Wieder hatte die SPD einen Kandidaten aufgestellt, der seine Wahl nicht gewinnen konnte. Das ist mein Eindruck der Landtagswahl. Hundert Prozent! Martin Schulz lässt grüßen. Wer in das verdutzte Gesicht von Thomas-Losse – boshaft: dem „Loser“ – Müller schaute, erlebte am Abend der Wahlschlappe ein Déjà-vu.

Natürlich, auch die CDU hat Wahlen verloren: Um den Bundestag, das große Ding verkackt. Der trockene Olaf ist so nebenbei durchmarschiert. Ich habe ihn nicht gewählt. Man muss zugeben, dass es nicht anders kommen konnte und wer überrascht war, wie ich zum Beispiel, einfach nicht genau hingeschaut hat – vorher, sollte es einsehen. Mein Fehler. Unvergessen (ist noch) der glücklose Armin Laschet, der dem zukünftigen Wähler aber schon bald so unbekannt sein wird, wie der damalige Kanzleranwärter Schulz es inzwischen geworden ist. Die Versenkung hat sich geöffnet!

Für mich liegt der Fokus auf dem kleineren Schleswig-Holstein, mein Zuhause, und den Fehlschlägen bei den Sozialdemokraten der näheren Vergangenheit, weil diese noch so präsent ist und mich persönlich berührt. Verschluckt vom Schicksal wurden Heide Simonis, später Torsten Albig. „Der Eindruck war ein anderer“, sagte der fassungslose Albig immer wieder, noch berauscht vom warmen Regen inmitten der Genossen auf den Wahlveranstaltungen, die doch in die kalte Dusche seiner krachenden Niederlage führten. Der Ablöser Daniel Günther war erst kurz vor der Wahl einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Das entspricht in etwa dem, was die Sozialdemokraten jetzt bejammern, man habe nicht genügend Zeit gehabt, den Kandidaten Losse-Müller vorzustellen. Insofern ist es keine gute Erklärung der Wahlniederlage.

Das Abtreten von Albig, verstockt in meiner Erinnerung, wie das verbissene Festhaltenwollen an der Macht von „Pattex-Heide“. Auch der Kandidat Ralf Stegner, der es nie ins Amt schaffte, hat dieses Auftreten vom unsouveränen Wadenbeißer. Heide Simonis fiel einer anonymen Enthaltung in einer Kampfabstimmung zum Opfer. Manche werden sich erinnern. Albig gelang die Wiederwahl nicht. Einzig Ralf Stegner kämpft verbissen um seine Karriere. Er tauchte am Wahlabend auch vor den Kameras auf, spendete dem geschockten Losse-Müller und seinen Mannen Trost in Kiel. Das habe ich im Fernsehen verfolgt.

# Ich interessiere mich für Politik

Es liegt mir fern, eine qualifizierte Bewertung zu versuchen, woran der Kandidat scheiterte. Ich begeistere mich für die Realität als eine harte Wahrheit und auf der anderen Seite unser Wunschdenken in mancher Lage, das ja nicht nur ein politisches Trauma werden kann, sondern Menschen allgemein betrifft, die auf einen Gewinn hoffen, ein Ziel ansteuern und welches zwingend zur Enttäuschung führen muss. Der gescheiterte Kandidat wird es bald schwer haben in seiner Partei. Was doch wundert, ist seine so offensichtliche Überraschung, eine totale Niederlage eingefahren zu haben, nachdem die Prognosen recht deutlich genau dies voraussagten. Die Enttäuschung war schmerzlich mitanzusehen. Losse-Müller ist dem Augenschein nach ein sympathischer Kandidat. Da fühlt man mit, wenn etwas nicht gelingt.

Ich schaute kurz in einen Ausschnitt des Wahlkampfes: Nebeneinander haben links Daniel Günther, der amtierende Ministerpräsident, in der Mitte der Herausforderer Thomas Losse-Müller und ganz rechts die Kandidatin der Grünen, Monika Heinold, die in diesem Moment selbst dafür wirbt, Regierungschefin werden zu wollen, ein Pult bekommen, sich zu präsentieren. Das TV-Triell. Losse-Müller beschreibt seine Vision kostenfreier Kitas für alle.

In diesem Moment zappe ich in die Sendung.

Köstlich trocken und kameradschaftlich ist diese Reaktion der beiden anderen. Heinold hakt gleich ein, als der Sozialdemokrat die Wundertüte ausschüttet, das Füllhorn seiner zukünftigen Regierung würde endlich die gebührenfreie Betreuung unserer Lütten möglich machen. Sie merkt an, dafür wären keine Mittel vorhanden.

Monika Heinold von den Grünen ist schon unter der Regierung Albig Finanzministerin gewesen, das ist bekannt.

Drollig demzufolge und besonders unaufgeregt, denn eigentlich sollten hier drei Anwärter um die Spitze kämpfen, springt Günther der Grünen bei. Die beiden teilen sich ein Büro? Das sind jedenfalls Partner einer gut funktionierenden Jamaika-Koalition und arbeiten nahezu reibungslos Hand in Hand. Das merkt man als Wähler schon. Norddeutsch unspektakulär sagt der Ministerpräsident in etwa zu Losse-Müller, sie nehmen den Armen so nebenbei in die Zange: „Kita gebührenfrei? Das geht nicht. Monika Heinold und ich kennen den Haushalt. Anschließend der Corona-Hilfen und den daraus resultierenden neuen Schulden, sowie der ungewissen, wirtschaftlichen Situation durch Krieg und Flüchtlinge, ist das nicht drin.“ Er tritt (locker) nach:

„Dieses Geld ist schlicht nicht da.“

„Dann machen wir es eben nicht …“,

… scheint der Herausforderer zu sagen; rein von der Körpersprache, knickt der Arme buchstäblich ein.

Dabei ist es sein zentrales Thema. Er probiert den einen oder anderen schlappen Satz. So hat das ausgesehen, richtig zugehört habe ich nicht mehr …

Der optische Eindruck war vernichtend.

Etwa so: Drei Kumpels einer Firma stehen zusammen. Der neue Mitarbeiter stellt seine Idee vor, die langjährige Angestellte und der freundliche Chef reflektieren. „Lassen Sie’s mal gut sein, Müller“, nette Idee. So kam mir das vor, und dann habe ich den Sender in diesem Moment wieder gewechselt.

🙂