„Weniger Verkehrstote“, lautet eine Überschrift heute. Die Nachricht hat es auf die Titelseite vom Schenefelder Tageblatt geschafft. Nachdem erläutert wird, wie geringes Verkehrsaufkommen pandemiebedingt mitgeholfen hat, die Unfallzahlen zu bessern und vor allem weniger Menschen starben, betonen die Statistiker, dass „weiterhin täglich im Schnitt mehr als 800 Menschen verletzt würden.“

Das regt zum Vergleich an, parallel auf die Corona-Statistik zu schauen. Nicht, um die Krankheit quer zu leugnen, keinesfalls. Der ungewohnte Blick, schräg durch alle Tabellen zum Autoverkehr, verdeutlicht die individuelle Gefahr einer Ansteckung und mögliche Folgen, relativ zu anderen, bekannten Risiken und deren Häufigkeit im Alltag. Es schafft ein Moment gegen das Bedrohungsszenario und dem gefühlten Zwang zur Solidarität mit Fremden, nicht anders handeln zu können, als sich impfen zu lassen und wiederholt nachzuboostern bis in alle Tage. Wer individuelle Antworten sucht, beurteilt die Risiken relativ zum eigenen Selbst und wird mit dieser Randnotiz ermuntert, „diagonal“ zu denken, auf Distanz zu gehen – in jeder Hinsicht.

# Geduld beweisen: „Maske auf und durch“, ist so dumm nicht.

In der KW48 finden sich unter „Hospitalisierte Fälle“ 6.043 Personen, „im Schnitt also mehr als 800 Menschen täglich“, zufällig gleich mit der Zahl im Verkehr verletzter Autofahrer (wenn die Statistik die neu aufgenommenen Patienten meint). Zunächst unabhängig von der Schwere ihrer Verletzung betrachtet, kommen wir zahlenmäßig auf wöchentlich etwa gleich viele Menschen mit körperlichen Blessuren, die sich diese im Verkehr zugezogen haben und mit dem Virus hospitalisierten Patienten. Mal davon abgesehen, dass im Sommer kaum Menschen mit Corona krank waren und die vierte Welle ihren Scheitelpunkt Ende November hatte, fehlt die Vergleichszahl auf das Jahr gesehen. Ich vermute, dass die durchschnittliche Rate der Hospitalisierung geringer ausfällt, da wir momentan eine Welle durchreiten. Es werden weniger krank, als es uns vorkommt, weil Inzidenz nicht gleichbedeutend mit Krankheit ist. Wen es erwischt, nicht nur positiv Getesteter zu sein, sondern wer Symptome entwickelt, darf noch auf einen milden Verlauf hoffen.

# Wer tatsächlich im Krankenhaus landet, ist nicht zu beneiden.

Tatsächlich sterben mehr Menschen an Corona als es Verkehrstote gibt, etwa 3.000 jährlich im Auto, und in den zwei Jahren der Pandemie beklagen wir über 100.000 durch oder mit dem Virus gestorbene Personen. Es mag erschrecken, dass deutlich mehr als hundert Menschen am Tag dran sterben. Das persönliche Risiko ist aber statistisch gesehen klein, wenn diese Zahl den vielen Menschen der gesamten Bevölkerung gegenübergestellt wird. Viele Menschen sterben ohnehin jeden Tag. Alte und vorerkrankte Menschen besiegt Corona bevorzugt, die Verkehrstoten bilden altersmäßig gesehen alle ab. Wer auf einer Intensivstation mit dem Virus liegt, hat den Ort erreicht, wo zu sterben wahrscheinlich ist. Aber das hängt doch sehr von der Lage im Bundesland ab und was man tut oder nicht, um dieses Schicksal zu erleiden. Die öffentliche Debatte fokussiert die Gefährlichkeit des Virus’, als verstünde inzwischen jeder, was Not tut. Das ist aber nicht der Fall, wie die zunehmend aggressiven Entwicklungen am Rand von Demonstrationen zeigen.

Wer will hier Haare spalten? Die einen sind lange krank, andere erholen sich schnell. Vom Auto touchiert, beeinträchtigt mich das einige Tage, und wenn ich im zusammengequetschten Wrack gerade mit dem Leben davonkomme, länger. Diese Zahl von gut 800 Verletzten pro Tag mal sieben zu nehmen, ergibt wohl, dass in jeder Woche an die 6.000 Menschen unter den Folgen eines Autounfalls leiden, zumindest davon betroffen sind. Das entspricht der aktuellen Zahl derer, die im Krankenhaus mit dem Virus kämpfen. Wer würde sich gegen die Gefahren durch Autofahrer impfen lassen, falls eine geschäftstüchtige Firma das anbietet? Vorsicht im Verkehr, einen Gurt anlegen, die Regeln einhalten, genügt uns normalerweise. Autofahren richtet vielerlei Schaden an und bleibt uns doch als Teil dieser Welt. Die Menschen steigen nicht geschlossen auf das Fahrrad um, und nicht alle impfen sich gegen das Virus; nachteiliges Verhalten ist normal. Sicher wären Inzidenzen und Hospitalisierungen höher, impften wir nicht und legten Maßnahmen fest. Es werden trotzdem weiterhin Menschen sagen: „Da mache ich nicht mit!“ Diese sind deswegen weder verschworen, noch pauschal dumm. Erst, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft und Familie unzählige Bekannte schwer erkrankten, wären alle bereit, ihr Leben umzustellen. Dann ist es weiterhin nicht die vielbeschworene Solidarität oder gebotene Menschlichkeit, die zum Umdenken führte. Wenn die Gesundheit erkennbar gefährdet ist, handeln auch die Letzten aus Eigennutz.

Viele misstrauen den Medien. Eine fassungslose Krankenschwester zitiert Patienten, es sehe ja hier „auf der Intensivstation wirklich aus wie im Fernsehen“, dann kämpften sie und die Kollegen, das Leben dieser Kranken zu retten – nicht selten gelänge es nicht. Dazu kämen Anfeindungen außerhalb der Arbeit durch Fremde, sogar von Freunden, die wüssten, dass sie Krankenschwester ist. Das enttäuscht eine Helferin? Gut so, denke ich mitleidlos, das ist dein selbstgewähltes Lernfeld. Es gibt noch andere Berufe. Mich haben schon einige im Stich gelassen, und es fällt mir nie ein „weil man es sollte“ hilfsbereit zu sein, sondern nur, wenn ich persönlich berührt bin. Menschen sind nicht empathisch, sie behaupten es nur. Kluge halten Abstand, weil es ohnehin geboten ist, anderen wenig Vertrauen entgegenzubringen, noch welchen zu folgen, weil es Mode ist. Mit der Abwertung, ein Egoist zu sein, lebt sich’s aus Überzeugung gut.

Covid schaffte es, die ganze Welt lahmzulegen und ist deswegen eine Gefahr. Unsere Gesundheitssysteme wurden nicht dafür gemacht, zwei Jahre lang Überstunden zu leisten, sind ohnehin unterbezahlt und überbelastet. Virologen und Ärzte bestimmen die Medien. Die Impfstoffe mögen für sich genommen nur ein minimales Risiko beinhalten. Das wird betont. Mit dem Virus infiziert zu sein, kann dagegen tödlich enden. Wer will das bestreiten? Sich anzustecken, ist dennoch vergleichsweise schwierig. Das sagt niemand, im Gegenteil. Alle Ungeimpften infizierten sich kurzfristig, heißt es bedrohlich. Dabei verschweigt diese Darstellung die große Zahl der Menschen, die nicht krank sind und vergleichsweise entspannt. Die Zahl der täglichen Neuansteckungen auf die Masse der Ungeimpften hochzurechnen, relativiert die immer wieder gemachte Drohung, weil sie schlicht zu niedrig ist, uns kurzfristig zu durchseuchen.

Es ist wenig wahrscheinlich, schwer oder tödlich zu erkranken, wenn man die gesamte Bevölkerung dem Einzelnen gegenüberstellt und zum Maßstab persönlicher Risikoeinschätzung nimmt. „Hochansteckend“ ist der Begriff, den wir inflationär zu hören bekommen. Was bedeutet das? Wenn zehn Leute in einem kleinen Raum einen HIV-Positiven unter sich haben und einen anderen mit Covid, ist es hochwahrscheinlich, dass alle krank werden oder zumindest positiv getestet, aber nicht mit der bekannten, tödlichen Immunschwäche. Insofern ist Covid hochansteckend, ja. Dabei kann man leicht übersehen, dass weitere Faktoren eine Rolle spielen und letztendlich nur ein Teil der Menschen ernsthaft leidet. Deutlich belastet sind Pflegende, Angehörige, Politiker, denen der Vorwurf gemacht wird, nicht angemessen zu reagieren, und einige Wirtschaftszweige sind mehr betroffen als andere. Damit erleben viele Ungerechtigkeit und eine nie geahnte Veränderung ihrer Erwartungen. Aber böse erkrankt quälen sich weniger, als man uns glauben machen will. Wir kennen Beschreibungen von anderen, sehen das in den Nachrichten, wie schlimm es kommen kann. Das bleibt oft medienbezogen, abstrakt. Die direkte Bekanntschaft mit Schwerkranken ist regional begrenzt. Deswegen verhält sich eine träge Masse unbeeindruckt. Nicht wenige Sympathisanten der Radikalen finden sich, eine neue Parallelgesellschaft streckt fröhlich ihre Fühler aus: Der Frisör kommt zu dir ins Haus, der Impfpass wird gefälscht und was weiß ich. Das dramatische dieser Krankheit wird überbetont, weil aktuell keine vergleichbare gesundheitliche Bedrohung bekannt ist. Es täuscht über viele Faktoren hinweg. Zusammengenommen gibt es etliche Bedrohungen unserer Existenz. Der fokussierte Blick verblödet.

Die neue Variante ängstigt, weil wir nicht wissen, wie sich das entwickelt und macht doch Hoffnung auf tendenziell mildere Verläufe. Hospitalisierte zahlenmäßig im Auge zu behalten und so die Gefahr, selbst schwer vom Virus erwischt zu werden, relativ zum „Alltagsrisiko Auto“ einzuschätzen, bietet uns eine Landmarke der Orientierung. Werte von wenigen hundert täglich bedeuten, dass mehr Menschen irgendwo in Deutschland gerade durch ein Fahrzeug lädiert wurden. Jeder darf sich fragen, ob dergleichen häufig im Umfeld vorkommt? Ein Maßstab für moderne Egoist:innen, lieber Abstand zu halten oder mutiger zu kuscheln. Der Rest hat keine Wahl und muss sich so oft wie möglich spritzen lassen und die Maske mit den Ohren vernähen. Diejenigen, die Wert darauf legen, alle Aktivitäten wie gewohnt zu genießen, sind ohnehin schlau genug, die geforderten Nachweise parat zu haben. Sie haben keine Probleme. Wer zu viel merkt, hatte es schon immer schwer. Aber wer sagt denn, dass ein leichtes Leben einfach zu erreichen wär’ und überhaupt erstrebenswert? Am Besten fühlt sich’s doch an, wenn selbstgefasste Entschlüsse glücklich machen. Wir segeln flott daher, ohne die schnelle Konkurrenz zu bemerken, die ohnehin mehr versteht. Hier findet sich der Schatz, die eigene Relativitätstheorie zum Glück anzuwenden.

Was nützte, den Ball flach zu halten und keine Panik aufkommen zu lassen, ist der Blick auf die Hospitalisierungen. Das Impfen zu forcieren, hat den Zweck, das Ende der Pandemie herbeizuwünschen und Normalität. Das ist das Allheilmittel derjenigen, denen es dafür nutzt, eines zu sein. Es hilft auch welchen, die unbeeindruckt eigene Wege gehen, wenn viele die Aktionen mitmachen. Die Ungeimpften sind häufiger schwer erkrankt, die Impfung wirkt. Es bedeutet aber, den gewünschten Schutz halbjährlich aufzufrischen. Dieser Treue zum einmal eingeschlagenen Weg mag, wem es gefällt, gern konsequent folgen. „Vollständig geimpft“ hieß anfangs, zweimal zu impfen. Nun wird „geboostert“, das macht drei, und mit Omikron beginnen wir wieder bei Null? Man darf noch fragen. Wir anderen sind, als Egoisten gebrandmarkt, latent solidarisch miteinander und amüsieren uns noch über den Kinderarzt, der mit falschem Impfpass aufgeflogen ist und spotten sogar, bei gewalttätigen Attacken zorniger Staatsfeinde, wir hätten es kommen sehen? Klammheimliche Freude über das Versagen der Offiziellen, die ohne ihre Bürger zu verstehen, zwei Jahre lang Druck ausübten und sich von der Gewalt der Radikalen überrascht zeigen, ist das allemal.

