Ein Befreiungsschlag abwärts in dunkle Abgründe der Menschheit oder das Abschütteln von Schmeißfliegen, eine Attacke mit dem Ziel der Verbesserung, ein endgültiger Absturz; wer hat und behält Recht, Macht über die Deutungshoheit?

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert. Manchen ist alles egal: Das Ansehen von Wladimir Putin als respektierter Staatsmann ruiniert der russische Präsident gerade selbst. Die Bilder seines brutalen Angriffs, der zudem nur schleppend vorankommt und die bösartigen Ansprachen des Russen verursachen Fassungslosigkeit. Bislang galt der seit vielen Jahren an der Spitze seines Landes stehende Putin als Machtpolitiker, aber rational im Handeln und zielorientiert. Der Präsident ließ andere gern warten?

# Aus den Nachrichten zitiert: Dass Wladimir Putin seine Macht gerne zur Schau stellt, ist längst bekannt. Nun hat das auch Recep Tayyip Erdogan am eigenen Leib erfahren. Erdogan und seine Entourage mussten minutenlang vor Putins Tür warten. Im russischen TV wurde das Psycho-Spielchen anschließend veröffentlicht / Angela Merkel: mehr als vier Stunden. Der Papst: eine Stunde. Die Queen: 14 Minuten. Wladimir Putin ist nicht für seine Pünktlichkeit berühmt – eine Übersicht über die Zeit, die der russische Präsident Staats- und Regierungschefs warten ließ.(…). (Stern, 10.03.2020 / 05.01.2017).

Die Macht haben, ein Machthaber sein; wer wartet, nimmt Unfreiheit in Kauf, um etwas zu bekommen. Diese Frage als Lineal angelegt, hilft auch, die andere Seite zu verstehen. Machtlosigkeit, Abhängigkeit, Beziehungen; wenn Menschen auf andere angewiesen sind: Ein Gefangener bekommt sein Essen zur vorgegebenen Zeit. Ein freier Mensch geht einkaufen, um sich eine Mahlzeit zu beschaffen oder ins Restaurant. Eine gewisse Geduld muss auch der Mächtigste aufbringen. Menschen stehen an für Eis, ein Tennismatch. Oder umgekehrt, jemanden warten lassen: Wir sehen, wie Boris Becker mit anderen in einer Schlange vor dem Gericht steht. Aber nicht, um einen schönen Tag beim Tennis zu erleben. Der Ausnahmesportler muss auf den Einlass zum eigenen Prozess als Beschuldigter warten, bis er in das Gerichtsgebäude darf. Dort droht ihm sogar Haft, falls er im Verfahren um verschleierte Summen bei Insolvenz schuldig gesprochen wird.

Staatsmacht können wir nicht ignorieren. „Mir doch egal, dafür steh’ ich nicht an“ zu sagen, hilft nur dem, der sich das erlauben kann. Einer Vorladung müssen wir nicht zwingend folgen, aber wenn uns der Prozess gemacht wird, gehen wir hin. Sonst würden die Probleme größer. „Wird per Haftbefehl gesucht“, hieße es bald darauf. Davor läuft man nicht weg, und wie sollte ein Prominenter abhauen, ohne seine öffentliche Existenz aufzugeben? Boris Becker, das kann nur wie im Fall von Uli Hoeneß ablaufen. Der Tennisstar plädiert auf Freispruch. Erst einmal kommt der Moment, den Vorwürfen Rede und Antwort zu stehen. Die Gesellschaft wird akzeptieren, dass ein Prominenter anschließend einer Strafe wieder dort anknüpft, wo seiner Existenz ein empfindlicher Dämpfer beigebracht worden ist, aber nur bei Aufrichtigkeit und Bereitschaft, sich dem Recht zu beugen.

