Drei Frauen kenne ich, die massiv Stalking erleben oder damit konfrontiert waren. Jeder weiß, was das bedeutet, aber nur, wer es selbst erlebt, begreift, was es mit uns macht. Niemand möchte bedrängt werden. Weniger bekannt ist die andere Seite. Nicht nur die Opfer sind welche und leiden. Die scheinbar potentiell als Täter geeigneten Männer bedeuten für die Polizei ein formbares Material. Die Kommissarin provoziert ihre Beute. Gefährder werden geschaffen, wo vermeintlich Spinner erkannt wurden, denen man aufzeigt, wie lächerlich sie wären. Das schafft ein Gewaltpotential, welches man zu lenken versteht, bis es knallt – und die Retter gerade noch rechtzeitig auftauchen wie im Film. So auch im Bereich der Sexualdelikte. Frustrierte Beamte sind sich nicht zu schade, einen Mob anzuheuern, der sich außerhalb der juristischen Fesseln einer Behörde frei entfalten kann. Es ist wie beim Angeln oder auf der hohen See mit dem Fabrikschiff: Man fischt Rotbarsch mit dem tiefen Netz, wo dieser schwimmt, fängt die Forelle mit einer Fliege am Gebirgsbach. Genauso macht es der Staat, rekrutiert naive Mädels als Lockvogel in einem miesen Spiel.

Mich hat eine bis dato mit mir befreundete Frau, die (ich sage mal) ein gehobenes Amt bekleidet, angezeigt und sich ihre gesellschaftliche Position zu Nutze gemacht. Sie probierte dabei, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Das sollte wohl helfen, um eine aussagestarke Botschaft formulieren zu können für einen Denkzettel: „Schau her, was ich kann“, (von hier oben).

Wie Alice Schwarzer mischte sich meine vermeintliche Freundin ein, die sich zur Rettung der jungen Weiblichkeit nicht entblödete, gewichtig Position zu beziehen. Das blieb vor einigen Jahren vergleichsweise erfolglos. Die Provokationen der Gescheiterten dauern trotzdem an. Meine Kunst reflektiert ihre Versuche, mich zu diskreditieren. Die Polizei gab der Staatsanwaltschaft mit auf den Weg, die Anklage nicht zu erheben. Diese habe keine Aussicht auf Erfolg. Die kreative, künstlerische Freiheit ist in Deutschland ein hohes Gut.

# Das böse Gemälde

Das Bild mit dem Titel „Malen hilft“ provoziert jede Frau, ein primitiver Angriff auf die Weiblichkeit, und ich habe es online gestellt. Eine Blase sollte platzen. Das prompt eintrudelnde Schreiben der Behörde verfolgte indes nicht das Ziel, der Gewaltpornografie einen Riegel vorzuschieben. Das wäre auch weniger als ein Riegelchen gewesen, angesichts dessen, was es im Netz zu sehen gibt. Es ging gegen mich und nicht etwa für die gute Sache. Zwei Punkte gaben den Ausschlag. Wer so malt, kann nicht im Rathaus ausstellen. Wer eine Person bloßstellt, die kein glaubwürdiges Motiv haben könnte an seiner Seite gewesen zu sein, wirft unbequeme Fragen auf.

Mir hatte es gefallen, mit einer Studentin Zeit zu verbringen. Es schickt sich nicht: „Die ist doch viel zu jung für dich.“ Fachleute erklärten ihr das, meinten mich zu hörnen. „Ich wäre ja auch verheiratet“, erkannte die Scheinheilige plötzlich. Man hatte ihr nach Jahren, in denen das Wort Liebe nicht fiel, geraten, auf Abstand zu gehen. Sie wolle „ganz weit weg“, sagte sie mir. Das musste als Abschied herhalten. So weit reicht kein Internet, hieß das wohl. Eine Spionin empfiehlt sich auf französisch. Und das Dorf albert im Chor. Da habe ich’s aufgegeben, nachzufragen. Ich habe nicht gemailt, sondern gemalt. Nach einer Handvoll nicht beantworteter Email begriff ich. Ich schreibe nicht fünfzig am Tag wie diese Idioten.

