Selbst sei der Mensch, egoistisch und gut! Wer sich nicht wehre, „käme an den Herd“, lehrt die moderne Frau. Was ist mit denen, die sich krankhaft nicht wehren können? Und wieso überhaupt kämpfen, wenn alle divers und tolerante Gutmenschen sind? Mitnichten ist diese Welt freundlich. Die Lüge als bessere Wahrheit: „Meine Waffe ist das Wort“, scheinen viele zu denken. Auf der anderen Seite haben einige Probleme. Psychisch erkrankten Männern wie Frauen, unfähig, sich zu sozialisieren, fehlt es schon deswegen an einer starken Lobby. Sie sind das Kanonenfutter einer Gesellschaft, die munter andere abschießt und dabei frech das Beste von sich sagt. Bloß nicht ausrasten. Überwachung, mit Medikamenten gängeln, Betreuung: Niemand hilft dir, wenn du eine psychische Krankheit hast! Man nutzt dich aus. Die Leute fürchten sich davor, und Ärzte verdienen daran. Für Straftäter gibt es Polizei, Gericht und Gefängnis. Für Kranke ist der Psychiater zuständig, und der schafft ein imaginäres Gefängnis um den Kranken herum. Der Spezialist stützt das latent vorhandene Misstrauen der Gesellschaft, das sie gegenüber diesen Sonderlingen hat und baut es noch aus, indem er ein Stigma verewigt. Aus einem Menschen macht der Arzt den Patienten.

Wer mehr als einmal in eine Klinik eingewiesen wurde, bekommt anschließend Probleme einer neuen Qualität. Zusätzlich dazu, das Leben zu meistern, mit dem Handicap erneut psychisch zu erkranken, entwickelt sich neben der eingebildeten Bedrohung die wirkliche, von anderen gemobbt zu werden. Darin steckt eine verkappte Bosheit, die das einfache Fertigmachen von Mitschülern oder Arbeitskollegen, die genügend Angriffsfläche bieten, bei weitem übertrifft. Wenn es im Dorf einen Sonderling gibt, scheint es lohnend zu provozieren, bis in der Gemengelage aus Aktion und Reaktion postuliert werden kann, nicht nur ein Spinner laufe rum, sondern der stelle eine Gefahr dar. Nun finden sich alsbald Menschen, die glauben, die Polizei sei ihr willfähriges Spielzeug, die Sache unter Dach und Fach zu bringen, einen Mitmenschen dauerhaft des Ortes zu verweisen. Die Grenzen zwischen Nachbarn, Leuten die nur vom Hörensagen informiert sind, Familienmitglieder, die Geld wittern, das sie ihrem Verwandten abspenstig machen können und die Barrieren zwischen Ärzten, die Schweigepflicht haben sollten sowie zwischen der Polizei und Politik, weichen gern auf, wenn die Anerkennung winkt, einen Gefährder dingfest zu machen.

Leben in der Zivilisation? Es bedeutet klug zu sein, um es innerhalb der anderen zum anerkannten Platz zwischen ihnen, möglicherweise über der Masse zu bringen, und klug ist ein Verhaltensgestörter gerade nicht. Das sagt man nicht, aber psychisch krank zu sein, ist eine Form von Dummheit. Man sollte es so formulieren: unklug sein, das ist treffender. Sonst gäbe es keine Therapie. Denn was anderes ist das, als Schule? Natürlich sind Schüler nicht per se dumm oder nicht intelligent. Therapie ist der (oft hilflose) Ansatz, manipulativ Intelligenz bei anderen zu entwickeln. Anders ausgedrückt: Intelligente Menschen verhalten sich nicht klug, das ist der Grund für ihre Probleme. Ohne über Begriffe streiten zu wollen, hilft es, die Worte Intelligenz und Klugheit gegeneinander auszuspielen, um deutlich zu machen, dass jemand nicht weiß, wie er gegen sich selbst handelt.