Im Falle von Putin und Selenskyj ist immer von erhofften Ergebnissen in Friedensverhandlungen ohne Gesichtsverlust die Rede, die ausgehandelt werden müssten für den jeweiligen Präsidenten. Das britische Gericht verliert sein Gesicht kaum einmal, es sei denn bei einem Urteil, das sich später als falsch herausstellt. Boris Becker ist sichtlich angeschlagen. Er nutzt Anwälte, um so viel wie möglich von den Anschuldigungen zurückzuweisen. Der russische Präsident präsentiert anderen Macht mit seiner Gewalt, einen Krieg vom Zaun zu brechen, der britische Staat zeigt dem Sportler Boris eine Grenze auf. Diese Beispiele machen deutlich, wie unterschiedlich die Auswirkungen von Verhalten und Reaktion Ergebnisse schaffen. Der Tennisstar unterliegt dem Gesetz und wird es akzeptieren. Anwälte unterstützen den heutigen Sportkommentator und Trainer. Gegen die Attacken von Wladimir Putin fällt es der Weltgemeinschaft schwer, effektiv vorzugehen. Die Sanktionen schaden auch dem Westen. Wir müssten eine gegenseitige Abhängigkeit begreifen. Bei normalen Angeklagten wirkt eine Beziehung, in der sich ein Staat und beispielsweise Boris Becker befinden, auf moderate Weise. Beobachter gehen davon aus, dass ein zähes Ringen um verschiedene Anklagepunkte auf zivilisierte Weise ausgetragen wird. Der Beschuldigte wird im Falle einer Verurteilung eine Geldstrafe, Haft oder Bewährungsstrafe akzeptieren oder in einem weitern Verfahren anfechten, Revision einfordern. Dergleichen an Wiedergutmachung können die Alliierten gegenüber Russland keinesfalls in vergleichbarer Weise zivilisiert einklagen.

Es scheint, dass Boris Becker zielgerichtet in seine Verteidigung geht. Bei dem Weltverbrechen eines Krieges, den die Atommacht Russland führt, streiten die Verantwortlichen das Geschehen schon vom Namen her ab, nivellieren es auf eine nötige Militäroperation. Und wir können nichts tun, das uns nicht selbst in Bedrängnis bringt. Gibt es ein erreichbares Ziel für Russland, für das sich diese Attacke bald als lohnende Militäraktion herausstellen wird? Andere könnten den Verstand des Präsidenten anzweifeln und die Sinnhaftigkeit der Aktion. Wenn genügend Russen in der Führung und auch in der ausführenden Truppe, sogar im russischen Volk, der breiten Masse davon überzeugt sind, das Ganze sei nötig, wird dieser Krieg andauern. Ganz offensichtlich war die bisherige Wirklichkeit einer sich zunehmend in westliche Richtung bewegenden Ukraine nicht das Positive, was wir darin gesehen haben für den Osten. Wen das noch wundert, sollte lernen, seinen Anteil daran zu haben, dass jetzt Krieg ist. Unsere Freiheit können wir einer andern kaum aufzwingen. China, Russland oder andere Staaten sind nicht per se Gefängnisse, weil wir ihnen vorgaukeln, es ginge noch (mal so eben) mit mehr an Diversität. Es ist insofern bedeutsam, weil es hilft, sich von idealisierten Vorstellungen zu verabschieden. Wir tun gut daran, die Realität zu akzeptieren. Ich verstehe diese so, dass wir das Böse nicht durch Schuldzuweisung besiegen. Wir benötigen Macht, eine Grenze zu ziehen, die mehr ist als eine rote Linie der Fantasie.

Unser Dorf im Kleinen ist mir das Modell und eigene Übungsfeld. Ich kenne mein eigenes Fehlverhalten, bin bereit wahrzunehmen, wo ich versagte. Das hilft wiederum, anderen eine wirksame Grenze zu setzen, wenn diese mich mit ihren Anschuldigungen angreifen. Meine Kreativität besteht darin, eine farbige Linie tatsächlich hinzumalen, nicht nur daran zu glauben, sondern etwas zu schaffen, das mehr als Kritzeln bedeutet. Ich erlebe, wie meine Ansichten, die ich gestalten lernte, wirksam sind. Mir nutzt zu malen und schreiben in vielerlei Hinsicht. Und sei es, das eigene Denken zu schleifen, nicht zuletzt an den Schenefeldern.

Die Macht, einen Despoten zu stoppen, wirklich zu haben oder nur so zu tun, als hätte man begriffen, dass ein Verbrecher irgendwo Böses tut und sich zu ereifern, findet ihre reale Grenze, wenn wir selbst in Gefahr geraten und die Einbildung, bei den Guten zu sein, nicht hilft.

Meine Kunst ist nicht erwünscht.

