Google, Mountain View, Kalifornien; der Gigant hat ein Zuhause. Es gibt andere Suchmaschinen, aber wer etwas wissen möchte, googelt. Das Wort macht den Marktführer. Was ist ein Algorithmus? Das ist ein Wort wie „Google“, für die meisten nicht mehr als ein Erklärungsprinzip. Genauso der Staat, die Polizei, Ärzte; es sind Sammelbegriffe. Menschen stehen dahinter. Unsere rechtsstaatliche Demokratie ist ein geregeltes System. Wie jede Behörde oder Unternehmen: Menschen arbeiten dort. Sie gestalten die Funktionalität entsprechend der gewünschten Struktur. Eine Internetsuchmaschine muss suchen, die Polizei muss Regelverletzungen aufspüren, und die Politik soll das Gemeinwohl vertreten. Soweit die Theorie.

Das Ganze ist glaubwürdig, schafft Vertrauen. Viele sind davon überzeugt, sich selbst im Rahmen einer guten Struktur verwirklichen zu können. Die Mehrheit bestimmt, wie es sein soll bei uns. Wo es Mehrheiten gibt – und wenn viele die Demokratie gestalten, sind diese ein größerer Block, der sich engagiert – gibt es auch einen kleineren Rest der anderen, die damit nicht klarkommen, wie es ist. Diese wollen nicht mitmachen oder können es nicht und sind unfähig, ein alternatives System auf die Beine zu stellen. Auf der anderen Seite wächst Frust. Ein Teil der Gesellschaft fühlt sich nicht mitgenommen.

# Wir brauchen Künstler

Querdenker zu sein, galt den Menschen als kritische Würdigung, bis dieser Begriff in Verruf geraten ist. Man übersieht, dass schöne Worte nicht genügen. Unsere Gesellschaft lebt vom Konsum. So lernen wir alles, was es gibt, über Namen kennen, die bereits eine Werbung dafür bedeuten und überhöhen jedes Ding und Aktivität mit einem Begriff. Es gibt scheinbar das Tierwohl oder den ökologischen Fußabdruck. Worte machen Druck. Folge und kaufe mich! Um dabei zu sein, wenn eine Mode aufkommt gingen die Leute schon immer mit. Manipulation bedeutet, Menschen in einen Kanal zu schleusen und ihnen Beine zu machen. Manche sind bereit, die Langsamen totzutreten. Der Follower ist das Vieh, das gerne zum Schlachthof rennt. Überspitzt gesagt, meint man zu bemerken, dass wir Lemminge an unserer Seite haben, mitreißende Mitreisende der aktuellen Strömung und nicht die mündige Gesellschaft, die sich den Rahmen wählt, in dem sie sein möchte. Vom Verkäufer der aktuellen Idee geködert, ist diese Herde noch glücklich, sich für denjenigen zu opfern, der sie treibt. Uraltes menschliches Sozialverhalten kann nach dieser Methode als Mittel genutzt werden, perfektioniert wie alles heute im Wandel der Zeit.

Bezeichnungen mutieren zu Platzhaltern, deformieren die Person zu einem Fußball, den die Masse nach Belieben tritt. Ein Ventil für diejenigen, die selbst nicht sportlich sind. Unsere Kanzler haben kein eigenes Profil mehr, es wird gemerkelt. Man wartet, bis die Leute scheinbar von selbst eine Richtung bekommen und setzt sich lenkend an ihre Spitze. Gerhard Schröder bedeutete uns Kanzler, dann Altkanzler, schließlich Lobbyist, und nun ist der Unbeirrte einfach nur noch eine Unperson, auf der jedermann herumhackt. „Aus der Zeit gefallen“, sagen die heute Schlaueren. Der Trend bestimmt, was richtig ist.

Eine gefährliche Entwicklung.

Viele merken es nicht. Bei der Mehrheit zu sein, genügt ihnen. Wer kein Profil hat und das eigene Denken auch nicht vermisst, bedient sich im Baukasten der Individuen und verwirklicht sich nach dem Franchise-Prinzip. Das läuft so eine Zeit lang ganz gut. Bis dann die große Leere im Leben kommt. Man kann leicht nachvollziehen, dass manche spät aufbrechen, etwas Eigenes zu beginnen. Ich habe bereits im Kindergarten gezeichnet, dass alle nur so staunten. Ich muss nichts Neues anfangen. Nur meine soziale Integration musste angepasst und an den Schenefelder Gebräuchen ausgerichtet werden. Klappt ganz gut inzwischen. Das ist ein Dorf wie das globale auch, ein kleiner, blöder Globus westlich von Hamburg, im Osten Pinneberg zugeteilt. Das lernt man.

