Mal entspannt nichts tun. Für einige bedeutet Nichtstun, sich festhalten zu müssen, mit aller Kraft. Es muss geübt werden, warum? Zusammenreißen ist keine Leistung, wenn man in sich ruht. Der einzelne Mensch ist dabei ein Teil der anderen und untrennbar von der eigenen Geschichte. Vorbestimmt, festgelegt: Nicht nur durch die Gene, auch durch das frühere Verhalten. Mal sind wir gut, dann böse und krank. Der Mensch ist in allen Farben unterwegs. Jetzt können wir gut sein. Es ist gerade einfach. Heute zeigen wir Flagge!

Wikipedia: Aus dem Englischen übersetzt – George Floyd war ein Afroamerikaner, der am 25. Mai 2020 starb, nachdem der Polizeibeamte von Minneapolis, Derek Chauvin, mindestens sieben Minuten lang auf Floyds Hals kniete, während er mit Handschellen gefesselt war und mit dem Gesicht nach unten auf der Straße lag.

Wir empören uns! Solidarität ist eine Kraft, die spontan Netze bilden kann, Menschen mobilisieren, die nun zusammenhalten. Wenn aus Recht Unrecht wird, passiert das. Die Polizei ist Dienstleister der Gesellschaft. Sein Machtmonopol darf der Staat nicht missbrauchen. In der Demokratie ist der Präsident oder Kanzler der angestellte Verwalter, der das System zum Wohle aller lenkt. Aber dieser Präsident riskiert die innere Sicherheit: Die Welt ist fassungslos.

Eine Gesellschaft ist gemischt: vielfarbig und unterschiedlich leistungsfähig. Die einen zahlen mehr Steuern und anderen Mitgliedern müssen wir helfen, weil sie unbedingt dazu gehören. Es gibt immer Bestrebungen, Menschen irgendwo hinauszudrängen. An der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung oder dem Brexit wird deutlich, dass Teile im System auch selbst gehen wollen. Gerade die britische Fluchtbewegung zeigt aber, dass Großbritannien zwar durch den Kanal getrennt vom Festland ist, dennoch nicht wie ein Schiff in die Freiheit davon segeln kann.

Frei sein, unabhängig und weiter alle Rechte und Verträge, die in vielen Jahren ausgehandelt wurden, beibehalten? Das geht nicht. Alle müssen lernen. In der Welt hängt jedes Teil am anderen. Wie sieht die Freiheit in einer sozialen Beziehung aus, und wie integriert eine gesunde Gesellschaft ihre verschiedenen Mitglieder? Die eigene Farbe, ist sie eine Qualität oder ein Brandzeichen: Cowboys und ihr Vieh, was sind wir denn?

Ein Katalane oder Brite, der für die Unabhängigkeit seiner Region kämpft, hebt ein Schild hoch und demonstriert. Den Juden verpasste Adolf Hitler einen Stern, um sie kenntlich zu machen. George Floyd unterschied sich durch seine Hautfarbe? Von wem denn? Ordnung muss sein. Die Fußfessel der Sexualstraftäter in Freiheit, die Corona-App; wer noch keine roten Haare hat, dem setzen wir eine dicke Brille auf die Nase, damit er nicht sehen kann, das wir ihn gerade daran erkennen: Wo ist Walter? Ha-ha.

Liberia ist ein Teil von Afrika. Ich habe einen Freund gefunden, der ist in einem kleinen Dorf abseits der Hauptstadt Monrovia geboren. Ich soll dich „Schwarzer“ nennen? Wir dürfen nicht „Neger“ sagen – das ist „falsch“ (heute)? So frage ich ihn. Er grinst und hält seinen bloßen Unterarm neben meinen, der in einem schwarzen Hemdsärmel steckt, vergleicht und sagt: „Ist nicht schwarz. Ist braun.“ Wir lachen beide.

