Warum gibt es das Angebot, eine Verhaltenstherapie zu machen für psychisch kranke Menschen? Gesunde nehmen offenbar an, dass die Kranken, würden sie anders handeln, gesund wären wie die Normalen. Wenn das stimmt, dann müsste es gesundes und damit richtiges Verhalten geben, das in einer Therapie gelehrt würde. Damit könnten psychische Erkrankungen auf fehlerhafte Verhaltensweisen heruntergebrochen werden, die durch angepasste Formen integrierten Handelns gebessert würden. Dann wären diese Krankheiten welche, deren Leid selbstverursacht ist, und die Gesundung könnte der Betroffene durch lernen selbst herbeiführen. So denkt der Anbieter einer Gesundheitsschule, die noch den Haken hat, dass Eigenverantwortliches nicht vom Therapeuten motiviert getan werden kann.

Dazu kommt die Not, die der Psychiater damit hat, Medikamente einsetzen zu müssen und die vielfältigen Spielarten dieser Erkrankung, die gerade nicht nur im Kopf stattfindet. Der psychisch Kranke läuft außerhalb vom Sprechzimmer durch sein eigenes Leben. Das ist kein herum rollender, loser Kopf auf Abwegen, sondern ein ganzer Mensch, der mit Körper und Gliedmaßen Blödheiten macht, die ihn schließlich in Not bringen, dass ein Arzt aufgesucht wird. Das absurde Verhalten kommt mehr oder weniger schlimm ausgeprägt zu Tage, dass nun je nach Fall Angehörige, Freunde oder tatsächlich noch so weit klar, der Kranke selbst eine Praxis aufsucht, nach dem Motto, mit mir stimmt was nicht.

Wie die Sache weitergeht, das Leben zukünftig verlaufen wird, hängt letztlich auch von der Qualität der Therapie ab. Wer im Dorf x seine Auffälligkeit entwickelt und dem Arzt um die Ecke in die Praxis gerät, könnte eine schlechtere Prognose haben als andere, die irgendwie und aus Gründen des Zufalls besser therapiert werden. Da gibt es einen signifikanten Unterschied zu normalen Beschwerden. Wer eine Hüft- oder Augenoperation plant, wird sich gezielt auf die Suche machen und Bewertungen der Spezialisten einsehen, bevor er jemanden ranlässt für eine Behandlung. Der normale Kranke entscheidet eigenverantwortlich, wer zum Doktor für ihn werden soll. Der psychisch Kranke kann nicht eigenverantwortlich handeln. Das genau ist der Kern jeder psychischen Erkrankung. Es handelt sich um soziale Störungen. Das heißt, wollte man eine pauschale Definition probieren, käme man bei allen verschiedenen Formen dieser Krankheiten nicht umhin, den gemeinsamen Nenner darin zu definieren, dass die Kranken sich selbst in Beziehungen hineinmanövrieren, die scheitern.

Kinder mit psychischen Störungen sind in der Beziehung zu ihren Eltern, darin besteht das Problem. Sie können nicht weg. Erwachsene, die psychisch krank sind, können nicht normal arbeiten für ihre Existenzsicherung. Sie haben Beziehungsprobleme mit allen für sie lebenswichtigen Menschen im Umfeld. Zusammengefasst heißt das, ein gesunder Mensch kann sich seine Beziehungen wählen und merken, ob sie auf nützliche Weise (und gegenseitig) finanziellen wie emotionalen Gewinn bringen, eine Zukunft perspektivisch aufzeigen. Der psychisch Kranke wählt nicht, wohin er geht und mit wem er dort lebt, liebt, arbeitet. Dem Kranken geschieht das Leben unter dem Zwang, welcher sich aus den Forderungen der Umgebung und seiner eigenen Unfähigkeit ergibt, daraus eine individuelle Lösung zu entwerfen, die gut tut. Dem Zwang zu unterliegen und nicht zu bemerken, dass Alternativen möglich sind, ist das Problem.

Der gesunde Mensch passt seine Emotionen entsprechend der Situation an. Wenn wir unter Stress geraten, macht das wenig aus, wenn anschließend die Erholung möglich ist. Ohne Arzt zu sein, kann man sich vorstellen, dass im Gehirn entsprechend Aufruhr ist, wenn es im Job hoch her geht und Ruhe auch zwischen den Gehirnzellen zurückkehren wird, in der Nacht, wenn der Mensch schläft. Welches Medikament auch immer erfunden würde; das Problem bleibt, dass die Pille nicht weiß, wie stark sie entsprechend der Situation benötigt wird. Eine Behandlung, mit welcher Dosis auch immer, ist statische Hilfe. Das Leben ist hingegen dynamisch.