Ich wollte mich einbringen! Meine Motivation ist die Mitgestaltung der Gesellschaft gewesen. Ich konnte einfach so fröhlich sein und mitmachen für eine gute Sache. Das geht nicht mehr. Naivität schadet der Gesundheit. In einem Prozess von mehreren Jahren habe ich meine Haltung zum Staat geändert. Es hat sich gezeigt, dass, wer Profil entwickelt, die Kanten ausbildet, die andere brechen möchten. Immerhin: Meine sind zu hart dafür. Ich bin zu einem Stein im Getriebe der Zahnräder geworden. Ich treibe keine Motoren für andere mehr an. Ich breche den Lauf der Maschine durch mein Blockieren.

Mein Vertrauen in den Apparat ist dahin. Ich sei wohl selbst daran schuld, könnte man annehmen? Das ist nicht von Bedeutung. Schuld zu sein, ist nicht relevant im Lebensentwurf oder vermeidlich zum Glücklichsein, finde ich. Wer schuldig ist, wird bestraft, das ist bekannt. Das kann man auch größer als juristisch sehen. Dann erkennt derjenige, der Probleme hat, ein Prinzip.

# Der andere ist immer gegen dich

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, gebietet die Religion. Das begreife ich als Angebot. Eine Pflicht, deren Umsetzung es erst einmal zu erlernen gilt. Ein gelungener Gedanke, der deswegen bis heute anregt, ausprobiert zu werden. Wenn das einfach wäre, hätte niemand so gedacht oder diesen Rat ausgesprochen. Nicht einmal Gott selbst hätte uns damit beauftragt. „Schäle die Kartoffeln besser unter dem Wasserhahn“, ist einfach; das meine ich. Unser Nächster wird gegen uns sein, davon dürfen wir ausgehen. Neid, Missgunst, was weiß ich. Unsere Entscheidung kann dagegen sein oder mit, im dritten Fall noch auszuweichen und neutral bleiben.

Vor kurzem bin ich am Bahnhof-Altona herumgelaufen. Ich hatte eine knappe halbe Stunde zu warten. Meine Aufgabe war, jemanden abzuholen. Der Zug erschien pünktlich auf der Anzeigetafel, aber ich hatte mir eine Reserve einberechnet, falls es mit der Suche nach einem guten Parkplatz dauern würde und fuhr absichtlich ein wenig zu früh dorthin. Ich habe keine Lust auf eines der Parkhäuser. Ich wollte lieber seitlich der Autoreisezüge in der kleinen Straße parken, in die man nach dem Lessingtunnel einbiegt, beziehungsweise in der Verlängerung der Hartkortstraße, wenn man Boesner passiert hat. Das war auch leicht hinzubekommen. Ich fand meine Haltebucht links, direkt am Parkscheinautomat vornan. Drei Euro für eine Stunde wurde verlangt. Das habe ich bezahlt, um dann ein wenig den Berg rauf zu bemerken, dass es nur einige Parkplätze dichter zum Bahnhof mit Parkscheibe für zwei Stunden kostenlos gewesen wäre. Es ist eine Einbahnstraße. Man hätte sich auskennen müssen, und ein wenig Glück gehört dazu. Sonst hieße der Fehlversuch, einmal den ganzen Block zu runden. So ist es oft, auch anderswo im Leben. Wer etwas nicht weiß, zahlt einfach den verlangten Preis und freut sich dabei über eine gelungene Aktion. Ich sah die günstigere Gelegenheit erst, als ich den Parkschein bereits teuer erworben, das Auto verriegelt und abgestellt hatte, zu Fuß am Schild vorüberging. Es wäre vor einem Hotel noch was frei gewesen. Selbst schuld?