Ich lobe seine spontane Fröhlichkeit, die Coolness, die Beweglichkeit im Sport, Musik und mehr, was wir an den Schwarzen insgesamt bewundern. Es stimmt nicht? Er hat in England studiert: „Ich sitze im Bus“, erzählt er, „schräg gegenüber einer wie ich. Ich bin so, wie du mich kennst, lache den an und probiere, ihn kennenzulernen. Mutmaßlich ein Freund? Weil er schwarz ist wie ich. Das denke ich. Der aber verzieht keine Miene, ignoriert mich komplett. Das ist alles erlerntes Verhalten. Wenn du in England aufwächst, bist du Engländer. Großbritannien“, sagt er –

„Da lacht man nicht im Bus.“

# Solidarität?

Weltweit wird nun demonstriert. Der Tod von George Floyd bringt überall Menschen auf die Straße, die sich gegen Rassismus in Stellung bringen. Vielleicht ändert sich etwas und Gesetze werden geändert. Ausgrenzung an sich wird es aber immer geben. Solidarität ist großartig, wenn wir sie erfahren dürfen. Oft genug geschieht es andersrum, wir fühlen uns unverstanden. Wenn eine Gruppe gegen den Einzelnen mobil macht: Das ist ihr eigenes Rechtsverständnis. Anpassung soll durch Ausgrenzung des unerwünschten Verhaltens erzwungen werden. Aus schwarz mach’ weiß.

Polizeigewalt bedeutet im Fall Floyd, dass das Recht verbogen wird. Eine Gruppe von Polizisten unterscheidet sich dann nicht von einer Bande, einem Clan oder den bösen Kollegen in der Firma. Es sind welche, die „Meyer“ verarschen oder bei einem Projekt nicht unterstützen, das sie in Schwierigkeiten bringen könnte. Manche unterstützen selbst eine gute Sache nicht, wollen nichts damit zu tun haben, und auch dann ist es Gruppendynamik: Die faule Gruppe, die Trägheit der Masse, die jemanden hängen lässt.

Im Stich gelassen in der Not. Wenn dir jemand eine Falle stellt, wirst du andere, die darüber offensichtlich bestens informiert sind, aber nicht an deiner Seite stehen, mehr verachten, als deinen anonymen Gegner. Wir haben immer „Zwölf-Uhr-Mittags“ mit Gary Cooper angeschaut, wenn es im Fernsehen kam: Lässt sich eine Methode entwickeln, die fehlende Solidarität geradezu provoziert, um allein gelassene Menschen in dieser Situation stark zu machen? Das sollten wir probieren. Auf eine zu erwartende Angst kann der Mensch sich vorbereiten. Es ist klüger, einzelne gezielt zu stärken, als die Welt insgesamt ändern zu wollen.

Eine Theorie kann durch gezielte Beobachtung gefestigt werden, dann kommt anschließend praktisches Training. Das Problem ist in erster Linie, Unabhängigkeit möglich werden zu lassen. Zu manipulieren erzeugt Paranoia, verstärkt die Bindung an den Helfenden. Ein Freund wird eher direkt helfen, als ein Psychologe mit einigen verbalen Kniffen im Gepäck. Dem Arzt ist eventuell nicht bewusst, dass er ein Teil des Problems wird, wenn er den Patienten lebenslang begleitet. Ein Patient könnte ein Mensch sein wie andere, wenn wir es ihm zutrauen, bald so gesund zu sein, dass er unabhängig vom Arzt ist.

Die Freiheit wird größer, wenn du wählen kannst. Krank zu sein, bedeutet zwanghaftes Verhalten. Die Eltern, der Lehrer, ein Therapeut; das sind alles Menschen, von denen wir abhängig sind, wenn wir ohne Unterstützung nicht klar kommen. Wie kann Hilfe gegeben werden, wenn das Problem Abhängigkeit an sich ist? Dafür müssten wir neu denken. Einige Grundlagen sind bereits bekannt. Wir müssen uns fragen:

Warum ist dieser Film erfolgreich? Wir laufen nicht mit dem Colt herum, normalerweise steht kein Schwerverbrecher gegen uns allein. Teeren und Federn, so ist Amerika. Die Worte Empathie, Freundschaft, Treue, Liebe sind dehnbar, weil sie abstrakte Begriffe sind. Solidarität ist unverwechselbar. Das ist die Freundschaft, die besonders dann stark wird, wenn du sie nicht erwartest.

