Ein strahlender Morgen, aber nun ziehen Wolken auf. Ich bin gern früh aus dem Bett. Mit dem ersten Kaffee in der Hand schaue ich wieder aus dem Ostfenster. Heute ist der Merkur nicht mehr aufzufinden. Es gelingt im Ausschlussverfahren nachzuweisen, dass ich mich Ende des Monats nicht täuschte! Ich sah den sonnennächsten Planeten an mehreren Tagen, weil genau dort am Himmel heute nichts mehr zu beobachten ist. Das vertraute Bild steht leicht in die Höhe verschoben: Der helle Arktur strahlt über dem Hochhaus, aber weiter oben als im Oktober um diese Zeit. Das Sternbild Löwe erklimmt rechts den Morgenhimmel, dass es schon schwierig wird, Denebola an der Spitze überhaupt zu sehen, ohne den Kopf aus der Dachluke zu recken.

Zum ersten Mal sehe ich Spica ganz bewusst. Der Hauptstern in der Jungfrau ist nicht gerade ein typischer Kandidat, sich auffällig in den Vordergrund zu drängen. Auch jetzt funzelt sein Licht nur schwach, wo etwa letzte Woche der kleine Planet zu sehen war. Dieser Fixstern zeigt mir mit Hilfe der aktuellen Angaben im Internet (unterstützt von Arktur, der oben prächtig herauskommt), wo Merkur heute nicht ist. Dieser flinke Wandelstern mag gerade erst aufgehen? Er ist unten hinter den Gebäuden versteckt. Sein Licht ist so schwach, dass die Suche in der Dämmerung zwecklos ist.

Gleich geht die Sonne auf.

Die Zeit, den Merkur leicht am Morgenhimmel in der Jungfrau zu finden, ist erst einmal vorbei. Die Sternbilder bilden verlässlich eine wandernde Kulisse. Die Planeten, Kometen, Sonne und der Mond schippern verspielt in immer neue Positionen, bilden spannende Konstellationen. Mein astrologisches Bild, die Jungfrau, stand gerade Pate für den kurzen Auftritt des eiligen Planeten. Ein schöner Zufall, ihn dort so hell zu sehen und das seltene Schauspiel zu verstehen für einen Laien.

# Jungfrau

Ich bin am 27. August geboren. Mein Vater erinnerte, wie er mit dem Fahrrad entlang der Holmer Straße gestrampelt sei: Am Nachmittag wäre (mit auf der Elbe einsetzender Tide) ein schweres Gewitter niedergegangen. Etwa zu dieser Zeit kam ich im Wedeler Krankenhaus auf die Welt. Ich hätte nicht geschrien als ein besorgliches Zeichen, das Leben eventuell zu verweigern und von der Hebamme einen Klaps auf den Hintern bekommen. So wurde es erzählt. Das finde ich nicht komisch; jede Erinnerung wird zur Anekdote verändert. Die Aufklärung der Kinder, überhaupt das Ende der Jugend, sollte aufgeschoben werden? Wir rechnen astrologisch die Jungfrauen vom 24. August bis zum 23. September. Für meine Mutter problematisch. Greta erklärte mich zum Löwen um, als ich fragte. Es dauerte, bis ich herausfand: „Wir wollten es dir nicht sagen, weil du zu klein warst zu verstehen, was eine Jungfrau ist.“

🙂