Ich bin nicht klug. Das wird mir immer wieder klar, jedenfalls nicht klug genug für diese Welt. Unsere Bürgermeisterin ist es, und einige hier im Dorf genauso. Sie lassen sich nicht herumstoßen, sie stoßen selbst. Das ist klug. Einige Schlaue möchten andere manipulieren, bewegen, und das bedeutet, manche gehen zum Staatsdienst, um andere umzutreten. Elegant, versteht sich. Ich bin selbst noch auf meine eigenen Füße angewiesen und habe es ausprobiert. Ich kann jemandem in das Gesicht treten, der bereits am Boden liegt. So wütend war ich schon. Das ist gefährliche Körperverletzung. Meine Strafe ist längst erledigt. Das ist in Deutschland nicht schlimm. Unter zweihundert Euro war die Beteiligung an den Verfahrenskosten. Die Gefängnisstrafe von acht Monaten zur Bewährung blieb ohne Auflagen. Ich war nicht im Knast. Ich bin einfach weiter zu Hause gewesen, bewährte mich demzufolge und bin nun vorbestraft wie so viele andere auch, falls ich noch einmal dergleichen mache. Ich hätte einen Umzug der Polizei melden müssen? Ich ziehe doch nicht weg. Zwei Jahre Bewährung sind längst vergessen, und der Idiot läuft noch rum. Ich laufe auch noch durch das Dorf, und nun darf der Leser und die Leserin dieser Zeilen spekulieren, wer als der Doofe von uns gemeint ist? Eine Beleidigungsklage fehlt grad noch. Zivilgerichtlich war es teuer. Na und? Ich bin schuldig und zufrieden. Andere respektieren mich heute sichtlich und die, die ich früher mochte; wir gehen uns aus dem Weg.

Mit der Politik bin ich fertig, immerhin. In einer Woche ist die Wahl zum Landtag von Schleswig-Holstein. Da gehe ich wieder nicht wählen. Meine Haltung ist die der totalen Verweigerung. Steuern muss man zahlen, sonst gibt es wirklich Ärger. Das mache ich, ich zahle. Sogar Kirchensteuer drücke ich gern ab.

# Mir ist da was aufgefallen

Egosurfen macht Spaß, schon wenn du semi-bekannt bist. Meine Bilder sind mehr als normal, sie lohnen die Aufmerksamkeit angeschaut zu werden? Im Laufe der Zeit ist einiges zusammengekommen. Aber nicht alles erscheint gerade so, wie es vom Algorithmus aus dem vorhandenen Angebot gefiltert wird. Da wird nachgeschärft. Nicht nur vom Bürger, der meldet, was seiner Meinung nach nicht gezeigt werden sollte. Es gibt Bürger wie mich, und sie finden ihre Meisterinnen. Malen macht frei. Aber nur innerhalb der Grenzen, die dir gesetzt werden. Du darfst die Wände deiner Zelle bekritzeln. Man glaubt, die Macht habe derjenige, der einen Brei nicht einfach isst, sondern selbst zubereiten kann und anderen zum Genuss anbietet? Der Weg von der Küche zum Teller kann das Problem sein, wenn der Laden nicht läuft. Der Ober kocht nicht selbst, will ich sagen und genauso ist es auch bei uns in der Kunst. Viele benötigen den Katalysator zum Betrachter wie jeder Produzierende einen Vertrieb der Ware auf die Beine stellen muss. Aussteller sind keine Künstler, weil sie Bilder auswählen. Das sind im Grunde genommen Neider. Menschen, die vom Werk anderer profitieren möchten. Eine Realität, mit der wir Kreativen leben müssen. Manche verkaufen besser, andere stellen Dinge her, wie das überall gleich ist in der Wirtschaft und unserer Gesellschaft überhaupt. Macher und Dienstleister, Stürmer und Verteidiger im Sport; welche bereiten die Tore vor, und der ganz vorn schließt ab. Da ist kein isoliertes Leben ohne Beziehungen, das lohnend wäre. Dein Gönner stellt dich auf einen Sockel, wohin du mit deinem Werk als Künstler gehörst. Er stößt dich wieder runter, wenn es ihm gefällt. Man muss nicht einmal Galerist sein, um mit fremden Werken zu renommieren oder Künstler rauszuwerfen, kann von außen Einfluss auf den Anbieter nehmen, der Bilder bereitstellt. Das ist die Realität, wie wir sie immer wieder erleben, nicht erst seit den Nationalsozialisten. Das gibt es in den besten Gesellschaften.