Ich habe die Akte ausgedruckt: Beschämend zu lesen, was Menschen, die mir nahestanden, zu Papier gegeben haben. Das Ganze ist so was von nach hinten losgegangen und hat Leid verursacht bei vielen. Rufmord, um gesellschaftliches Versagen zu kaschieren, scheitert bei uns. Wir leben nicht in Russland, und ich bin nicht Nawalny. Schenefeld ist die Pinneberger Provinz. Unser Überwachungsstaat ist desinformiert und kann dem großen Bruder das Wasser nicht reichen. Die Kunst ist noch am Leben und bezieht Stellung.

# Stalking, wie bitte?

Wenn der böse Mann es nur sein soll und nicht angeklagt werden kann, weil das Ganze harmlos blieb, ist es nicht Stalking. Ein blödes Bild ist nur eine Bagatelle. Es bedeutet für die Hetzer, eine Kampagne als konstruierten Rohrkrepierer zu erleben. Das heißt, einen Bärendienst an der guten Sache zu inszenieren. Es gibt viele Verlierer in diesem Spiel. Das macht mich jeden Tag kreativ! Was ist ein Dorf? Ich kann das beantworten. Eine Erfahrung und ein Schatz, damit zu arbeiten – jeden Tag.

Stalking bewirkt, dass die Frauen krank werden. Beispiele? Meine liebe Freundin, die ich normalerweise als stark und selbstständig erlebe, ist an einen Mann geraten, der heute im Gefängnis sitzt. Nicht einfach. Ein besonders schwerer Fall. Nach Ende der Haft Sicherungsverwahrung. Ich kenne etliche, intime Details eines deutschlandweit bekannten Dramas. Eine zweite liebe Bekannte, die mir von ihrem Problem erzählte, hat sich eine längere Auszeit in einer psychosomatischen Einrichtung genommen. Sie hat ihr Lachen verloren, so viel kann ich als guter Beobachter sagen. Das tut weh. Dieser Mann ist womöglich weiter aktiv, und man wird um einige Konstruktionen, sie zu schützen, von Seiten der Behörden nicht drumherumkommen. Die dritte Frau, von der ich weiß, steht erst am Anfang ihrer Probleme. Sie hat in einem ersten Schritt einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Er bewertet die täglich eintreffenden Mails, um Möglichkeiten aufzuzeigen, mit der Polizei zusammen einen Personenschutz aufzubauen, indem er die juristische Qualität deutlich macht, die diese Attacken haben. Sie hat dem Mann gesagt, dass sie diesen Schritt gegangen ist, und er bitte aufhören möge zu mailen. Die Frau hat einen extra Ordner angelegt und probiert, nicht zu lesen, was kommt. Der Mann schreibt viel. Immer an dieselbe Mailadresse, und sie antwortet ihm nicht. Er hört nicht auf damit, sie zu bedrängen.

Ich attackiere niemanden. Ich betreibe eine Webseite und schreibe einen Blog, der nicht kommentiert wird. Ich laufe zum Einkaufen durch dieses Dorf und rede mit Hinz und Kunz. Ich schreibe keine Mails, außer an Piet, wenn es ums Segeln geht oder an Lisa, wenn ich ein Lektorat benötige. Das sind drei Mails in einer Woche.

Offen gesagt:

„Ich mochte Alexandra mehr als dich, Christiane. Es hilft dir nicht und anderen, was ihr organisiert.“

Früher wählte ich die demokratischen Parteien. Heute sympathisiere ich mit den Querulanten und schreibe, was immer die Meinungsfreiheit hergibt. Ich kann auch ohne Öffentlichkeit im Netz arbeiten und dem Staat Grenzen zeigen. Das ist mein Job.

Ich kenne mich aus, will ich hier sagen und wünsche denen, die mich in diese Ecke stellten „so ein Mann zu sein“ noch viel Glück bezüglich ihres eigenen Nervenkostüms.

Sie werden es brauchen.

🙂