Es ist eine These: Menschen lieben nicht, sie nutzen andere für sich selbst. Wir werden nicht geliebt. Wir suchen Liebe, aber wenn wir wo ankommen, ist es eine Täuschung. Das Ganze hält nur so lang, wie unser Gegenüber bekommt, weswegen wir in Beziehung sind. Veränderungen beinhalten das Risiko, dass eine Verbindung emotional verarmt und möglicherweise zerbricht. In guten und schlechten Zeiten: Es kommt vor, dass Menschen nicht nur einen Vorteil daraus ziehen, wenn da ein Partner ist, der ihre Bedürfnisse reflektiert, sondern andere mittels vorgetäuschter Identität gezielt ausgenutzt werden. Die Erfüllung in romantischer Liebe zu suchen, ist der Beginn visionären Denkens, möglicherweise der Antrieb überhaupt unterwegs zu sein – und der Anfang unendlicher Irrtümer.

Was treibt den Menschen, der Wunsch nach Anerkennung oder die Wut, etwas nicht zu bekommen? Möglich ist es, mit gefährlicher Atomkraft zu fahren wie im hochtechnisierten Unterwasserboot, vollgepackt mit finsteren Raketen, und andere segeln bloß naiv mit der Jolle oben rum.

# Beziehungen

Wir sind miteinander in Verbindung, die Liebe erschafft Paare; mit unsere Familie, Freunden, während der Arbeit. Und mit der Gesellschaft insgesamt, pflegt oder erleidet jeder einzelne Mensch individuelle Beziehungen. Ein Beispiel ist der finanzielle Aspekt unserer Existenz, der uns alle verbindet. Wir drucken uns kein eigenes Geld nach Bedarf. Die Solidargemeinschaft ist nicht nur ein christliches Gebot, es ist der akzeptierte Zwang unserer Gegenwart. Wir können uns alternative Lebensformen ausdenken. Wir können aber Großbritannien nicht auf die andere Seite des Atlantiks verschieben oder Deutschland aus der Mitte Europas nehmen.

Zwei Menschen, die sich damit beschäftigt haben, bewerten die Idee eines monatlichen Grundeinkommens vom Staat für jeden von uns. Der Befürworter stellt die gewaltige Summe, alle mit gut tausend Euro monatlich auszustatten, dem Gewinn an fehlender Bürokratie gegenüber, die wir bislang benötigen, um Einzelfälle zu prüfen. Er rechnet vor, dass es billiger käme, jeden gleich zu bezuschussen, anstelle Sozialschwachen differenziert nach Antrag zu helfen wie die bisherigen Systeme es tun. Die Alternative, sämtliche steuerliche Abgaben um eben diese Summe pro Person zu reduzieren und im Gegenzug jegliche Sozialhilfe, Arbeitslosengeld und dergleichen abzuschaffen, steht dahinter? Das hieße, einem Gutverdiener zwanzigtausend zu erlassen, einem der nichts tut, dieselbe Summe zu schenken, und das System muss insgesamt das Bonbon für jedermann erwirtschaften.

Die schöne Utopie kränkelt, wenn wir uns einer modernen Idee des Finanzministers erinnern, die Renten zu besteuern. Ähnliches könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen zukünftig ad absurdum führen. Dann finge das Spiel, einen größeren Bierdeckel zu benötigen, um darauf die inneren Finanzen des Systems zu berechnen, von vorne an. Etwa, wie die Briten mit der Europäischen Union nach dem Brexit verhandeln, bis alles wie dazumal geregelt ist. Es ist die typische Verblendung innovativer Menschen, die für uns alle am Besten zu denken meinen, nicht an den zukünftigen Zeitgenossen zu denken, dem dann wieder einfällt, seine Gegenwart im eigenen Sinn umzugestalten.

Der Ökonom, im Gegensatz zum davon begeisterten Studenten, glaubt nicht an das bedingungslose Grundeinkommen als Anreiz, das Leben freier und sozial gestärkt in Angriff zu nehmen. Er führt als Argument an, dass die Freiheit zu handeln nicht durch diese Beziehung zum Staat, etwa, als wären wir sicher gefüttert wie das Tier im Zoo, beschnitten werden dürfe. Während der Befürworter in der grundsätzlich zur Verfügung stehenden Summe einen Anreiz erkennt, das Leben angstfrei zu gestalten, meint der Gegner dieser Unterstützungsform, dass es gerade nicht motiviere, noch zu jagen, wenn Futter ungefragt von oben ins Gehege gelegt würde. Der Spezialist gibt zu bedenken, dass die Freiheit ein hohes Gut sei und unser Risiko, das Leben zu fürchten und deswegen aktiv zu werden, ein Bestandteil derselben.