Die digitale Wahrheit ist nicht einfach zu überprüfen. Es ist anzunehmen, dass eine Webseite überall gleich dargestellt wird? Sicher sein sollte sich der produzierende Künstler dessen nicht. Was zeigt die Suchmaschine von denen, die im Netz aktiv sind? Das bestimmt eine Firma, die für uns die Suche organisiert. Diese Struktur unterliegt dem Einfluss einiger. Das kann der Einzelne noch weniger kontrollieren, der möchte, dass ganz bestimmte Ergebnisse veröffentlicht werden. Wir probieren, Missbrauch unserer Darstellung zu begrenzen. Manche erleben, dass umgekehrt auch dort manipuliert wird, wo das Versprechen die Vielfalt unserer Kreativität ist, aber das Ergebnis die Zensur bedeutet, angeblich gemäß von Richtlinien, welche nun jedoch von denen gebogen werden, die dazu die Macht haben (und ein persönliches Interesse).

Google ist auch ein Staat. Eine Macht, weil alle das brauchen. Wie die katholische Kirche, die Mafia oder Russland. Aber bei Google arbeiten, wie gesagt, Menschen. Damit ist das nicht die Suchmaschine, sondern ein Ameisenhaufen von kleinen Arbeiterinnen, die machen, was ihnen gesagt wird. Kommt eine Königin in die Straße, werden die kleinen Krabbeltiere parieren (unter ihren Anweisungen). Man stelle sich die Sache nicht isoliert vor. Netzwerke bilden sich immer grenzüberschreitend. Da darf eine gern aus einem anderen Haufen kommen. Hauptsache, sie ist als die Obere kenntlich. Dann spuren die blöden Mitläufer:innen und löschen im Namen der guten Sache. Gut ist, was man am Hofe will. Ich bin gern nicht klug und schuldig sowieso. Aber ich wähle doch nicht diese Arschlöcher selbst im Mai.

Schönen Tag auch!

Drei Euro für eine Stunde Altona. Als ich so neben dem Parkscheinautomaten stehe, finde ich zwei Zwei-Euro-Münzen in meinem Portemonnaie. „Automat wechselt nicht“, lese ich, bitte passend zahlen. Just in diesem Moment, wie ich unschlüssig des vernünftigen Handelns überlege, was nun zu tun sei (Kartenzahlung scheint auch noch möglich), erblicke ich die mögliche Lösung meines Problems. Nicht die Beste? Hätte ich gewusst, dass es nur kleine fünfzig Meter näher zum Ziel einfach die blaue Parkscheibe gebraucht hätte, die in meinem Handschuhfach liegt, für die doppelte Parkzeit von zwei Stunden – es zuzugeben, beweist, wie dumm ich wirklich bin – nein, das war es nicht. Es kommen gerade zwei Frauen den Gehweg hinab und in meine unmittelbare Nähe, sie leichthin anzusprechen. Das gelingt wie von selbst. Ich zeige ihnen mein freundlichstes Lächeln und die zwei Münzen in meiner Hand. Wir treffen uns in diesem Moment direkt am Parkscheinautomat, neben dem mein Wagen mit geöffneter Tür steht, und ich strahle diese Mädels an: „Man mag ja gar nicht fragen“, beginne ich mit einer Entschuldigung meines Hierseins, probiere, zwei einzelne Euro zu bekommen.

Sie lachen. Wir mögen uns. Während wir fröhlich plaudern, suchen die beiden jeweils in ihrem Portemonnaie nach dem Geld. Das bekomme ich, und meine neuen Freundinnen gehen scherzend ihres Weges, während ich das Parkticket gut sichtbar über das Lenkrad meines Wagens hinter die Frontscheibe lege. Ich ziehe noch meine Socken aus, lasse die Jeansjacke im Auto, weil es doch recht warm ist und gehe hoch zum Bahnhof. Ich schreibe alles detailliert auf, damit meine Leserinnen verstehen, wie diese gefährlichen Straftäter wirklich sind. Im Gebäude begreife ich, dass mein Zug pünktlich kommen wird und noch gut zwanzig Minuten zu verdatteln sind.