Sich nicht erfüllende Erwartung kränkt. Ich bin mir sicher, dass jede psychische Erkrankung, wie immer wir sie benennen, das Ergebnis nicht zu begreifender Verletzung durch andere Menschen ist. Mehrmals wiederholt, kann das ein traumatischer Teufelskreis werden. Wer psychisch krank ist, blickt die Ursache nicht, weil es aus seiner Perspektive gar nicht geht, ist nicht bescheuert oder gestört, sondern wurde nachhaltig verstört. Ein böser Strudel saugt uns tiefer ein. Schwindeln nannte meine Oma das Lügen. Oma lügt nicht, aber du machst, was man nicht tut, heißt es das? Wir lügen einander nicht bewusst an, aber wir stellen Sachverhalte so dar, wie es individuell zu uns passt. Werbung für ein Produkt stellt es gut dar und ist keine Lüge. Das ist die Wahrheit der Hersteller.

Eine Firma will Erfolg.

Der kleine Familienbetrieb: Jedes Kind muss erst lernen, was Worte bedeuten. Papa redet anders als Mama und nicht immer kommt dasselbe dabei raus. Was kannst du erwarten? Du probierst es aus, manipulierst ein Preisschild auf dem Spielzeug, das du eigentlich nicht bezahlen kannst, weil einige Cent fehlen – ein schwindelndes Gefühl. Tatsächlich: Das Blut rötet deine Wangen, der Puls klopft in den glühenden Ohren. Kommt man damit durch, machen das alle? Fühlt sich Scheiße an – oder ist es der Kick, den du brauchst? Immer die Wahrheit sagen, damit niemand strafen kann. Immer brav und den anderen Menschen alles glauben? Mitschüler verpetzen, die sich nicht an das halten, was die Lehrerin sagt – das kann genauso schwierig werden. Gefühle: ein Wirbel! Verrückt steht keiner sicher, stürzt in den Graben. Erst abfüllen, dann verspotten – die Gesellschaft ist mal solidarisch und mal schadenfroh. Daumen hoch oder runter wie im alten Rom.

# Im Kreis gedreht bis zum Kotzen!

Vor vielen Jahren, als das Fernsehen noch die Masse der Zuschauer hatte, die heute mehr das Internet nutzen, habe ich dies gesehen: In einer Show wird ein Mann vorgeführt, der zunächst nicht weiß, dass er im Mittelpunkt der Sendung steht. Er sitzt im Publikum. Man hat ihn in die Sendung gelockt. Die eigene Ehefrau, die Kinder, die Freunde – sie haben ihn beim Fernsehen „angezeigt“. Er hat einen sozialen Fehler. Etwas an ihm nervt. Man kann es ihm nicht erklären, so scheint es. Seine „Bestrafung“ besteht schließlich darin, dass er auf einem Bürostuhl mit verbundenen Augen gedreht wird und unter allgemeinem Gelächter sofort anschließend, als die Augenbinde abgenommen wird, einen Weg geradeaus durch seitlich aufgetürmte Tortenberge finden muss, um am Ende einen Buzzer zu erreichen. Dort winkt ein Preis! Natürlich schafft der das nicht sauber.

Dieser Typ, an den ich mich erinnere, macht schließlich gute Miene zum bösen Spiel. „Verstehen Sie Spaß“ ist ähnlich. Was bleibt dir übrig in dieser Lage? Für den Sheriff Kane in „High Noon“ ist die sich nicht erfüllende Solidarität seiner Umgebung schließlich harter Überlebenskampf. Es ist kein Spiel. Er schießt sich frei, mit dem Colt.

Ganz allein.

Wir sind zivilisiert und dürfen nicht schießen, schlagen. Die Polizei darf es. Cool bleiben, nichts tun kann auch Stärke sein: „Reiß’ dich zusammen!“ Manchmal ist es möglich. George Floyd hatte keine Wahl. Er konnte nur nichts tun, und Menschen haben gerufen: „Aufhören! Der kriegt gar keine Luft mehr.“ Es hat nicht gereicht. Man hätte einen Polizisten wegtreten müssen, mit aller Macht hätte man einen Ordnungshüter angreifen müssen! Wer hätte das probiert? Die Polizei war in Mannschaftsstärke, Floyd ein mutmaßlicher Straftäter – und schließlich allein.

