„Europa ist von den Socken“, nun bin ich mit dem Bild soweit, dass alles im Wesentlichen festgelegt ist. Nach Monaten ist der Punkt gekommen, zu verbessern, was bereits gut dasteht. Ich bereite mich vor, probiere möglichst geplant zu beginnen, mit dem Malen erst anzufangen, wenn die kompositorischen und inhaltlichen Fragen geklärt sind. Dann passiert trotzdem jedes Mal das: Probleme tauchen auf. Die lange, wahre Geschichte des Bildes, hier kommt sie.

# Eine Chronologie, was alles misslang

Zunächst startete ich mit dem Mädchen auf einer Kuh reitend. Das Erste war, daraus einen Stier zu machen. Das ergab sich allein aus dem Gedanken, die pornografischen Inhalte noch aufzupeppen. Und erst als ich bereits mit dem Malen angefangen hatte, begriff ich das darin verborgene Thema.

Ich war unterwegs im Einkaufszentrum.

Es ergibt sich, ich komme mit einer attraktiven Studentin ins Gespräch, kann es nicht lassen von meiner Webseite zu erzählen, und die junge Frau zieht schwupps ein Tablet hervor, gibt meinen Namen ein. Das Bild wird bereits im Blog erwähnt, so etwa im Mai vergangenen Jahres. Wir reden und reden im Geschäft (ohne Maske, glaube ich mich zu erinnern, es ist gerade besser geworden mit Covid), wo sie einen Nebenjob hat. Sie überfliegt die Texte im Blog, und ich erzähle von „Gurken und Rosen“, und warum ich das nicht auf der Seite zeigen kann, jedenfalls nicht in großer Auflösung. Ich sage, dass ich Bo Bartlett bewundere und nun Themen aus meiner selbst erlebten Erfahrung umsetzen möchte, aber ohne den Stress, der einem widerfährt, wenn die Menschen identifizierbar sind. Sie erzählt, dass sie in Kiel einen Hund haben kann, bei ihren Eltern in Hamburg wohnend nicht, und dass sie möglicherweise dabei ist, den Studiengang zu wechseln. Was könnte besser zu ihr passen? Sie überlegt, und ich denke, da ist es wieder mein Bild: Die junge Erwachsene auf dem Weg ins Glück.

# Wo ist die Weide mit dem grüneren Gras?

Ich möchte realistisch malen, aber nicht reale Situationen, und es soll mit dem Erwachsenwerden zu tun haben und mit jungen Menschen. Mein Leben, ich kann zurückschauen, wenn ich der Gegenwart zuhöre. Ich denke an den alten Hans-Jürgen, einen Freund. „Wenn du früher die Jugendlichen gefragt hast, sie wollten Lokomotivführer werden, Kapitän und Krankenschwester. Heute sagt die Enkeltochter ,ich will studieren’ und schaut dich groß an“, meint er.

Er lässt das so im Raum stehen.

# Im Laden

Es ist viel Zeit vergangen, seitdem wir im Geschäft geredet haben, die Verkäuferin, Studentin und ich – der Künstler, so hat sie mich genannt. Ich gab zu, Porno zu lieben, aber nicht diesen Markt bedienen zu wollen, sondern „Bilder“ zu machen. Zu dem Reitermädchen meinte sie, das wäre ja wie bei „der Europa“, und da habe ich so getan, als wüsste ich: „Ja“, sagte ich nur. Ich hatte keine Ahnung, habe zuhause gegoogelt. Tizian hat es gemalt, und andere. Der Göttervater Zeus verwandelt sich in einen freundlichen und wenig gehörnten, attraktiven Stier, der auch nicht allzu gewaltig groß ist. Er raubt die am Strand spielende Göttin Europa, schwimmt mit ihr nach Kreta und verwandelt sich zurück. Eigentlich hat der Alte bereits eine Gattin, die soll es nicht mitbekommen, deswegen die Entführung in Tiergestalt. Aus der Liebelei entspringen noch Kinder, das ist eine alte Sage.

Unser Kontinent hat seinen Namen davon.