Dem kann entgegengehalten werden, dass es keine Freiheit ohne Abhängigkeit gibt. Insofern bleibt es eine organisatorische Frage, wie der Wohlstand eines funktionierenden Systems Teil des Ganzen sein kann und Steuern auf der anderen Seite verpflichtend dagegen halten. Ein Leben auf dieser Welt ist nur in Beziehungen vorstellbar. Tatsächlich wählt der Erwachsene sich seine Abhängigkeiten, löst sich vom Elternhaus und geht neue Beziehungen ein. Von besserer Freiheit zu reden, einer Unabhängigkeit, die vollkommen wäre, nie bindet, treibt den Begriff auf die Spitze bis ins Gegenteil. Realität ohne jede Bindung gibt auch keinerlei Halt. Um einen Schritt zu tun, müssen wir ein Gewicht haben und benötigen Boden zum Ausschreiten. So kann jede Beziehung nach dem jeweiligen Nutzen für uns begriffen werden. Wollen wir bis zu den Knien im Matsch stapfen oder bevorzugen die asphaltierte Bahn für unseren Porsche? Es macht Sinn, genauer darüber nachzudenken, wenn wir vom fernen Glück träumen, wo individuell die Bedürfnisse sind und wie sie befriedigt werden könnten.

Es gibt reichlich Raum, sich kämpferisch zu geben: Da sind Aktivisten bei Greenpeace wie anderswo welche, die für das bedingungslose Grundeinkommen kämpfen. Da finden sich Organisationen, die zu rauchen verbieten möchten wegen der gesundheitlichen Risiken. Auch im Bereich gesunder Ernährung für die Gesellschaft sind einige unterwegs, uns zu ändern. „Fridays for future“, Frauenrechte überall und das Schlagwort „Gerechtigkeit“ führen nicht wenige im Mund, wenn sie uns drankriegen möchten, die Gesellschaft zu bessern. Das ist unser Fortschritt. So kritisieren wir den sich zurück entwickelnden Talibanstaat in Afghanistan als mittelalterlich. Ein Unkraut frisst die ganze Region, so scheint es vielen. Unsere Ordnung, der saubere Garten Demokratie. Wir werden nicht müde zu stöhnen, Gesetze müssten auf einen Bierdeckel passen. Nicht einmal ein islamischer Staat kann darauf erklärt werden. Und Adolf Hitler als gottloses Ungeheuer darzustellen, hilft kaum zu verstehen, was geschah. Gern wird die Zeit des Nationalsozialismus auf seine Singularität als bösen Führer reduziert. Das suggeriert, wir Guten hätten nichts damit zu tun.

# Böses isoliert zu betrachten verkennt, dass es trotzdem bleibt

Die Gegner der Zigarette sind am Widerstand rund um den harten Kern der Raucher festgefahren, welche sich, nicht irritiert vom Warnhinweis, unbelehrbar dem blauen Dunst hingeben. Dazu kommen die Tabaksteuer einziehende Behörden, die mit diesem Geld wirtschaften. Die Gesundheitsapostel scheitern an der Gruppe, die unbeirrt frisst und säuft. Die böse, fette oder süße Nahrung wird weiter hergestellt. Menschen beziehen ihren Lohn davon, dass es geschieht. Die Umweltretter beißen sich am Widerstand einiger fest, die nicht zurückstecken möchten. Die gute Gesellschaft verzweifelt an den Idioten, die (wie ich) sich nicht gegen die Coviderkrankung impfen lassen, und mehr davon. Unbelehrbaren nutzt emotional, nicht mitzumachen. Dieser Lustgewinn erschließt sich vielen kaum. Die Guten sind immer die Doofen? Nicht, weil sie übervorteilt werden, sondern weil ihnen der Horizont fehlt, einer Lehrmeinung Erfahrung entgegenzustellen. Nur wer blockieren und schlagen kann, wird bewusst darauf verzichten. Ein kleiner Anteil der Bürger entscheidet sich nach Überlegung für oder gegen eine Empfehlung. Die anderen wissen nicht, wie verletzend sie trampeln. Sie meinen hilfsbereit und gut zu sein oder schlauer als der Rest. Sie sind doch nur Brei, der gegebenenfalls sonst wo hin marschiert – wie befohlen.

