„Ein kleiner Krieg in Europa“, das fände(n) sie in Kalifornien gar nicht schlecht, meinte meine Tante auf Besuch! Das war aber damals, als Jimmy Carter (oder Ronald Reagan) Präsident gewesen ist. Unruhige Zeiten auch aktuell. Mit der neuen amerikanischen Führung ist das Risiko einer Eskalation nicht geringer als zu Zeiten von Donald Trump. Das mag einige erstaunen. Das gegenseitige Misstrauen wird spürbar, wenn es zum Beispiel heißt, der Tisch, an dem Emmanuel Macron und Wladimir Putin verhandelten, wäre dermaßen lang gewesen, weil der Franzose keinen russischen Test auf das Corona-Virus akzeptiert habe. Macron hätte Bedenken gehabt, die Russen kämen dabei an seine DNA – was auch immer ihm das bedeuten mag. Wenn also der französische Präsident vorhaben sollte, in Russland ein Kapitalverbrechen zu begehen, könnte die Polizei sofort gegen ihn ermitteln, wenn sich am Tatort entsprechende Spuren fänden? Das wird es kaum gewesen sein, was den Franzosen ängstigt.

Dies darf aber jeder von uns fürchten (der schon polizeibekannt geführt wird), dass versierte Kollegen an entsprechende Daten gelangen, wenn man in ein Testzentrum spaziert – oder nicht? Es geht weniger darum, wovor wir uns fürchten dürfen, sondern ob es reichlich Menschen für ein handfestes Problem gibt, das der Staat mit ihnen hat; welche, die quer denken, blockieren, nicht arbeiten, krank sind oder Terror verbreiten.

Impf- Staats- und Mehrheitsmeinung sind das erstrittene Recht der Demokratie. Die anderen fügen sich, haben das zu tun. Wie geschieht das? Einsichtig, deprimiert oder wütend, wie viele müssen nachgeben; das ist ein Faktor, den der Demokrat bedenken muss.

# Mehrheit versus Minderheit?

Wer sich fürchtet, deswegen gar zornig wird bei kollektivem Druck, sei ein Leugner der Vernunft, ist die mehrheitliche Meinung. Wer nicht dran glaubt und macht, was „wir“ sagen, lügt und bestreitet so unsere Intelligenz, meint die Masse; gefährlich! Wir kennen die Wahrheit, und „deine“ verschworenen Idiotie bedeutet zu lügen, sagen mehr und mehr Menschen über weniger von ihnen. Das ist pauschal bedenklich. Es rüttelt am Glauben, an der Realität, verpasst nicht wenigen den Tritt, den man einem dummen Köter gibt.

Man kann keine Pflicht zur Klugheit anordnen und Menschen durch ein Gesetz zur Vernunft zwingen. Ziel muss sein, den Anteil der Querulanten im Land locker und klein zu halten. Es bedeutet, ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Druck verkleinert diese Gruppe, komprimiert aber die verschworene Haltung bis zur grundsätzlichen Gewaltbereitschaft. „Mir ist ohnehin egal, wie es weitergeht“, dürfte das Motiv sein und muss also weder religiös noch rechts oder links verordnet werden. Das ist pauschaler Frust, scheinbar nicht bekommen zu können, was die anderen haben, kombiniert mit finsterem Misstrauen, krank. Beobachten, verurteilen und sie einzusperren, macht diese Menschen nicht gesund. Wollen wir das? Niemand findet den Ausgang aus einem Irrgarten, wenn andere die Türen noch von außen vernageln.

Der Glaube an das grundsätzlich rechtmäßige Tun unserer Polizei ist dem Staatsbürger nicht selten abhanden gekommen. Der eigene Rückzugsraum, unsere Wohnung, kann von beinahe jedermann mit entsprechenden Kenntnissen observiert werden. Transparenz mit all ihren Konsequenzen ist Alltag und sicher ein Grund dafür, dass eine latent verstörte Szene größer wird.

Der Trucker in Kanada, ein handfester Typ, Teil dieser skurrilen Blockade gegen die Impfpflicht, die an Rubber-Duck (Convoy, 1978) erinnert, sagt mit Überzeugung: „Der Impfstoff enthalte einen Microchip“ – konstruiert, Menschen abhängig zu gängeln. Das hörte ich in den Nachrichten. Ich bin schon Lkw gefahren. Da sind wohl einige, die nicht damit klarkämen, ein derartiges Gefährt sicher zu lenken. Ein Idiot schafft es jedenfalls nicht. Kreativ sich ausmalen, was alles gegen uns unternommen werden könnte, gilt nicht selten als paranoid? Macron und dieser Lastwagenfahrer sind nicht verrückt. Sie haben dieselben Befindlichkeiten, wenn es um ihre individuellen Befürchtungen geht – aber gegenteilige Positionen, wenn Macron derjenige Präsident wäre, der über den (kanadischen) Trucker bestimmte in Frankreich. Macron möchte die Franzosen zur Impfung zwingen, sein Land mit Energie zügig aus der Pandemie führen.

Aber der mächtigste Franzose misstraut dem russischen Präsidenten in dem Moment, wo er Frankreich verlässt und fremde Mächte sein Schicksal bestimmen könnten. Der Mensch ist nur Mensch, und jeder empfindet Furcht, wenn der eigene Einfluss schwindet.