Also überlegte ich, entschied mich, die Socken auf „europäisch“ umzutrimmen. Mein Bild trug den Arbeitstitel „Das grünere Gras“, und nun konnte es auch „Europa ist von den Socken“ heißen. Grünes Gras heißt jetzt auch grüne Politik; wollte ich das sagen? Ein chaotisches Parlament, der Brexit; mit einigen wenigen Pinselstrichen kommen neue Inhalte dazu, warum nicht? Big Brother, Sex in Bondage, wer sieht was im Bild, interpretiert hinein? Da waren sie wieder, die mehr als tausend Worte im Gemälde. Es überrascht zunächst den Künstler selbst, was gerade an der Angel unserer Fantasie zappelt. Nur wer seine Zukunft plant, habe eine, plakatiert die Bank und empfiehlt eine Geldanlage. Wer wisse wie viel er dem Zufall überlassen dürfe habe das Glück auf seiner Seite, findet Lady Barbara Wellington im Roman „Hornblower“, und schon Edward Hopper beklagt, dass sich die malerische Idee während der Arbeit noch wandelt. Das müsse man hinnehmen, sagt der Meister.

# Oder als Chance begreifen …

Mir war es darum gegangen, die Fantasie und Erwartung junger Frauen „nichts zu verpassen, jedem Ideal des perfekten Lebensentwurfs, aber auch alles zu erleben und richtig zu machen“ in ein Bild zu packen. Ein Studium im Ausland, eine Lehre zuhause reicht schon mal nicht. Ein toller Mann, aber nicht gleich der Erste, der kommt usw. – die moderne plakative Sexualität, über die man aber nicht spricht, das sollte auch hinein. Zu meiner Zeit waren Live-Cam-Porno und Internetsex undenkbar, im Playboy alle Frauen untenrum haarig und zudem im Intimsten retuschiert. Noch mehr Haare drauf.

# Eine alte Geschichte, modern interpretiert

Ich wollte die Orvellsche Komponente im Bild haben und fand die Drohne auch aus kompositorischer Sicht prima. Eine böse Spinne und schwarz. Das ganze Konstrukt der formalen Beziehungen konnte an diesem Punkt getrimmt werden, wie ein Segel durch die dem Wetter entsprechende Spannung auf dem Fall und den Streckern: Cunningham, Unterliek, flexibel nachjustiert mit Traveller und Großschot. Die formale und inhaltliche Spannung einer Komposition entscheidet darüber, wie interessant ein Thema präsentiert wird. Wo die Dinge auf einem Bild ihren Platz haben, wie intensiv ihre Farbe ist und welche Richtung sie dem Auge geben, nicht zuletzt die inhaltliche Bedeutung und damit ihre Gewichtung, ob sie einen Schwerpunkt der erzählten Geschichte darstellen oder eine spielerische Ergänzung, bestimmt über seine Qualität. Schief konnte mein Schiffchen runterstürzen und doch würde der Betrachter immer zurück in die Komposition finden. Alles hängt an diesem schwarzen Stern im Himmel. Dass mit dem Wal konnte die unappetitliche Seite des Themas „Sex mit Tieren“ noch toppen, hatte zu diesem Spritzer geführt und würde verklemmte Trutschen zornig machen, gut so. Die Möwe hat ihren Platz bekommen, weil die obere Socke beim Probieren so ähnlich ausgesehen hat wie ein Seevogel. Da habe ich lange in Photoshop gebastelt, bis diese rein formale Idee „der ähnlichen Kontur“ erzählt werden konnte.

Ich möchte eine schöne „Europa“ malen, hoffe es gelingt. Manche dürften sie für naiv halten. Ich sehe das anders. In diesem Rind steckt nicht allein der alte Zeus, sondern auch ich, John der Maler. Unterwegs in dieser Lage, ist er der Erschrockene auf dem Floß und derjenige, der bei aller Lust gerade einmal mehr begreift was hier geschieht. Ihm wird die Schuld zugewiesen, verantwortlich mit ihr in diesem Kuhsturm zu schippern. Und das weiß der alte Esel, pardon Stier (und Lustmolch) natürlich am Besten von allen selbst. Er hat keinen Motor installiert, keinen Mast mit einem Segel aufgestellt. Um die Vorräte kümmerte er sich wenig, wer von den Beiden hat den Futtertopf mitgenommen? Was tut er denn für seine Freundin? Dass gerade frischer Fisch an Deck landet, das reine Glück. Unbedarft wie ein Sterntalermädchen ist sie mitgegangen. Hier glaube ich, dass sie sich ihrer Gemeinsamkeit mehr bewusst sind, als der Betrachter ahnt, wenn er das Bild zum ersten Mal sieht. Sie trägt die Ketten, ohne sich daran zu stören, es kratzt sie als jungen Menschen auch nicht, dass alles vielleicht nur eine Inszenierung in einem möglicherweise künstlichen Hexenkessel ist: Las Vegas Bullenreiten, ein Meer wie in der „Truman-Story“, eine Challenge. Wer weiß das schon? Politik ist genauso dabei. Sie sind aneinander gebunden, wie die Briten unweigerlich an Europa. Eine Trennung ist möglicherweise gefährlicher, als gemeinsam weiterzumachen. Das sind so einige Gedanken, die mir kommen. Eine Reise mit ungewöhnlichem Ausgang. Wir dürfen annehmen, dass ihre Fröhlichkeit einiges dazu tun kann, dass das Ganze noch gut ausgeht.

