestens kennt.

Das andere Geschehen, das ich kürzlich sah, diese Doku befasste sich mit dem Nutzen von Atemtechniken. Ich möchte also etwas erzählen, das so jedenfalls nicht zusammen berichtet im Fernsehen kam. Dort hatte das Eine mit dem Anderen nichts zu tun.

Das Apnoetauchen wurde gezeigt.

Hier weniger, um das Unterwassererlebnis zu schildern. Es ging um die Gesundheit, wie gesagt die menschliche Atmung, als ein Lernfeld, Besserung für manches Leiden. Des Weiteren wurde im Film eine Lungenklinik und ein Sanatorium besucht, wo früher einmal luftkurortliche Heilung durchgeführt wurde und ähnliches an Therapie heute wieder stattfindet, das dort schon im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert geübt wurde. Es bedeutete unter anderem, Asthmatikern das Alphornblasen beizubringen, weniger die Musik; junge Menschen sollten spielerisch zu atmen lernen (auf einer Almwiese).

Beim Unterwassergeschehen meinte eine Frau, die es nun gut konnte mit dem Apnoetauchen, die früher anderweitig in Behandlung gewesen war:

„Wer depressiv ist, kann nicht tauchen.“

Mir fällt jetzt einiges dazu ein.

Das moderne U-Boot unserer Kriegsmarine entspricht dem Flugzeug, was den Standard der Wartung betrifft. Geschieht ein Unglück, war es ein Fehler der Bedienung. Bevor wir uns an Bord unserer hochtechnisierten Konstruktionen der Luft oder dem Wasser anvertrauen, sind Menschen in der Lage, Bedingungen zu schaffen, in denen diese Reisen sicher stattfinden. Eine Bewegung durch die Luft oder unter dem Meer ist das Fahren im besonderen Medium und speziellen Modus der Apparatur wie auch eine zeitliche Vorwärtsbewegung. Wir starten irgendwo, und nach einiger Zeit kommen wir im Hafen oder am Flugplatz an. Währenddessen müssen wir uns auf eine Weise verhalten, die noch zusätzlich dazu, dass wir ein funktionelles Flug- oder Tauchgerät nutzen, Sicherheit gewährleistet. Das bedeutet, nur mit einem ausgebildeten Kapitän oder Piloten, der eine ganze Reihe von Verhaltenspflichten befolgt, kommt das (vor dem Start per Checkliste geprüfte) Fortbewegungsmittel sicher an.

Zusammengefasst: Ein gewartetes und deswegen funktionelles System wird nach den Regeln dieser Kunst, es zu führen, in eine teilweise planbare Zukunft geführt. So sollte auch der Einzelne sein menschliches Dasein begreifen und sich ins Morgen vor die Haustür begeben. Dazu müsste gelehrt werden oder mit der Muttermilch anerzogen, wie das individuell funktioniert. Hier könnten Menschen noch besser werden. Viele verstehen sich gut genug, um als Mercedes zu gelten, der kleinere Blessuren leicht korrigiert. Nicht wenige gehen durch ihr Leben, ohne zu wissen wie und sind zufrieden. Ein Teil aber kommt nicht klar. Im Sinne der undurchführbaren Wartung an der ominösen Erntemaschine leben viele nach dem Motto „geht nur kaputt beim Fahren“ und das heißt wohl in etwa: „Wer sich selbst nicht kennt, hat die Vorsorge verpennt.“

Wenn ein Flugzeug damit fertig ist zu fliegen, die Passagiere an den Bestimmungsort brachte, verlassen auch der Pilot und das Personal die Maschine. Danach steht der Flieger aber nicht einfach rum bis nächste Woche Dienstag, um dann wieder von den Menschen benutzt zu werden für einen Flug nach Denver oder so. Unser Auto sind wir gewohnt abzustellen, und vergessen den Wagen einige Zeit in der Garage oder dort, wo das Fahrzeug eben parkt. Manchmal ist der TÜV dran, und eine Inspektion sollten wir gelegentlich durchführen. Beim Fliegen sind die Anforderungen höher. Ist das Fluggerät am Boden, kommen die kleinen Heinzelmännchen der Wartung, bildlich anzuschauen ähnlich den Liliputanern, die rund um den am Boden liegenden Gulliver krabbeln und auf den gefangenen Riesen mittels Leitern steigen, nachdem sie ihn angebunden haben. Werden Flugzeuge festgebunden, damit sie nicht von selbst zu starten beginnen und davonfliegen, wenn sie eigentlich schlafen sollten wie andere Leute? Boote im Hafen binden wir Segler an. Gulliver wurde von den kleinen Bewohnern der seltsamen Welt gefesselt. Manchen Menschen würde gut tun, festgehalten zu sein, wenn sie des Nachts oder sonst, wenn eigentlich gar nichts zu tun ist, keine Ruhe finden.