Die Leute taten freundlich, waren es aber nicht zu mir. Ich kam nicht weiter voran, nachdem es zunächst gut angelaufen ist mit den Bildern. Erst cancel culture, wo ich probierte auszustellen, dann folgte die persönliche Abgrenzung mancher, die stillschweigend auf Distanz gingen zu mir, durch penetranten Rufmord angeschoben? Das kann man nur vermuten. Jahrelange Vorgänge, die ich nicht begreifen konnte, haben mich allmählich irritiert, schließlich neurotisch und psychotisch werden lassen. Ich wäre gefährlich, wurde gegen mich vorgebracht. Es stimmt für Provokateure. Die Gefahren, in die ich selbst geriet, durch meine Dummheit, Aggression und eigenes Fehlverhalten, konnte ich meistern und denen, die noch einen draufsetzen wollten, nachzutreten, biete ich nun auf bunte Weise Paroli.

Ich gewöhne mich daran, dass die anderen über meine Bilder nicht sprechen können. Sie sind unreif, weil sie normal sind. Sie möchten in einer Schublade leben, weil sie die eigenen Ängste nicht ertragen. Ich stehe vor ihrer Kommode und ziehe nach Belieben Schubladen raus. Sie sind Liliputaner, ich bin groß geworden. Ihre Ansichten binden mich heute nicht mehr, ich gehe wohin ich will mit meinem Pinsel.

# Das Steinerne Meer ist ein verkarsteter Gebirgsstock mit ausgeprägten Hochflächenbildungen in den Nördlichen Kalkalpen. Als eines der neun Teilgebirge der Berchtesgadener Alpen gehört das Steinerne Meer teils zu Bayern teils zu Salzburg. Seine größten Höhen erreicht es in seinen südlichen Randgipfeln Selbhorn, 2655 m und Schönfeldspitze, 2653 m. (Wikipedia).

Und das bringt mich weiter in diesen Text hinein, bei dem es nicht ums Wandern geht und voran im Zorn, aus dem ich ein Bild mit Worten formen kann. Das habe ich gelernt. Im Steinernen Meer fängt der Angler keine Fische. Steine beißen nicht an. Hier zu angeln, entspricht einen Polizisten am Feldrand zu treffen, der behauptet Kaufhausdiebe auszuspähen. Um Ladendiebe festzusetzen, geht die Polizei zum Laden hin, wie der Angler ans Wasser, wo die Fische sind.

Ich habe ganz eigene Erfahrungen mit der Polizei gemacht und eine individuelle Wut entwickelt, in erster Linie wohl auf mich selbst. Meine Naivität entsprach dem Grundvertrauen eines Kindes, aber als Erwachsener ist das nicht angebracht. Ein aktuelles Beispiel: Wir müssen begreifen, dass es auf die Schnelle nichts bedeutet, Putin als Kriegsverbrecher anzuklagen, wenn das nur eine Phrase bedeutet und den Despoten nicht stoppt. Einfacher dürfte es sein, dort voranzugehen, wo Menschen dingfest gemacht werden können und ihnen Strafbares nachzuweisen ist. Es geht nicht um das Verbrechen. Es geht darum, einen Beweis gegen jemanden herbeizuschaffen, mit dem die Staatsanwaltschaft bei Gericht gewinnen kann. Unser Glaube an die gute Polizei, die uns schützt, ist pauschal naiv. Natürlich tut sie das insgesamt, aber wir sind ja nicht Herr Insgesamt oder so. Für den Einzelnen, der auf die spezielle Kommissarin trifft, läuft die Begegnung auf den Sonderfall des Individuums hinaus.

So interpretiere ich einen Bericht, den ich auf der Webseite der „Tagesschau“ gefunden habe. Meiner Auffassung nach, probiert die Polizei nicht vorrangig Verbrechen zu bekämpfen, Kinder davor zu schützen missbraucht zu werden. Die Beamten konzentrieren sich auf ihre Möglichkeiten, strafbare Handlungen zu beweisen. Einige Zeilen mögen als Zitat genügen, in das Thema einzuführen.

# Das Bundeskriminalamt steht in der Kritik, weil es Aufnahmen von Kindesmissbrauch nicht aus dem Netz entfernen lässt. Die Bundesregierung rechtfertigt das nun. Opposition und Kinderschutzorganisationen sind empört.

Wenn ein Ermittler (…) auf Bilder von Kindesmissbrauch stößt, darf er sie nicht löschen lassen – selbst wenn dies einfach und schnell möglich wäre. Diese erstaunliche Aussage trifft die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion (…) Demnach habe das BKA keine Rechtsgrundlage für eine Löschung auf eigene Initiative.