# Jedes Bild ist zunächst eine Baustelle voller Probleme

Als ich anfing zu malen, mussten gleich die ersten Fehler, die ich übersehen hatte, korrigiert werden. Meine Vorlage war ein Mädchen (nackt) auf einem Pferd gewesen, und für unten habe ich das Bild einer jungen Frau (angezogen) auf ihrer Reitkuh genommen. Die Frauen habe ich getauscht, mein „Public-Porno“ für oben, und anstelle des Pferdes kam die Kuh nach unten. Photoshop macht es möglich, und ein Vergnügen ist es ja bereits, den richtigen Teen zu finden. Es hat mich von Beginn des Computer-Porno an geärgert: Jeder kann über Google mit geringem Aufwand sofort in die weltweit eingestellten Bilder eintauchen, und eventuell kommen auf die Vorschaubildchen ganz andere Nachfolgeseiten? Und ggf. werde ich strafrechtlich verfolgt, falls das Falsche dabei ist? Mit dem heute etablierten Begriff „Darknet“ entsteht der beruhigende Eindruck, dass kriminelle Energie vonnöten ist, um abzudriften. Ich surfe entspannt, sage mir, dass Hamster & Co ein Interesse daran haben, sauber zu sein, genieße die leichte Verfügbarkeit der schönen Bilder und gebe das gern zu.

Als das Bild bereits im Werden war, änderte ich bald den Busen hin zu kleinen, etwas in den Brustwarzen aufgewölbten Glocken, die mir besser zu passen schienen. Das habe ich nach langer Suche im Fundus verschiedenster Screenshots, die ich machte (es kommt auf die korrekte Perspektive an) chirurgisch umoperiert. Dann ausgedruckt, und zwar in der Größe meines Bildes. Ich klebte die neue Vorlage einfach neben die zu ändernde Stelle auf die Leinwand und übermalte die Brust.

Es musste ein linkes Bein in das Bild, fand ich und habe lang probiert, wo es hingehört. Auf dem von mir als Vorlage verwendeten Foto sitzt das Mädchen normal im Sattel, das Bein gehalten mit dem Fuß im Steigbügel. Vom Pferd verdeckt ist es nicht sichtbar. Ich trennte verschiedene Beine aus allerlei mit „Spreading“ bezeichneten Posen, die ich versuchsweise einkopierte. So kam die instabile Position zustande. Schwierig ist gewesen, den Ort am Hintern zu definieren. Der Fotograf hat seine (im Original verschämt blickende) Freundin, (weil es draußen auf dem Reiterhof ist, mutmaßlich, weiß ich ja nicht) auf dem Familiengaul (?) von unten abgelichtet. Da ihre linke Schulter deswegen weit unten zu sehen ist, musste das abgewandte Bein unterhalb der Pobacke angebaut werden. Das sieht noch nicht überzeugend aus. Ich hoffe, dass ich’s plastisch hinbekomme. Es wird zum Schluss gemacht, nachdem der Rest ziemlich fertig ist.

