Die offene Gesellschaft wird von innen aufgefressen. Trump hat vorgemacht, wie das geht. Selbst Chaos anzetteln und sich als Aufräumer geben, den Brand zu löschen. Wir sind entsetzt, auch sonst: Deutschland empört sich gern über Russland vs. Nawalny, Spanien, den inhaftierten Carlos Hasél, die abgesetzte de Facto Regierungschefin in Myanmar. Unsere eigenen Staatsverbrechen sind ganz unscheinbar dagegen, noch. Sie finden unterhalb der sichtbaren Ebene der Behörden statt.

Jeder wird zum Polizist und Aufräumer hier im Land der Denunzianten, möchte Erfolge als erster Löscher am Brandort. Dafür stecken die Nächsten deine Bude an, bildlich gesprochen, bis die Hütte brennt, du wie ein Wahnsinniger verteidigen musst, sie sagen: „Seht, er ist verrückt.“ Das Prädikat „gefährlich“ drücken sie dem labilen Menschen auf, der vielversprechend formbar erscheint, deswegen beharrlich immer wieder provoziert wird. Dass mit Mollath hat Methode, nicht nur in Bayern, überall. Ein Buch erscheint: „Staatsverbrechen“. Kein Hahn kräht danach, aber es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch bei uns eine diffuse Gegenbewegung Straßenschlachten inszeniert. Gut möglich, dass interessantere Typen als dieser irritierte Nürnberger, wirklich Kreative auftauchen, weniger neurotisch und begründet sauer, die deutlich machen können, wie die sauberen Gruppen nach dem amerikanischen Vorbild vorgehen.

Der Rechtsstaat ist prima, das ist es gar nicht. Wir sind rechts und ordentlich, deutsch und gründlich genug. Schmutzig sind die Saubersten hier, die frechen Kotzbrocken hinterm Lenkrad, die diese Welt gemacht haben so scheint es. Sie fahren nicht zufällig so scharf und fordernd auf, hupen dich mit ihrem „ich kann nur diesen einen Ton“ weg, ballern rechts kurvend über die Bushaltestelle an dir vorbei. Schneiden mit quietschenden Reifen vor der Reihe Parkender zurück in die Spur, „so geht man mit Bremsern wie dir“ um, heißt das. Am Rand der Nebenstraße abgeklemmt, zum Stehen gebracht (ich gebe es zu), zur Rede gestellt, weisen sie dir den Schaden im Hirn zu.

Ich erzwinge den Showdown, er ist der Sieger von Beginn. Wortwechsel, ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe: Mann, dunkelhaarig, sportlich 1.90 Meter groß und großartig, sicher auftretend. Ein Leichtes für ihn, abfällig von oben auf mich zu sehen. Ein klein wenig fett, kopiert er nicht einmal unsympathisch eine feiste Söderschnauze, souverän. Mann, „du bist der verrückte Doofmann“, soviel steht für ihn fest, als er loslegt.

„Bist du irre!? Das hätte schief gehen können. Wenn ich gebremst hätte, bist du immer so bescheuert? Mann! Grüner Pfeil!! Und du? Im Schneckentempo!!!!“ Geschwellte Brust, geschwollenes Hirn. Ich sage: „Und wenn eine Oma vor dir fährt?“ Er wusste es schon vorher: „Du bist keine Oma“, kontert er mir, ich gebe zu, dass ich’s nicht blickte mit dem grünen Pfeil. „Wir“ werden ruhiger. Unsere Argumente wiederholen sich. Ein BMW mit entgeisterten Frauen (die gelten als klüger) wartet, wir nerven gemeinsam, meine Schuld auch das. Der Abschied lässt aufhorchen: „Beim nächsten Mal!“ droht er, als er in seine Blechrüstung zurück stolpert.

Das nächste Mal wird bereits geplant.

Im Westen nichts Neues. Die Sonne sinkt, eine Mundharmonika erklingt und „The End“ erscheint klobig in den Wolken, während Staubwolken abziehen. Unklar bleibt, wer sich hier den Blechstern verdient hat. Duell fertig, aufsatteln, abfahren: Mit dem Fuß im Türrahmen des vertrauten Boliden verhakt, hoppelt er zurück ans Steuer, der Cowboy, es entgeht mir nicht. Getroffene Idioten sind wir. Ich gebe noch einen schwachen Schuss ab: „Du kennst deine Abmessungen nicht …“, meine Stimme überzeugt bestimmt niemanden.

Nur ein Hirngespinst? Unauffällige Zeugen, arme bedrohte Zeitgenossen sind das mitnichten. Nicht nur in Uniform, einige bereits verrentet, noch gut vernetzt mit den Aktiven, sind sie privat auf der Jagd und anerkannt privat-detektivisch unterwegs: Wir schleppen dieses Pack mit, das den guten Sicherheitsdienst gibt, den Staatsschutz, aber diese Elemente unterwandern die eigentlichen Aufgaben der Institutionen. Falls ich mir alles nur einbilde, wird es garantiert noch heute erfunden: Sie bilden abgeschlossene, private Gruppen und haben Spaß dran, ganz individuell persönliche Erfolge zu provozieren.

Ausgerastet.

„Das wird wieder passieren“, gibt einer die Richtung vor. Während das Team die aussichtsreichsten Kandidaten von nebenan als „krank“ einstuft, wie ein Pflänzchen, vom harmlosen Spinner bis zum ausgewachsenen Psychopathen heranzüchtet, passiert es wieder. Im Nachbardorf hat’s funktioniert, warum nicht auch bei uns. Der laufende Tod, runterladen, und wer will darf gern mitspielen.

Es spricht sich rum, sogar bis zu mir. Nur ein Tag ist vergangen. Plappern ist so erhebend. Begrüßung am Morgen: „Na, wieder abgenagelt?“, eine Bekanntschaft nur, dieser Typ, der gern quatscht. Ich verstehe nicht sofort. Wir reden nun über die wieder geöffneten Naa-gelstudios ah! … wie interessant. Auch die Frisöre dürfen arbeiten, unser Gespräch, unverfänglich. Letzte Woche hatte ich den Wagen in der Werkstatt, das sage ich nicht, denke es nur. Wir reden über Corona, aber meine Gedanken schweifen ab. Nageln ist rasen? Was die Paranoia hergibt: abgenagelt ist gleich angepinnt. Ich erinnere die kleine Schraube: Wie ein „Reißnagel“ sah die aus, eingebohrt ins Hinterrad. Wir fanden das Ding sofort, als das Auto aufgebockt stand. Nachdem der Wagen auf einem Rad immer ein ganz klein wenig Druckverlust hatte, war die Warnlampe angegangen. Eine schnelle Reparatur, danke.

Es kann schon sein: Die rote Lampe leuchtet, statt im Armaturenbrett bei mir, nun bei den anderen. Sie fährt in einer digitalen Karte ihre Spur, und die Schmeißfliegen fragen wieder: Wer will mal mitfahren?

# Gefährlich

Sie erkennen dein Potential. Sie finden Wege, dich zu tracken. Sie lassen dich wie eine Bombe platzen. Und weiden sich daran, wie du dich selbst zerlegst. Und dann kommen naive Rechtsschützer. Die bekannten, ehrenamtlichen Gutmenschen aus der Dorfpolitik traben bereitwillig los, folgen ihrer Eitelkeit, als Retter der Ordnung glänzen zu können und machen gern den Rest. Betreuung, Klappse, Knast. Das ist der Plan. Nimmt das deutschlandweit noch zu, sind Prominente betroffen, die „wirklich wichtig“ sind in den sozialen Netzwerken, Suizid – kommt als Nächstes so etwas wie bei den Katalanen, den Briten: Herdenbewegungen der dekadenten Masse, Chaos – und ein markiger Typ mit blöder Frisur der Marke Trump, Johnson (oder mit Rechtsscheitel) wird sich anbieten.

So doof ist Deutschland.

🙁