Wikipedia: „Der Aufstand des 17. Juni wurde von der Sowjetarmee gewaltsam niedergeschlagen“, das war einmal ein Feiertag. Vergessen: Kein Wort davon im aktuellen Tageblatt. Schnee von gestern, genauso: Schwarze Leben zählen – vorbei.

Niemand will die Zeitung von letzter Woche noch lesen. Das neue Schwarz auf Weiß ist bunt: Grün ist im Dorf gescheitert. Die Konservativen verhindern rote Zahlen, wir beerdigen die Stadtwerke im braunen Acker. (Als Friedhof ungeeignet, nicht gewollt, ebenfalls durch Bürgerentscheid begraben). Lang ist es her. Mit alten Farben können wir nicht malen. Corona ebbt ab. Das wird auch Zeit, genug davon. Ach ja, die Bauern haben das historisch falsche Symbol genommen – schlimm!

Und, so nebenbei – dafür benötigen wir die Zeitung nicht – eine schöne Sache: Mitte Juni, die Zeit der mündlichen Abi-Prüfung. Dann noch das Abschlusszeugnis. Viele sind nun so glücklich, nicht nur die Abiturienten. Noch besser, wenn die kommende Ausbildung steht – Ja!

Als vor zehn Jahren das Bild „Enkelhund“ entstand, war mir nicht klar, wohin mich die Malerei bringen würde. Zurückblickend ist es eine nachvollziehbare Linie. Die konsequente Suche nach der Lösung verschiedener Probleme. Kunst erspürt den individuellen Weg, bei dem die Antworten auf persönliche Fragen wie Straßenschilder montiert sind. Jedes Bild sollte so entstehen, als müsste der Maler eine Autobahn beschildern.

Man stelle sich vor, alle fahren diese Straße, nutzen die am Straßenrand montierten Schilder der Autobahn und fahren wie geplant zum Ziel. Ein Maler schaut interessierter, probiert mehr zu sehen. Die Sicherheit und Orientierung auf der festen Straße genügt dafür nicht. Das ästhetische Vergnügen beim Schauen, anstelle schnöde die Wegpunkte abzuhaken, zeigt dem Künstler neue Inhalte für eigene Tafeln. Wir entdecken unsere Bilder neben den vorgefertigten Richtungsgebern.

Der Schaffende bekommt die Idee während des Fahrens. Die Kunst ist die ästhetische Umsetzung des Themas, eine neue Richtung zu erforschen. Wohin das Bild deutet, wird erst klar, wenn das Motiv fertig gemalt ist. Die kreative Methode besteht darin, die Umgebung individuell auszuloten, zu reflektieren. Das fertige Gemälde wird zum Wegweiser. Es führt zu den Aufgaben von Morgen.

Die selbst gestellte Aufgabe; wer suchet, der findet. Wenn nichts stört, kannst du chillen und gut ist. Wenn dir unwohl ist und du nicht weißt, wo der Schuh drückt? Du wirst dich auf die Suche machen. Ich erinnere mich: Wir saßen in einem Baumarkt zusammen, ein Kunstkreis wollte sich gründen. Man hatte eine Kultursachverständige geladen und in der Zeitung dafür geworben. Es gab einen Vortrag über Kirchner. Wir erfuhren Details: das wilde Leben der Künstler früher.

„Die waren alle nackig!“

Schmunzelnde Damen mit kultureller Vorbildung und hobbymalende Seniorinnen, konfrontiert mit der ausufernden Jugend von damals! Schockierend. Der als „Enkelhund“ bezeichnete, kroch gleich zu mir und verdöste die Erläuterungen, was der Kollege auf Fehmarn machte (und warum) bei meinen Füßen.

Die Hunde der anderen Leute kommen immer zu mir. Tiere mögen mich? Eine komische Sache. Wir hatten selbst nie einen Hund, aber ich komme gut mit ihnen klar. Solange ich nicht verantwortlich bin? Mein Malerkollege Ernst-Ludwig, wieder-geboren auf der Suche nach Frieden; das denke ich nun wirklich.

Meine Freundin hat auch einen: „Er spürt sofort, wenn es mir nicht gut geht. Dann bellt er alle Leute an“, sagt sie. Klar, die Ernährung ist gefährdet, wenn Frauchen ausfallen würde. Das wäre ein echtes Problem. Der Hund ist kein freilaufendes Tier, das leicht Nahrung im Gelände findet und kann selbst nicht im Geschäft einkaufen gehen, wenn das Futter zu Ende geht.

Erwartungen an die Kinder, sie sollen es mal besser haben. Fördern und fordern nennt man den Versuch zu erziehen. Wenn die Kinder einen Erfolg nach Hause bringen, freuen sich die Eltern. Was ist, wenn das Kind scheitert? Da beginnt die individuelle Lösung der Familie, und das ist verschieden gut gelungenes Coaching.

Wer einen auffälligen Hund hat, macht ein Training. Anschließend gibt es eine gute Chance auf ein besseres Zusammenspiel mit dem Tier. Die Erziehung eines Kindes wird nicht als Spiel verstanden. Wenn das Kind im Vergleich mit den anderen eine Verhaltensstörung entwickelt, wird selten gut darauf reagiert.