Geboren zu werden, bedeutet nicht automatisch willkommen zu sein. In jedem Fall ist ein neu dazugekommener Mensch, ein Baby, durchaus ein Problem. Wir berechnen Kindheit über die Jugend bis zum Erwachsensein mit heute achtzehn Jahren. Die Gesellschaft erwartet, dass diese Zeit von Eltern, Verwandten und Lehrern genutzt wird, den jungen Dazukömmling zu integrieren. Eigenverantwortlichkeit, das Streben nach gesicherter und befriedigender Existenz des nun Erwachsenen, sind eine gute Basis, ihn zum nützlichen Mitglied der Welt zu machen. Wir nehmen an, dass einer sowohl den anderen dient, als auch sich selbst Gutes tut. Leider entwickeln nicht wenige die ungesunde Schieflage, ihr Selbst dabei problematisch zu vernachlässigen. Auch ein Narzist oder Egoist handelt nicht klug. Das Ideal wäre ein Zeitgenosse, der in stabilen Beziehungen tut, was ihm gefällt. Ein egomanischer Typ wird kaum befriedigende Partnerschaften haben, und ein der Anerkennung nachlaufender genauso wenig. Abteilungsleiter wird nur, wer sich als selbstbewusster und stärker erweist (als der bisherige Vorgesetzte). Durch Fleiß in der Arbeit allein gelingt keine Karriere. Die Aufgabe eines Therapeuten wäre, Selbstbewusstsein so zu lehren, dass jemand, dem es daran fehlt, weiß, wie es zu entwickeln sei. Mit Psychopharmaka, Gesprächen und kleinen Aufgaben für die Patienten erreicht dieser das Ziel, seine Zöglinge stark zu machen, nur selten.

Man weiß schon, dass Sport und Entspannungsübungen irgendwie gut tun. Genauer darauf zu achten, wie das geschieht, könnte hilfreich sein. Zwei Fehler macht der Therapeut mindestens. Allein, dass er leitend Teil des Lebens anderer wird, stellt das Problem auf feste Beine, unselbständige Kranke an einen Führenden zu binden. Dazu kommt das Gespräch mit dem Patienten; die zweite Schwierigkeit liegt im verbalen Umweg dieser Hilfe. Kommunikation durch das gesprochene Wort steht im Weg. Missverstandene Anteilnahme, verdeckt durchschimmernde Manipulation und Ratschläge, die ihr Ziel verfehlen, sind nicht ungewöhnlich. Da das bereits bekannt ist, werden gern Medikamente eingesetzt. Das kann in Notlagen wirklich helfen, auf lange Sicht verewigt die Medizin ihre unbedingte Notwendigkeit. Droge Arzt; sich vor dem Leben ohne Therapeut zu fürchten, schafft eine alternativlose Symbiose. Und keine Alternative zu haben, macht Angst. Das ist ein Teufelskreis. Reden allein hilft nicht. Dem Depressiven zu raten, dieses oder jenes zu tun, haben auch die Angehörigen bereits erfolglos probiert. Würde der Therapeut, der lieber eine Art Trainer sein sollte, die Muskulatur des psychisch Kranken in sinnvoller Weise dem Betroffenen nutzbar machen, könnten Abhängigkeit und missverständliche Kommunikation zurücktreten. Selbstverständnis stünde an erster Stelle beim Patienten, dazu die Aussicht, wieder Mensch zu werden.