# Ich habe in einen Terra-X-Beitrag hineingezappt

Es ging um Wälder, wie sie einmal waren und den modernen Forst. Im natürlichen Wald wären alle Pflanzen systemisch verbunden, sagte der Sprecher. Das ließe egomanisches Verhalten der Bäume (und da stutzte ich schon, die machen das auch?) nicht zu. Pflanzen sind zunächst einmal teamfähig. Es wurde skizziert, wie ein natürlich entstehender Wald zur starken und gesunden Mischung findet. Das ist keine Häufung einzelner Gewächse, sondern ein vernetztes Ganzes. Ein Wald verstünde sich als zusammenhaltendes Gebilde und regelte die Größe, Dichte und Mischung seiner Teile wie eine gute Gesellschaft zum Ganzen hin. Die reihenweise zerstörten Monokulturen, wenn ein Orkan die dichtgepflanzten „Baumsoldaten“ niederlegte oder die Anfälligkeit dieser Nutzwälder, gegen Schädlinge hilflos zu sein, wurde als Negativbeispiel künstlicher Strukturen gewertet.

Auf menschliches Funktionieren übertragen heißt es, dass die neuen Bedrohungen nur aufgefangen werden können, wenn freies Denken großzügig erlaubt bleibt. In der Konsequenz: Meinungsäußerungen stünden wie bisher über dem Schutz der Persönlichkeit und nicht umgekehrt. Ein bedenkliches Thema. Wir Spinner, die wir nicht an die Gesetzeshüter glauben, dürften uns fürchten, aber auf das Recht hoffen, wenn wir straffällig wurden. Nie war die Chance auf gute Verteidigung besser als heute! Es ist nicht naiv, dem Rechtsstaat zu vertrauen. Es ist naiv, dem Polizisten an sich zu trauen. Der einzelne kann schlecht sein, der Versuchung erliegen, wenn er sich einen Vorteil davon verspricht, anderen zu schaden. Das nimmt sich nichts, im Vergleich mit dem Straftäter, dem bösen Menschen. Der Unterschied besteht in der Struktur, worin sich eine Ordnungskraft bewegt und der Umgebung, die Kriminelle sich suchen.

# Hoffnung

„Fürchte dich nicht“, plakatieren einige Kirchen zur Zeit der Pandemie. Ein guter Rat. Gott hat das Fühlen und Fürchten aber nicht verboten, das wird gern vergessen. Auf Hass und Gewalt zu verzichten, ist nicht mehr als ein Angebot. Der Allmächtige, und wenn nicht er, sondern die Natur wie manche das ausdrücken installierte keinen Schalter am Lebewesen, welchen dieses nach Belieben betätigen könnte, um nach Gutdünken negative Emotionen und bedrohliche Visionen auszublenden oder gar Suizid zu begehen nach Wunsch. Ohne innere Auseinandersetzungen mit unangenehmen Gedanken kommt keiner davon.

Da ist niemand gut, auch die nicht, die es von sich meinen. Wir erleiden einen dynamischen Prozess. Zu leben, ist ein Lernfeld. Was gut getan ist, bleibt. Fehler machen alle. Eine Gesellschaft, die natürlich empfindet nach dem Motto: „Kritiker der Elche sind selbst welche“ (bemerkten sie’s) wird sich regulieren. Automaten in Gruppenstärke sind ein Problem, fallen innerhalb kritischer Umgebung um wie Dominosteine, denen ein kleiner Fehler zum Verhängnis wird.

# Krieg

Wenn ganze Staaten zu Idioten werden, besteht die Gefahr für den Planeten, dass kreative, unserem System verantwortungsvoll angepasste Wesen in die Defensive geraten. Da wären die Menschen zum Krebs mutiert, der weiter gesunde Zellen frisst, bis alles kollabiert. Das ist wahrscheinlicher, als dass wir noch den Mars besiedeln und dergleichen. Kein Grund, sich nicht fröhlich um das eigene Ego zu kümmern. Kümmern bedeutet, Wege zu finden, nicht Einfluss „über andere hinweg“ auszuüben, weil man das gerade gut kann. Eine überhebliche Politik ist das letzte, was wir brauchen, wenn die Grundhaltung im Land bereits Neid und Aggression begünstigt. Eine exponentiell dynamische Entwicklung des Weltgeschehens durch Digitalisierung, Globalisierung und Flüchtlingsströme, kombiniert mit der Angst, das die Zukunft durch Krieg und Umweltprobleme gefährdet ist, sollte langsamer gemacht werden.

Auf sich selbst zurückgeworfen ist der Einzelne das Immunsystem, der Anwalt unserer gemeinschaftlichen Natürlichkeit. Soldaten und Polizisten sind bloß die Roboter ihrer Offiziere. Sie halten sich für die Kräfte des Rechts, unterdrücken ihre Emotionen, um die Härte des selbstgewählten Kampfes zu ertragen. Sie sind so nicht selten das Virus dieser Erde. Geballte Macht ist typischerweise die Krankheit gemeinsamer Vernichtung in jeder einzelnen Person, seltener die stabilisierende Ordnung. Der geradeaus marschierende Pulk, es sind Mitläufer, die sich kollektiv einer überzeugten Gruppe anschließen. Ein Übel, das jede Menschlichkeit vernichtet.

Manche alliierte Truppe mag dem Bösen Widerstand bieten, aber was ist gut, was böse? Russen und Amerikaner sind in ihrer traditionellen Selbstverständlichkeit so unterschiedlich wie Türken und Deutsche. Das sollten wir zunächst begreifen. Auch wenn die individuelle Freiheit auf den ersten Blick weltweit dasselbe sein sollte, heißt es noch nicht, andere wirklich zu verstehen – aus der Perspektive, die wir gewohnt sind. Niemand hat eine Lösung parat (und die Macht sie umzusetzen) für Frieden in Nahost. Krieg ist unvermeidlich wie Gewalt, deswegen darf diese Kraft keinen einheitlichen Block bilden, dem nicht mindestens genau so viel an Einfallsreichtum gegenübersteht.

🙂