Wurde Anne Frank verraten? Neue Recherchen beschäftigen die Öffentlichkeit. Verrat ist das zentrale Ereignis im Evangelium, so kam es zur Auslieferung Jesu an die Römer. Bis heute empören wir uns, und weiter geschieht es: Menschen verraten einander. Nur die Bewertung wechselt. Mal war es böse, jemanden anzuschwärzen – die arme Anne Frank, Sophie Scholl usw. – dann ist es wieder Zivilcourage, wenn ein Täter beobachtet und angezeigt wurde.

Ein guter Witz, als wahre Geschichte angekündigt, ist aktuell. Ein Besucher erkennt den Kollegen (Mitarbeiter im Gesundheitsdienst, was genau, tut hier nichts zur Sache) im Einkaufszentrum. Der dürfte gar nicht dort sein. Der Kunde begreift, der andere müsste in Quarantäne zu Hause sitzen, wurde kürzlich positiv auf das Virus getestet. Der Mann versteckt sich hinter einer Werbetafel und marschiert anschließend zur Info. Die Mitarbeiter starten einen Aufruf, es befände sich widerrechtlich ein Coronapositiver im Gebäude; Personalien bekannt. Dieser werde gebeten, umgehend zur Information zu kommen. Andernfalls verriegelte man die Ausgänge und kontrolliere jeden einzelnen Besucher. Die Polizei würde alarmiert, und der Betroffene habe den Einsatz zu zahlen, droht das Center in seiner Durchsage. Wir ahnen, wie das ausgeht. Sage und schreibe siebzehn Personen melden sich verschämt bei den Kollegen vom Sicherheitsdienst. Eine wahre Geschichte?

Es kommt darauf an, von wo aus wir schauen. Wir mögen Asterix, die Querulanten im gallischen Dorf sind liebenswert. Wir sind keine Römer und amüsieren uns gern. Gar nicht lustig: Die Proteste auf dem Maidan wurden blutig niedergeschlagen. Nicht nur in der Ukraine oder gerade in Kasachstan, auch bei uns gibt es Widerstand gegen den Mainstream. Minderheiten bilden Gruppen. Die Aktivisten im Hambacher Forst retten das Klima? Querdenker wären gefährliche Spinner, sagt die Mehrheit. Die Demokratie toleriert Demonstrationen, aber friedlich sollen sie sein. Regelbrecher können erkannt, verraten und gemaßregelt werden. Einigen fällt es leichter, sich an die Gesetze zu halten. Manche laufen leicht mit, andere gegenan, und einige mogeln sich durch. Der gute Widerstand, der böse Gesetzesbrecher, was denn nun? Das Gute am geschichtlichen wie allgegenwärtigen Verrat ist die Erkenntnis: Die Amerikaner waren tatsächlich auf dem Mond! Ein Fake von diesem Ausmaß wäre aufgeflogen. Verschwörungen sind Teil der Welt. Mobbing ist vom Verrat bedroht. Das ist gut. Wahrheit und Lüge kämpfen gegeneinander, meint man, aber niemand ist immer nur ehrlich. Ein Hochstapler müsse vor allem überzeugen, heißt es. Da komme es weniger auf die Qualität seiner gefälschten Papiere als auf die Fähigkeit an, andere charmant zu manipulieren.

Eine neue Spezies ist unterwegs. Nicht nur das Virus, der unkorrekte Mensch hat eine weitere Variante gebildet. Er gendert nicht? Schlimmer sind gewaltbereite Staatsfeinde. Coronaleugner und Coronaleugnerinnen werden zu Demonstrantinnen und Demonstranten, die als Querdenker und Querdenkerinnen spinnen.

# Das ist eine Gefahr für uns alle

Das Faszinierende an diesem Wort, das den Vorfahre im Holocaustleugner haben mag, ist wohl, dass Corona eine Tatsache bedeutet wie etwa das Wetter. Das Vorhandensein von meteorologischen Geschehnissen kann nicht bestritten werden. Jemand der sagt, er wäre nicht im Raum, sondern gerade draußen unterwegs gewesen, kann der Lüge überführt werden, wenn Zeugen plausibel gegen ihn reden. Hier wird eine Grauzone deutlich, denn diese Aussagen können gekaufte sein. Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen der Kriegsjahre, und Hitler ist eine Figur der Geschichte wie Anne Frank. Corona, was immer das meint, ist weltweit problematisch und deswegen ein Fakt wie das Wettergeschehen oder die Tatsache, dass es nachts dunkel ist.

Die Pandemie ist ein mediales Ereignis, und für einige ist die Intensivstation der Ort an dem sie mit der Diagnose „Covid“ sterben. Das kann nicht negiert werden, was auch immer jemand behauptet. Eine medizinische Bewertung, woran jemand leidet, ist kein hingeworfenes Wort. Zu lügen oder die Wahrheit zu kennen, ist komplizierter. Als medizinischer Laie muss ich zugeben, ein wie auch immer geartetes Virus nicht erkennen zu können. Ich kann das Wort „Corona“ lesen, aussprechen und verbal verbreiten. Ob und wie ich eine Krankheit, die symptomfrei sein kann, wie es heißt, in mir trage und möglicherweise weitergebe, bestimme ich mit einem Test. Das ist ein Produkt der Industrie. Seine Zuverlässigkeit ist kaum nachzuprüfen, nur durch die Annahme, dass unzählige andere damit umgehen und eine Art Schwarmintelligenz die Qualität sichert – wie die Wahrheit der Mondlandung oder die des Holocaust durch breite Kontrolle der Menschheit belegt ist.

Zu einem Arzt oder medizinischen Helfer gehen und sich ein Medikament verabreichen lassen, eine Spritze zu tolerieren, die dieser in meinen Arm setzt, bedeutet, dem Vorgang das Vertrauen auszusprechen und seine Sinnhaftigkeit nicht nur anzuerkennen, sondern individuell zu wollen. Andernfalls ist es eine Vergewaltigung. Ein Mann dringt in eine Frau ein, die das nicht will, weil der Staat die Pflicht zur Kindszeugung anordnet, so fühlt sich Impfpflicht an.

Das wird noch Ärger geben.

Am Besten wäre wohl, das Virus gibt auf.

Das bedeutete eine Wahrheit, die sämtliche Virologen wieder in die dunklen Löcher ohne Kamera verbannen würde, die sie bislang als ihren zentralen Aufenthalt kannten. Und Karl Lauterbach könnte mal entspannt ausschlafen.

🙂