„Eine Karriere kann nicht nur nach oben gehen.“ Die Schlagzeile ist mir ins Auge gefallen. Ein Interview mit Howard Carpendale. Ungefähr zur selben Zeit findet sich eine Randnotiz im Schenefelder-Tageblatt: „Psychotherapie, Notizen gehackt“, vertrauliche Notizen aus Sitzungen beim Arzt gestohlen, Patienten per E-Mail erpresst. Natürlich, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Aber diese Themen sind nicht so weit auseinander, wie es scheint. Wir leben in Beziehungen. Damit steht es nicht allein in unserer Macht, eine Karriere gradlinig zu leben. Andere können empfindlich stören. Manche von uns lassen sich zudem leichter aus dem Tritt bringen und segeln die Stufen abwärts, bis sie sich und ihr Leben wieder im Griff haben. Der Schlagersänger Michael Wendler macht gerade vor, wie es gehen kann. Nachdem eine atemberaubende Entwicklung ihn und seine Laura an die Spitze des Entertainments schiebt – was tut der Mann! Verschworen postet er zur Corona- und Medienlage in Deutschland, macht sich unmöglich. Nach einiger Zeit kommen erste Versuche der Schadensbegrenzung, eine Entschuldigung beim Sender, der mit ihm viel geplant hatte. Die Reaktionen seien eindeutig, und ohne den Artikel zu lesen ist klar: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Hochmut käme vor dem Fall, heißt es. Gestrauchelte zu verspotten, scheint passend. Es ist aber zu einfach und kurz gedacht, das Drama zu begreifen. Die Grenzen zwischen Erfolg, Dummheit und Krankheit sind fließend. Wer seine Karriere mit unsinnigen Behauptungen aufs Spiel setzt, gilt nicht als krank. Wir verspotten Dummheiten und können mit „Geisteskranken“ nicht umgehen. Wer kurzfristig psychotisch wird, kommt gezwungenermaßen in Behandlung. Da eine psychische Erkrankung mehr als jede andere eine Definition darstellt, gibt es eine erhebliche Grauzone, in der jemand weiter eigenverantwortlich bleibt. Der Übergang vom Spott in vollständiges Unverständnis und die Angst vor unkontrolliertem Verhalten, möglicherweise Gewalt, erzwingt schließlich die Diagnose. Krankheit ist zunächst ein Wort. Viele leben mit allerlei Beeinträchtigungen, und manche gehen nicht so gern zum Arzt, andere ständig. Man wird beim Psychiater nicht gesund. Dort ist man vor allem, weil die Gesellschaft einen Berufszweig erfunden hat, ein Problem wegzudelegieren. Die Klinik oder der Arzt können ein Schutz- und Genesungsplatz sein. Dauerhaft bessere Wege muss der Patient schließlich selbst finden. Natürlich gibt es gute Angebote. Die bessere Perspektive wird sichtbar, wenn eine Therapie verstanden wird, Anreize schaffen zu wollen. Das Duo aus Arzt und Patient ist leider oft eine Dauerlösung.

Das Manko der „Psychos“, man spricht nicht drüber. Ein Fehler, denn: Auf der anderen Seite unserer Gesellschaft sind beispielhaft Menschen, die sich lustvoll im Netz ausbreiten und ein gutes Einkommen mit der Selbstdarstellung erzielen, einige auch nackt vor der Webcam. Die sind nicht krank. Das Problem ist kaum, dass Daten gehackt werden, die niemanden etwas angehen: Das Problem ist eine falsch verstandene Realität, in der das Gute die Bösen aufhält. Das gibt es nur im Film.

Meine Oma verwendete noch den Ausdruck der schiefen Bahn, auf die ein junger Mensch abrutschen könne. Damit war kriminelle Gesellschaft gemeint, Menschen, mit denen man sich nicht abgeben solle. Das Virus der Gauner stecke an, und dann ginge das Leben abwärts. Ist das so, und wo ist oben? Im Bereich der Klein- und Drogenkriminalität und im extremen Fanatismus berühren sich Straftaten und krankes Handeln, dass erst ein Gutachten die Bewertung vereinfacht, ob der Betreffende bewusst das Gesetz übertreten hat.