Die Probleme beginnen mit der Eingrenzung auf eine Diagnose. Anstelle den ganzen Menschen vor sich zu bemerken, hilft sich der Arzt, ihm eine Krankheit auszusuchen. Das ist im Sinne des Fehlers, ein Pferd von hinten aufzuzäumen, beim Symptom zu beginnen, dies mit den Macken anderer abzugleichen. Das mag beim Internisten gehen, beinhaltet beim Psychiater die Gefahr, den Kopf vom Rumpf zu trennen und sich in Begrifflichkeiten verlieren. Ein Mensch ist unterwegs wie eine Kutsche mit Passagieren, ein Taxi mit Fahrgästen, aber deren Ziele sind nicht dieselben. Dem Fahrer obliegt, die beste Lösung zu finden, alle an ihren Bestimmungsort zu kutschieren. Dabei darf der Kutscher nicht die Nerven verlieren. Der Verkehr drumherum ist anstrengend. Seine Fahrgäste weisen ihn an, wo es hingehen muss, jeder möchte als erster ankommen. Dazu kann das Auto (resp. die Kutsche) Probleme bereiten als ein System, das verstanden und gewartet werden muss.

# Der Notbremsassistent 

In diesem Zusammenhang mögen Beispiele aus dem Bereich „Künstliche Intelligenz“ nützlich sein, unser Verständnis vom Menschsein zu erweitern. Der Orthopäde versteht den Körper als funktionierende Mechanik, will sich gern laienhaft in den Bereich Stress tasten. Der Spezialist kann trotzdem nur selten erklären, wie Funktion und Denken mit Emotionen, dem Fühlen und Berühren zusammenhängen, einen Menschen ausmachen. Ein kleiner Umweg in das Thema „Mensch und Maschine“ mag dafür herhalten, anschaulich darzustellen, wie ein angetriebenes System bestenfalls gelenkt wird. Die Idee dahinter ist das Modell eines Kapitäns an Bord, die Leitung vom Apparat auf seinem Weg. Das macht den Zusammenhang von Körper und Geist anschaulich.

Zunächst eine Episode aus der bemannten Raumfahrt. Warum wurde Neil Armstrong dazu auserkoren, sein Raumschiff auf dem unwegsamen Mondboden zu landen? Man war seinerzeit der Auffassung, Astronauten wären besser dazu geeignet als vollautomatische Lander. Tatsächlich übernahm der Berühmte die letzten Meter des Landeanfluges als verantwortlicher Pilot selbst. Armstrong schaltete den Autopiloten ab. Der militärisch trainierte Flieger erkannte im vorausberechneten Terrain eine ungeeignete Gesteinsformationen, herumliegende Brocken, in denen die Landfähre vermutlich beim Aufsetzen umgekippt wäre. Er entschloss sich, etwas weiter zu fliegen, als geplant, und setzte den Adler sicher auf, als eine glatte Ebene erreicht war. Der Bodenstation stockte der Atem, denn der Wagemutige verfeuerte den vorhandenen Treibstoff für dieses Manöver komplett. Ein nur wenige Meter längerer Landeanflug, durch den nach gutem Gelände suchenden Armstrong, hätten bedeutet, nicht genügend Reserve für den späteren Start an Bord zu haben. Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer für die Menschheit; ganz bestimmt!

Bevor Corona die Nachrichten beherrschte, gab es andere Themen. „Kampfhunde fallen Passanten an“, oder Busunfälle wurden wochenlang diskutiert. Wenn irgendwo ein Reisebus verunfallt, ist das Entsetzen groß. Manchmal brennt es, und in diesem Zusammenhang wird überlegt, ob die Polster der Sitze aus einem anderen Material gefertigt werden müssten? Gelegentlich stürzt das Fahrzeug eine Böschung runter, und dann fragen die Medien, wie es dazu kommen konnte? Nicht selten ist zu geringer Abstand der Grund für einen Unfall. Der Bremsweg hat nicht ausgereicht. Wie die Medizin den Menschen besser und belastbarer, langlebiger machen möchte, chirurgisch und mit Vorsorge in das System eingreift, probieren wir insgesamt, unsere Technik sicherer zu machen. Was genau der Gesellschaft nun Verbesserung eigentlich bedeutet, wird immer neu definiert.

