Ein Mann, ein Wort! Menschen sprechen, schreiben, erinnern; sie tauschen sich aus, geben Erfahrungen weiter. Verträge werden gemacht. Es gibt die Sprache der Juristen, die der Seeleute, und manche bleiben Analphabeten, das ist seltsam. Alle, außer mir, telefonieren mobil. Niemand schreibt noch mit der Hand?

Direkte Kommunikation: Manche achten mehr darauf, wie etwas klingt, als auf den Inhalt der Botschaft. Wie kommt das? Wenn jemand zu mir spricht, muss ich entscheiden, ob derjenige mir wohlgesonnen ist. Erst dann bewerte ich, ob ich mich für das was er sagt interessiere.

Wünsche werden erfüllt, manchmal dauert es: „Ich rufe Sie nächste Woche deswegen an.“ Die Absichtserklärung. In jedem Wortbeitrag, den ein Mensch von sich gibt, ist die Motivation warum er sich äußert untrennbar integriert. Eine Absicht ist immer dabei. Niemand ist allein und vollkommen autark im Denken, Handeln und Sprechen. Hinter jedem Menschen stehen die, die mit ihm durch Beziehungen existentiell verwoben sind. Bei einem jüngeren Menschen sind die Eltern, Großeltern wichtige Bezugspersonen. Weil die Ernährung und die Existenz überhaupt von ihnen abhängt, wird ein junger Mensch diese bei jeder verbalen Äußerung innerlich abschätzend miteinbeziehen. Das heißt, wenn ein junger Mensch spricht oder schreibt, stehen nicht nur enge Freunde, sondern auch die Meinungen und Ansichten enger Bezugspersonen hinter jeder Kommunikation. Niemand, der spricht oder schreibt ist frei, wird sich immer an den Eckpunkten seiner Existenz ausrichten.

Ein Mann ein Wort? Die moderne Gendersprache irritiert mich schon etwas älteren Mann. In der Politik ist sie heute verpflichtend. In einer der letzten, noch die Öffentlichkeit bedrängenden Ansprachen der scheidenden CDU-Vorsitzenden, bevor sie erkannte, dass jemand anderes diese Position erkämpfen würde, hörte ich sie sagen: „Die Bürgerinnen und Bürger müssen, wie gleichwohl wir Politikerinnen und Politiker und die Soldatinnen und Soldaten“ – als sie soweit gesprochen hatte, war ich schon weg – weit weg, vom Thema, um das es ging, dass ich es nicht mehr mitbekommen habe.

Sprache ist Kampf? Krampf-Karrenbauer, das etwa dachte ich. Wer sich nicht an die Struktur anpasst, verliert möglicherweise. Sprache ist immer von den Ideen und Absichten dahinter manipuliert. Wir sehnen uns nach Menschen mit Ecken und Kanten, heißt es. Die Gesellschaft schleift die Ecken und Kanten rund, wie die Brandung die Steinchen am Strand.

Man kann nicht einfach an die Elbe fahren und sich einige Eimer Sand aus dem Strandbad holen, um damit im Winter den Gehweg bei Eisglätte abzustreuen. Aus zwei Gründen: Dieser Sand beißt sich nicht fest und ist kein guter Streusand. Der im Baumarkt gekaufte kommt nicht vom Strand, und die winzigen Krümmelsteinchen darin sind eckig. Sie rollen nicht auf dem Eis, wenn du deinen Fuß drauf setzt! Der zweite Grund ist, wenn du dem Nachbarn sagst, wie clever du billig deinen Sand vom Strand ge-eimert hast, für den Winterdienst, belehrt dich der Nachbar, zeigt dich womöglich noch an, wegen unsachgemäßem Streugut. Wir hatten ein Geschäftsgrundstück und einen großen Hof mit Parkplatz. Mein Vater hat es mir erzählt, daher weiß ich das.