Mit der Stellungnahme verteidigt die Bundesregierung das BKA gegen Kritik, der sich die Polizeibehörde seit Monaten ausgesetzt sieht. Auslöser waren Recherchen (…) die gezeigt hatten, dass im aktuell größten pädokriminellen Darknet-Forum der Welt riesige Mengen an Fotos und Videos entfernt werden könnten. Dazu müssen die Inhalte, die bei Speicherdiensten im Netz liegen, lediglich gemeldet werden, um sie löschen zu lassen. Das BKA jedoch unternimmt diesen Schritt nicht. (…).

Seehofer hielt Löschungen noch für „unverzichtbar“, dass das Bundesinnenministerium, welches die Kleine Anfrage der Linksfraktion beantwortet hat, dem BKA so deutlich eine Kompetenz abspricht beim Thema Löschungen von „Kinderpornografie“, ist politisch bemerkenswert. Noch im November hatte der damalige Innenminister Horst Seehofer auf der Herbsttagung des BKA gesagt, die Löschung der Aufnahmen sei „unverzichtbar“: „Das Bild- und Videomaterial darf auf keinen Fall dauerhaft online abrufbar sein. Die Betroffenen werden sonst immer wieder zum Opfer. Und zwar ein Leben lang.“

Nachfolgerin Nancy Faeser hingegen äußerte sich bisher noch nicht öffentlich wahrnehmbar zum Thema Kinderschutz. Auch eine Panorama-Anfrage, ob sie dem BKA die fehlende Rechtsgrundlage verschaffen wolle, ließ das Bundesinnenministerium bisher unbeantwortet.

(Tagesschau 21. März 20022, Daniel Moßbrucker, NDR).

Ende des Zitats. Ich bin Maler und möchte Stellung beziehen. Unser früherer Innenminister war – als ein alter und erfahrener Politiker – Dickbrettbohrer. Auch zum Thema der Obergrenze von Flüchtlingen, die Deutschland bereit wäre aufzunehmen, hatte Seehofer seine Position. Unpopuläre Themen sind diese! Ich erinnere mich, die frühere Ministerin für Familie, Frauen und Kinder wechselte in das Ministerium für Arbeit etwa zu der Zeit, wo sie sich an erstgenannter Position für eine Löschung, beziehungsweise für den Einsatz einer Art Bremse, in Form des vorangestellten Stoppschildes der Skandinavischen Länder ausgesprochen hatte. Männer sollten begreifen, wohin sie am Surfen waren, wenn der Kurs in die Abgründe vom Netz ginge. Das war, als der Begriff „Darknet“ dem Nutzer noch fremd gewesen ist und das Aufblitzen einer entsprechenden Webseite – die der Wichsende in seinem Rausch nicht einmal erwarten kann, nachdem er ein Vorschaubildchen klickte, ohne zu wissen, was genau das ergibt – bereits zu Verurteilungen führte. Davon schrieb unser Tageblatt nicht selten in den Jahren nach der Jahrtausendwende. Ein Lehrer in Hamburg wäre verurteilt worden, obwohl er ein Bild nachweislich sofort weggeklickt hatte. Die digitale Spur bewies, der Mann habe für eine Sekunde kinderpornografisches Material besessen. Mir kam es sogar einmal vor, als könnte ich einen Schenefelder als Person herauslesen, im Artikel, dem zum Verhängnis wurde, im Arbeitsumfeld mit Jugendlichen seine Neigung nicht in den Griff bekommen zu haben.