Es ist schon eine Weile her, dass in einem Beitrag Busfahrer sich dazu geäußert haben, warum der für den Notfall gedachte Bremsassistent, eine technische Raffinesse moderner Fahrzeuge, vom Unternehmen gern abgeschaltet würde. Das sei erlaubt, und nicht wenige nutzten diese gesetzliche Freiheit, warum? Der Fahrer, der lieber unerkannt sein wollte, meint dazu, das System verhalte sich stumpf nach der kameragesteuerten Abstandsmessung. Es bremse ständig das Fahrzeug in Momenten, wo der geübte und aufmerksame Lenker den Wagen einfach laufen lasse. Das sei der Fall, wenn man auf der Autobahn unterwegs wäre und ein Pkw überhole den Bus. Da gäbe es nicht wenige, die scherten haarscharf vor dem Reisebus ein, wohl, weil sie sich vor dem nachfolgenden Wagen auf der linken Spur fürchteten. Die seien im Zwiespalt, den langsamen Bus überholen zu wollen, hätten dabei aber das Gefühl, auf der linken Spur nichts verloren zu haben. Sie möchten das Manöver möglichst schnell hinter sich bringen. Wenn ein kleines Fahrzeug knapp rüberzieht, erkennt der Busfahrer, dass weiter vorn nichts ist, der Pkw in Kürze Abstand gewinnen wird. Er bremst also nicht, obwohl der Sicherheitsabstand unterschritten wurde, und nach einem Augenblick ist tatsächlich wieder Platz zum Vordermann, der nun Gas gibt. Lässt man den Automaten sein segensreiches Werk tun, würden die Senioren auf ihrer Kaffeefahrt seekrank. „Wir wollen nicht mit ,dem‘ fahren, lieber mit ,Soundso‘, da schaukle es nicht“, erklärten diese. Das schade dem Geschäft.

# Damals, als die Erde noch flach war …

Als der liebe Gott den Menschen konstruierte, dauerte das, anders als in der Bibel dargestellt, länger. Über den Affen und Neandertaler entwickelte sich das kleine Arschloch weiter, bis es so wurde, wie heute überall anzutreffen. Das Feuer nicht mehr zu fürchten, selbst welches anzünden zu können, hat viele Jahre in Anspruch genommen. Damit einher ging die Möglichkeit, Fleisch zu braten, das vorher nicht auf dem Speiseplan stand. Gekochte und gebratene Tiere sind weich und besser verdaulich. Mit dieser neuen, erweiterten Möglichkeit, andere essen zu können, wurden die Urmenschen kräftiger und ihre Gehirne wuchsen, bis sie die Größe eines heutigen Denkapparates erreichten.

Sollte ich dies als Satire kennzeichnen? Eine beunruhigende Perspektive: Wir dürfen also befürchten, dass, wenn sich die vegane Ernährung gretabedingt durchsetzt, unsere Gehirne zukünftig wieder schrumpfen? Das aktuelle, zeitgeistige Unwesen – wie manche in der rechten Partei kritisieren oder der Kirche – moderne Frauen z. B. und Schwule überall, die ernst genommen würden, sei nicht weniger bedenklich, als der grüne Verbotewahn für uns, finden welche. Die menschgemachte Klimakatastrophe wäre unwahr, ein Fake der Medien, weil es auch in grauer Vorzeit schon recht warm gewesen sei, behaupten diese weißen, alten Männer. Das ließe sich kaum bestreiten, bedeute aber nicht, eine rasche Erwärmung des Planeten zu begrüßen, hält die Wissenschaft farbig und flexibel dagegen. Das Artensterben ist unbestritten gefährlich für uns, und auf Dauer können die Ewiggestrigen nur verlieren.

