Im November 2019 kam es zu einem Gewaltakt in London. Die britische Polizei erschoss einen Mann, der mehrere Menschen attackierte. Das ist ein vorzeitig entlassener Straftäter gewesen, der sich bereit erklärt hatte, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Nach dem Besuch einer Veranstaltung zum Thema „Resozialisierung“ begann der Mann, Passanten zu attackieren auf seinem Weg durch die Stadt. Es hieß, der Täter wurde schnell überwältigt und erschossen, weil sich zufällig (!) ein verdeckter Ermittler in seiner Nähe aufgehalten habe. Solche Berichte regen die Fantasie an. Es zeigt die Grenzen auf, welche eine moderne Gesellschaft akzeptieren muss, bei dem Versuch, Sicherheit zu garantieren. Eine elektronische Fußfessel und ein Profi, der dem Entlassenem auf Schritt und Tritt folgt, konnten die Gewalttat nicht verhindern. Das gefällt mir!

Es ist wahrscheinlich, dass der junge Mann den Sozialen im Gefängnis nicht alles preisgegeben hat, was ihm so durch den Kopf gegangen ist? Gut möglich, dass seine „gute Führung“ darauf abzielte, nach der Entlassung weiterzumachen, wo er vor der inzwischen verbüßten Haft aufhören musste. Die Verkürzung dieser Strafe kostete ihn den Preis einer Dauerüberwachung. Als Erfolg zu werten, dass der Gewalttäter deswegen schnell überwältigt wurde und erschossen, wäre mehr als makaber.

Das beglückt nur Söldner, die es drauf anlegen, derartige Vorfälle zu provozieren. „Spinner abknallen“, ist ihr Motto? Davon gibt es immer genug im Staat. Wir sollten über Manipulation nachdenken und zu einer modernen These kommen, die bisheriges Handeln der Behörden in Frage stellt. Wenn eine Gesellschaft klug wäre, kämen Verantwortliche darauf, dass derartige Ereignisse in den Medien Verbreitung finden und die Fantasie anregen. Der Fehler eines Teams, das zu entscheiden hat, wie moderne Strafen umgesetzt werden, scheint in dem Moment durch, wo wir begreifen, dass die Verantwortlichen die Intelligenz eines Täters unterschätzt haben. Das wird aber anders gesehen. Man kommt zu der Ansicht, dass die Gefährlichkeit eines Täters unterschätzt wird. Der Unterschied liegt in der Zuweisung des Motivs. Gefährlichkeit ist ein Erklärungsprinzip wie Intelligenz. Gefährlichkeit definiert sich in der Bereitschaft zu einer Aktivität, und Intelligenz genauso, aber der Unterschied ist, dass intelligente Handlungen dort gesehen werden, wo einer zu seinem Vorteil aktiv ist.

Was ist ein Vorteil für wen; das Kaputtmachen befriedigt welche und warum? Wir sollten begreifen, dass, wer annehmen kann, unter Bewachung zu stehen, finstere Wut empfindet. Da ist ganz gleich, was derjenige verbalisiert.

Einmal weit ausgeholt, mit einem kreativen Umweg beschrieben, ob ich in einer Castingshow ausscheide, weil Dieter Bohlen „Scheiße!“ sagt oder ein smartes Team freundliche Zurückweisung bekundet; das wird frustrierend sein: „Du warst schon toll und ich hatte echt Gänsehaut bei deinem Auftritt, aber so ganz gereicht hat es eben doch nicht dieses Mal. Vielleicht magst du einfach in ein paar Jahren wiederkommen und es noch einmal probieren?“ Eine Abstrafung ist in jedem Fall Wut auslösend.

Ob ich als der Staat eine Strafe in einer forensischen Klappse stattfinden lasse, die volle Härte im Knast anordne oder die bedingte Freiheit mit einer elektronischen Fußfessel – es wird denjenigen, der diese Strafe zu tragen hat, demütigen.

Da wir als Gesellschaft nicht in eine Zeit ohne elektronische, digitale Medien zurück können (mit ihren unsichtbaren Kanälen), hilft nur einzusehen, dass böse und kranke Täter genauso Menschen sind und nicht etwa gefährlich, sondern mehr oder weniger einfallsreich. Vom „Gefährder“ zu sprechen und nach einer Beobachtung die Beurteilung, derjenige sei „abgekühlt“ abzugeben, wirft Fragen auf beim Leser entsprechender Artikel. Hier wird mit Worten gespielt, die der Fantasie des Naiven auf die Sprünge helfen, wir hätten es mit Vulkanen zu tun? Es tut weh, zu begreifen, wie die Psychologen andere begutachten, die doch Menschen sind wie sie selbst.

# Theater mit Sprengkraft

Fantasie der Paranoiden. Die Vorstellung, eine psychiatrische Gutachterin oder Psychologe könnten, in Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft und Polizei unseren Alltag mit Statisten manipulieren, und diese Bullenschweine würden verdeckt Macht ausüben, genügt, um jeden Staat der Welt abzulehnen. Derartige Sprache entwickelt, wessen Freund und Helfer einmal der „Schutzmann“ war. Das sind nicht meine Ausdrücke, sie existieren ohnehin.