Eigentlich eine gute Zeit, sich mit dem Nichtstun zu beschäftigen.

Manche können sich nicht entspannen. Muskel- und überhaupt Körpermasse zu Boden sinken lassen, wenn wir still auf dem Rücken liegen und eigentlich alles, was für diese Nichttätigkeit des Liegens unnötig ist, der Schwerkraft noch entgegenzustemmen, kann man üben. Menschen könnten lernen, darauf zu achten wie die Luft in die Bronchien ein- und wieder hinausströmt, wenn gerade nichts Wichtigeres zu tun ist. Unser Apparat fliegt zwar nicht, aber das System bleibt auch in Ruhepausen aktiv und wartet sich quasi selbst. Die Liliputaner sind nicht außen dran und binden uns. Wir können aber behaupten, dass weiter Tätigkeiten im Leib, den Gliedern und im Gehirn vorgehen, wenn wir gerade keiner Aktion das Ziel vorgegeben haben. Insofern rennen kleinste Mannen durch innere Kanäle und sind mit dauerhafter Pflege beschäftigt. Alles was nützt, nehmen wir gern hin.

Raumgewinnende Zellveränderung erkennen wir hingegen als Krankheit und nennen sie Krebs. Die entzündlichen Vorgänge der Multiplen Sklerose sind wie schubweise aufbrechende Brandherde, innere Kriege, die totes Terrain zurücklassen. Dann merken welche, dass etwas nicht stimmt. Das meiste im System sind erwünschte Arbeiten, die unauffällig und autonom ablaufen. Wir schlucken das Essen runter und achten kaum darauf, was rund um die Speiseröhre geschieht dafür. Wir verdauen, und das macht der Mensch so nebenbei. Wir merken es erst, wenn wir auf das Klo müssen. Manche nehmen sich kaum die nötige Zeit, genüsslich abzudrücken und den Hintern zu säubern. Vieles läuft immer weiter: Die Atmung schalten wir nicht ab. Unser Herz schlägt, und noch viel mehr geschieht, wovon wir wenig Ahnung haben.

Es wird von Vorsorge geredet, man ginge zum Arzt wegen dem Krebs oder so. Das meine ich gar nicht. Was vielen zu lernen nützte, wäre ihr ganz individuelles Seelenkostüm als Haut des Apparats zu begreifen, dessen Ausbuchtungen sehr wohl im persönlichen Einflussbereich liegen. Die Muskulatur in der alltäglichen Bewegung bewusst zu gebrauchen, könnte helfen, sich besser zu verstehen. Darum ging es ja auch in der Atemdoku.

Ein weiteres Beispiel: Mit ganz einfachen Mitteln kann ein Mensch ohne große Hilfsmittel fliegen oder tauchen. Es gibt Gleiter, die Geübte wie Ikarus zu Tal segeln lassen. Kaum mehr als dünne Flügel, denen man sich bedient, beinahe wie ein Vogel durch die Luft zu sausen. Tauchen und lange die Luft anzuhalten, ist eine Technik, die ein Mensch mit sich selbst benutzt. Insofern fliegt und taucht er wie sein eigener Apparat (wenn auch zeitlich begrenzt) in einem Medium, das dem Gewöhnlichen fremd bleibt. Bevor ein Schüler das wagt, wird man ihm eine Ausbildung geben. Vor dem Tauchgang ist es nötig, die Atmung korrekt einzustellen, sich selbst in mancher Hinsicht einzuüben, um lange die Luft anhalten zu können oder eben die vorgeschriebenen Dinge zu tun, damit wir sicher einen ultraleichten Gleitflug hinbekommen. Das entspricht der Wartung des Systems Mensch wie sonst bei einem U-Boot oder Flugzeug als größerem Konstrukt. Einfach mal so, kann keiner sicher tauchen oder fliegen. Wir bereiten uns vor. Handelten wir nach dem Prinzip „geht nur schief, wenn man’s probiert“, möchten wir dennoch überleben und werden einiges dafür anstellen. Ein Fallschirmspringer ist klug, seine Tüte selbst zusammenzulegen und wird sich gewissenhaft drum kümmern.