Damals war es besser? Das kann sein, aber heute ist es eben anders. Früher war unsere Arbeitsteilung: die Männer jagten und kämpften, dazugehörende „Mädels“, welche ihre Kinder ja auch austragen, hätten sich drum zu kümmern. Sexismus war kein Schimpfwort oder die Rechtfertigung einer Anklage. Es gab in der Steinzeit keine Frauenquote im Management einer Sippe, und das war auch gut so: Sonst hätte man gemischte Gesellschaften erdacht und nicht das Patriarchat. Das seinerzeit Bessere hatte sich durchgesetzt. Zum brachialen Kämpfen ist der Mann geeignet. Mit der Waffe in der Hand tötet er die Gegner. Er bildet eine stärkere Muskulatur aus. Anschließend fällt der Krieger über die Frauen und Mädchen im besiegten Dorf her und vergewaltigt nach Lust und Laune. Das ist unsere menschliche Geschichte. Gut möglich, dass diese Vergangenheit zur Gegenwart wird! Niemand sollte sich blind auf den Segen geordneter Verhältnisse in seiner zivilisierten Umgebung verlassen. Unsere Natur ist bis heute die Basis: Frauen sind einen Großteil der Zeit damit beschäftigt, sich um ihre Kinder zu kümmern. Wir betrachten die Vergangenheit aus der Höhe unseres Intellektes. Die Standbeine dieses Rahmens sind aber imaginäre. Sie tragen uns nur, wenn alle mitmachen. Heute denken wir gern anders darüber, wie es früher richtig gewesen ist. Nur Barbaren möchten Homosexuelle abschlachten und Frauen versklaven. Tatsächlich schlummert der böse Mann im zivilisierten bis heute.

Während also der liebe Gott hunderttausende an Jahren benötigte, uns den Weg in die Moderne zu zeigen und dabei seine Schöpfung modifizierte, erleben wir einen ähnlichen Prozess beim Automobil, das ist meine heitere These, unser Denken zu beflügeln. Die Fahrzeuge änderten sich mit der Zeit: Künstliche Intelligenz, selbstfahrende Fahrzeuge (und Raumfahrt ohne Pilot) sind bereits Realität. Wir können davon lernen, uns als ein Stück der Natur noch besser zu verstehen. Alternatives Denken kann Brücken bauen, wenn wir zulassen, ein wenig zu spinnen.

# Die Schöpfung des Menschen ist das Auto

Einige Parallelen sind erkennbar. Die Affen waren nicht in der Lage zu sprechen. Der Neandertaler konnte es möglicherweise, und irgendwann jedenfalls in der langen Zeit unserer Entwicklung, lernten wir’s zu tun. Dann kam noch das Schreiben hinzu, das Protokollieren menschlicher Ideen und Erfindungen. Der Siegeszug, alles platt zu machen, nahm unaufhaltsam seinen Lauf. Wie lange mag das gut gehen?

Wir Menschen sind wie „Karius und Baktus“. Einige werden sich an dieses Kinderbuch erinnern. Das Schlaraffenland der kleinen Zahnzerstörer und Bewohner einer Mundhöhle endet im Abfluss. Als der Doktor (und schließlich Jens selbst mit der Zahnbürste), sämtliche Errungenschaften wie einen „Balkon am Backenzahn“ oder aufwändige, in das Weiß gemeißelte Treppen und prunkvolle Eingänge im Gebiss brutal fortfegt (wie die wütende Ahr angrenzende Gebäude), ist Schluss. Wir sind eine Krankheit der Erde, machen alles kaputt, denke ich. Die Natur kommt böse zurück.

Nichtsdestotrotz wollen, ja müssen wir leben. Ein Paradox, dass wir nicht gern, leicht und selbstbestimmt den Laden hier verlassen können. Das liegt vor allem an unserem automatischen Überlebenswillen. Was ist ein Wille zum Weiterleben genau? Wer in uns möchte nicht sterben, etwa das Herz, wie es schlägt oder die Muskulatur zum Atmen, die unentwegt arbeitet, ohne dass wir das mal abstellen könnten, das sind Fragen. Und hier kommt die Parallele zu unserer künstlichen Schöpfung, dem Auto, als gelungenes Beispiel dran, uns den menschlichen Organismus zu erklären. Wie wäre es, einen Wagen zu fahren, dessen Motor nicht abstellbar ist, und ein Fahrzeug zu lenken ohne Bremse: Was müssten wir tun, dem Auto Intelligenz zu lehren? Das könnte auch anderswo helfen, neu zu denken. Wir könnten größer denken. Statt zu bemerken, der Lenker eines Systems, beim Menschen also sein Gehirn (oder der Busfahrer im Reiseverkehr) müsse geändert und behandelt werden, sollten wir beobachten und untersuchen, wie dieses Gebilde insgesamt fährt und woraus es besteht.