Einen Vertrag mit Partnern zu brechen, begründet mit Inhalten aus dem Bereich der Verschwörungstheorie, wird beinharte finanzielle Konsequenzen auf den Plan rufen. Ganz offensichtlich ist kollektiver Wahn etablierte Methode geworden, das Internet ermöglicht einem beachtlichen Teil der Gesellschaft gemeinsam wegzudriften. Menschen, die, wären sie für sich isoliert, unzweifelhaft als krank bewertet würden, stärken sich im verschworenen Denken. Die Gruppe hält sie soweit am Boden, um im Alltag integriert zu existieren. Ein modernes Phänomen. Wem es gelingt, das Leben finanziell auf irgendeine Art zu sichern, dem liefert das digitale Netz ein perfektes Modell dazu, kollektiv mit anderen, abgefahrene Träume und sogar individuelle Albträume zu leben wie beim Schlafwandeln. Aber: Nicht aufwecken; sonst bricht Aggression sich den Weg.

Wenn man ein wenig drüber nachdenkt, ist es immer so gewesen, Enttäuschte flippen aus, nachdem ihnen klar wurde, dass es anders ist als sie’s empfunden haben. Im Falle moderner Massen auf Abwegen liegt die Verantwortung bei der Gesellschaft insgesamt für Realität zu sorgen. Sie muss zu ihrer Logik stehen, die Macht der Wirklichkeit und Wahrheit. Faszinierend, wie im Fall der amerikanischen Präsidentenwahl, zeigt sich erst zum Schluss, wo die wahre Stärke liegt. Obwohl zahlreiche Fakes des amtierenden Präsidenten und seiner Regierung belegt werden können, bleibt lange offen, wo sich die Mehrheit findet. Wird bewertet, wer stärker lügen kann als eine Qualität oder gewinnt der Glaube an die Wahrheit, über Zweifel, dass ein alter Mann sie umsetzen kann? Dass es keinen eindeutig beliebteren Konkurrenten für Donald Trump gibt, zeigt einmal mehr, wie die Dynamik einer Gruppe einen verschworenen Block formt. Eine Abwahl des Despoten, mit jemandem, dem die nötige Energie fehlen könnte, es besser zu machen – daran glaubt keine deutliche Mehrheit.

Wer ist böse, wer krank, und wer darf ausrasten? Der Enttäuschte in seiner Wut bekommt nur dann recht, wenn andere ihn bewusst täuschten. Wenn sich die Umgebung nachweislich gegen Einzelne verschwört, wird aus der Theorie schließlich die Praxis, und die kollektiv Gemeinen bekommen ihre „Haue“ zu Recht. Greta Thunberg ist ein gutes Beispiel dafür, die entstandene Bewegung der Jugend, die vernünftigerweise um ihre Zukunft fürchtet: Die Welt der Erwachsenen betrügt die Jugend und beschwichtigt, beschönigt das Versagen, sich um den Fortbestand einer gesunden Umwelt zu kümmern. Thunberg und ihre Freunde finden es leicht, die Lippenbekenntnisse der Verantwortlichen mit Argumenten empfindlich zu torpedieren. Es wäre jetzt an den verschiedenen Wendlers, dasselbe effektiv für ihre verschworenen Ideen durchzukämpfen, und da sieht es nicht danach aus, als könnten sie’s.

Der Computer stellt eine schräg verlaufende Linie gezackt dar, Pixel sind eckig. Das mag als Bild dienen. Eine psychische Erkrankung ist eine Treppenstufe, ein Zacken in der Lebenslinie. Erfolg sei keine Tür, durch die man ginge, sondern eine Treppe, heißt es. Es gibt einige, denen es nicht gelingt, aus ihrem Leben einen Erfolg zu machen. Sie erreichen keinen stabilen Platz in der Gesellschaft. Obdachlose, Kriminelle, einfache Arbeiter, die nie angemessen ihrer Fähigkeiten eine bessere Position erreichen, bei allem übergangen werden und sich’s gefallen lassen oder latent psychisch erkrankte Menschen, die immer wieder aus der Bahn geworfen werden.