Jetzt stellt sich die Frage, inwieweit wir junge Menschen auf das Leben vorbereiten, etwa wie ein Adler gehalten wäre, die Brut zu schulen, welche ihr Leben gleich mit einem ersten Flug beginnt? Dem Vogel wurde von Seiten der Natur einiges mitgegeben, das Mama Adler nicht unterrichten müsste. Ein menschliches Baby lernt manches, sich zunächst umzudrehen, krabbeln und schließlich gehen, dann folgen Schule und Ausbildung. Eine Gämse ist schneller fertig, im Gelände klarzukommen. Der Spielraum, den die Natur (oder Gott) dem Menschen lässt, seine Selbstbenutzung zu erlernen, bedeutet den Vorteil größerer Anpassung. Ein Gehirn, das vieles erst zu lernen hat, wird keinen Automaten steuern, sondern ein intelligentes Wesen. So wie wir unsere Kleinen ins Leben geleiten, kommt nicht selten erlernte Dummheit oder Krankheit dabei raus.

Wir gehen als Erwachsene gern in eine Tauchschule oder besuchen den Kurs fürs Gleitfliegen. Wir schicken junge Menschen in Schule und Ausbildung. Aber wir könnten einiges besser machen, uns und einander im Alltag (auf der gewöhnlichen Straße) selbst intelligenter zu verstehen. „Maschine geht nur kaputt beim Fahren“ oder „Depressive können nicht tauchen“ heißt in diesem Zusammenhang, wir erleben Schwierigkeiten, wenn wir das Haus verlassen, in die Umgebung eintauchen wie bei der Apnoe unter Wasser, wo ein nicht funktionelles System scheitern muss. Das Problem mit dem Asthma, dass manche haben, kann durch das Erlernen des Alphornblasens gebessert werden? Dazu ließe sich anmerken, das Asthma hatte offenbar doch seinen ihm ganz eigenen Sinn für den Kranken. Falls das eine funktionelle Angewohnheit ist, die mit dem Erlernen besseren Atmens verschwindet, wofür nutzen Menschen diese Verklemmung, die sich so einer selbst beibringt, wenn leichter zu atmen doch einfacher wäre? Darüber nachzudenken, gehörte für mich unbedingt dazu, damit die Mechanik des Menschen eine natürliche Basis bekommt, zwischen Ängsten und Risiken, das Selbst zu leiten.

# Bewusstes Funktionieren könnte helfen …

… wir verstünden manche Notwendigkeit, auch für schädliche Angewohnheiten, sogar die, den Atem abzuschnüren, um anschließend Gewinn daraus zu ziehen. Was könnte der Sinn sein, den Brustkorb flach zu machen, wenn nicht, Angst zu unterdrücken? Ich habe einiges gelesen, probiert, kann kreativ zum Thema mitreden. Im Film gezeigt: Die Depression fand ihr Ende, als die Schülerin verstand, auf spezielle Weise zu atmen, beziehungsweise die Luft lange anzuhalten. Dazu erfuhren die Zuschauer einiges, das hier weggelassen ist. Es heißt, dass ein Asthmatiker funktionell beeinträchtigt und nicht froh darüber ist, wie umgekehrt mit (guter) Absicht etwas tut, sich ins flüssige Atmen einzumischen. Man sieht sie am Wegesrand: Die Frauenselbsthilfegruppe eifert dem Chi nach oder dem Guru:in (das müsste doch genderbar sein). Es gäbe größeren Nutzen mit weniger Esoterik. Wir fahren durch unser Leben wie das Boot auf dem Meer, Luftschiff am Himmel und könnten funktionell denken.

Psyche und Mechanik dienen demselben Zweck, das Individuum nach vorn zu bringen. Aber wir Modernen, die Menschen im Alltag wie die Psychologen, beharren auf der Idee von der Seele oder Psyche, jedenfalls dem geheimnisvollen, unstofflichem, angeblich nicht Anfassbaren, während andere gezwungen sind, den Weg nur irgendwie allein zu gehen. Ich rede von Menschen, die schließlich wie aus einem schrottigen Panzer ihre individuelle Erntemaschine basteln und (bitter geprüft) praktische Erfahrungen, dünne Erfolge im Leben als karge Beute mühsam einfahren, bis etwas klappt, das anderen einfach so gelingt.

Individualisten schrauben dran, wie an sich herum im laufenden Betrieb und wundern sich über Probleme.

Von „emotionaler“ Intelligenz zu reden, nützt wenig. Es ist notwendig zu begreifen, dass niemand, der Gefühle und entsprechende Körperspannungen ignoriert, effizient und überhaupt intelligent handelt. Es nützt dem Belesenen das Wissen nichts, wenn dieser es in seiner Welt mangels Durchsetzungsfähigkeit nicht anwenden kann. Zusammen könnten Körper und Geist verstanden werden, heißt es schon lange. Das sollte man Kindern in der Schule beibringen.

🙂