# Mein eigener Weg

Zu dieser Zeit begann ich bereits, mich kreativ auszuleben und stellte das Bild „Fenster“ in einem Café aus. Ich schrieb (im Suff) einen mehrseitigen Scheiß zusammen. Ich probierte darauf hinzuweisen, was Frau von der Leyen forderte, wäre richtig. Ich wolle nicht alleingelassen vor dem Rechner dafür bestraft werden, das Falsche zu klicken, sondern erwartete vom Staat die Mitarbeit, nach dem Motto, in den Siebzigern hätte ich einen verbotenen Porno allenfalls „unter dem Ladentisch gehandelt“ kaufen können. Das brachte ich so etwa zu Papier. Die Menschen hatten sich gerade erst an das Internet gewöhnt, und das schien hell für alle zu sein. Der kreative Wichser: Ich hoffte scheinbar, einen Untergrund zu erfinden, für den mir selbst die kriminelle Energie abgehen würde, diesen aufzusuchen. Ich verlangte einen Keller, und den sollte mir die Polizei (mit festem Erdgeschoss drüber) schaffen und abgeschlossener Luke nach drunten für welche, die das bräuchten. Für mich erwiese sich das neue Netz mit seiner Freizügigkeit als bodenlos. Ich schwafelte handschriftlich auf einigen Seiten Papier, es könne nicht sein, dass Kinderpornografie frei verfügbar wäre, trank nachts dabei eine Flasche Rotwein allein aus (Strohwitwer für eine Woche; so etwas kommt vor in einer guten Ehe). Das habe ich, als den Wunsch, mit der Polizei diskutieren zu wollen, an das LKA geschickt – nüchtern am folgenden Morgen.

Vielleicht ein Fehler.

Die Polizei diskutiert nicht. Die Polizei ermittelt, wo es leicht gelingt. Man löscht ungern, es ist aufwändig. Dazu kommt, die Polizei benötigt das bereits als strafbar bekannte Material im Netz. Zu locken ist die Denkweise des Anglers mit dem Köder. Hat man mich ausgespäht? Das kann nur ohne Erfolg geblieben sein. Dergleichen Bilder habe ich nicht, klicke ich nicht – und breche das Surfen ab, wenn entsprechende Vorschauen reizen. Ich möchte lernen, in der neuen Welt zu leben und meine Meinung entwickeln. Ich bin keinesfalls das Opfer eines Triebs. Wie in das Darknet zu gelangen ist, weiß ich nicht. Ich kann auch keine Computer verschlüsseln, weil ich nicht verstehe, wie man es macht. Es interessiert mich nicht. Ich kenne niemanden, dubiose Freunde etwa, für ein Netzwerk. Junge Frauen sehen besser aus als ältere. Ich schaue mir keine fünfzigjährige nackt an im Internet.

Die Polizei hat gelernt, Böses mit Bösem zu bekämpfen.

Ich denke, das Netz ist das der Polizei, weit über die behördlichen Maschen hinaus gestrickt. Es bezieht die bereits verrenteten Beamten und Ehrenamtlichen der Dorfpolitik mit ein und wird munter über verspinnerte Künstler und dergleichen ausgeworfen.

Die Polizei benötigt einen Anfangsverdacht. Wer Nackte malt, wirren Kram zusammenschreibt, ist verdächtig: Damit könnte ich gemeint sein? Ich kann zugeben, dass ich nach dem Studium in psychiatrischer Behandlung war. Ich habe mich in das Leben zurückgekämpft. Ich bin kein Täter, sondern Opfer einer Erkrankung und habe keinesfalls den Wunsch, straffällig zu werden. Dass ich jemanden verprügelte, spricht sich rum? Das bedeutete mir, dem alltäglichen Rufmord ein Ende oder zumindest Zeichen entgegen zu setzen. Ich bin bestimmt nicht gewalttätig krank.

Es gab damals eine Vorladung auf den quergedachten Brief, ein Ermittlungsverfahren würde geführt, schrieb mir die Behörde. Keine Einladung zur Diskussion auf Augenhöhe, sondern eine Machtdemonstration des deutschen Staates (Abteilung Pinneberg). Die Kommissarin:

„Sie sehen gar nicht aus wie …“

„Ein Spinner, was haben Sie denn gedacht?“

Naiv, da hinzugehen, war ich.

Von polizeilicher und offizieller Seite blieb das ein schließlich humoriges Plaudern mit Frau Kriminaloberkommissarin.

Aber seltsame Dinge passierten bald, fand ich.

Zufällige Begegnungen mit Personen, die Interesse hatten an mir, aber so richtig eben doch nicht.