Eine Kutsche zu verwenden, hieß mit den Pferden als ihr Antrieb eine natürliche, lebendige Maschinerie einzusetzen. Unter Umständen, wenn dem Lenker das Missgeschick passierte, dass ihm seine Gäule durchgingen, erlebte der Hilflose (und die entsetzten Fahrgäste), dass zu bremsen nicht genügte, das schleudernde Fahrzeug zu stoppen. Im Gegenteil, ein kundiger Fahrer würde gut daran tun, zu lenken, anstelle krampfhaft am Bremshebel zu reißen. Mit einem passenden Kurs konnte seinerzeit möglicherweise das Schlimmste verhindert werden. Dann beruhigten sich die Pferde irgendwann. Damals wusste man, Natur und Technik zu beherrschen, etwa dem Segelschiff durch Sturm zu verhelfen, das eigene Leben und die Fracht an Bord im unabänderlichen Wetter zu führen. Der moderne Kapitän kann glauben, sein monströses Stahlungeheuer trotze jedem Sturm und halte den digital errechneten Fahrplan ein, ja der Reeder wird überlegen, ob das Schiff überhaupt einen Kapitän benötigt? Das selbstfahrende Schiff ist (noch) Utopie, Autos und Bahnen fahren bereits vollautomatisch. Der automatische Mensch ohne individuelle Fantasie, mit entsprechenden Problemen oder zumindest der systemrelevant, perfekt integrierte, würde manchen gut in den Kram passen. Spediteure, Reeder nutzen eine Flotte von Lastwagen oder Schiffen, erwarten billige und ungestörte Abläufe. Der Anbieter eines sozialen Netzwerks im Internet möchte Nutzer binden, ein Staat wünscht sich das kontrollierte System. Jeder einzelne Mensch ist dem Bindungswillen der entsprechend übergeordneten Instanz unterworfen, wird sich besser fühlen, wenn ihm das große Ganze genügend Raum lässt. Das gilt umgekehrt auch für jeden selbst. Wir lenken uns mit dem Gehirn: Die größere Gesundheit erfährt derjenige, dem angemessene Funktion gelingt, Befindlichkeiten seiner Extremitäten und inneren Organe spürt, wahrnimmt.

# Die gute Nachricht

Eine moderne Psychiatrie. Bald werden Frauen in Massen diesen Beruf zu ihrem machen. Es gibt bereits Anzeichen. Ich quatsche ständig junge Mädels an, kenne mich aus! (Das hat schon Ärger gegeben). Immer öfter möchten sie Psychologie studieren, toll. Psychiater und -innen könnten noch an Intelligenz gewinnen. Letzte Hoffnung ist die junge, moderne, farbige Frau. Wie die bunte Kunst: Vielfarbiges Fabulieren und fröhliches Therapieren gefallen mehr, als alte, weiße Kittel, benebelte Schädel und an das verkotete Bett geknotete Knebel.

Ein Mensch hat, als Erbe seiner Vorfahren oder Einfall vom Schöpfer eingebaut, in entsprechenden Situationen, die erkennbar seine Existenz oder zumindest seine nächsten Schritte gefährden, Angst. Wenn gerade wenig davon spürbar ist, geht es uns gut, beziehungsweise besser – ein klein wenig Furcht wird uns dauerhaft zu eigen sein, sonst – Narren fühlen nicht. Ein psychisch Kranker weiß nicht, mit seiner Furcht umzugehen.

