Grüneres Gras

Heute habe ich mit einem neuen Bild begonnen. Das heißt, ich übertrage meine Idee auf die Leinwand. Mit dem Bild selbst zu beginnen, bedeutet, dass die Idee weitgehend fertig entwickelt ist. Ich male nicht in der Natur. Ich zeichne draußen, aquarelliere; meine großen Bilder male ich im Atelier, nach einer genauen Idee – nicht spontan.

„Das grünere Gras“ war schon ein interessantes Motiv, das mich parallel zum Projekt „Gurken und Rosen“ beschäftigt hat. Erwachsenwerden, Männer und Frauen. Es gibt keine treffenden Worte für ein Gemälde. Es muss gemalt werden. So war es nicht schwer, das zu entwickeln. Ich mache kaum noch Skizzen für ein großes Bild mit dem Bleistift. Anfangs habe ich so gearbeitet, weil ich es gut kann. Direkt mit Fotos zu arbeiten, gefällt mir heute besser. (mehr …)

Fernsehgarten heute, anders früher

Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist 75 Jahre her, und wieder wird daran erinnert. Das ist auch gut so! Wir müssen nur Nachrichten schauen, es gibt ihn noch, den Krieg. Wer will das denn? Hier, man muss es sich vorstellen: Einige Male am Tag könnten die Sirenen heulen, und statt eine Corona-Maske anzulegen, befiehlt die Regierung: „Geht in den Keller, wenn es heult!“

Unser Keller ist dafür gar nicht eingerichtet. Meine Oma hat uns regelmäßig von früher erzählt. Der Feuersturm, Hamburg. Heute wäre Lina eine „Zeitzeugin“ und man würde ein ziemliches Geschieß drum machen, was sie sagt. Auch wenn sie wenig klug wäre. Besonders natürlich, weil sie kein Nazi gewesen ist.

Das wäre prima geeignet, für das Fernsehen heute. (mehr …)

Ich weiß noch Kunst

Kapitulation: Der achte Mai. Der Tag der Befreiung ist heute. Wir erinnern uns. Schon gestern kam es (wieder einmal) im Tageblatt: Ein böses Relikt aus finsterer Nazizeit, ein kriegsverherrlichendes Denkmal ist immer noch da – und eine Initiative hat sich festgebissen, etwas dagegen zu tun. Das Ding steht wie überall, an einer wenig beachteten Stelle, hinter dem Bahnhof oder hinter dem Rathaus oder hinter dem Friedhof. Gefallenen des Ersten Weltkrieges wird gedacht, aber auf die falsche Art, sagt die Initiative. So wie das da stünde, sei es Propaganda für den Krieg. Wenn die Stadt es nicht entferne; wenigstens ein Gegendenkmal müsse her.

Es gibt schon einen Beschluss. Geld müsse fließen, Bildhauer sollen gesucht werden, und der im Wettbewerb Einfallsreichste legt dann los und gibt den Hrdlicka. Die Provinz will auch mal. Natürlich geht das nicht recht in Gang. Kaum jemand interessiert sich dafür, und so schafft es die anklagende Gruppe in die Dorfzeitung. Ein bisschen Anne Frank wollen sie sein, wenigstens das. Corona macht ihnen den letzten Strich durch die Rechnung, in dieser Sache voran zu kommen. Es gibt gerade Wichtigeres, als dafür Geld auszugeben? (mehr …)

Das Spiel

„Jeder kennt dich.“ Zwei „ältere Damen“ am Nachbartisch laden mich ein, mich doch zu ihnen dazu zu setzen. „Ich bin Ute, das ist Bärbel“, wir sind gleich per du, und sie rauchen. „Jeder kennt dich, John“, und ob ich noch von Appen treffe?

Was heißt das eigentlich, jeder? Ist das ganz Schenefeld, Hamburg, auch noch Wedel, Fehmarn und Backnang? Niemand weiß, wer jeder ist. Jeder kennt Donald Trump. Es dürfte schwierig sein, denjenigen zu finden, der den amerikanischen Präsidenten nicht kennt. Und: Die graue Maus, niemand kennt sie, ich kann es mir vorstellen. (mehr …)

In alter Freundschaft

Ein Mann, ein Wort! Menschen sprechen, schreiben, erinnern; sie tauschen sich aus, geben Erfahrungen weiter. Verträge werden gemacht. Es gibt die Sprache der Juristen, die der Seeleute, und manche bleiben Analphabeten, das ist seltsam. Alle, außer mir, telefonieren mobil. Niemand schreibt noch mit der Hand?

Direkte Kommunikation: Manche achten mehr darauf, wie etwas klingt, als auf den Inhalt der Botschaft. Wie kommt das? Wenn jemand zu mir spricht, muss ich entscheiden, ob derjenige mir wohlgesonnen ist. Erst dann bewerte ich, ob ich mich für das was er sagt interessiere. (mehr …)

Mehr tun …

… können, von dem was gefällt: weniger zwanghaft sein, Auswählen macht frei. Was dir Spaß macht, ist nicht was ich mag. Leben nach dem Lustprinzip ist verpönt? Leben ist genau das, es wendet sich dem Besseren zu. Probleme werden gelöst. Erfüllung bedeutet, auf Unerreichbares zu verzichten, um tun zu können was befriedigt: Sich selbst einschätzen können, auch nicht vorhandene Freiheit akzeptieren. Der freie Wille? Nicht nur die Verpflichtungen, die Gesetze beschränken (auch Atheisten). Wir können nicht alles tun, schon deswegen, weil wir es gar nicht möchten. Aktuell: Die Corona-Krise erlaubt das Reisen nicht? Aber niemand setzt sich in einen Zug und macht eine Reise nach Mailand, nur weil es theoretisch möglich ist. Urlaub oder Geschäft; es gibt ein Motiv für jede Handlung.

