Man stelle sich vor, wie lang es dauert, ein Bild zu malen? Nicht irgendeinen Schmierhin. Nein, die einigermaßen realistische Malerei. Anspruchsvoll. Das zieht sich. Eine ausgeklügelte, abstrakte Kunst ist nicht weniger schwierig zu erlernen. Nur Laien führt diffuse Intuition, banaler Geschmack. Selbst zu arbeiten, heißt zu bemerken, was tatsächlich besser sein könnte. Und was individuell Gutes wie Schlechtes bedeutet. Du wirst sehen, es benötigt viel Selbstkritik; hier stimmt die Perspektive nicht, da ist es zu dunkel oder dort müsste noch Glanz drauf. Im fertigen Bild nicht sichtbare Schwierigkeiten des Künstlers bei der Umsetzung eines Themas gestalten die Arbeit langwierig. Die Bedingungen im Schaffensprozess sind gelegentlich schlecht. Der Maler ärgert sich über das Material, wird anderweitig in der Konzentration gestört. Wer nicht willkürlich schreddert, benötigt Präzision. Er übermalt Fehler, die im Endprodukt nicht zu sehen sind. Reichlich Irrtum und viel Zeit, Widerstände aus dem Weg zu räumen. Je länger du arbeitest (nicht nur an einem Bild), Zeit vergeht, sich mit Malerei auseinanderzusetzen, wächst der Respekt vor den Kollegen, die man als bessere neidlos anerkennen muss. Was sind ihre Motive, wie definieren sie Erfolg?

Hängt das Bild, und nie kommt Besuch vorbei, hieße das einseitige Kommunikation. Ein langer Weg in die Sackgasse erzeugt möglicherweise Frust. Das kann auch zum Antrieb werden. Eigentlich gehen wir davon aus, unser Bild werde von anderen angesehen. Jemand spricht, in diesem Fall mit Farbe und Form, andere rezipieren. Sie nehmen Inhalte, statt über die Ohren, sehend auf. Malerei kommuniziert; lang wird geschaffen, kurz geschaut. Meine Reise ist, wie mit einem Boot durch alle Wetter kreuzend, fertig werdend, schließlich beim Motiv anzukommen. Dagegen genügt uns eine schnelle Fahrt mit den Augen, alles zu betrachten. Einen Quadratmeter Fläche kann jeder zügig erfassen. Sekunden reichen aus, wesentliche Inhalte zu bemerken.

Ein gutes Bild wird dem Liebhaber nie müde zu betrachten. Da gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Wir assoziieren eigenes, interpretieren das Gesehene individuell. Erfrischende Kunst entsteht im Auge des Betrachters. Emotionen sprießen, Fantasie blüht oder ein gruseliger Moment lässt den Betrachter kalt erschaudern, das ist ein Bild! Wir denken die Motive, Themen kreativ weiter, vergleichen innere Bilder damit, die uns kommen wie im Roman, den wir gern verschmökern. Quatsch begreifen wir mit einem Blick und gehen darüber hinweg, uns nie wieder darauf einzulassen. Da kann gewichtig drübergeredet werden in der Vernissage, egal.

Eine Radiosendung muss vorbereitet werden. Unterrichtsstoff des Lehrers einer Schule benötigt kritische Beschäftigung, bevor er Lernenden präsentiert wird. Nicht selten wird der Inhalt einer Kommunikation ineffektiv vom Empfänger aufgenommen. Wenige schalten das Radio ein, während gesendet wird? Die Schüler sind abgelenkt, der Stoff ist dröge. Als Künstler muss man sich die Frage stellen, worauf es ankommt: Resonanz oder Produktion? Den Schwerpunkt setzen, ihn gegebenenfalls verschieben, bedeutet mehr Kontrolle darüber zu gewinnen, was man tut. Zu prüfen, ob und wie die Arbeit bewertet wird, gehört dazu. Einen Monolog zu halten, macht nur Sinn, wenn man sich darüber klar ist, was das Ganze soll. Ein Idiot ist auf jeder Party, redet, und niemand hört zu? Darüber sollte nachgedacht werden. Die Bilder der alten Meister im Museum werden angeschaut, obwohl die Künstler tot sind und eventuelle Zuneigung durch staunende Besucher nicht mitbekommen. Der Betreiber einer Kunstausstellung oder Biograf eines Verstorbenen mag annehmen, gemocht zu werden, wenn Interessenten erscheinen? Das ist etwa so, wie wenn jemand eine alte Platte online stellt, Kommentare gepostet werden. Deswegen bist du nicht der Duke (Ellington).

Man sei kein Künstler, weil man Bilder sammelt, meint David Hockney.

Die Ausstattung einer Präsentation ist eine Form der Kunst. Ein Bild in die Öffentlichkeit zu bringen, bedeutet einen Teil der Kommunikation zu leisten. Eine Sammlung schaffen, zu präsentieren, ist als kunstverständiges Tun mehr, als einen Spruch zu lassen. Geltungsdrang und Leistung machen nur Sinn im persönlich befriedigenden Verhältnis zueinander.