„Wir schauen uns ,solche wie Sie’ gern mal an“, hatte die Beamtin gemeint und: „Vielleicht schickt Ihnen der Staatsanwalt noch ein Schreiben, dass das Verfahren eingestellt wird.“

Das kam nie. Aber etwas hat die Behörde erreicht, ich mache keinerlei Aussagen bei der Polizei, egal was gefragt wird oder zukünftig würde. Nach den Erfahrungen mit der in alles verstrickten Politik und Verwaltung hier im Dorf gehe ich auch zu keiner Wahl. Dauerhafte Blockade aller staatlichen Wünsche an mich als Bürger. Man hat mich nicht als solchen wahrgenommen: „Solche wie Sie“, krank? Und heute bin ich zu allem bereit, nur um jedem Staat der Welt sagen zu können:

„Nicht mit mir, Leute!“

Die Angst vor der Erkrankung durch Corona ist geringer, als der Wunsch, zu denen gehören zu können, die unsolidarisch sind. Ich gehe nicht zum Impfen, weil der Staat es von mir möchte, nicht zum Frisör, weil es einen Test bräuchte, habe mich verändert. Ich gehe nie zum Arzt, weil das jemand ist, der sonst was behaupten könnte. Ich ertrage lieber die Unbill einer Beschwerde. Vielleicht geht es von selbst weg? Vorsorge fällt mir nicht ein. Unter Schmerzen hingetragen, ja – ansonsten gern gleich auf der Bahre entsorgt. Mir weint niemand eine Träne nach! Schreddert meine Bilder gern. Die Polizei braucht vielleicht meine Hilfe als Zeuge irgendwo? Darauf freue ich mich bereits. Ich sage, gegebenenfalls um Unterstützung gebeten: „Ob ich etwas bemerkt habe, heute Nacht, Herr Kommissar? Tut mir leid, da habe ich geschlafen.“ Politik gestalten, die Demokratie verteidigen, ich möchte den Landtag wählen, bitte? „Nein danke, wählt euch selbst.“ Ich müsste eine Umfrage, eine Volkszählung oder dergleichen mitmachen? „Heute habe ich keine Zeit dafür. Und morgen bin ich nicht da. Und wenn du mich übermorgen ein weiteres Mal fragst, Deutschland, dann schlag ich dich tot.“ Ich bin nicht länger der Stoff, den du handeln und verkaufen, verarschen kannst, Christiane – oder wie auch immer der Staat als Person sich nennt. Geh kacken, verpiss dich, Deutschland.

Moderner Sklavenhandel wird beklagt. Selbst aktuell, in der größten Not der Geflüchteten aus der Ukraine, werden Menschen ausgenutzt. Bereits am Bahnhof probieren Männer, junge Frauen abzufangen. Sie locken mit einer Unterkunft für diese Mädchen und das ist der direkte Weg in die Prostitution. Menschen sind in unserer Konsumgesellschaft eine Ware wie alles andere auch. Sie können gehandelt werden, wenn jemand die Macht dazu hat und keine Skrupel. Und ein Foto von einem Menschen ist dasselbe, ein Material mit dem welche verdienen, die es dafür verwenden können. Menschen sind, wie die Bilder von ihnen, ein käufliches und zu handelndes Erzeugnis. Die Realität verwischt zwischen dem lebenden oder gefilmten Wesen.

Das bedeutet, dass die Polizei dabei keinen Unterschied machen kann, Menschen wie ihre Bilder nach dem Wert zu beurteilen, den diese für ein Netz darstellen. Schlussendlich ist die Kriminalität eine Organisation, und die Polizei ist die andere Organisation, wie zwei Firmen in einem harten Ringen um die Vormachtstellung am Markt. Und wir Unbedarften sind die Ware, als Konsument, als zu beschuldigender Täter, die wir die Menschen hinter dem Porno nie kennenlernten oder eben als ein Kind, sind wir vor allem gefährdet, missbraucht zu werden. Da dürfe die Polizei nicht zimperlich sein und ein Kind (und sein missbräuchliches Abbild als Mensch) mit Würde behandeln, wenn die Chance besteht, damit einen Händler oder Kunden festzusetzen, meint man wohl. Aus Menschen wird nur ein Kram, ein Zeugs, ein Stoff – so wie eine Tüte Rauschgift, die den, der es besitzt belastet. Man kann handeln damit.