Eine Frage, der besondere Einfall; ein bestimmter Gedanke geht der Tat voraus, bevor jemand aktiv wird. Die Erinnerung an einen Termin, eine Verpflichtung oder eine Sehnsucht, die erfüllbar ist? Nur ein Gefangener trottet ausschließlich auf fremden Befehl – weil er muss. Die Kunst zeigt uns, das Einreißen von Mauern ist möglich. (mehr …)

Corona?

„Kunst kommt von Können“, manche beißen sich an diesem Satz fest. In einer Doku, die ich vor einigen Jahren sah, wurde ein etablierter amerikanischer Maler vorgestellt. An seinen Namen erinnere ich mich nicht mehr. Er erzählte, dass er vor längerer Zeit den Durchbruch in die Szene der Sammler erzielt hatte. Irgendwie habe seine Art, Porträts vor flächigem Hintergrund zu malen, eingeschlagen. Seitdem würde es laufen. Zum Verkauf gefragt, antwortete er: „Die Galeristen halten mir die Leute vom Hals.“ Eine Art Pufferzone, er wolle in Ruhe arbeiten. Was ein junger Mensch tun müsse, um Künstler zu werden? Er antwortete als Maler: Er sagte zum einen, dass er den Erfolg den er habe, nicht genau erklären könne. Schließlich meinte er, ein Interessierter solle erst einmal fünf, sechs Jahre malen und die Anerkennung nicht so wichtig nehmen. Er sagte das mit einer Spur Humor. Es hieß nämlich: Nachdem du mehrere Jahre gemalt hast, bist du Maler. Die anderen hören vorher wieder auf. (mehr …)

Ein Stern ist immer nah

Ein guter Lebenslauf ist beneidenswert. Das fehlerfreie Leben? Hier wird es (für den neuen Chef) perfekt ausformuliert. Einigen gelingt es. Ihr Leben gibt genug Wahrheit her, alles noch ein wenig besser wirken zu lassen. Erfolgreiche Karriereschritte gefallen in der Bewerbung. Meine Geschichte ist durchaus eine Predigt! Ein Sonntag im Februar, weit östlich von Hamburg und weit von Schenefeld. Ich bin in der Kirche: sitze in unbekannter Stadt, zwischen fremden Menschen – um zuzuhören, unbedingt dabei zu sein, wie genau dieser Afrikaner hier ein weiteres Mal im Leben sein Amt beginnt. Liberia ist näher gekommen. (mehr …)

Ein Ideal ist unerreichbar

# Mutig gegen Extremismus?

„Macht euch die Erde untertan“, heißt es in der Bibel. Da sind wir doch gut voran gekommen! Man ist versucht, an die Ausbreitung einer planetaren Erkrankung zu denken. Als wären wir Menschen Krebszellen, die in Metropolen verankerte Netze bilden, das Ganze schließlich zerstören. Wirtschaftsoptimisten sehen es anders, aber freitägliche Schülerdemos reflektieren begründete Ängste. „Klimanotstand“ ist ein neues Wort. Sind wir in Gefahr? Die reale Gefahr, die ich kommen sehe: der Mann mit dem Messer vor mir, und er sieht böse aus. Die Schlammlawine zermalmt ein Dorf (im Fernsehen) oder einfach ein Artikel, in dem steht, dass „es“ schlimmer wird – die imaginäre Gefahr ist die Basis der Angst. Wie real sind Befürchtungen, wie nah dran ist eine Gefahr? Worte wecken dahinter stehende Erwartungen oder Risiken. Was ist ein „Gefährder“, ist das ein Tornado in der Schublade? Wir schließen unseren Kopf ab. Die Kommode auf dem dunklen Dachboden bei Oma, und du hast dich nie getraut da rauf zu gehen, nachzusehen. Presse und Netzgemeinde gehen salopp mit Randfiguren um, ordnen Menschen pauschal als extrem, krank, gestört oder terroristisch weg. Es sind „andere“, und die sind krank. (mehr …)

Aber genützt hat’s ihm nix …

„Mach’ dich nützlich“, gibt Ziehvater Wilbur Larch seinem Sprössling Homer mit auf den Weg, warum? „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, ein bekanntes Buch von John Irving. Der einzelne nutzt dem System. Beziehungen werden belastet, wenn ein Partner sich nicht wie gewünscht für den gemeinsamen Zweck engagiert. Teamfähigkeit: Ein Mitglied mit mangelnder Bereitschaft zur Zusammenarbeit behindert die Gruppe. Die Familie, Kollegen, Freunde – eine Hand wäscht die andere, heißt es. Ein Mitarbeiter erfüllt seine Aufgabe. Nur vom Arzt bestätigte Krankheit oder geregelter Urlaub erlauben längere Unterbrechung zweckgebundener Tätigkeit. Kurze Pausen werden von Chef und Kollegen aufmerksam registriert. Die gegenseitig geforderte Leistung kann dazu führen, die Aufgabe über die Gesundheit zu stellen. Es stellt sich die Frage, wie frei und unabhängig wir uns dabei selbst nutzen können und ob das Wort so noch Sinn macht. Wie viel bleibt von mir, wenn ich mich dem Projekt unterordne? (mehr …)