Ein Sänger wie Carpendale oder Michel Wendler, im Schlager beheimatet, sind sie weniger selbstbestimmt als andere Künstler. Sie müssen „liefern“, das ist die Herstellung eines Produkts mit bestimmten Eigenschaften. Als ich Kind war, lebte Louis Armstrong noch, jeder kannte ihn. Ich habe einiges dazu gelesen und liebe diese Musik – und ganz besonders, wie Pops seinen Weg aus schwierigen Verhältnissen fand, bewundere ich. Puristen haben ihn dafür kritisiert, er spiele populäre Musik anstelle Jazz. Viele liebten es, ihn nicht nur zu hören, sie genossen seine einmalige Bühnenpräsenz. Ein Entertainer, und ich glaube wir könnten daraus lernen, dass es möglich ist, ein dankbares Publikum zu finden, sollten aber nicht den Fehler machen, an Freundschaft, Liebe im selben Maß zu glauben. So als würde uns eine Welt da draußen gehören. Das kann niemand für sich in Anspruch nehmen. Wir lieben in erster Linie die Musik oder sehen jemandem gern zu. Wenn wir Fußball mögen, ist es doch genauso. Im nächsten Jahr kommen neue Akteure, und dann schauen wir denen zu. Armstrong bewundere den Kollegen Rex Stewart, heißt es an einer Stelle, „es scheine immer, er drücke das falsche Ventil und trotzdem käme der richtige Ton raus“, meint Satchmo. „Vielleicht hat er etwas, dass es für ihn macht“, sagt der Weltstar in einer Biografie. Louis Armstrong äußerte sich schon mal abfällig über Musiker, die nach Europa gegangen waren, wo die Verhältnisse für Schwarze in mancher Hinsicht besser waren, „sie würden nachlässig zu üben“, meinte er. Schon Mark Twain hat im „Bummel durch Europa“ (1880) beschrieben, wie vergleichsweise hart das amerikanische Business ist. Sich auf Musik oder Kunst einzulassen, birgt die Gefahr über den Wunsch nach Anerkennung ins Straucheln zu geraten – und beinhaltet die unglaubliche Chance, darüber hinauszuwachsen und die Tätigkeit selbst zu lieben.

# Die Unabhängigkeit der Kunst; im Wesentlichen eine Freiheit des Denkens

Kranke sind auf Hilfe angewiesen, sind angreifbar, können ausgenutzt werden. Der Organismus funktioniert als System, das einen großen Teil des Selbsterhalts autonom leistet. Wir können nicht sagen, wie wir atmen, schlucken oder was genau mit uns auf der Toilette passiert. Wir merken, wann wir aufs Klo müssen. Wer zu ersticken droht, wird alles tun, um weiter zu atmen. Aber nur ein ausgebildeter Sänger oder Interessierter ist in der Lage, die Atmung zu beeinflussen. Wir atmen ununterbrochen, ohne uns deswegen Gedanken zu machen. Und erst bei funktionellen Schwierigkeiten beginnen wir nachzudenken, was los ist. Für gewöhnlich geht ein Betroffener zum Arzt. Der beginnt den Patienten zu untersuchen und diagnostiziert aufgrund der Befunde. Etwa, als käme ein Auto in die Werkstatt. Vielleicht der Grund, warum wir überhaupt von psychischen Erkrankungen reden und sie von körperlichen unterscheiden. Denn obwohl es psychosomatische Störungen gibt und jeder „Geisteskranke“ auch körperliche Auffälligkeiten zeigt, wird deutlich, wenn es nicht gerade um ein gebrochenes Gelenk oder Grippe geht, dass unser Leben ein Prozess ist. Wir entwickeln uns weiter, und zu altern bedeutet mitnichten, dass es nun grundsätzlich abwärts geht.