Die tief sichtbare Schulter gab die Höhe der hinteren Brust vor. Jetzt zahlte es sich aus, dass ich schon so unendlich viel Akt gezeichnet habe und im Studium eine gute Ausbildung erhielt, genau hinzusehen. Weil ich den Ort dieser Schulter lokalisieren konnte, ergab sich die Möglichkeit digital in meiner Entwurfsdatei zu messen, wo der Arm mit der linken Hand des Mädchens enden würde, wenn ich ihn änderte. Das war nötig. Auf dem Foto hält sie sich am Sattel fest, der einen Knauf hat. Nachdem ich eine offene Hand mit schönen Fingern am Mac in die Fotovorlage einbaute und den Arm um den Drehpunkt bewegte, wo ich die Schulter vermutete, bis die Richtung stimmte, schien das ganz gut auszusehen. Aber auf der Leinwand habe ich die Hand, nachdem sie gepaust und ausgemalt dastand, noch um einen knappen Zentimeter versetzt. Der Arm kam mir nun zu lang vor. Das bedeutete zu übermalen. Nun hatte ich es nicht mit einer Ebene im Programm zu tun, die man einfach verschiebt. Dasselbe erlebte ich beim neuen Bein. Den Fuß habe ich genauso versetzt, neu gemalt. Das Bein war zu lang, und das sah man erst, als es auf der Leinwand gezeichnet und mit hellrosa vorgemalt war.

Das Gesicht habe ich durch das einer anderen ersetzt, erst jetzt im Januar nochmals umgestaltet, da es witziger ist, wenn sie ihre Floßfahrt genießt. Dafür bin ich wieder pragmatisch vorgegangen. Ich habe mir eine gesucht, die den Kopf in passender Perspektive hält. Das war zunächst eine junge Frau, die während des World Naked Bike Ride fotografiert wurde und etwas auf dem Handy anschaut. Für meine Absicht musste sie nicht nackt sein, denn es ging nur um die Kopfhaltung. Auf diesem Bild lernte ich, wie etwa die Kontur der Wange hinter der Nase sein muss, und wie der Mund mit einigen Zähnen unter der Nase gemalt werden kann. Dann habe ich weitere junge Frauen in ähnlicher Perspektive gefunden, angezogen, aber mit schönen Köpfen, probierte daraus eine individuelle Person zu malen. Das dauerte einige Tage. Der Kopf auf der Leinwand hat die Größe eines Teebeutels, das Gesicht ist etwa ein gutes Viertel davon, vergleichbar der Zwei-Euromünze. Ich verwende Aquarellpinsel der kleinsten Sorte 10/0 in bester Qualität zum Stückpreis von acht Euro. Die reinige ich immer wieder mit speziellem Pinselreiniger, der Acrylfarbe anlöst, und ich verbrauche nicht wenige davon, weil sie trotzdem ihre feinste Spitze nach einiger Zeit verlieren.

Es mutet seltsam an, auf einem großen Bild mit kleinen Pinseln zu arbeiten? Ich fange zunächst mit breitem Borstenpinsel an, aber es stimmt, ich bin Zeichner, Illustrator. Malerei kann auch anders aufgefasst werden. Erlaubt ist, was gefällt. Es muss mir liegen, auf eine bestimmte Weise zu arbeiten. Das ist doch wichtig. Es ist ja auch eine Frage des Könnens. Wem es leicht fällt, mit schnellem Strich einen sicheren Fleck zu setzen, kann es tun. Ich arbeite, wie es mir gelingt. Darum stehen mir Thema und Komposition über der Virtuosität mancher Kollegen. Wer ein Modell hat und in eine Position bitten kann oder in die Natur geht und sich eine Landschaft vornimmt, muss das Gesehene nur übertragen, und auch diejenigen, die ein Foto wie es ist kopieren, werden es leichter finden stumpf abzumalen.

Die alten Meister mit ihren durchkomponierten Figurengruppen mussten exakt arbeiten. Vorbilder – da schmerzt mich irgendwie, dass ihre Werke viel gründlicher und perfekter sind und auf der anderen Seite meine Bilder nicht so großzügig gemalt sind, wie die anderer der Moderne (Edward Hopper). Das Meerwasser von Anton Otto Fischer ist breit mit sicherem Pinsel hingesetzt, davon kann ich mit meinem Gestrichel nur träumen. Und die Wellen von Jochen Sachse in ihrer Perfektion haben eine sichere persönliche Handschrift, dass man ihn sofort daran erkennt. Fischer war Seemann gewesen, bevor er malte. Sachse war Konstrukteur und hat seine Schiffszeichnungen perspektivisch auf Schoellerhammer übertragen. Er ist nur als Marinemaler hervorgetreten, AOF konnte auch wunderbare Szenen mit ausdrucksstarken Figuren kreieren. Es gibt stimmungsvolle Landschaften von ihm. Edward Hopper fand einen Stil, Wasser zu malen, das ganz real wirkt, aber in vieler Hinsicht nicht korrekt dargestellt ist, sondern seine jeweilige Intention im Bild stützt, und das ist keine Marine- oder Szenemalerei. Darauf hat er Wert gelegt, und deswegen ist namentlich er der Erfinder einer eigenständigen amerikanischen Kunst. Landschaftsmaler gibt es überall. Wer nur Wasser malt, wird es schließlich können. Ich bin unendlich zufrieden damit, dass ich mich immer wieder neu motivieren kann, ein eigenes Thema anzufangen, schließlich ein persönliches Bild auf meine Weise fertig zu bekommen.