In der Folge dieser Realität, nehmen die Verläufe von psychischen Krankheiten und entsprechend die Lebenskarrieren der Behandelten zwei grundsätzliche Richtungen. Die einen steigen immer weiter ab in der Gesellschaft, trotzdem oder gerade weil ihnen geholfen wird und wenige befreien sich, bis sie eigenverantwortlich klarkommen. Sie haben es doppelt schwer. Die sich so verstehenden Erkrankten müssen sich gegen die anderen behaupten, mit ihnen Beziehungen eingehen wie alle in der Gesellschaft. Dazu müssten sie ihre Helfer loswerden, um eigenverantwortlich zu sein, wie die Gesunden. Da sind nicht wenige Ärzte, die fachlich zu schlecht sind, das zu verstehen und die unter Umständen mit einer unlösbaren Aufgabe konfrontiert sind, weil die Krankheitssituation das Ziel vollständiger Gesundheit von vornherein ausschließt. Diese Menschen können nicht erreicht werden, etwas zu lernen. So werden wir als Gesellschaft weiter akzeptieren müssen, dass einem großen Teil der Kranken nicht wirklich geholfen werden kann. Ein trauriges Bild. Gerade dann, wenn man im Einzelfall erkennt, dass mit gutem Willen viel mehr ginge und eine bessere Struktur der Hilfe, gleich einem Training, schaffbar wäre, anstelle der stigmatisierenden Methode, Menschen geradezu krank zu halten wie eine andere Sorte oder Rasse von uns.

Würden wir nicht von Normalen und Kranken reden, was problematisch ist, denn was ist „normal“, könnten wir uns leichter auf selbstbewusste Menschen fokussieren und ihre Qualität weniger als nachahmenswert anerkennen, sondern als nützliches Lernfeld. Es gibt bereits genügend Follower, die ihre jeweiligen Helden bewundern. Nur ganz wenige lernen, so zu werden wie Menschen, denen viele nachlaufen, indem sie im Netz fleißig ein Häkchen setzen dabeizusein. Man ist nicht krank, wenn man Elon Musk die Gefolgschaft zeigt, man ist wohl mehr als normal. Gesund ist das keinesfalls. Es ist blöd. Warum nimmt sich die Medizin, die wir dazu für befugt halten, psychisch Kranke zu betreuen, das Normale als Ziel zum Vorbild, wenn dieses normalgesunde Verhalten das der blöden Menschen ist, die anderen hinterherrennen?

Die Psychiatrie macht beinahe alles falsch. Sie hat keine belastbare Theorie, die nachprüfbar wäre, mit der die Ärzte arbeiten. Diese Fakultät doktert weiter nur herum. Das sind deswegen menschenverachtende Weißkittel. Sie glauben tatsächlich, Gutes zu tun. Der Grund dieser Probleme liegt darin, dass die Leistung des Psychiaters nicht nachprüfbar ist, von einer Gesellschaft, der wiederum der Maßstab dafür fehlt, ihn an die Fachärzte anzulegen, weil die breite Masse sich vor Gestörten fürchtet und gar nicht wissen möchte, was diese so stört und verstört. Im Zweifelsfall ist es nur feiste Einbildung, die sogenannte Normale zum dicken Fell schützend über ihre unsensible Seele hängen, damit sie selbst klarkommen. Wie lange denn? Wären wir ehrlich zu uns als Gesellschaft, könnten wir leicht bemerken, dass auch Menschen erkranken, denen wir bislang nicht angesehen haben, wie nahe sie am Grat zur Klappse wanderten. Dafür hat die Moderne den Begriff Burnout kreiert. Das haben welche, die schon weit gekommen sind und erst spät zusammenbrechen. Wir bemerken vermehrt auch Kinder mit Depression und Suizidgedanken, ein Phänomen das neu zu sein scheint. Wären wir hier auch ehrlich, könnten wir zugeben, dass keine neuen Krankheiten auftreten, sondern mehr diagnostiziert wird. Und zwar bei Jüngeren, die in den Fokus geraten sind, als behandelbar, wie bei Leistungsträgern, die wir gern als solche zurückgewinnen möchten. Es liegt uns dran, diese beiden Gruppen, die Jugendlichen und die Burnout-Manager, in der Gesellschaft zu halten.