Wer auch immer kommuniziert, andere stehen im Geiste dahinter, das sollten wir wissen. Eine neue Entwicklung ist die schriftliche Dauerkommunikation, mit nur wenigen Hinweisen auf die individuellen Besonderheiten des persönlichen Ausdrucks. Deswegen basteln manche die unterschiedlichen Emoji in jeden Text. „Ich wusste nicht, was ich dir antworten sollte“, schrieb mir eine Freundin – und da war es bereits aus. Wenn wir nicht mit der Tastatur kommunizieren würden, sondern von Angesicht zu Angesicht, könnten wir nicht in ein verzögertes Schlamassel geraten, wir müssten sofort entscheiden: Antworten, Schweigen, Weggehen? Unser Gesicht dazu, der Ausdruck – das spricht Bände, heißt es.

Ein Bild sage mehr als tausend Worte, heißt es auch. Warum beginnen Kinder, Musik zu machen oder malen? Weil es schon Musik gibt und weil die Eltern Buntstifte verteilen? Weil es Lob gibt, wenn man’s macht? Ein anderes Kind spielt immer mit dem Ball, aber wenn der Wunsch kommt, professionell Leistungsport zum Beruf zu machen, werden nur wenige Eltern die Begeisterung teilen.

Auf dem Weg in das Erwachsenwerden, müssen wir jungen Menschen verstehen, dass auf unsere Umgebung nur bedingt Verlass ist. Die Umgebung spricht zu uns, sie kommuniziert, und wir lernen, darauf zu antworten. Nun kommt es darauf an, wie verlässlich unsere Eltern sind. Sie müssen einem chaotischen Drumherum Sinn geben, den es möglicherweise gar nicht hat. Ob Gott die Welt geordnet hat, er „nicht würfelt“, wie Einstein meinte? Das wird noch bestritten. Und es gibt Eltern, die den Glauben so moralisieren, dass Kinder davon erdrückt werden oder Eltern, die desorientiert dem Geld nacheilen, dass jeder Sinn zerredet wird.

Bilder werden gemalt, wie der Golem geformt wurde: ein starker Platzhalter – etwas, das dem Künstler den Weg bahnt. Ein sprachloser Partner. Ein Bild redet anders. Ein Bild gibt der Umgebung einen Sinn, den persönlichen Sinn. „Du sollst dir kein Bildnis machen“, mahnt mich die PastorIn – „Er sitzt zur Rechten Gottes“, sprechen wir aber. Auf der Wolke? John Steinbeck hatte den Einfall, uns mit dem Wort „timschal“ bekannt zu machen, das etwa „du kannst“ bedeutet. Wird dies in die Gebote gesetzt, heißt es: Du „kannst“ nicht töten, ehebrechen oder stehlen. Weil wir wissen, dass wir es gleichwohl können, gibt uns dies die Würde und Verantwortung, selbst zu entscheiden.

Das ist Freiheit.

Kommunizieren ist immer auch die Frage an die Umgebung, Bestätigung zu bekommen. Und das Echo wird immer nur bedingt verlässlich sein, weil am Gegenüber der große, unbekannte Teil der anderen Beziehungen hängt, die wir nicht kennen. Das ist nicht erst so, seitdem die Menschen sich auf das manipulierbare elektronische Wort verlassen. Die Welt zeigt uns ihr modernes Gesicht, das unsere Eltern uns noch anders lehrten. Die Welt – sie hat ihr Vertrauen verspielt. Gestern waren wir jung. Wir glaubten, was man uns gesagt hat. Es ist vorbei damit. Trotzdem glauben? Es gibt sie noch, die Welt von gestern:

# Unglaublich, Danke!

Mir ist gestern Abend am Feiertag erster Mai nach dem Essen ein Inlay raus gefallen. Feier- und dazu Freitagabend-Feiertag, und ich sitze vor meinem Bild, ziehe nebenbei gedankenverloren Zahnseide durch. Fällt es spontan goldig auf meinen Pullover, einfach so. Das war ja vollkommen unbeschädigt, und behutsam lege ich das Ding neben meine Tastatur, ohne noch groß daran herumzufingern. Dann nehme ich das Telefon, suche die Nummer und rufe meinen Zahnarzt an, erzähle. Er sagt: „Ich mache noch schnell meine Bratkartoffeln fertig, esse – und in etwa einer Stunde können wir uns vor der Praxis treffen.“

🙂