Unser Auto kennt nur eine Richtung: Unfall, Verschleiß, Durchrostung. Menschen entwickeln sich, und wir neigen dazu, es zu vergessen, besonders beim Arzt: „Sie haben die Soundso-Krankheit“, wird er sagen und verschiedene Verläufe prognostizieren. Das liegt daran, dass jeder Mensch ein wenig anders ist, und insofern ist es bedenklich, Krankheiten zu definieren wie eine Sache. Aus praktischen Gründen gehen Ärzte über Diagnosen zu Krankheiten, weiter zu Behandlungen. Hätten wir vollkommen identische Menschen, wären wir so wie Automodelle eines bestimmten Typs, wo Fahrweise und Lebensalter exakt dokumentiert sind und keine intelligente Entwicklung zu erwarten ist, könnte es eine kalkulierbare Methode sein. Je mehr wir den Bereich gebrochener Knochen, Schnittverletzungen oder Infektionen verlassen und Verhaltensauffälligkeiten oder psychosomatische Befindlichkeiten das Problem sind, desto fragwürdiger ist jede Diagnose. Psychiatrische Gutachten in der Forensik erwecken nicht selten den Anschein vom Kaffeesatz-Lesen. Voraussagen, ob jemand zukünftig gewalttätig wird, erneut Sexualstraftaten begehen könnte, sind selten verlässlich.

Darin liegt in erster Linie eine Chance für den Kranken selbst. Ich habe in der Schule „März“ von Heinar Kipphardt gelesen. Wir sollten das Buch analysieren und Referate halten. Es war zu erörtern: „Ist März ein Narr, der andere zum Narren hält?“ Das Buch erzählt die Lebensgeschichte, der behandelnde Arzt heißt Kofler. Er versucht zu verstehen, will helfen; das Buch endet tragisch. Dennoch bleibt die Frage im Raum stehen, inwiefern März selbst sein Leben als unglücklich empfindet, und man kann sogar seinem Suizid etwas abgewinnen, als überraschende und selbstbestimmte Aktion, eine Inszenierung.

# Selbstverwirklichung egal?

Vor längerer Zeit konnte eine Staatsanwältin im Fernsehen glänzen. Sie hat geschafft, was vorher keiner Anklage gelungen ist. Ein junger Mann hatte in Folge eines innerstädtischen Autorennens mit anderen einen Unfall gebaut. Ein Unbeteiligter war gestorben. Die Staatsanwältin plädierte auf Mord, und das Gericht war dieser Einschätzung gefolgt. Direkt nach dem Urteil konnte das Fernsehen mit ihr sprechen. Ich erinnere mich an ihr Gesicht und was sie sagte. Sie war nicht mehr ganz jung. Der Charme eines ältlichen Fräuleins stand ihr ganz gut, rot stachen ihre Lippen im hellen, beinahe weißen Oval der Haut hervor, gerahmt vom mädchenhaften Haar. Das Porträt der Anwältin füllte meinen Bildschirm aus. Ihre Stimme bebte leicht, sie war sich bewusst, im Fernsehen zu sein. „Der junge Mann habe durch sein Verhalten deutlich gemacht, dass ihm sein und das Leben anderer vollkommen egal ist. Da sei das Merkmal für Mord“, begründete sie ihre erfolgreich zur Verurteilung geführte Anklage.

Unsere Gesellschaft ist gewöhnt, Ordnung zu schaffen: „Das Merkmal für Mord“ – das bedeutet, eine vergangene Tat zu bewerten. Damit ist eine lebenslange Zukunft im Gefängnis für den Autofahrer von derjenigen erreichbar, die mit dem Gesetz umzugehen weiß. „Und ich habe es geschafft“, mag sie gedacht haben. Das heißt wohl, dass ihr das eigene Leben nicht egal ist und ihre Karriere gerade einen tüchtigen Sprung nach oben machte. Der Mann galt nicht als krank. Eine Einschätzung, für die möglicherweise ein Gutachten vorliegen musste, damit die Anwältin glänzen konnte. So ein Urteil wäre überfällig gewesen, diese Art Rennen hätten zugenommen, sind sich viele Beobachter sicher.