# Vor der Erkrankung schützt man sich am Besten durch Distanz!

Das muss in Erinnerung gerufen werden, hilft zielführend und bedeutet, weniger Druck auf Menschen auszuüben, als Zögerliche zu nötigen, sich ein Serum injizieren zu lassen, dem sie nicht vertrauen. Donald Trump wurden seine alternativen Wahrheiten zum Verhängnis. Ein Staat, der nur eine Wahrheit kennen will, wird genauso scheitern, wenn es bessere Lösungen gibt. Das Ziel ist nicht die Impfquote. Wir möchten unsere Freiheit, gesund sein. Alternative Wege werden nicht zur Sackgasse, weil sie der Mehrheit nicht passen. Menschen, die hinein laufen, müssen umkehren, weil kein Weiterkommen ist. In so einem Fall gibt es nur eine Wahrheit und nicht „viele Wege führen nach Rom“. Es stirbt nicht der Leugner einer Krankheit an ihr, sondern einer, der sich irrt (und Corona nicht wahrhaben will). Das ist schlimmstenfalls ein Irrer, ein Narr und ein Teil dieser Welt wie das Böse an sich, das schlechte Wetter. Wir können ein Gewitter nicht belehren, es leugne die Sonne und möge sich deswegen verziehen. Letztlich ist „Covid“ nur ein medizinischer Begriff. Wir sterben nicht an diesem Wort, das leichthin jeder im Munde führt, sondern am Organversagen. Lügen kann nur derjenige, der die Wahrheit kennt und nicht jemand, der anderen nicht glaubt. Ein unbelehrbar dummer Mensch ist verstört. Dieser lügt nicht wie viele, die nur behaupten, etwas begriffen zu haben, Macht ausüben, eitel sind oder anderen ungeprüft folgen, plappern. Der Mensch bleibt ein suchender Kundschafter. Hier stehen keine Wegweiser, die uns die Zukunft voraus sagen; Feiglinge schimpfen.

Die Pandemie, das ist zunächst ein Begriff. Dazu gehören die Impfgegner als ein eigenes Problem dazu. Möglicherweise gibt es diese auch in China? Sie gelten als unsolidarisch und schadeten dem Ganzen, meint man. Wenn das so ist, gefährden Ungeschützte zunächst sich selbst, besonders wenn sie krank werden. Ein nicht geimpfter Mitbürger schadet niemandem, solange er nicht krank ist, sondern liefert ein Argument für den Lockdown, wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das ist zu kompliziert für viele, denen der eigene Leib an erster Stelle steht. Es sind Menschen, die nicht durch aufgezwungene Medizin bedrängt werden möchten. Diese glauben, sich effektiv gegen Äusseres abzugrenzen, wehren sich und sind gern bereit, anderen Erklärungen zu folgen und in sich aufzunehmen wie alternative Medizin. In einem freien Land wird dieses zum kenternden Rettungsboot, wenn der Kapitän sich in der Not nicht behaupten kann für einen harten, aber richtigen Kurs. Das Mittel der Schiffsführung ist Besonnenheit nach dem Motto: „Menschen nehmen, wie sie sind.“ Andere haben wir nicht.

Nach wie vor sind viele Ungeimpfte nicht erkrankt. Wenn sich täglich etwa 30.000 Menschen infizieren, sind das 10 Mio in einem Jahr. Bislang aber „nur“ 6,7 Mio Infizierte verzeichnet Deutschland nach zwei Jahren mit Corona. Teilt man diese Zahl durch entsprechend 730 Tage, hatten wir im Schnitt unter 10.000 Infektionen am Tag. 60 von 83 Millionen sind vollständig geimpft. Der Begriff „vollständig“ hat bereits gezeigt, wie schwach die Virologen tatsächlich aufgestellt sind: Das ist eine Vollständigkeit mit Ablaufdatum. Je nachdem, ob bereits Geimpfte mit in diese Schätzung einbezogen werden, bleiben abzüglich Genesener und deswegen weniger Gefährdeter etwa zwanzig Millionen, die stärker davon bedroht sind zu erkranken. Unter Berücksichtigung von Impfdurchbrüchen und nachlassender Schutzwirkung bei Mutationen ist die Behauptung, alle Ungeimpften infizierten sich, nur seriös, wenn betont wird, dass sich der Prozess (jahrelang) hinzieht. Es sei denn, wir tolerierten extrem hohe Inzidenzen, ein Vielfaches der bisherigen Werte, und das scheitert an den schon jetzt kollabierenden Intensivmedizinen.

# Ein langer Weg

Geduld könnte helfen. Die Impfpflicht umzusetzen, dass sie uns wirklich voranbringt, gestaltet sich schwierig. Es wird dagegen vor Gericht geklagt werden. Das Virus mutiert. Die Impfwirkung muss ständig nachgebessert und geboostert werden, die Impfgegner radikalisieren sich, und eine Parallelgesellschaft entsteht in unbekannter Qualität. Das ist unsere Zukunft. Es sei denn, das Virus macht allmählich schlapp, und die Inzidenz mutiert zu einer Zahl, die niemanden interessiert.

🙂