Wenigstens, wenn wir zuhause sind, möchten wir Worte voller Hass gebrauchen und alle Wut rauslassen? Das macht sogar die Bürgermeisterin, wenn sie mal für sich allein ist. (Ich habe gelegentlich eine gefragt, die ich kannte). Ungefährlich ist sie so normal wie der Regen, ein langweiliger Tag oder der muffige Geruch im Hof mit Küchenabfällen. Was wäre, wenn der Kommissar mithört? „So wichtig sei man nicht“, meinte sie.

Fantasie ist die Quelle von Kreativität, aber gleichwohl der Nährboden schlafloser Nächte. Die Zeit, in der wir bunte Kinderbücher gelesen haben und Mama ein Schlaflied sang, sind vorbei. Eine neue Furcht packt den Erwachsenen, der annehmen kann, nicht recht normal zu sein? Vielleicht sind Menschen unterwegs, welche lieber bekannte Fälle gängeln, als in der Lage wären, irgendwo potentielle Täter zu bemerken? Das ist bedenklich. Wenn der Staat Einfluss auf alle nimmt, die annehmen könnten, das gern gefundene Objekt der Begierde im Raster zu sein, muss es im Einzelfall gar nicht geschehen.

Aber wir stellen es uns vor.

Wir vergrößern auf diese Weise die Gruppe der Menschen in unserer Gesellschaft, welche ein böses Spiel mit Staatsverdrossenheit beantworten. Das bindet Extreme zum trotzigen Brei, den die Fleißigen, die strebsamen Bürger wie es früher hieß, mitnehmen müssen. So werden auch die Braven wütend. Einfach gestrickte, willfähriger Helfer schließen gern die Lücke im Gesetz, wo der Polizist nicht darf, die Politik nicht weiß, aber der Ehrenamtler mal was kacken kann.

Der Glaube der Sicherheitskräfte im Staat, sie wären gut, weil sie der Stabilität nützten, verhindert einzusehen, dass auch Straftäter „gute“ Gründe für ihre Attacken finden. Das Wort vom Gutsein ist nicht mehr belastbar, wenn das Motiv des Einzelnen daraufhin abgeklopft wird, was es ihm bedeuten soll. Meint es das Allgemeinwohl, und was ist das, oder sprechen wir von der Erfüllung der Fantasie einzelner Menschen? Welche Träume und Erwartungen haben die Individuen? Das können doch nicht dieselben sein, die alle gut finden. Eine pseudoindividualisierte Gesellschaft bewegt sich tatsächlich in diese Richtung, weil kommerzielle Aspekte uns dahin bringen, wie die Mehrheit zu empfinden. Das spaltet die Minderheit (aber einen größer werdenden Teil) vom Block der Menschen ab, die sich als normal wahrnehmen.

Betrachten wir Normale als die am Höchsten geschätzten Mitglieder unserer Gesellschaft, welche Perspektiven erkennen und sich im Leben entwickeln wie Pflanzen auf gutem Boden, bedeutet „gut sein“ das Gewöhnliche als erwünschtes Gegenmodell zum Straftäter. Das ist ein theoretischer Ansatz, beinahe hilfloser Versuch von früher (als wir noch einen Kaiser hatten). Diese bemühte Satzkonstruktion mag verdeutlichen, dass mit dem Begriff „Motivation“ eher beschrieben würde, was uns in der Gemeinschaft umtreibt.

Ein Blick nach China hilft. Die sind anders, durchaus funktionell, aber ist dieser Staat gut, und wollen wir das selbst so machen? Im Modell haben wir auf der einen Seite die Ordnung sichernde, in der Mitte die zu schützenden und auf der anderen Seite die zerstörenden Kräfte. Alle drei Parteien halten sich für jeweils gut in dem Sinne, ihrem jeweiligen Motiv zuzuarbeiten.

Verantwortliche des staatliche Gewaltmonopols täten gut daran, zersetzungsfreudige Zeitgenossen wieder ins Boot zu holen und in die Mitte zu integrieren. Dabei sollte der Begriff der Intelligenz ins Spiel kommen. Klugheit müsste das Saatgut fürs Staatsgut sein. So gesehen, könnten unsere vielfältigen Motivationen als raffinierte Kraft begriffen werden. Gewalt und motivierter Antrieb sind identisch. Die Treibstoffmenge entscheidet, ob wir eine Rakete zünden oder im Auto der Straße folgen. Gewalt grundsätzlich vermeiden wollen und potentielle Opfer vollkommen zu schützen, ist Quatsch. Man probierte besser, die Energien zu nutzen, als Täter und Opfer zu benennen wie Äpfel und Birnen. Dynamische Entwicklung ist die wahrscheinlichste Realität. Mutiger Umgang mit Extremen wäre gesünder, statt sie als unberechenbare Zeitbomben einzuschätzen, zu der diese Menschen erst werden, wenn wir ihnen diesen Stempel aufdrücken.