# Wir fallen nicht fertig vom Himmel

Zweifel und unendliche Selbstkritik sind ein unabdingbarer Teil jeder kreativen Persönlichkeit. Auch das ist etwas, was junge Menschen nicht kennen: Den totalen Absturz in Fehler, Peinlichkeiten und absolutes Versagen, danach gestärkt loslegen. Nicht nur mit dem Malen, auch sonst. Da sind sogenannte Erwachsene, die verpassen beinahe alles, sind in überheblicher Weise eingebildet. Das ist zeitgemäße Dekadenz und nur möglich, weil so vieles mit Geld gekauft werden kann als Ersatz für echte Erfahrungen. Der im „Job“ arbeitende Mensch gibt sein Geld „in der Freizeit“ für zeitgemäßen Tand aus. Ich selbst habe keinen Platz in der Gesellschaft, so kommt es mir vor, schon gar nicht einen „Arbeitsplatz“, ein absurdes Wort finde ich – und muss dabei an Chaplin denken, wie er in „Moderne Zeiten“ die Bewegung mit den Schraubenschlüsseln noch macht, als er die Firma abends verlässt.

# Gefesselt und gemeinschaftlich verbunden, selbst schuld?

Corona: Die verschworenen Querdenker sind nichts weniger als das, querköpfig sperren sie sich gegen die neuen Einschränkungen, aber denken können diese Menschen nicht. Der breiten Masse fällt es leicht, sie als Idioten zu erkennen. Im Mainstream vergessen aber viele, wie angepasst sie die Generalmeinung übernehmen. Ideologisch ist heute alles. Medien, auch die aufgeklärten Demokraten aus der politischen Mitte, müssen ihre Nachrichten bzw. Thesen prüfen, unter dem wirtschaftlichen Aspekt und dem daran hängenden existentiellen Überleben des Kommunikators, ob sie Bestand haben werden oder verbal niedergerungen. Alles wird auf eine breite, glatte Oberfläche hin nivelliert.

Übersehen wird gern, dass es immer mehr einzelne Menschen gibt, die ihre individuelle Persönlichkeit einer These unterwerfen: Vegan, Fitness-orientiert oder Junk-Food bevorzugende Dumpfbacken, es kommt nur darauf an, was der jeweiligen Umgebung als richtig gilt. Ein Denkbaukasten ersetzt die Fähigkeit intelligenter Analyse, entsprechend individueller Problemstellung, der sich der Einzelne nach wie vor gegenübersieht. Kommerziell ist auch das Denken und damit unser Gehirn vermarktet worden. Hersteller und Lieferanten dazugehörender Produkte verdienen am jeweiligen Lifestyle. Der Allrounder hat im Beruf von heute keine Chance, da die Leistung der Firma Spezialisten erfordert, und dieses Erfolgsmodell wirkt auch im sozialen Verbund der Kollegen und Freunde. Schon immer haben Gruppen gemobbt. In der schriftlich fixierten Kommunikation der sozialen Netzwerke, in denen die einzelne E-Mail kaum mehr eine Rolle spielt, suggeriert der Verbund mit Gleichgesinnten Stärke. Eine „Einzelmeinung“ gilt schon deswegen, weil sie keine Likes vorweisen kann, als isolierte Dummheit und kann mit diesem Begriff sofort abgestraft werden. Wir sollten das kritisch sehen.