# Gute Unterhaltung!

Es drängt zur Kunst? Wir können die Welt nicht gestalten, aber eine Leinwand. Die Natur besiegen wir nie, wir passen sie künstlich an. Menschen gehen nicht auf die Toilette, weil das Wasserklosett erfunden wurde. Schöner Wohnen, besser schietern? Eine Glosse muss nicht wahr sein, es genügt zu unterhalten.

Wir haben gerade unser Bad saniert, und ein Kunstkreis weit westlich von Hamburg lädt zu einer neuen Ausstellung ein. Was das miteinander zu tun hat: Es kommt auf die individuelle Sicht an!

Zunächst das schöne Badezimmer. Rundum gelungen, dank an die Handwerker. Wir ließen das neue WC gemäß Angebot einbauen, und ich habe im Ausstellungsraum des Händlers auch zur Probe gesessen. Nicht nackt. Das hätte ich tun sollen! Wer ahnt denn, dass es ein Klo für Eunuchen ist? Das Dianawandklosett einhundert scheint mir für Frauen und Vollkastraten ohne Hodensack oder Hängepenis konzipiert. Nur mit kurz geschrumpften Klüten und Pinkelstummel (an einem kalten Tag), wäre es (gerade) noch möglich, sich kontaktlos draufzusetzen …

# Wind muss wehen!

See steiht vun achtern und von vorn, zurück darf kein Seemann schaun. Hans Albers kommt mir in den Sinn. Sturm im Waschbecken, in der Kloschüssel: „Nordwest“ gift krusen Büdel un’ lütt’n Pint, heißt es an Bord.

Ich hoffe auf kalte, windige Herbsttage.

Flache Schüssel. Und was noch schlimmer ist, ich habe diese Diana selbst gekauft, abgehakt, ohne weiter darüber nachzudenken. Wie doof ist das denn? Und nun ist sie fest mit der Wand verkachelt. Wahrscheinlich male ich Schwachsinn, weil das so einfach ist, mein blödes Hirn für Design nicht taugt: Das ist zu schick für mich. 

# Feuchtgebiet

Morgens, wenn ich mit Wasserlatte den kurzen Weg ins Badezimmer mache und entsprechend lang abhänge, liegt mein Gemächt auf dem glatten Porzellan auf. Kalt, nass und möglicherweise feucht vom Pipi der ganzen Familie? Brr. Sich stocksteif aufrichten und weit hinten sitzen, hilft. Je nach Länge, und das ist beim richtigen Mann verschieden. Nur durchgegenderte Transtanten mit Regenbogenarsch können jederzeit kurz sitzpieschern. Immerhin, es hat einen tollen Hall: Das dröhnt! Eine echte Furztrompete. Pavlos und seine trinkfesten Freunde auf der nahen Terrasse vom „Lindos“ benötigen nur noch die kleinen Ohren der indischen Elefanten für das Vergnügen, dabei zu sein: Mein Rüssel ringele sich. Es ist hübsch und kurz, dieses „Diana“, dicht bei der Wand; darum hat man es uns empfohlen. Unser Bad ist klein.

# Assoziationen

Kunst muss anstoßen. Die Fettecke von Beuys polarisierte noch, weggeputzt! Sauber. Neue Themen reizen, mal dir selbst den Schwamm fürs Klo. Der große Bogen eines schrägen Gedankens führt Inhalte kreativ zusammen: Und dann aktuell der Kunstkreis. Ich bekomme Einladungen. Diese Leute sind wichtig. Sie sind vergleichbar mit den Herstellern von Sanitärporzellan. Als Künstler ist man darauf angewiesen, wie der Mensch auf das Klo. Wo ablassen, wenn nicht beim Aussteller? Ich werde regelmäßig beworben, mir was anzuschauen und habe mich in der nahen Vergangenheit zurückgehalten mit Spott. Ausgetreten war ich (aus dem Vorstand), nachdem Details über eine Kollegin mich nachdenklich machten. Was mochten die Tanten über mich zum Besten tratschen? Milde geworden, habe ich Ausstellungen besucht. Was sollen alte Frauen, die selbst nichts Gescheites an den Tag bringen mit ihrer Zeit anfangen? In der hochberühmten Drostei, im Barlachhaus ist es vermutlich nicht anders. Die Kunst ist fest in der Hand vertrockneter Schrapnelle mit intellektueller Brille. Gut, dass die Pandemie den Kulturbetrieb maßgeblich lahmgelegt hat. Dünnsinn, mit Steuergeld subventioniert, muss beendet werden. Aber Unkraut vergeht nicht, kommt jetzt glatt daher wie meine neue Schüssel. Ich ertrage (gutgläubig) Beschiss im Hof, der angrenzenden Küche, im Badezimmer.

Schöne Neue Welt und schönen Gruß!

🙂