Frank Miller ist dargestellt als ein vielfacher Mörder, eine Figur im Film. Miller kommt mit einigen Freunden, um Rache zu nehmen, und der gute Sheriff Will Kane bleibt allein.

Die Ironie des Lebens will es so: Plötzlich ist Zivilcourage anders herum. Harmlose Zivilisten sind spaßig, und gewaltfrei gute Menschen, meinen sie. Solidarisch mit den Unterdrückten. Im Fernsehen sein, vor aller Augen bloßgestellt und noch dazu lachen müssen? Anschließend zuhause. Wieder zur Arbeit, die Kollegen – wir können uns das vorstellen.

Menschen sind so, und da muss die Hilfe ansetzen, wenn sie ernst gemeint ist, die psychisch Kranken wirklich nützt. Es gibt keine Pille, die klug macht, aber manche werden nicht vorgeführt. Sie sitzen nicht auf einem Drehstuhl, bis sie’s nicht mehr blicken und in die Torte eiern. Sie fahren Benz.

# Den Spieß umdrehen?

Das böse Spiel im Netz, das kann man auch anders herum spielen. Ich habe den Fernseher damals abgeschaltet. Diese Sendung habe ich nie wieder angesehen. Ich mag mit dem immer noch populären Moderator nichts zu tun haben. Die Freunde, die Ehefrau von diesem Typ – die möchte ich nie treffen.

Aber ich habe darüber nachgedacht, was passiert, wenn man ein derartiges soziales Vergehen (der hatte immer mit den Fingern auf dem Tisch getrommelt, während man gesellig zusammen saß) bewusst ausprobiert. Es muss so harmlos sein, dass aus einer Mücke ein Elefant werden kann, ohne dass es diesen Elefant je gegeben hat. Es ist etwa so, wie die andere Hautfarbe. Unter Umständen genügt ein banaler Unterschied für eine heimtückische Attacke. Eine eigene Meinung ist ausreichend, und erst recht eine Schwäche zuzugeben, wird jemand auf den Plan rufen, sie auszunutzen.

Anderen eine Unsicherheit zu offenbaren, bedeutet eigentlich, diese zu kennen. Einmal angenommen, wir kennen uns nicht. Unsere Krankheit ist das Unwissen der eigenen Verletzlichkeit. Narren fühlen nicht, ist ein hebräisches Sprichwort. Es ist möglich, Gefühle vor anderen zu verbergen: In einem Geschäft verhandelnd, hat private Trauer keinen Platz. Auf einer Beerdigung lachen wir nicht, und es gibt Menschen, die eiskalt lügen.

Es kann zu einer Gewohnheit werden, die Furcht vor anderen Menschen durch individuelle Verhaltensmuster zu überspielen. Das bedeutet die Gefühle nicht nur vor anderen zu verbergen, sondern sich so in eine Rolle einzuleben, dass wir unsere Natürlichkeit aufs Spiel setzen. Eine Gefahr für die psychische Gesundheit ist das in jedem Fall. Dann wissen wir selbst nicht mehr, dass wir Angst haben. Indem wir uns fortwährend treu zum bisherigen Getue verhalten, maskieren wir unsere Schwäche.

Der Grund eines Problems ist verborgen? Wir können ausnutzen, dass andere uns zeigen werden, wo genau wir verletzlich sind, wenn wir annehmen, dass Bosheit mindestens so menschlich ist, wie zu helfen in der Not. Es ist leicht, Solidarität zu zeigen, wenn das Böse fern im Ausland stattfindet, und es ist schwer Zivilcourage zu beweisen, wenn der soziale Druck hoch ist oder Gefahr für Leib und Leben besteht.

Wenn die Angst des psychisch labilen Menschen ist, von anderen und sich selbst in die Pfanne gehauen zu werden, kann es nützlich sein, bewusst in diese Lage zu geraten. Der eigenen Angst zu begegnen, das wird uns für immer verändern. Wir sind frei, uns so zu verhalten, wie es angemessen ist, können uns verteidigen, wo wir früher mit einem schiefen Lächeln ausgehalten haben. Statt das Gesicht zu machen, das alle von uns gewohnt sind, können wir unser bisheriges Selbst verwerfen und klare Worte finden oder kühl schweigen, gegebenenfalls kämpfen. Mut muss erfahren werden, wird solidarische Mitstreiter auf den Plan rufen. Ein Narr sein, ist krank sein. Einen Narren zu geben, bedeutet den Vorhang selbst fallen zu lassen, wenn es reicht.