Der Ernst des Lebens.

Die Eltern, deren Kinder häufiger auf dem Lebensweg stecken bleiben und scheitern, machen die Fehler, die Hundebesitzer machen. Es hat aber eine andere Dimension. Der Hund wird als Begleiter nie erwachsen, im Sinne auszuziehen und allein für seine Existenz zu sorgen. Es hilft den Familien selten, auf die Wahrheit hinzuweisen, dass Eltern die psychischen Krankheiten ihrer Kinder maßgeblich verschulden und durch ihr Verhalten erst auf den Weg bringen.

Wir können das nicht ändern.

Wir können Eltern nicht ändern wie Hundebesitzer. Das Problem ist zu groß, es sind zu viele Menschen an der Zerstörung des Kindes beteiligt. Die Erwartungen der Eltern und die der Großeltern an das Enkelkind: keinen Hund – bitte! (macht uns ein richtiges Spielzeug, das wir verwöhnen können), die wie Konkurrenz empfundene Umgebung, der mit den Eltern befreundeten anderen Erwachsenen – schaffen einen Rahmen. Das kann eine Drohkulisse werden. Lehrer, dazu die anderen kleinen Monster: Die Mitschüler stellen eine Falle, filmen dich in deiner Peinlichkeit.

Ein Krieg kann das sein.

Wenn dein Leben auf einer schiefen Bahn verläuft, bleibt es so. Die anderen werden immer erwachsen sein. Sie werden dich tracken, aus der Deckung provozieren, bis du im Knast oder in der Klapse gelandet bist. Sie werden sich damit brüsten, dass sie es waren, die für Ordnung sorgten. Anschließend gehen sie als die besseren Menschen demonstrieren: Black Lives Matter oder sowas. Fassaden werden wie Schilder vor Existenzen gestellt, meine Familie, unser Haus, unsere Ansichten: was sich gehört. Die Natur ist immer aktuell verkleidet. Wir rufen die Bäume freundlich an, wie es empfohlen wird?

Der Schilderwald verzerrt sein Echo.

Wir müssen uns um die Kinder und jungen Erwachsenen kümmern, ja – aber am Besten ist es, wenn Menschen mit Problemen selbst den Weg finden, der diese Probleme löst. Es gibt keine bessere Lösung, als Angebote zur Selbsthilfe wie Plakate aufzustellen. Genau das tut die Natur. Die neue Landschaft ist menschlich verbaut. Statt See und Wald, wo kleine Kiesel einen Weg begrenzen, folgen wir digitalen Medien. Anstelle Wiese und Fluss mit ihren natürlichen Wellen, das Fahrwasser bedrohlich verschlickenden Sandbänken, mäandern uns die sozialen Ströme unserer Nächsten. Jeder von uns ist so ein Schild, durch das was er sagt und wie er sich gibt. Meine Bilder sind wie Landmarken, die ich in der Natur sehe und erst begreife, wenn sie festgehalten sind.

Themen tauchen auf, ich nähere mich ihnen an, male und verstehe, runde sie wie eine Wendemarke in der Regatta meines Lebens. Ich navigiere damit auf einen neuen Kurs im aufgewühlten Meer. Die nächsten Ideen warten schon. Hinter der gekrümmten Kim kommen sie hoch. Erst eine Ahnung nur, ein freundliches Segel im Kieker oder ein Riff, ein Trugbild im flirrenden Licht – ist es gerade meine Zukunft?

Das zeigt sich dann.

Suchen und kreativ sein. Das kann ich empfehlen, und das ist besser, als andere nachzuahmen. Es ist müßig, die Fehler der Menschheit anzuprangern, weil wir machtlos sind, alles auf einmal zu ändern. Demonstration: „Ich bin ein guter Mensch?“ Es bedeutet, sich mit einem Etikett zu schmücken: die Armut ist schlimm, die Natur wird versaut und Fleisch zu essen ist verkehrt und mehr. Die Themen dafür wechseln, die Farben der Fahnen ändern sich. In jeder Umgebung ist innere Stärke einzelner Mitglieder möglich und besser, als eine neue Maske aufzusetzen. „Gesellschaft“, das bedeutet eine böse und feindselige Umgebung – aber auch die guten Wege, die wie eine Treppe aufwärts führen. Oben ist nicht etwa viel Geld oder Macht, oben ist es angenehmer, wärmer und freundlich. Da sind die anderen Menschen sympathisch, und man beruhigt sich.

Oben kann, so verstanden, räumlich wirklich überall sein.

Die verhaltenskranken Menschen werden um die Liebe betrogen, das ist der Grund, der sie verstört. Sie werden nicht geliebt, sie können keine Liebe geben und kennen den Grund nicht. Kranke Menschen werden um ihr Leben beschissen, wie die jungen Soldaten: „And the Band Played Waltzing Matilda.“

Es gibt Umgebungen, denen kannst du dich nicht entziehen, und dann wird dein Leben ein Krieg sein, solange, bis du den Ausgang in eine bessere Welt gefunden hast.

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