Da sind keine Träume, die ich noch ernsthaft verwirklichen möchte und keine Ziele zu erreichen, die nötigerweise in eine bestimmte Richtung deuten. Mir ist jeder Glaube an das Gelingen vertrauter Wünsche und was ich früher hoffte, schaffen zu können, abhanden gekommen. Eine bittere Pille, die ich mit jedem Wachwerden schlucke, heute wird wie gestern sein. Es gibt laufende Projekte, als hätte ich Kühe zu füttern und müsste melken, weil sie eben da sind. Andernfalls würden meine Tiere brüllen, verwahrlosen und sterben. Eine Kunst, die von „nicht anders können“ kommt. Die Bilder sind Kinder, denen gegenüber ich verantwortlich bin. Ein Teil vom System wie Familie, Haus und meine Jolle, die im Winter geschliffen, gemalt und lackiert wird. Da wären andernfalls „Bergprobleme“, Pflichten, die sich auftürmten wie nichtbezahlte Rechnungen, ein Fenster im Dachgeschoss, das ohne Konservierung gammelte, der Müll, den man rausträgt, solche Sachen. Natürlich, irgendwann startet ein Maler mit einem Bild, und dann scheint ja ein Ziel ins Auge gefasst zu sein, es auch zu beenden? Das ist unwichtig geworden. Es wird sowieso fertig. Man stirbt nicht so einfach, dafür bin ich zu jung.

Natürlich war früher alles anders. Ich beschreibe es nur, weil es auch geht, ohne dieses Unternehmerdenken kreativ zu sein. Die modernen Schlagwörter von der „Innovation“, dass man erreichen könne, was man nur wolle, nach vorn schauen müsste? Das mache ich nicht. Mein Leben ist das eines Baumes, der seine Wurzeln dort schlug, wo das Leben ihn hinpflanzte. Ich treibe noch weiter aus. Dazu muss ich nicht wohin schauen. Ich gehe nie fort, laufe nicht weg und möchte nichts anderes sein, ein Vogel oder sonst wie ein neues Leben beginnen. Jeder Tag erscheint mir neu, bietet einige Wege und die, die ich nicht gehen kann, scheinen noch wieder fester zugenagelt. Ich füge mich in mein Baumsein.

Die letzten Jahre waren von Kummer geprägt. Noch immer wirkt nach, wie viel besser sich das jetzt anfühlt, hier zu sein. Die zu Tage tretenden Details, was andere machten, um ihre Ziele über meine hinweg zu erreichen, und wie mich das beschädigte, ich mich wehrte? Ein Kampf gegen einen nicht fassbaren Feind von wechselnder Größe, der in verschiedenen Gruppen agiert, vermutlich mit unterschiedlichem Motiv unterwegs, trotzdem summiert – diese Opposition? Das interessiert mich nicht mehr.

# Unkraut

Ich schlage reale Gegner, bin der Baum im Mai, und wenn man mich für einen Don Quijote hält, egal. Paranoia unterscheidet sich vom erkannten Feind, weil der Flügel einer Mühle Widerstand bietet. Moby Dick ist ein Wal, und du kannst eine Harpune hinein bohren. Untergang, absaufen und nebenbei zu Ertrinken, sind durchaus erwünscht. Eine Fata Morgana kann keiner angreifen, Schattenboxen in der Dunkelheit ist für kleine Mädchen. Ich bin eine Provokation, allein durch mein Hiersein. Saatgut aus dem Nachbarort, leicht anzupinkeln? Teeren, federn, den spinnerten Künstler mal eben vom schönen Feld zu jagen, klappte nicht.

Man muss völlig skrupellos sein, zu verletzen und anschließend keinerlei Reue zu empfinden? Genau so ist es heute bei mir. Ich habe keine Empathie für andere. Ich kann zutreten ohne Reue. Das ist nur in Form von Selbstmitleid belastend, dumm, es nicht vermieden zu haben. Dazu kommt das Gefühl von Verlust. Es gab eine Zeit, die emotional reicher war. Ich armes Opfer der bösen Welt: Früher glaubte ich an Werte, hatte Mitleid mit Hilfsbedürftigen, habe Freundlichkeit und Liebe empfinden können. Nie wieder kommt etwas an mich ran! Ich erwürge meine Beziehungen und drücke mir die Luft zum Atmen ab, statt Interesse für andere zuzulassen. Jemand malt? Wie schön. Mir doch egal. Mich inspiriert niemand, weil ich es nicht will, kreise, bis es Herumtraben in der eigenen Zelle ist, ich müde bin und wieder eine Nacht beginnt. Morgen kommt dann ein Tag, der genauso ist. Mit Spott grinse ich zurück, wenn eines der Honigkuchenpferde am Wegesrand steht. Ich habe meine Bilder und bin stolz darauf.

🙂