# Heigh-Ho!

Der „Fehler“ vom Sheriff Kane besteht darin, dass namentlich er es gewesen ist, der Miller seinerzeit gestellt hat. Deswegen hatte dieser im Gefängnis gesessen. Frank Miller hatte einen ganzen Landstrich terrorisiert. Seine Opfer fand er im weitläufigen Farmland, rund um eine kleine Ansammlung hölzerner Pionierbauten, mit einem typischen Bahnhof am einsamen Gleis, wie er in vielen Western in Szene gesetzt ist. Die Freunde aus dieser Zeit, die an der Seite ihres Town Marshals gekämpft hatten und so alle gemeinsam endlich Frieden und zivilisiertes Dorfleben für ihre Familien erreichten, begreifen, dass Miller nicht ihretwegen nach Hadleyville unterwegs ist. Der freigekommene Outlaw und seine finstren Kumpane, wollen in erster Linie mit dem Sheriff abrechnen. Die biederen Farmer der Gegend und die Kaufleute des Städtchens finden ihre persönliche Lösung, einige verstecken sich im Haus: Zunächst vor Kane, der auf der Suche nach wenigstens einem Hilfs-Sheriff bei jedem anklopft, den er für geeignet hält. Du bekommst dafür einen Blechstern auf die Brust! Alle menschlichen Abgründe von Angst, Feigheit angesichts der drohenden Gefahr werden sichtbar, und der in dieser Situation unnachahmliche Gary Cooper in seiner größten Rolle geht in die Filmgeschichte ein. So sieht Enttäuschung aus.

Kane glaubt zunächst fest daran, Leute zu finden. Seine Existenz, Ehefrau, Liebe; alles erweist sich als Trugbild. Dramatische Bilder in schwarz und weiß, bis zum unvermeidlichen Showdown am Ende. Der Film zeigt einen Mann, der unaufhaltsam der Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit entgegen geht. Aber er hat kein Verbrechen begangen, wie so oft im Roman, keine düstere Tat holt ihn ein: Sein Schicksal ist die eigene Aufrichtigkeit! Ein ums andere Mal laufen seine Versuche, einen kleinen Trupp zusammenzustellen, ins Leere. Die Männer schieben Gründe vor, als der Sheriff sie auffordert, eine Bürgerwehr zu bilden, wie damals oder verlassen die Stadt im selben Zug, mit dem Frank Miller ankommt. Sie sehen sich erst in zweiter Reihe in Gefahr. Großes Kino, wenn Kane allein kämpfen muss. Schaun wir mal.

# Bilder zu malen ist besser, als die Einbildung, besser zu sein

Der Film ist ein Erfolg geworden, weil man das unsolidarische Spiel überall inszenieren kann, im Fernsehen oder mithilfe einer WhatsApp-Gruppe. Es ist unsere menschliche Realität, der wir uns alle nicht entziehen können. Und genau hier muss die erfolgreiche Therapie ansetzen, die Menschen zur Normalität verhilft, die normalerweise im Kreis gedreht werden. Ein Maler malt, Filme werden gedreht und einschneidende Erfahrung kann uns lehren, Texte zu formulieren, Bilder zu finden, die wahr sind. Der Mensch ist in seiner Gesamtheit zuverlässig: Wir mobben nie grundlos, wir können das nicht ändern. Empörung ist Selbsttäuschung. Wir sind alle so gut nicht und könnten erleben, dass auch wir einmal feige sind.