# Mutationen

Der Mensch ist wie das Coronavirus ein Element der Natur und passt sich an. In einem Bericht über verstrahlte Inseln (nach den atomaren Testzündungen früher), wurde deutlich, dass auf diesen für uns nicht bewohnbaren Eilanden weiterhin Pflanzen gedeihen. Einige Tiere werden nicht krank von der Strahlung, die bei Menschen Krebs hervorruft. Diese Lebewesen, eine Landkrabbe wurde gezeigt, ernähren sich von der Vegetation. Andere, größere Tiere fressen anschließend diese Krabben. Das könnte Folgen haben. Unterwasser filmte das Team einen meterlangen Hai mit nur einer Rückenflosse, einer Sorte, die für gewöhnlich zwei habe, meinte der Wissenschaftler. Das macht Angst? Denken wir weiter, begreifen wir hier, dass Mutationen unausweichlich sind und die Natur sich neue Wege sucht. Die künstlichen Eingriffe des Menschen erschaffen eine neue Natur. Die modernen Gesellschaften genauso; sie schaffen neue Verhaltensweisen. Der digitalisierte Mensch passt sich an eine neue Umwelt an. Wollen wir Monster züchten oder gesunde Anpassung?

# Wir begünstigen, dass mehr Menschen das Haus bewaffnet verlassen

Ich jedenfalls gehöre zu diesen, die zumindest emotional aufgerüstet spazieren. Wenn auch allein. Meine Wutbomben sind festes Inventar im Gehirnkasten. Ich komme gut klar damit, weil meine Motivation eine Anpassung bedeutet. Ich bin ja nicht schuld dran. So einfach ist es. Meine Perspektive einer angenehmen Zukunft, die ich selbst gestalten könnte, ist demütig dem Unabänderlichen gewichen. Frust! Mich beherrscht die Erkenntnis finsterer Möglichkeiten, allenfalls dem momentanen Ego genügen zu können, weniger meine Existenz zu sichern. Ich lebe, koste es, was es wolle.

Die perverse Malerei war nie das Ziel meiner Selbstverwirklichung als Künstler. Sie spiegelt eine perverse Umgebung, die das nicht wahrhaben will und doch transparent um mich herum ihre Blödheit zur Schau stellt. In meinen Augen ist alles anders und wie viele meinen verkehrt herum. Die Politik im Dorf, ihre Verwaltung, ist so scheiße wie die großen Vorbilder in Übersee, denke ich böse (nach persönlichen Erfahrungen). Es amüsiert mich, noch zum giftigsten Spaltpilz werden zu können.

Meine Vorbilder finde ich überall. Donald Trump wartet, und ich freue mich schon auf diese Rückkehr des Bösen. Aktuell gibt es jede Menge Anregungen, die Welt und das Leben von der falschen Seite zu betrachten. Ich sehe einen hölzernen, böse herum stochernden Demokraten im weißen Haus. Seine großartige Vizepräsidentin, auf die manche hofften, scheint verkrampft, geschrumpft. Die Verwirrten der Ukraine: Diese Leute werden verarscht. Und, tatsächlich, ich freue mich über den vitalen russischen Präsidenten, der heute mit seinem Partner Lukaschenko Raketentests nahe der Ukraine anschaut, wie es gestern hieß, während unser neues Mädchen Annalena mahnt, droht und Werte beschwört.

Krieg in Europa droht, und ich spotte noch.

Wie gesagt, ich schaue in einen Zerrspiegel und weiß das. So gesehen gefällt mir, dass Prinz Andrew gelang, sich vom unangenehmen Prozess freizukaufen! Es amüsiert mich, dass Epstein schaffte, Suizid zu begehen. Mir gefällt, dass Wettermoderator Kachelmann wieder weiter wettern darf, und vieles mehr inspiriert mich, kreativ zu bleiben.

Ich bin mutiert.

Woraus gewinnt jemand Stärke? Wohl aus der Fähigkeit, die man beherrscht und aus der Anerkennung. Beides mag ein Faktor sein. Ein Integrierter findet genügend andere, die ihn bestärken und sieht darin Motivation. Erst ausgegrenzt und gefährdet zu vereinsamen – dann Gefährder? Mich bekommt die Gesellschaft nicht zurück. Ich habe meine Kunst, das genügt. Aber das ist ja nicht normal. In Deckung bleiben, nicht den Kopf aus der Masse ragen lassen ist zu empfehlen. Jeder schaut dir unter die Unterhose, auch der Staat, und doch werden die Gesichter der zufällig ins Bild laufenden Passanten unscharf gemacht. Politisch korrekt schlittert Europa in den Krieg. Wir schützen Persönlichkeitsrechte und Boostern uns gegen alles. Unsere Sprache ist mutiert, verachtet die Menschenwürde, schafft unberechenbare Monster. Ein auffällig Gewordener, der berechtigte Ängste haben kann, vom Staat auf seine Gefährlichkeit hin getestet zu werden, um als abgekühlt oder heiß eingeschätzt, geführt zu werden; das denke man einmal zu Ende, wie viele Paranoide wir heranzüchten – gefährlich.

🙁