Ich male noch. Immer noch an dem großen Bild, das „Selfexecuties“ heißen wird. Seit etwa einem Jahr im Thema. Klar, wenn man einfach zu verordnen ist, heißen die Themen Porträt oder Landschaft. Viele Kollegen malen abstrakt und behaupten mancherlei, was das bedeuten soll. In meinem Fall geht das nicht so gut. Meine Bilder sind heute exakt und gegenständlich erkennbar, stellen aber keine Szene aus der Natur nebenan dar. An der malerischen Herangehensweise, das Licht einzufangen oder einen schönen Pinselduktus zu setzen, bin ich weniger interessiert. Ich möchte erzählen. Aber nicht mit Worten. Das Thema kann mit einem Begriff gesagt werden oder man schreibt eine Inhaltsangabe, was zu sehen ist, um sich dem Ganzen anzunähern. Könnte man das befriedigend tun, alles aufschreiben, müsste nicht gemalt werden. Kurzgeschichten verfassen, einen Roman schreiben oder ein Video machen, das, was einen umtreibt, in einen Film zu bannen, wären alternative Möglichkeiten zu arbeiten. Ein Bild bleibt aber das beste Medium, bestimmte Dinge ästhetisch zu sagen, wenn man gerade diese Kunst versteht. Die Malerei wurde totgesagt mit dem Aufkommen der Fotografie, der Film mache ihr Konkurrenz, hieß es, und das war vor YouTube und Stream. „Wie wichtig willst du sein?“, müsste man sich selbst fragen – oder einfach tun, was man liebt. Keine Kapitel, Szenen, ohne Schnitt: Ein Maler kann mit nur einer Anordnung sofort auf den Punkt kommen.

# Kunst oder weg?

Eine Ballade dichten, ein Lied schreiben; viele Wege führen nach Rom auch in der Kunst, wenn es darum geht, sich mit irgend etwas herumzuschlagen und die passende Umsetzung dafür zu finden. Romane werden oft verfilmt. Es gibt Musicals, die auf anderem basieren, das bereits erfolgreich war. Auf gutes Kino, nach der Skizze vom Drehbuch produziert, folgt der Roman zum Film. Noch nie hörte ich davon, dass jemand den „Schrei“ von Munch vertont hätte. Auch von einem verfilmten Gemälde habe ich bislang nichts mitbekommen. Eher dürfte jemand Hopper zum Krimi machen, etwa „Nighthawks“ oder „Conference at Night“, als mit Jackson Pollock überzeugend zu behaupten, eines der abstrakten Großgemälde in einen Kinofilm verwandelt zu haben. Da schafft man allenfalls eine Bio des Malers, könnte wie Disney in „Fantasia“ durch tonalen Kabelsalat dödeln. Zum Schluss wären viele enttäuscht, selbst wenn ein toller Film entstünde: Pollock bleibt unnachahmlich wie Edward Hopper, glaube ich.

Mich möchten die Leute als Pornomaler begreifen? Da wäre ich in diesem Genre, das gibt es ja, kaum konkurrenzfähig. Meine Vorbilder sind Realisten, die nicht die Realität malen, sondern eine abstrakte Situation thematisieren. In der Katastrophe sind wir nackt: Vielleicht bleibt mein Anliegen, besondere Geschichten zu erzählen, in der Plattheit eines misslungenen Versuchs stecken, wie man das bei Schriftstellern kennt, die Großes wollten und Billiges machten? Das mögen andere bewerten.

# Tante Hedwig

In unserem Familienstammbaum findet sich (um einige Ecken herum) die noch bekannte Hedwig Courths-Mahler. Mütterlicherseits gelangt man über Verzweigungen von Tanten und Cousinen bis zu der Berühmten. Sie schrieb erfolgreiche Schnulzen. Bis zu vierzehn Romane pro Jahr produzierte die Fleißige. Der Spott der Literaten traf insofern, als dass man ihren Namen verballhornte. „Kurz-Malheur“ nannte man ihre Liebesromane. Wohin die Reise geht? Simenon gelang es mit „Maigret“, den Groschenroman hinter sich zu lassen und nach einigen Übungen Weltliteratur zu schaffen. Ich hoffe dementsprechend noch, was meine eigenen Farbwunder betrifft. So wichtig ist das Berühmtsein nicht.

🙂