Nehmen wir an, der Mensch begriff in grauer Vorzeit, was ihm jeweils Angst bedeutet? Es gab noch keine Atombomben. Anderes wird den Urmenschen geängstigt haben. Auch wenn wir kein steinzeitlicher Experte sind, sollte jeder die bekannten Fakten nutzen können. Die frühen Vorfahren lernten den aufrechten Gang. Sie begannen zu sprechen. Sie verstanden schließlich Waffen herzustellen, Feuer zu machen und vieles mehr. Ganz sicher musste ihr Erfinder, der allerliebste Gott, ihnen die Lernfähigkeit als besten Wesenszug einbauen. Das, was wir Intelligenz nennen, bedeutet eigentlich die Fähigkeit auszuwählen. Der Gesunde erkennt die gute Richtung, das nützliche Produkt. Der psychisch Kranke erkennt es weniger gut. Schlimmstenfalls wünscht sich so einer den Tod, sucht also ganz bewusst den schlechten Weg.

Es ist offenkundig, dass Angst wahrzunehmen überlebenswichtig ist. Das bedeutet, gemäß der Bibel: „Der Kluge sieht das Unglück und verbirgt sich, die Einfältigen laufen weiter und erleiden Strafe“, dass zu bremsen, überhaupt langsamer zu handeln und erst nachzudenken, eine bekannte Qualität ist. Bremsen heißt, Muskeln zu kontrollieren. Kein psychisch krankes wie gesundes Gehirn existiert ohne den dazugehörigen Körper. Manche spannen sich täglich gewohnheitsmäßig, dass selbst Laien gelingt, dies bei anderen zu bemerken. Fremden beizubringen, sich zu ändern, ist schon schwieriger. Angst lähmt, kann aber auch die Basis einer spontanen Aggression werden oder der Antrieb davonzulaufen. Angst macht feige? Gleichwohl kann Angst dazu führen, einen beherzten Befreiungsschlag auszuprobieren. Der Angriff auf einen Feind, der uns bedroht und wegen dem wir uns fürchten, kann sinnvoll sein. In die Konstruktion Mensch wurden diese Verhaltensweisen bereits bauseitig integriert. Und zwar in die Muskulatur.

Nur muss der Moderne lernen, damit umzugehen, wie der Busfahrer mit dem Auto. Das moderne Auto denkt, und nicht jedem gefällt das. Der Apparat Mensch handelt in manchem autonom. Das kann sich auf eine Weise verselbstständigen, die weit über das (vom Erfinder gesetzte) Ziel, ein in der modernen, bedrohlichen Umwelt überlebensfähiger Mensch zu sein, hinausschießt. Was wäre ein automatischer Bremsassistent, der fehlerhaft eingestellt, die Kontrolle im Reisebus an sich reißt, selbstständig Gas gibt, vollbremst? Wie kommt es, dass ein Mensch so vieles macht, von dem er gar nicht weiß wie? Obwohl der Vorgang „Essen“ eine komplexe Angelegenheit ist, kann kaum jemand erklären, welche inneren Vorgänge von dem Moment an, wo die Nahrung im Mund ist, bis zum Ende vom Prozess auf dem Klo übermorgen geschehen.

Nehmen wir an, der Affe unserer steinzeitlichen Vergangenheit ist gerade im Begriff, sich zum Neandertaler zu mausern. Es mag so gewesen sein, dass die damaligen Primaten in den Bäumen lebten und die neue Sorte drunten herumgelaufen ist. Damit wird sich, was ihnen als jeweils gefährlich galt, geändert haben. Angst stecke uns in den Knochen, heißt es, und in den Muskeln merken wir Furcht. Sie krümmt uns oder macht uns stocksteif; manche ignorieren diese Tendenzen, latschen, als wär das scheinbar locker, mache Eindruck. Unser Körperschema bei Angst – aber jeder reagiert individuell darauf.