Als ein Spiegelbild der digitalen Welt ist der Einzelne zum „Gruppenmensch“ mutiert. Der vernetzte Automat agiert nach Programm, den Maßstäben seines Umfeldes entsprechend. Solange seine Realität dem beschränkten Empfinden des umgebenden Systems entspricht, das einen eigenen Kosmos generiert, funktioniert er wie eine Zelle dieses speziellen Ganzen, das genau genommen nur einem Teil der Gesellschaft als richtig gilt. Dieses nicht individualisierte Wesen scheitert, wenn die Logik der Gruppe auf die größere Realität nicht anwendbar ist. Eine Pseudo-Persönlichkeit kann nicht flexibel handeln, wenn die Umstände in die sie gerät nach dem Programm ihrer Umgebung unlösbar sind.

Das Scheitern eines Teammitgliedes wird nicht notwendigerweise zu angemessener Unterstützung durch die Partner führen, sondern wiederum programmierte Lösungen anbieten. Damit scheitert dann auch ein Teil der Gruppe. Für junge Menschen, die in dieser vorgekastelten Umgebung aufwachsen, fatal. Der modern vernetzte Mensch ist in Vollzeit seines Daseins eingebunden in die Kollegen, Freunde und weitere ihm relevante Partner. Weil er auf die intellektuelle Stütze von Ärzten, dem Steuerberater und der emotionalen Nähe von Freunden und Nachbarn angewiesen ist, grenzt sich ein unreifer Mensch weniger von ihnen ab, als es nötig wäre. Ein unsrem System gerade deswegen besonders nützliches Mitglied und zunächst einmal leistungsoptimiert, weil es nach einem Schema denkt. Leistung als Lebensmotto und gruppenweises Anprangern sind weniger als die menschliche Natürlichkeit und intelligente Kritik. Ohne eine Lobby geht nichts, aber damit wird jeder Protest zum gebündelten Rammbock und das ist nicht dasselbe wie eine humorvolle Umgebung mit vielen auch kritischen Einzelstimmen.

Das war einmal der Siegeszug der amerikanischen Demokratie über den Kommunismus, Chancen für jedermann. Ein Auslaufmodell, wenn es zum Trumpismus verblödet. Daran ändert auch die Wahl anderer, neuer Politiker zunächst nichts. Die konsumorientierte Welt hat sich leistungsoptimiert, konzentriert und verbessert bis an diesen Punkt: Im Falle von Problemen können die uns umgebenden Spezialisten nur im Rahmen ihrer eigenen Beschränktheit reagieren. Damit muss in unserer Gesellschaft zwangsläufig der Anteil psychisch Kranker (nicht länger funktionierender Einzelteile eines Systems, das auf funktionelle Leistung setzt), die in Dauerbehandlung mitgeschleppt werden, zunehmen.

Als Kreativer kann ich mich außen vom Netz bewegen. Ich bin die Spinne. Für die innen bin ich nur der Spinner. Mein Netz bildet sich aus denen, die gleich mir individuell sind. Wir sollen eingefangen werden von denen, die an uns, aber nicht mit uns verdienen wollen, aber wir treffen von außen auf das Netz vom Tor, wie der verschossene Ball, der zur Überraschung des Zuschauers gar nicht im Kasten ist. Es sieht nur so aus, eine optische Täuschung, gilt schließlich nicht, und dann beginnt unser Spiel neu. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es mir an nichts mangelt. Ein Frust und mein durch Mark und Bein gehender Hass auf einige macht möglich, dass ich malend vollkommen abschalten kann und mir selbst sogar im Zorn und Versagen gefalle, weil ich weiß, wie primitiv mich Leute schon angegriffen haben. Ein ehrenvolles Amt oder der Platz an einer dörflichen Karrierespitze sind kein Ersatz für echtes Leben, das beruhigt.

# Ich habe einen „Spielplatz“, und den habe ich mir selbst ausgedacht

Mit der Idee, die junge Frau müsste sich über das spritzige Wasser freuen, kam auch die Scholle in die Fontäne, und das muss ich noch ausarbeiten. Die Rose war von Anfang an dabei. Ich habe sie bereits in andere Bilder einkomponiert, die nach „Malen hilft“ (und den beiden dazugehörenden anderen) gemalt wurden. Farbe bekennen: Das sind Bilder, mit denen ich den nötigen Ärger provozierte, Menschen aus ihrer komfortablen Deckung zu zwingen. Ich schweife nicht ab: Die Idee ist nach „Mal kurz für immer“ die Themen mit „Schauspielern“ zu besetzen und sei es, dass sich die Protagonisten verkleiden wie in „Gurken und Rosen“. Ich habe meinen Stil gefunden, kann eigene Erfahrungen auf eine fantastische und symbolisch verwandelte Wirklichkeit projizieren.

