„Hast du keine Feinde, dann hast du keinen Charakter.“ Paul Newman, Schauspieler – Zitat des Tages, Schenefelder Tageblatt vom Dienstag, 1. Februar 2022.

Was ist ein Feind?

Zwei Polizisten wurden erschossen. Schock nach „Hinrichtung“ lautet die Schlagzeile vom selben Tag auf der Titelseite. Die Polizei findet ihren natürlichen Feind im Kriminellen. Man kann die Rechtsstaatlichkeit nicht verteidigen, ohne auf Gegner zu stoßen. Auch der normale Bürger tritt für Rechte ein, seine eigenen, und gelegentlich definiert er, was insgesamt richtig wäre und handelt im Glaube, für alle zu sprechen. Zivilcourage oder Selbstjustiz können dabei herauskommen. Nach der Tat ist vor der Tat; die Gewaltspirale endet nur durch bewussten Verzicht auf Rache. Die Bandbreite der Feindseligkeit reicht vom kritischen Blick bis zum harten Angriff, der zum Tod führen kann, und vielfältig erscheint uns der menschliche Charakter. Ein Wort, was soll das heißen?

# Charakter?

Feinde, Streit, das ist ein Teil der Welt. Abwehr nach außen, Angriff gegen einen Feind, verbale Auseinandersetzungen einzelner und Nachbarschaftsstreitigkeiten kennzeichnen unser Dasein, nicht zuletzt der Krieg ist menschlich. Kampf innen, im eigenen Leib gegen den Krebs oder innerhalb der Ehe, sich zu streiten, ein Bürgerkrieg im eigenen Land, sind Realität unserer von Beziehungen geprägten, sozialen Struktur. Druck und Abgrenzung sind typisch für Systeme überhaupt.

Scheidung! Sie hätten sich nie gestritten, und das sei ihr erst nach der Trennung aufgefallen, meint eine Bekannte, die ich wiedergetroffen habe. Sich streiten können, gilt als Qualität. Gerät es aber regelmäßig zu heftig, ist es auch ein Trennungsgrund. Zu zweit gewinnt der Mensch Stärke (in einer Partnerschaft), und das ist einer der Gründe, warum wir heiraten. Gestern war ein beliebter Tag dafür. Das Datum, der zweite Februar in der Kombination mit dem Jahr, regt einige dazu an. Die statistisch erfasste Wahrscheinlichkeit, dass an einem derartigen Supertag geschlossene Ehen häufiger geschieden werden, schreckt viele nicht ab.

Wenn also Streit, Kritik und Widerstand, Auseinandersetzungen ganz normal für uns sind, banale Abgrenzungen im Alltag unerlässlich für das Selbstbewusstsein, warum gilt es als Qualität, Feinde zu haben? Es gibt charakterlose Menschen, farblose oder finstere Typen, die unscheinbar wie unangenehm daherkommen und keine Beachtung finden. Diese scheinen eine Einstellung zur Umgebung entwickeln, die ihnen ermöglicht nicht anzuecken. Das könnten Mitläufer sein: „Das finde ich auch“, sagen sie meistens oder unauffällige Kriminelle, die lernten, ihr Ding ohne viel Aufhebens zu machen. Schäbig und schleimig, aalglatt sind die Gesichtslosen. Kantig sollten echte Charaktere sein!

# YouTube hat den Like- und Dislikedaumen kastriert, eine gute Idee?

Empört:

„Wir wurden noch nie verprügelt!“, beteuern die beiden Alten vor Gericht. Das hat die Richterin nicht beeindruckt. Leicht belustigt ist ihre Reaktion sogar. Sie bleibt kalt. Hat sie es nicht geglaubt? Es ist die unfreiwillig komische Rechtfertigung, eine Anzeige und ein Verfahren anzustreben, zeigt es doch den dümmlichen Ansatz, damit imponieren zu wollen, noch nicht verhauen worden zu sein? So rechtschaffen sind wir!

Jeder hat Feinde.

Der Charakter entwickelt sich in der Haltung dazu. Nichts merken wollen, kann nur Ärger geben. Über jedes Stöckchen springen auch. Die individuelle Lösung ist das Entwickeln von Persönlichkeit.

🙂