Verrückte haben heute Rechte, und zwar deswegen, weil sie Möglichkeiten eigener Entwicklung nutzen können, die es früher nicht gab. Was ein Geisteskranker sei, ist nur für die einfach zu bestimmen, die selbst einfachen Geistes, sprich: dumm sind. Die verschiedensten Diagnosen in diesem Gebiet zeigen, wie viele Gesichter das Verrücktsein hat. In der normalen Bevölkerung gibt es weiter eigentlich unhaltbare Ansichten dazu, die aber ins Wanken geraten wie jede Form von Fake News. Die Realität, welche dem Verrückten nicht verfügbar scheint, grenzt nicht nur ihn ein, sondern bestimmt auch die Aktivitäten der Umgebung. Menschen, die bislang nicht mit psychischen Auffälligkeiten zu tun hatten, meinen sich Überheblichkeit leisten zu können? Das ist insofern riskant, weil es in jeder Familie oder der nahen Bekanntschaft derartige Kranke gibt. Da kann niemand wegschauen. Auch an sich emotional Gefestigte können psychisch krank werden. Wer also das Maul zu weit aufreißt, Bescheuerte zu mobben, könnte Ärger bekommen und Angst, selbst in Behandlung zu müssen.

Es mag stark wirken, ist aber ein Bumerang: Dumme können andere beschuldigen. Das hilft nur denen, die als verrückt und gefährlich gebrandmarkt werden. Sie können begreifen, was ihnen Schwierigkeiten bereitet und warum sie gekränkt sind. Einfältige Menschen kommen klar, weil ihre Umgebung sich nicht an ihnen stört, im Gegenteil, man nutzt sie als billige Mitstreiter. Ihre geistige Gesundheit verdanken manche nur der Integration. Klugheit ist nicht nur so da, sie gewinnt an Realität, wenn viele mitmachen. Schildbürger sind einig und stark darin, einander Mut zuzusprechen, sich gegenseitig Intelligenz zu bezeugen. Man hüte sich davor zu glauben, die Wahrheit eines richtigen Handelns mal so eben schnell erkennen zu können. Nicht selten bringen spätere Perspektiven andere Realitäten hervor.

Psychisch Kranke machen dumme Sachen, und zunächst scheint es dasselbe zu sein. Der Isolierte kann aber an Boden gut machen, wenn dieser andere findet, die sein Handeln nachvollziehen können. Damit bestätigt sich für einen Kranken, dass eine in seinem Sinne intelligente Entwicklung hinter dem eigenen Problem steht. Ein dummer Mensch kann leicht Druck ausüben, weil dieser nicht übersieht, was das auslöst. Er schlägt den Gewalttäter zurück und hält sich für eine rechtmäßige Ordnungskraft. Das kann stimmen, aber oft ist der Polizist nicht mehr als ein Automat, während der Durchgeknallte dazulernt und seine Motivation versteht. Demütigend für einen Machtlosen ist es, die anerkannten Werte nicht einfordern zu können. Bestes Beispiel ist ein Land, dessen Wehrkräfte schlapp sind oder ein Spinner, der zwar das Richtige verlangt, aber vom Mob ignoriert wird. Dann ist der Gute der Dumme.

Ein als krank Definierter kann schließlich aufzeigen, dass seine Gewalt nötig gewesen ist und er als Gekränkter handelte. Aus einer Not die Befreiung zu suchen wird in dem Moment glaubwürdig, wo ein Aggressor sich erfolgreich als Opfer darstellen kann. Klappt es nicht, wird die Wut der Beschädigten ihre Anstrengungen stärker machen. Der nun offiziell Bescheuerte muss gleichermaßen dumm wie krank draufzahlen. Es läuft auf eine Mehrheitsentscheidung hinaus, was richtig, gesund und klug ist. Deswegen entwickeln sich Regeln, gibt es angepasste Gesetze, und das Recht kann erstritten werden. Es steht nicht fest. Auch was das Völkerrecht angeht, muss ein Bruch durch richterlichen Spruch entschieden werden und vor allem spürbar Konsequenzen haben, schließlich eine Situation schaffen, die allen nützt und Geschädigte stärkt. Symbolische Entscheidungen mit dekorativem Charakter zeigen nur, wo die wahren Realitäten sind.

# Grund genug für Russland anzugreifen?

Russland im Krieg mit der Ukraine, das war vor kurzem undenkbar. Davon kann und wird die Gesellschaft viel lernen. Die unglaubliche Solidarität, die derzeit die Ukraine erfährt, kann den russischen Druck brechen, wenn das Ganze nicht lange dauert, Putin irrational handelt. Sind die Beweggründe der russischen Führung weniger absurd, für genügend Menschen im Land und auch außerhalb in anderen Staaten nachvollziehbar, bleibt der Despot fest im Sattel, so unglaublich wir Europäer und andere im Westen das fänden. Die aktuellen Einlassungen vom russischen Außenminister sind mitnichten verrückt, wenngleich sein Präsident einen bösartigen und krankhaften Duktus in jede weitere Botschaft bringt, beschwörend geradezu Rechtfertigungen formuliert, die angesichts der Bilder vom Krieg schockieren.

Was Lawrow anführt, der Krieg in der Ostukraine würde seit Jahren vom Westen ignoriert, lässt sich nicht von der Hand weisen. Der Westen ist ein Nutznießer der Unruhen. Die Russen wiederum können, besonders nach der Annexion der Krim nicht mal so aufhören, und es bringt gar nichts zu sagen, die hätten ja angefangen. Wenn es so einfach wäre. Die Angriffe auf Kiew und weitere große Städte kann niemand ignorieren. Insofern steckt in der für uns nicht nachvollziehbaren Aggression der Wunsch nach Provokation. Wenn die Ziele dieses Krieges aus russischer Sicht erreichbar sind, muss der Westen mit einer Niederlage rechnen, wenn das Ziel des Westens darin bestünde, die bisherige Ukraine so wie wir sie definieren, zu erhalten. Das Land ist bereits jetzt kaputtgeschossen. Damit hat Russland de facto gewonnen, wenngleich zum hohen Preis. Das Verhalten unseres Altkanzlers Schröder zeigt das auch. Gerd Schröder ist nicht verrückt. Und Lawrow genauso wenig. Hier wird das brutale Kalkül der Mächtigen gesehen, bewusst in eine verlustreiche Schlacht zu ziehen, aber es ist mehr. Es muss etwas dran sein an der verletzten russischen Seele nicht nur der ihres Präsidenten, sondern auch insgesamt. Wir sollten die Möglichkeit, dass schließlich eine Weltordnung dabei herauskommt, die wahrhaftiger ist als der blinde Fleck, den sich der Westen an seiner Ostgrenze erlaubte zu haben, nicht ausschließen.

🙂