# Material

Was ich vermute ist dies: Die Polizei benötigt eine Masse verbotener Bilder, die deswegen nicht gelöscht werden: Das ist ihr Kaufhaus, den Ladendieb festzusetzen. Die Beamten möchten einen Rahmen, in dem sie sich auskennen. Sind die Bilder bereits da, fehlt noch der Mann, dem sich dafür zu interessieren zuzutrauen ist. Die Polizei möchte jagen und Beute machen. Ich behaupte, Kinder sind der Polizei egal. Es ist nicht ihre primäre Aufgabe, sie zu schützen. Im Gegenteil, sie werden zum Anlocken als unverzichtbares Material gehandelt. Kinder können sich nicht wehren. Die Polizei beschäftigt sich mit Tätern. Gesunde Erwachsene verteidigen sich gegebenenfalls mit dem Rechtsanwalt. Sie sind ein harter Brocken für Ermittler. Psychisch Kranke können sich nur unzureichend wehren, schlecht gegen ihre Emotionen, innere Gelüste und keinesfalls effektiv gegen die Strafverfolgung. Sie sind ebenfalls eine Ware für Ärzte, Gutachter und die Polizei. Pornos sind eine Ware für alle. Menschen stehen dafür ein und dahinter. Hier geht es um Geschäft und Gegengeschäft.

Mir hat nicht geschadet, nachzudenken und Ideen zu Papier zu bringen. Ich schreibe heute besser. Neben der Illustration den Weg in die freie Malerei einzuschlagen war das Beste überhaupt für mich. Ich konnte nicht wissen, wohin es führen würde. Kreativität beginnt einfach, führt aber dazu, nachzudenken was uns motiviert.

Denken macht gesund.

Mir geht es gut. Ich liebe Porno und weiß um das böse Geschäft dahinter. Nicht mein Arbeitsfeld und Problem. Wir haben heute den von mir gewünschten Keller im Netz. Mir ist das vollkommen wurscht. Ich schaue von der Höhe meiner Reife auf die Armen, die sich weiter ereifern. Ich bin arrogant geworden. Aus der Distanz gesehen, würde ich heute sagen, ja, Eltern müssten sich zunächst selbst kümmern. Man weiß, dass im Sportverein oder in der Kirche Missbrauch geschieht. Es hilft nicht, (optisch beknackt erscheinenden) Priestern in naiver Weise das eigene Kind anzuvertrauen und der Kirche die Menschlichkeit abzusprechen. Niemand kann aus der Allmacht der Welt, entsprechend Gott, austreten, wie auch immer ein Gläubiger oder Atheist es nennt. Natürlich sollte die Strafverfolgung über die Kirche gestellt sein, und ich hätte angenommen, dass es so ist. Es ist weniger die Schuld eines Bischofs, wenn sein Pfarrer Kinder missbraucht, sondern das Versagen besteht darin, denjenigen von Seiten der Behörden nicht konsequent zu stoppen. Eine Anzeige ist möglich, man weiß, dass Befindlichkeiten wie Scham und Angst den Sieg davontragen können und Menschen ein Leben lang schweigen. Daran ist weniger die Kirche schuld. Hier verursacht ein verkorkstes Bild vom Glauben die gruselige Gemengelage. Auch für Katholiken gilt das Gesetz als wirksame Hilfe. Nach abgeschlossener Strafverfolgung aber, sollte ein Pfarrer frei sein.

Ich finde es befremdlich, wenn Opfer „Lebenslang“ fordern und entsprechendes Berufsverbot, während ein Gericht differenziert abwägt. Warum wird nicht das Gesetz als unzureichend kritisiert und stattdessen verlangt, dass die Kirche jemanden anschließend einer Bestrafung hinaus wirft? Ganz offensichtlich hat die breite Masse den Eindruck, dass, wer einmal sexuell Bockmist baute es immer wieder tut. Wenn das stimmt, sollte es nachzuweisen sein. Dann könnten wir sämtlich die Therapien als Quatsch einstellen, mit dem eingesparten Geld größere forensische Klappsen, Knäste mit Sicherungsverwahrung für alle Sexualstraftäter bauen. Hier liegt ein grundsätzliches Problem vor. Die unterschiedliche Schwere der Fälle wird sinngemäß bestraft. Außerdem können individuelle Fehleinschätzungen, wie sich Pädophile zukünftig verhalten werden nie ausgeschlossen werden. Es bleibt die Aufgabe derer, die sich zuständig fühlen, die Welt zu verbessern. Der Kinderschutzbund bringt naturgemäß mehr Einsatz auf, und die Medien machen Druck. Wir haben alle unseren Teil zu leisten: Der Bäcker backt das Brot, und der Angler angelt.

Ich bin noch da und male, schreibe.

Frau von der Leyen sei doof, meinte die Kommissarin. Was wir löschen, stellt derjenige eine Minute später unter anderem Label neu ein; Realität eben.

So haben wir bis heute Realpolitik.

🙁