Ich kann alles, was ich erlebt habe, ganz genau wiedergeben. Das habe ich gelernt. Malen, zeichnen, schreiben; ich muss nie lügen, um einem Beamten was weiszumachen. Diese Attacke hatte ihren Grund. Ich stehe dazu und weiß, was es war, dass ich Rache nahm. Reue empfinde ich nicht. Ich könnte mich artikulieren und habe doch geschwiegen. „Er sprang über eine Hecke aus dem Nichts“, würde ich nie zu Protokoll zu geben, um meine Opferrolle zu betonen. Warum lügen? Ich lebe nicht im Nichts und kann Schenefeld ein Gesicht geben. Ich habe auch noch nie jemanden angezeigt. Würde ich mit dem, was ich in den vergangenen Jahren innerlich meines Denkapparates protokollierte und an Schriftstücken zusammengefunden habe, losmarschieren, dürfte es einige Male empfindlich rumpeln im Schenefelder Filz. Das schreibe ich hier, damit deutlich wird, was für ein in Wirklichkeit wunderbarer, guter Mensch ich bin – mit den eigentlich besten Absichten.

Wenn man mich nicht provoziert.

Ich schlendere also durch den Bahnhof, in genau diesen besten Absichten, die mein friedliches Wesen so kennzeichnen und staune, wie schön sonnig und normal der Vorplatz am Mercado daliegt. Corona scheint vorbei. Die Menschen sind gelassen unterwegs und wuseln so herum. Gelegentlich rollt ganz langsam ein Bus heran. Mit einer freundlichen Geste werden Fußgänger durchgewunken vom Fahrer. Die kleine Straße ist extra schmal, damit niemand auf die Idee kommen kann, Passanten, die hier reichlich quer zum Bahnhof oder umgekehrt in die Fußgängerzone möchten, in Gefahr zu bringen. Die nutzen das aus. Der Busfahrer stoppt ein zweites Mal. Eine kleine Familie kommt. Der Mann gebietet per Handzeichen, man habe Vorrang als Mensch vor der Maschine. Geduldig wartet der lange Gelenkbus wieder, und der Busfahrer setzt ein betont höfliches Gesicht auf. Der kennt sich aus, denke ich. Militante Radfahrer sausen durch, so scheint es mir, und der Fahrer vom Linienbus wird seine Meinung dazu haben. Ein buntes Treiben. Die Sonne scheint bereits warm. Das war vor wenigen Tagen.

Ich probiere verschiedene Standplätze aus und hätte noch Zeit, einmal langsam um das Gebäude herumzugehen. Zunächst vertreibe ich mir die Zeit in Sichtweite der großen Uhr vor Bok und Schweinske, stehe an einer Litfaßsäule. Hier störe ich nicht. Das ist durchaus bedeutsam, wenn man hier wartet. Die anderen wollen alle wohin. Es gibt einen Radweg durch diese Fläche, die ansonsten den Fußgängern gehört. Radfahrer fahren, Fußgänger gehen, und der Bus rollt in seiner schmalen Spur. Dann kommen noch welche von unten die Treppe rauf, von den Gleisen der S-Bahn, und andere wollen hinunter. Taxi und Polizei parken startbereit. Das ist Altona. Wenn du hier nur rumstehen willst, ist es nötig, eine passende Stelle zu finden. Nun fällt es ja nie leicht, zwanzig Minuten in einem kleinen Areal von wenigen Metern zu bleiben. Man beginnt automatisch loszuschlendern. Das will überlegt sein. Andere schlendern nicht! Ich habe, nachdem ich in den vergangenen zwei Jahren nur wenig außerhalb vom Dorf unterwegs war, gar nicht mehr gewusst, wie sich das in solcher Geschäftigkeit anfühlt, einfach nur dort zu sein.

Diese Gesichter: Alle haben einen individuellen Ausdruck, den sie zur Schau tragen. Das ist die persönliche Haltung, sich den eigenen Weg zu bahnen, unverkennbar. Wenn man die Muße hat (und zu beobachten gewohnt ist), bedeutet das ein Faszinosum, zu erkennen, wie blöde fixiert ein jeder und jede dem eigenen Ziel nachjagt. Selbst die Langsamen, eher gelassen wirkenden Passanten – eine Frau stoppt ihr Rad, weil sie angerufen wird – alle wollen etwas. Da wird immer vor Trickbetrügern gewarnt. Ich denke daran, wie leicht ich meine Münzen wechseln konnte und wie gern die beiden Frauen ihren Spaziergang (oder was es war) unterbrochen haben, mit mir plauderten, bereitwillig nach Geld kramten.

Einen schönen Tag!

🙂