Viele Wege führen nach Rom. Das sagt man, wenn jemand von der Lehrmeinung abweicht und etwas trotzdem schafft. Es kann Spott dabei sein: „Du hättest es leichter haben können, aber – viele Wege führen nach Rom, angekommen – herzlichen Glückwunsch.“

Sich das Leben schwer machen; mir hat einmal ein Berater erzählt: „Ich komme in die Werkshalle, um mir einen Eindruck zu verschaffen, und das Erste was ich sehe – “, dann kamen die unmöglichen Details, die ich nicht mehr erinnere. Für Fremde ist es oft leicht, einen Fehler zu bemerken, der im Geschäftsbetrieb viel Geld kostet. Gewohnheit kann problematisch sein, betriebsblind ist das Wort dafür, wenn eine Firma unnötig Geld verbrennt.

Wohin ein Mensch als nächstes geht, seine Entscheidungen für gerade diese Aktivität, mit der er jetzt beginnt, ist nicht immer nachvollziehbar für andere. Die Motivation die schließlich zum Impuls führt, wirklich zu beginnen, findet ihre Parameter im Spannungsfeld zwischen Lust und Pflicht und der Zeit, die eine Handlung benötigt.

Der Mensch wird probieren, einen zukünftigen Ort der Verbesserung zu erreichen. Der Ort ist im Raum der Zeit zu verstehen, weniger gebunden an den begehbaren Raum, in dem wir uns befinden. Ein Individuum bewegt sich auf zweierlei Art: Wir beschreiten den Boden und wir gehen in der Zeit voran. Das tun wir auch, wenn wir eine Woche herumliegen. Das waren die letzten Zeitmeter meines Vaters: „Ich bleibe jetzt einfach im Bett, bis ich tot bin.“ So ist es gekommen, aber die letzten Wochen waren unerträglich (für alle).

Einige haben sich selbst getötet, erschossen: Ernest Hemingway nahm sein Gewehr dafür. Adolf Hitler hatte eine Pistole und zusätzlich Gift genommen? So wird es vermutet. Mein Vater hatte keine Waffe, und niemand war bereit gewesen, ihm etwa ein Kissen auf das Gesicht zu drücken, damit er ersticken würde.

Er hat nicht darum gebeten. Er lag in seinem Bett im Altersheim und aß wenig, blieb deprimiert und wortkarg und hoffte auf eine Erkältung, die zu einer Lungenentzündung führen würde? Damals gab es noch keine Corona-Epidemie.

Im Film sehen wir die verschiedenen Suizid-Themen. Es gibt wiederkehrend Szenen, wo Menschen mit dem letzten Schritt hadern und auf einem Haus oder Brücke mit sich ringen, es zu tun. Das Thema fasziniert, auch die moderne Form der in einigen Ländern erlaubten Tötung auf Verlangen.

Im Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ endet das Leben eines Protagonisten mit einer Art Gnadenschuss, um das unvermeidliche Ende zu beschleunigen. Der Wildwest-Mann leidet seit geraumer Zeit, ohne es seinem Freund mitzuteilen, still an einem nach Schießerei (mit den Feinden) stecken gebliebenen Projektil im Unterleib.

Es braucht mehr als eine Gelegenheit abzudrücken. In der Zeitung findet sich gerade diese Schlagzeile: „Polizist verliert schussbereite Waffe“, und im Text erfahren wir, dass ein aufmerksamer Bürger das Ding schließlich gefunden und korrekt abgegeben hat, nachdem die (vermutlich gestressten) Beamten erfolglos blieben. Dumm gelaufen, aber gut ausgegangen, und das LKA droht in diesem Artikel auch gleich, dass, wer eine schussbereite Waffe fände, sich strafbar mache, wenn er die nicht bei der Polizei abgibt. Liegen sie oft an jeder Ecke, können leicht versehentlich aus dem Holster purzeln?

Schussbereit ist so eine Pistole, wenn sie geladen ist und entsichert. Dann muss man seinen Finger krumm machen und einen Druckpunkt überwinden. Schließlich kommt es darauf an, das Ding wirklich gut festzuhalten und sauber zu zielen. Beim Schuss reißt es die Waffe in der Hand hoch. Es ist auf Anhieb kaum möglich, gut und genau zu treffen und muss deswegen wirklich geübt werden. Einige Hürden sind zu überwinden, um damit gezielt zu arbeiten. Nicht zuletzt kostet es Überwindung, einen Menschen zu verletzen im Ernstfall. Dem Sportschützen liegt daran, eine Getränkedose oder eine mit Kreisen gekennzeichnete Scheibe zu treffen, aber es ist eine Waffe, mit der jemand töten kann.

Was ist der Tod, und warum werden Suizide mit einer Pistole begangen? Ein Grund dafür ist die Schnelligkeit mit der das Ende erreicht wird und die Zuverlässigkeit des Todes. Aus dem zweiten Stock zu springen, kann zu verkrüppelten Beinen führen und nicht zum Tod. Eine gute Planung ist anzuraten, keine halben Sachen. Für meinen Vater war der Zeitpunkt guter Planung längst verstrichen – alt, schwach und depressiv lag er da und ohne jemals eine Waffe besessen zu haben (außer vielleicht eine Seenotpistole an Bord). Als er im Heim gelandet war, hatten meine Mutter und ich das Schiff längst verkauft. Und ob seine rote Seenotmunition überhaupt geeignet gewesen wäre?

Quickborn: „Gute Gelegenheit“, das wäre die Schlagzeile gewesen, auf die er gewartet hat (mal eine Waffe herumliegend zu finden). Es kommt auch darauf an, wohin man damit schießt. Es wird empfohlen, den Lauf in den Mund zu stecken und schräg nach oben in Richtung auf das Gehirn zu zielen. Natürlich darfst du nicht verreißen! Dann tritt die Kugel aus der Wange aus und es gibt jede Menge Schmerzen, Ärger mit den Verwandten und Freunden und eine noch beschissenere Zukunft als sowieso schon.

Bevor man abdrückt, nachdem die Waffe geladen wurde, muss sie entsichert werden. Das ist ja auch im übertragenen Sinne beim Selbstmord an sich die Problematik. Der Weg durch die Tür, die uns ins Jenseits führt, ist durch unsere Unfähigkeit, leichthin fort zu gehen gesichert. Man macht es nicht mal eben. Es braucht mehr als einen Grund, beherzt zu springen, schießen oder wie man es eben tut.

Die Motivation an sich: Was ist das Bessere daran zu sterben, wenn es noch einen Weg gibt, der zu einem guten Essen führt, zum Sex, zu viel Geld oder einfach dorthin, wo es warm und trocken ist?

Die ganz persönliche Perspektive.

Wer probiert in den Tod zu gehen, hat den guten Grund dafür klar vor Augen, so viel ist mal sicher. Das mag objektiv anders bewertet werden, ist aber theoretischer Blödsinn von Menschen, die typischerweise selbst so weit nie denken konnten. Wenn es der Natur sinnvoll dienen würde, hätte jedes Lebewesen einen Schalter in Reichweite hinter dem Ohr, am Hintern oder am Hinterkopf. So eine Art Pistole für jeden im Schrank zu Hause. Die Verfechter des „Sterben-Auf-Verlangen“ können sich möglicherweise nicht wirklich in die Perspektive einer bewussten Tötung hineinversetzen, aber sie selbst sind fest davon überzeugt, dass es not tut, angeboten zu werden.

Sich im gesunden Alltag dabei zu beobachten, warum man gerade dieses tut, wozu man sich entschlossen hat und nicht etwas anderes, mag helfen, besser zu verstehen. In das Meer hinaus zu gehen, schließlich zu schwimmen – und dann wird es kalt. Nun durchhalten. Immer weiter weg vom Land schwimmen; da wäre so ein Knopf hinter dem Ohr doch wohl praktischer, warum haben wir das nicht?

Das Leben hat diese Sicherung eingebaut: Es fällt uns mehr als schwer, es selbst zu tun. Gerade deswegen entsteht dieser Wunsch nach Erlösung. Gott oder der Arzt möge es (endlich) tun.

Abwarten, das Leben ertragen, wo auch immer – ist ein guter Rat. Niemand weiß was auf der anderen Seite wirklich kommt. Wir lernen: „Der Tod ist sicher, die Stunde ungewiss. Mors certa, hora incerta.“ Alternativ: „Todsicher geht die Uhr verkehrt, Herr Lehrer“, übersetzt Fritz das (im bekannten Witz).

Wie auch immer es richtig heißt.

Ein schlechter Witz: Dienstpistole mal aus Versehen verloren, wo auf der Straße liegengelassen – und strafbar ist, die mit nach Hause zu nehmen? Alles klar. Wieder was gelernt vom LKA – und dem unverzichtbaren Schenefelder Tageblatt.

🙂