# Allzumenschliches

Liebe und Nutzen: „Was du von dem Mädchen wolltest, ist ja klar, aber was wollte sie von dir?“, werde ich gefragt. Jahre sind vergangen, und es ist bekannt, dass ich verheiratet bin. Was wollte – ja, wie soll ich das sagen? Es scheint so klar nicht zu sein. Eine große Blase könnte geplatzt sein. Ein Blockwart hat sich den Schädel verbeult. Schenefeld ist gerettet, hat mich verändert. Ich vertraue niemandem, verwahre Emotionen wie nie zuvor.

Ich lehne andere ab. Freundlich sein, ist einfach. Was heißt das schon. Ich blockiere, bin dagegen! Ich gehe nicht zur Wahl, nicht ins Restaurant, zum Arzt. Ich schneide mein Haar selbst. Ich respektiere keine Frau, weil sie eine ist. Ich achte, respektiere Menschen – manchmal. Das kommt auf den einzelnen Moment und mein jeweiliges Gegenüber an. Dann bin ich authentisch und empfinde Empathie. Eine zarte Pflanze in meinem Biotop für schützenswerte Gefühle mit Seltenheitswert. Ich missachte aufgezwungene Regeln. Ich verachte Polizei, begrüße Attentate (unsere Lebensweise kränkt, macht zornig und verstört), gleich welcher Motivation und beweine den Täter anstelle der „sinnlosen“ Opfer. Ich erkenne mehr als genug Sinn im Tod. Gewalt abzulehnen, scheint mir der krampfhafte Versuch, sie plakativ auszublenden. Ich verspüre keine Solidarität mit anderen, nur weil sie Menschen sind. Ich grenze mich ab. Ich bin gewaltbereit, wann immer man mir auf die Pelle rückt, riskiere meine Existenz, statt mich anzupassen, wenn ich provoziert werde.

# Ich werfe die Gegenwart und jeden zukünftigen Tag bewusst weg

Ich kann auf eine Zukunft verzichten. Das bedingungslose Grundeinkommen habe ich de facto, ohne es gewollt zu haben: Tod, Nachlass, Streit und endgültiger Bruch mit der Vergangenheit. Ich hätte gern auf dem geerbten Land und für unsre kleine Farm gearbeitet wie bisher. Familie ist der kleine Tisch. Statt dem fetten Steinbutt, der uns alle nährte, bedeutet mir die eigene Scholle heute ein schmales Boot und ist keinesfalls sättigend aufzuessen. Mir bleibt als klügste Beschäftigung, im Hof der selbstgemauerten Wallanlage Kreise zu gehen. Da türmen sich übrig gebliebene Brocken, die ich nicht (auch noch) auf andere werfen mag, und Frust ist der Zement. Ich kreiere meine Kunst im isolierten Kosmos. Anerkennung, entsprechend meiner Lebensleistung, dem geschaffenen Œuvre, ist weder zu erwarten noch ernsthaft wünschenswert. Dafür müsste ich viel weiter als über den eigenen Schatten springen und fühle mich dafür nicht nur zu alt, entsprechend deprimiert, sondern im überschaubaren Bereich zu Hause vergleichsweise frei.

Kapitän auf eigener Leinwand, ein kleiner König bin ich. Treffender wäre das Eingeständnis, verkleidet als Farbterrorist durch das Leben zu schippern. Zur Flucht nicht mehr fähig, arbeitet hier ein vom Schicksal unweigerlich eingefangener Sträfling, welcher nun wirklich gern sämtliche Wände seiner Zelle bekritzelt. Das ist mein Modell, dieses Haus im Dorf und den Rest da draußen zu verstehen, wo die Menschen scheinbar leicht das Richtige tun. Meine Freiheit ist die größere! Unbedeutend genieße ich den Vorteil eines Übungsfeldes, die anderen nicht zu beneiden, wenn sie wirklich gut sind und amüsiere mich über unzählige Spinner in der Szene. Meine Perspektive ist mitnichten ein Aufbruch. Mich treibt der Zorn, dicke Mauern stärker zu machen und Gucklöcher für Spanner zu lassen, wo es mir gefällt.