Wenn wir einsehen könnten, wie hoch der Druck werden kann, würden wir damit aufhören, schlimme Zustände pauschal anzuklagen. Wir würden uns auf eine realistische Hilfe für einzelne konzentrieren und könnten echte Erfolge erzielen. Eine moderne Gesellschaft ist deswegen in der Pflicht, Menschen die „bescheuert“ sind, fit zu machen. Wir solidarisieren uns erst und helfen dem Schwachen, wenn die Situation eindeutig ist. In einem schwarzen Kleinkriminellen sehen wir einen Helden. Wenn er tot ist. Einen Amokläufer erschießt die Polizei auf dem kurzen Dienstweg, im Selbstgericht; niemand trauert um ihn. Und einen Spinner stoßen wir in eine Torte? Das sind doch alles Menschen wie wir selbst und waren ein Kind mit einer Zukunft. Und selbst dran schuld am Schicksal heute? Das kann nur glauben, wer täglich die Einbildung übt.

# Wir helfen zu spät

Einer wird gekreuzigt, ein anderer tot gedrückt. Wir lesen die Bibel, wir schauen einen Film aus dem wilden Westen damals oder ein wackliges Video von gestern, heute. Anschließend merkt die Gesellschaft zuhause auf dem Sofa, dass sie zu weit gegangen ist. Wir benötigen eine noch zu findende Form der Hilfe, ein Training für die, die gemobbt werden, krank auf vielerlei Art diagnostiziert, aber alle so, dass sie nicht mitspielen können. Sie bekommen den „Schwarzen Peter“ – und den nicht weiterreichen zu können, bedeutet schwarz zu bleiben – es zu sein.

Wen auch immer man auf so einen Stuhl setzt, den Menschen, der unmittelbar darauf gelassen zum Buzzer schreitet, gibt es nicht. Aber dieser Mann im Fernsehen – spätestens, als man ihm seine „Vergehen“ klar gemacht hat und vor aller Augen auf den Stuhl befohlen – er hätte begreifen können, sogar jetzt noch: Da sind Alternativen.

Dafür ist er nicht der Typ. Es stimmte wohl, er hatte andere genervt. Eine kleine Macke. Nun klare Kante zeigen: „Ne’ Leute – kein Bock mehr. Ich fahre nach Hause.“ Hat er das erwogen? Er windet sich. Aber das ganze Umfeld drängt, das Publikum johlt – eine Gesellschaft, die zwanghaftes, automatisiertes Verhalten fördert, treibt einzelne an den Rand und über die Kante. Cäsar, das alte Rom, Brot und Spiele.

Er saß ahnungslos im Publikum.

Sie hatten einen Spot auf ihn gerichtet, es wurde (angeblich) ein Schlagzeuger gesucht. Da könne doch wohl jemand sein, der mit einer kleinen Blechtrommel einen Tusch hinbekomme? Dankbar hatte er das Ding genommen und gleich gezeigt, dass er fein wirbeln kann, mit den Drumsticks. „Ich bin im Fernsehen“, wird er gedacht haben. Gern ist er nach vorn gegangen. Dann wurden aber kleine Filme eingespielt, von zuhause oder mit den Kollegen, heimlich gedreht. Der Mann, der immer trommelt. Er findet Bleistifte, Kochlöffel, er klopft sich auf die Schenkel. Mit den Fingern taktet er jederzeit auf dem Küchentisch, dem Lenkrad vom Familienauto – immer – ein Unruhegeist, der noch Lob dafür möchte und nur nervt. Das Blatt wendet sich, nun lachen die Leute. Da ist der Stuhl. Nimm Platz! Jetzt – kein Zurück mehr! Ein Spielverderber sein? Er hätte neben dem Stuhl stehen bleiben können.

Nichts tun.

Oder, er hätte nach den hundert Umdrehungen einfach sitzen bleiben können. Er hätte selig beduselt, wie ein verwuseltes Honigkuchenpferd, ins Publikum grinsen können. Der lachende Gewinner. Der Mann hätte sagen können, dass er Karussell fahren nun wirklich mag, den musikalischen Radau und das Schlagzeug-Tara im Zirkus liebt, das Theater sowieso und natürlich das Publikum – und eben gerne trommelt. Er hätte deutlich machen können, dass er auf eine Bühne gehört! Nach kurzer Zeit vom Wirbel erholt, wäre er hingegangen und hätte lustvoll den Buzzer gedrückt …

Und damit das nicht passiert, hat man ihn direkt nach dem Drehen hochgerissen und in die Torten geradezu hinein gestoßen.

Das ist der Mensch.

: