Sonnenwende mit Greta, alle sind nackt! Zitat des Tages, Morgenpost am Sonntag: „Die Kaiser sind nackt, jeder einzelne von ihnen. Es zeigt sich, dass unsere ganze Gesellschaft nur eine große Nudistenparty ist.“ Klimaaktivistin Greta Thunberg über Politik und Wirtschaft in der Klimakrise.

Worte sind wie Kleidung. Eine Rüstung oder ein Schmuck, Kommunikation ist mehr oder weniger manipulativ. Damit ist das Böse, die Lüge nämlich, unser allgemeines Erbgut, eine Fähigkeit für jeden. Alle lügen, und es gibt nur böse Menschen, das heißt es wohl.

Damals, die ersten Nudisten ziehen sich an, das Tier wird zum modernen Neandertaler, dem Cro-Magnon-Menschen, dem Homo sapiens – oder wie auch immer wir das heute nennen. Wir waren nicht vor Ort, wissen nicht, wie die damalige Sprache klang und kennen die Namen unsrer Vorfahren nicht wirklich. Wir stellen Funde zusammen und rekonstruieren etwas, das wir nur bruchstückhaft kennen, eine beschränkte Wahrheit wie immer. Felle werden wärmend umgehängt, Erzählungen von der Jagd, sie werden farbig ausgeschmückt von dem Moment an, wo der Mensch menschlich wird.

Wir stellen uns die Anfänge vor. Eine kleine Siedlung mit den ersten unserer Gattung, ein Feuer brennt. Zelte aus Tierfellen sind aufgestellt, eine Höhle mit Vorräten ist im Hintergrund vom Lagerplatz und einige mehr oder weniger nackte Gestalten hocken rum. Kommt ein Jäger aus dem Wald zurück, die anderen schauen interessiert: „Humm, humm, keine Beute wir fragen?“ Der Jäger antwortet: „Ähem, hem … nix Tiere gewesen im Wald.“

Es kommt nicht auf die Grammatik an. Seit wir kommunizieren, lassen wir weg, stellen Erlebtes da, wie es unsere Art ist, berichten nur mehr oder weniger wahr. Zur Wahrheit gehört so unglaublich viel, und wir kennen sie ja gar nicht! Nehmen wir an, dass der Jäger stundenlang nach vorn geschaut hat. Hinten hat er keine Augen. Zu seiner Wahrheit im Wald gehört, dass er vom Wald nur wenig mitbekommt.

Bei den anderen angekommen meint er: „Ich habe keine Tiere gesehen.“ Dann sagt er nicht: „Alles war voll mit Bäumen, und das Licht schien durch die Zweige und meine Füße versanken im weichen Boden“, weil das die Hungrigen nicht interessiert.

Heute: Greta hat immer recht, sie ist die Wahrheit selbst. Das ist ihr Beruf. Die Wahrheit, sie steht neben dem Jägersmann, sagt den anderen: „Hinter ihm ist ein großes Wildschwein durchs Dickicht gebrochen, aber unser Jäger hat gerade nichts davon mitbekommen, war anderweitig beschäftigt.“

Greta findet alle bedrohlichen Nachrichten für uns zusammen, sie mobilisiert uns, weil wir gerade keine Zeit haben, uns nicht kümmern. „Wir nehmen einen anderen, aufmerksameren Jäger“, sagt sich die Sippe, als sie begreift: „Mit diesem Schnarchzapfen werden wir immer Hunger leiden!“ Das werden auch wir heute bald merken, dass wir handeln müssen. Greta Thunberg sagt nur Wahrheiten weiter. Einem nerdigen Wissenschaftler hört man ja nicht zu. Einer nerdigen Schülerin schon. Sie kehrt ihr Innerstes nach draußen, wenn sie für uns über das Meer segelt oder vor Trump ausrastet.

Danke.

Wir müssen Greta verzeihen, sie ist genauso nackt, und vielleicht weiß sie es nicht – sie ist gerade erwachsen geworden. Eine gesunde Gesellschaft ist auf die Jugend angewiesen, besonders, wenn die Alten ihre Jugendlichen krank machen. Erwachsene nennen diagnostisch Störungen, verwenden ein wichtiges Wort wie eine Waffe gegen ihren eigenen Nachwuchs. „Autist!“, sagen sie, „Borderline“, was ihnen gerade recht ist. Sie vergrößern die Gefängnisse und psychiatrischen Krankenhäuser. Sie probieren die lebenslange Gehirnwäsche, sie füttern Medikamente, mehr als nur ein ganzer Wirtschaftszweig lebt von anderen Menschen, die sich gängeln lassen. Wir schaffen unsere Außenseiter selbst, wir drücken sie jedes Mal wieder raus aus unserer Mitte, wenn es scheint, dass sie unsere Wahrheit gefährden können. Manipulation macht krank, und wenn wir modern von Fake reden, das haben wir immer schon gemacht.

Laura: „Leute, ich war Titelseite Playboy!“ Das gibt junge Frauen, die scheren sich nicht um die Natur, sie sind gesund in geilen Klamotten unterwegs und genießen ihre Jugend einfach. Sie möchten nicht im Mittelalter vegetieren oder heute vegan speisen, weil es als besser gilt. Moral predigende Zeitgenossen bewerten hier falsch und da ebenso: Manche nennen Greta Thunberg autistisch oder krank nach Asperger. Das sind diejenigen, die ihre Wahrheit nicht ertragen können. Deren Pseudo-Gesundheit möchte ich nicht haben.

Vom eigenen Körper leben, weil ein junger Mensch mal schön anzusehen ist oder davon, die Wahrheit der Wissenschaft zusammenzuklauben und dabei ein kiebiges Gesicht machen; mit den sozialen Medien gelingt die Performance im Home-Office.

Kreativ bleiben!

🙂