# Etwas bemerken

Erst habe ich nur so gemalt. Als Künstler wurde es mir bald wesentlich, mich genau kennenzulernen. Andere scheinen sich in dem was sie tun nur zu wiederholen. Mir würde das nicht genügen. „Wenn ich merke, da ist keine Entwicklung mehr, stoppe ich“, sagt Trompeter Chet Baker im Interview.

Der eine Trucker fährt problemlos mit der neuen Technik, andere regen sich auf, deswegen das Beispiel, als Anreiz drüber nachzudenken. Kein moderner Fahrer hat noch die Wahl, vom Chef einen alten Büssing von vor dem Kriege zu fordern und in der Spedition seinen eigenen Oldtimer zu fahren. Und kein moderner Mensch kann sich der natürlichen Systematik entziehen, als helfe eine neu gekaufte Jacke, eine Beauty-OP, oder eine Medizin gegen emotionale Probleme, würde effektiv als Impfung gegen Furcht das Beste rausholen. Instinkte und Angeborenes sind bis heute Teil des Menschen, meint man, und noch mehr prägen viele erlernte Muster, sich öffentlich zu geben. Gehen zu können, mag dem Primaten eine gewisse Zeit zu lernen bedeutet haben, neue Gefahren am Boden könnten an Wichtigkeit gewonnen haben, nachdem die Affen zum Menschen wurden. Auch der moderne Mensch muss den aufrechten Gang lernen. Jeder läuft auf seine Weise, muss das sein? Erfahrungen prägen uns. Ganz sicher fand der Urmensch es recht umständlich, immer über alle Details nachzudenken. Automatismen der Angst wurden eingefleischte Reflexe bis heute. Der Notfallbremsassistent im Lkw ist unser vergleichendes Bild, das zu begreifen.

Bei den komplexen Tätigkeiten, die ein Mensch in Angriff nimmt, kann dieser nicht die ganze Zeit handeln, wie wenn er gerade eine Festung erstürmt. Der dosierte Einsatz von Risikobereitschaft, Verstand, Gefühl, Fühlen und Erfahrung, seine offensive Einstellung dazu, Probleme zu lösen, sind eine Mischung aus bewusstem und unbewussten Handeln. In diesem Sinne verstehen wir auch den leicht abgelenkten Busfahrer, dem der technische Bremsassi hilft.

# Der Mensch und sein Angstassistent?

Der moderne Therapeut täte gut daran, dem psychisch Kranken und in diesem Sinne von seiner Intelligenz abgelenkten Patienten, dabei zu helfen, Angst und Aggression gegen die gefürchtete Umgebung wahrzunehmen. Im Körper eines jeden sind eigene und geerbte Muster, die uns Aufschluss darüber geben, wie es uns gerade geht. Ein Gesunder nutzt seinen Leib wie das Hirn in guter Kombination. Der Psychiater sollte dahingehend arbeiten, diese Kräfte zu integrieren, statt Betroffene pharmazeutisch zu binden. Das tut der Arzt aber nicht. Der Psychiater denkt auch an sich selbst. Ein Gestörter, der nun beginnt, auch noch wütend zu werden, das ist nicht sein Ziel.

Dabei könnte Gas zu geben, anstelle fremdbestimmt zu bremsen, durchaus überlebenswichtig sein, wie Armstrong auf dem Mond bewiesen hat. Astronauten, nur Passagiere an Bord, und ein anderer hat’s programmiert: Wer heute kommerziell mitfliegt, wird wissen warum – oder nicht, was soll das? Ein Vergnügungspark nach dem Vorbild von Walt Disney, das ist für einige unser einmaliger Planet; die Realität einer dem Truman (aus dem Film) gemäßen Welt könnte wie eine Seifenblase platzen. Im Großen wie im Kleinen: Ein Mensch steuere seinen Kahn nach eigenem Ermessen.

🙂