# Versuch einer Erklärung, skizziert

Malen hilft. Es scheint hinter allem noch durch, das eklige Bild: „Verkackt hast du’s allein“, wollte Christiane (die aus dem Turm) mir singulär den schwarzen Peter einer gemeinschaftlich produzierten Fäkalie zuschieben und sich gemäß dem Amt, in das wir sie wählten, über mich und die Situation überheben. Dumm, naiv und machtbesessen, manipulativ sind ihre Vasallen losgetrabt. Einen Ochsen wollten sie schlachten. Dass ich ein Bulle bin? Ich kann schwimmen. Übertragen auf das aktuelle Gemälde, haben ihre Retter die Europa wohl einfach so, mitsamt der Ketten und dem Anker vom Floß gestoßen. Armes Mädchen.

# Schaumiges Schlachtfeld Schenefeld!

Das Bild: Vor kurzem erst habe ich alles auf „Wind“ getrimmt. Die Haare geben es ja schon vor. Ich bemerkte spät, dass das Gemälde auch im Rest „Bris“ haben musste. Schaum in das Wasser zu machen, war nicht so schwer. Ich habe immer wieder Filme im Netz geschaut von der See. Ich kenne mich aus? Ich bin wohl auf dem Wasser unterwegs seit (nein: schon kurz vorher) ich geboren bin. Diese Stürme! Die Leute filmen auf den Kreuzfahrten und die Seeleute filmen von der Brücke – ich weiß nun ganz sicher, dass ich niemals Seemann sein möchte oder tun, was Boris Herrman macht. Darum besonders bewundere ich Greta Thunberg: Niemals hätte ich mich getraut auf dieser Rakete mitzusegeln, wie sie es tat. Sie schaffte, dass Donald Trump sie bemerkte.

Sie ist unglaublich.

Ich habe regelmäßig die Webseite mit den Bildern von Jochen Sachse aufgerufen. Ich habe alles was ich von Anton Otto Fischer, Schnars-Alquist und Johannes Holst und anderen bekommen konnte angeschaut. Allmählich wurde mein Wasser besser, und der Schaum ist das einfachste daran. Den Himmel muss ich noch ausgestalten, habe mir angesehen, wie diese Windwolken gemalt werden. Rechts vom Kopf des Stiers sind sie schon ein wenig konkret. Ich hab einige Tage am Kopf gearbeitet! Er sollte als das zweite Gesicht im Bild genügend menschliche Züge bekommen, nicht nur irgendwie schauen.

Nun musste überall mehr Wind sein: Jetzt fliegt der Bullenschwanz vernünftigerweise nach hinten weg. Die untere Socke ist, zu einem Kniestrumpf verlängert, ebenfalls „nach dem Winde“ gebogen. Das mit dem Kniestrumpf kam, weil ich zu spät bemerkt habe, dass die obere Socke (in der Form der Möwe) viel länger dargestellt war als die untere, wenn man sie entfalten würde. Und diese Falten kamen ja unabänderlich in den Strumpf, damit das Ding diese spezielle Form hat. Da blieb es nur, unten dazuzuhäkeln.

Ein Perspektiv-Fehler war im Anker. Ein kleiner Draggen. Den hatte ich einkopiert, genau wie er in der Vorlage abgebildet ist. Diesen Anker hatte der Ebay-Verkäufer aber aus der Nähe fotografiert. Mir war noch gar nicht aufgefallen, dass die beiden oberen Flunken dadurch falsch platziert gewesen sind. Bei mir ist der Anker nur ein kleines Element in einem großen Bild. Die oberen beiden Spitzen musste beinahe gleich der unteren ihre perspektivische Flucht haben, da alle vier Flunken nah beieinander sind. Nun sollte aber die oberste Spitze boshaft nah am dicken Hodenbeutelsack enden. Nah, aber nicht hineinpieksen … das waren Probleme! Das Gras habe ich windig umgebogen. Den Stiefeln habe ich kariertes Futter gemalt, damit bin ich allerdings noch nicht fertig. Mit dem Gras auch nicht: Nun muss alles, auch die Drohne und der Himmel konkretisiert werden, ich freue mich darauf. Besonders meine Europa, diese Landschaften, Hügel und Ebenen in allen fleischlichen Schattierungen und Rötungen – 

🙂