Warum die Masse der seit langem bekannten typischen Geisteskranken aufgeben? Das sind die Schizophrenen, die Manischen, die Depressiven, die es schon immer gab, die weltweit in allen Gesellschaften einen nicht unerheblichen Teil der Menschheit abbilden, der sozial nicht wirklich integrierbar scheint. Die dröhnen wir zu mit was. Wir schicken sie hierhin und dorthin. Und die armen Tröpfe lassen es mit sich machen. Wir kümmern uns um Gewalttäter mit „einem Hau“. Nicht etwa, dass uns deren Gesundheit am Herzen liegt. Wir probieren, sie als Gefährder mit einer Art Kennzeichnung abzustempeln, besonders im Bereich der Sexualdelikte, überwachen verdeckt, denn wir möchten die Gesundheit derer schützen, die angegriffen werden könnten.

Die geistige Gesundheit dieser latent gewalttätigen Sonderlinge selbst, ist uns in der Regel wurscht. Dabei wäre das genauso ein möglicher Ansatz. Wir könnten eine handfeste Theorie erdenken, die im Kopf kranke Menschen erklärt, wie etwa die Schwerkraft unsere Bodenhaftung in der Physik. Dann wäre es denkbar, statt immer mehr Menschen nach immer neuen Diagnosen und Gutachten, was sie möglicherweise anstellen würden, zu behandeln, die armen Würmer dauerhaft gesund zu machen. Wir sehen in ihnen Monster, die uns bedrohen. Wir trauen uns nicht ran, denn wenn wir bei unserer Hilfe versagen, werden wir als Arzt selbst belangt und die Verantwortung für eine Tat schlägt durch auf den Betreuer.

Damit könnte ein Maßnahmenkatalog definiert werden, was wir neben dem Tierwohl, der Friedenssicherung in der Ukraine und bei der Klimakatastrophe bräuchten, eine Beschreibung, wie die Psychiatrie nützlicher würde. Wir benötigten eine Theorie, die wegkommt von der Normalgesundheit als zu diffus für ein erstrebenswertes Ziel, nachdem wir behandeln. Stattdessen eine, die dem selbstbewussten Tun der Erfolgreichen eine wissenschaftliche Erklärung zur Seite stellt, die durch Beobachtung und Training verifiziert ist. Dann müssten die Einflüsse der Pharmazie kritisch bewertet werden. Es ist verständlich, dass Auffällige ruhigzustellen einen gewissen Erfolg bedeutet, wenn Patienten dummes Zeug machen. Dauerhaft angewendet, führt jede Medikation in diesem Fachbereich in eine die Eigenverantwortlichkeit zerstörende Abhängigkeit. Das geschieht auch bei den Medikamenten, die keine Gewöhnung im medizinischen Sinne hervorrufen, weil sie zu einem Werkzeug werden, ohne dass der Betroffene nicht mehr gewohnt ist zu handeln. Nun wäre es nötig, ein Ranking zu formulieren. Der genaue Zusammenhang zwischen dem, was getan wird, um alles zu bessern und einer erfolgreichen Lebenskurve, die allmählich wieder aufsteigt, was das emotionale Gesamtbild, die finanzielle Existenz und die Beziehungsfähigkeit betrifft, müsste dem zugeschrieben werden, der sich um uns bemüht. Gut möglich, dass diese Strukturen in einzelnen Einrichtungen bereits gut ausgebildet sind. In anderen aber nicht, und deswegen fehlt noch die Navigationshilfe für diejenigen, die ihren Sextant verlegt haben oder nie lernten, ihr Schiff zu navigieren. Wie kommt verlässliche Medizin – die hilft, wie ein guter Trainer dem schlechten Verein – zu denen, die das brauchen, aber nicht wissen, wohin?

Greta Thunberg hat der Jugend einen Weckruf gegeben. Sie hat vor allem ihre eigenen Ängste sichtbar machen können und damit die vieler anderer. Sie hat gezeigt, dass wir wirklich ein Problem haben. Das größere Problem für alle ist, dass unsere Erde kaputt geht. Ihr persönliches, das allerkleinste Problem aus der Sicht der ganzen Menschheit – denn ob eine Schülerin in Schweden Asperger hat oder nicht, hätten wir nicht bemerkt – wurde zum Motor, uns alle wachzurütteln. Danke dafür, Greta. Denn ganz nebenbei, bist du zu einem Vorbild geworden, dem nachzulaufen auch bedeuten kann, kein Umweltaktivist zu sein. Man kann von dir lernen, Angst wahrzunehmen und diese zur ganz eigenen Motivation umwandeln. Heute ist Muttertag. Meine Mutter ist leider schon gestorben. Greta war ein ganz normaler Vorname 1941 und ist es heute wieder.

🙂