# Soziale Werte werden angemahnt

Es ist hier auf unserem blauen Planeten voll geworden, mit Menschen. Wir sind nicht mehr in der Savanne in kleinen Gruppen unterwegs. Sich im Leben zurechtzufinden, bedeutet sich eine individuelle Einstellung zur Umgebung zu erarbeiten. Einigen mag Therapie helfen, diese zu finden. Die Werte ganz bewusst außen vor zu lassen, kann nützen, um sich selbst effektiv abzugrenzen. Solange man im Rahmen der Gesetze sein Wohl findet oder auch im Gefängnis zufrieden ist, eventuell nach der Logik „die Umgebung enge ohnehin ein“, ist die Bandbreite der Lebensentwürfe groß. Zufriedenheit erlangen einige an Orten, an denen andere niemals sein möchten. Es sind Menschen, die etwas dafür tun und wissen, wie es geht, das Wohlbefinden selbst im unvermeidlichen Schicksal einer Erkrankung, Einweisung in die Zelle vom Gefängnis oder Ähnlichem aufrechtzuerhalten.

Wer sich beschäftigen kann, ist im Vorteil. Ein Gefangener, im lichtlosen Kerker vom mittelalterlichen Kellerverlies weggeschlossen, erfand sich offenbar eine kleine Zahnbürste: Die faszinierende Bastelarbeit aus einem dünnen Knochen und zahlreichen Tierborsten mühsam hingefriemelt, mutmaßlich von einem Inhaftierten hergestellt, entdeckten die erstaunten Archäologen in England! Das gute Gefängnis und die sinnvolle Strafe dort, haben dem wahrscheinlich mit einer unverwüstlichen Frohnatur gesegneten Verurteilten noch gestärkt. Der feuchte Knastkeller hat dem Armen scheinbar so gut gefallen und unverdrossen zur Einsicht gebracht, es wäre ihm gerade nicht egal, ob er morgen Zahnschmerzen bekäme. Ratten teilten sich die Zelle mit dem Eingesperrten. Sicher musste er zunächst einige kleine Nager finden, totquetschen und roh verspeisen, um den passenden Knochen für sein Bürstchen aufzutreiben. Er hatte Hunger? Wie praktisch sich’s ergänzt haben wird; erst einmal in Ruhe essen. Eine Pause und ein Verdauungsschläfchen machen. Das fällt leicht, wenn man satt ist und mangelndes Licht ist willkommen. Dann werkeln, das ist nun wieder ganz einfach, wenn der erfahrene Knastling bereits an die Dunkelheit gewöhnt ist. Gut gepflegt halten sie ein Leben lang: Anschließend die Zähne liebevoll putzen, vorbildlich. Die selbst angefertigte Zahnbürste. Er wird reichlich Zeit gehabt haben, das kleine Teil exakt zu fabrizieren – und sein Vergnügen daran. Wie erfreulich sich Menschen doch entwickeln können.

Auch im Tageblatt: Opernsänger René Kollo (82) hat nach eigenen Worten keine Freunde. „Das mit den Freunden ist ein bisschen komisch. Ich war ja nun 50 Jahre nur im Flugzeug“, sagte er. Es folgt eine Beschreibung, dass er mit sich allein zufrieden sei und „überhaupt nicht einsam“. Das gleicht diesem Statement von Niki Lauda, einige Jahre vor seinem Tod, an das ich mich noch gut erinnere: „Er kenne zwar unglaublich viele Menschen und nicht wenige nähmen vermutlich an, mit ihm befreundet zu sein. Er rede halt gern“, meinte Lauda. „Entscheidungen träfe er aber allein, frage allenfalls mal seine Frau um Rat oder schliefe eine Nacht drüber, wenn Wichtiges anstehe. Er wüsste nicht, ob er überhaupt einen Freund habe und gebe nichts drauf“ – wer hätte das gedacht?

Wer erpressbar ist mit vertraulichen Aussagen, die ihm in der Intimität der Situation beim Psychiater anlässlich einer Therapie über die Lippen kamen, möge sich vor Augen halten, dass auch der Arzt selbst diese Details kriminell verwenden kann, seine Macht missbrauchen. Kein Freund oder Partnerin wird immer zuverlässig treu zu uns halten. Genau darin können alle psychischen Krankheiten, wie kompliziert auch immer ihre möglichen Verläufe sind, zusammengefasst werden: Betroffene hoffen darauf, dass andere für sie tun, was sie selbst für ihre Zufriedenheit leisten müssten.

Hier bin ich, und da seid ihr.

🙁