Widerlich ist die Verwandtschaft, wenn es zu erben gibt. Widerlich hoch zwei ist die Politik. Das ist meine Meinung bis vor das Gericht, über den Tod hinaus. Hass treibt mich, wenn ich unter dem Meer fahre. In meinem Alter ist zu einer noch romantischeren Liebe suchend aufzubrechen ohne Sinn. Dass wir ohnehin sterben und das ganz Tolle nicht kommt, hilft den jeweiligen Tag wahrzunehmen. Ich begreife mich, und für andere genauso unser Selbst, in Bewegung – und unsere aktuellen Möglichkeiten, den Weg zu gestalten – mehr nicht. Eine Beziehung zum Drumherum ist bindend hinzunehmen. Aber nicht bedingungslos. Meine Bedingungen definiere ich selbst. Damit riskiere ich auch meine Gesundheit auf meine Verantwortung hin. Das tun die anderen auch: Die einen wissen, wie sie etwas tun, die anderen nicht. Was wir tun, ist nicht so einfach zu bestimmen, wie wir das machen schon.

# Dass Liebe die Welt zusammenhalte?

Die Einsicht mag uns zwingen und dahin geleiten, etwas zu empfinden, das möglicherweise gar nicht real ist wie etwa Gewalt und Schmerz. Liebe entsteht im Nichts zwischen den Menschen, sogar denen, die einander ablehnen und ist deswegen nicht fassbar. Manchmal wissen wir das erst, wenn alles nicht mehr im Hier und Jetzt erlebbar ist. Ein Bild ist geblieben. Ich kann sehr viel Wut bemerken und unsere Schwierigkeit standzuhalten. Mit offenen Augen und Findigkeit lässt sich manches vermeiden, was böse enden kann. Gottes Liebe, wenn man daran glaubt, kann in Beziehung zur Umgebung bemerkt werden und hilft, individuelle Wege zu gehen. Dass wir andere hassen, ist nur logisch und sollte nicht verdammt werden. Erst in der Reflexion findet sich die persönliche Antwort.

Wenn der Wunsch nach Anerkennung unser Motiv ist, kreativ zu sein, kann das abgelöst werden vom Verstehen, dass eine Leinwand nur die Bühne ist, auf der ein Maler sprechen kann. Damit wird ein Bild zum Theaterstück. Zu Ende überlegt, kann die Suche nach romantischer Erfüllung in der Realität als abgeschlossen gesehen werden. Der Kletterer muss nirgendwohin, wenn ihm klar wird, gerade vom Gipfel abzusteigen, weil da oben nichts ist. Weiteres entscheide die Zukunft. Malen wird zu einer Beschäftigung, durchaus einer Suche nach dem gelungenen Ausdruck. Kunst ist eine Erfindung und eine Vision nur dann, wenn der Schaffende sich dessen bewusst ist. Für Fantasten gilt, was der Altbundeskanzler meinte: sich behandeln lassen. Als Maler können wir selbst handeln und ansonsten die Liebe vergessen – weil sie nie existierte. Ein Wort treibt Menschen in die Irre.

Hass ist erlebbar. Auf die Zuneigung der Umgebung bin ich angewiesen. Ich bin wirklich glücklich im Moment. Liebe, alles hat seine Zeit. Einmal war ich auf dem höchsten Berg in der dunkelsten Nacht nicht allein – und denke jeden Tag daran und Weihnachten noch mehr.

Wir sind modern und gut aufgestellt, die Freiheit immer gerechter zu gestalten. Ratio und die zu erreichende Sicherheit finden dennoch Grenzen. Da hilft kein Unglaube, mich von diesen alltäglichen Befürchtungen zu befreien, etwa ein finsteres Virus könnte mich vernichten, nicht die erste, zweite und dritte Impfung, wenn ich in einem kleinen Geschäft bedient werde und nach einiger Zeit die verrotzte Chefin ausschnaubend aus dem Hinterraum dazukommt, die Maske halbherzig zurecht zupfend.

# Es gibt keinen Helm gegen Weltraumschrott

Es gibt keine Anleitung, wann man am besten im Straßenverkehr seinen Besorgungen nachkommt, um Idioten zu entgehen, die drängen, hupen oder überhaupt rasen. Weniges hilft gegen Menschen, die nur renommieren möchten. Nie wieder unterstütze ich eine mit ansprechendem Gesicht oder weil sie eine Frau ist. Ich muss die sozialen Parteien ertragen und ihre Gerechtigkeit, von der diese Leute reden. Es gibt so viele Augenblicke, in denen Abgrenzung nötig ist im banalen Alltag. Meine (liebste) Umgebung kann ich nicht zum Verstummen bringen, wenn sie mich, nachdem sie es gerade im Fernsehen sah, telefonisch drangsaliert, ich müsste die medizinische Maske auch in der Wohnung tragen, um meine (geimpfte) Familie nicht zu gefährden (als Impfverweigerer, der ich sei) usw.

🙂