Malerei darf heute…

…so vielseitig sein wie Musik, Schreiben, jede andere Kunst. Seit dem Kindergarten, der Schule, dem Grafik-Studium ist Zeit vergangen: 1964 bin ich geboren, als Illustrator mit Diplom wurde ich 1990 der Wirklichkeit übergeben, dem staatlichen Lernapparat entlassen. Note: „Sehr gut“. Seitdem habe ich illustriert, Segelbücher, die Zeitschrift Yacht, Gelegenheitsjobs, nicht nur Grafik. Es ist mir nicht recht gelungen, aus meinem Leben eine geradlinig und finanziell erfolgreiche Karriere zu machen. Zu Beginn unseres neuen, schon selbstverständlich gewordenen Jahrhunderts, begann ich mit Acrylfarbe zu malen. Erst auf Holz, dann auf immer größeren Leinwänden. Ich wollte mir selbst beweisen, was ich kann. Ausgleich zu einem gefühlten Mangel an sozialer Anpassung, fehlender Ellenbogen. Gegenpol für normale Integration, ein emotionaler Wutboxball für zuhause. Ich wollte wissen, was ich leisten kann, wenn man mich in Ruhe lässt, es meinem Sozialneid entgegen halten. Für mich ist Malen Erfüllung, mein Sinn des Lebens; nicht Glück, ist Begegnung mit allen spürbaren, leibhaftigen Gefühlen.

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Kalte Küche, was soll das bedeuten?

Eine Geschichte in zwölf Bildern, warum? Daraus kann man einen Kalender machen, das ist ein Grund. Und: Ich wollte ein Konzept entwickeln, eine lange Geschichte umsetzen, mehr erzählen als auf einem einzigen Bild. Wie in einem Film. Plötzlich ging das, da ich einen neuen Eingang in meine Fantasie fand. Es wurde möglich, Erinnerungen mit quasi Schauspielern in fiktiven Situationen neu zu gestalten. Es ist es nicht nötig, Inhalte eins zu eins wie im illustrierten Krimi nachzubilden. Du kannst verschrobene Facetten einer Traumsequenz formen. Lücken in der Logik werden im Kopf des Betrachters mit eigenen Bildern gefüllt. Jack London entwickelte sein Thema, nachdem er selbst das abenteuerlichste Leben riskiert hatte. Joseph Conrad fuhr zur See, bevor er schrieb. Der Maler Caravaggio floh in eine andere Stadt, um Beschuldigungen auszuweichen und weiter malen zu können. Wenn man absurde Realität malt, können Elemente kombiniert werden, die in Wirklichkeit ganz andere Bedeutung haben. Ein banaler Hauseingang kann zum Eingangstor in ein Gruselkabinett geeignet sein, wenn das eigentlich nur ein nettes Lokal in irgendeiner Stadt ist. Als Maler stelle ich andere Architektur an seine Seite, erfinde noch ein Boot oder so dazu. (mehr …)

Skizzenbücher, im Original zu kaufen.

Was heißt im Original? Alles echt, kein Druck und nicht korrigierbar tintenecht artistisch vor Ort gezeichnet. 2017 und ’18 habe ich im Sommer zwei Wochen Urlaub auf der Insel Fehmarn gemacht und jedes Mal ein Skizzenbuch mit Zeichnungen gefüllt. Das ist nicht neu für mich.

Neu ist, dass ich von Beginn an die Absicht entwickelte, so ein Buch wie ein Bild zu verstehen das schließlich im Rahmen einer Ausstellung oder auf der Webseite interessierten Kunstfreunden angeboten wird. Ich zeichnete also wie bisher, um mir die Zeit im Urlaub zu vertreiben und um mein Talent nicht einrosten zu lassen, aber auch in der Absicht, fehlerfrei durch das ganze Buch zu kommen, damit ein schönes Ganzes entsteht. Fehlerfrei heißt nicht perfekt im Sinne von fotogleicher Abbildung. Es bedeutet, im Sinne des Gesamten zu denken, wenn jemand das durchblättert. Ich darf nicht achtlos herumstricheln oder durchkritzeln, was misslungen ist. Es soll nichts misslingen. (mehr …)

Warum malen?

Natürlich kann man auch ganz anders malen, und natürlich kann man auch ganz normale Arbeit machen, im Büro oder so. Immer wieder stelle ich mir die Frage, warum ich gerade so lebe, wie ich’s tue, warum ich getan habe, was ich tat und solche Sachen. Dazu kommt, bei allem Drang sich zu rechtfertigen, dem Wunsch, sich selbst gut dastehen zu lassen, die bedrückende Frage, ob ich nicht mein Leben eigentlich verfehlte, grundsätzlich versagte und es besser wäre, ich könnte neu beginnen? Am Besten doch mit dem Wissen und der ganzen Erfahrung von heute. In der Summe dieser Überlegungen, die in Anbetracht vieler großer Gemälde, unzähligen Zeichnungen, Skizzenbüchern einerseits und erschreckenden Unvermögen daraus nenneswerten finanziellen Vorteil und gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen andererseits daherkommen, steht neuerdings die seltsame Hintergrundfrage nach dem freien Willen an sich.

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Warum zeichnen, warum Skizzenbuch?

Mein Freund Martin schlägt gelegentlich vor: „Du kannst unsere Wohnung auf Mallorca nutzen, mache Zeichnungen, besser noch farbige Aquarelle, die kannst du gut verkaufen und die Gegend inspiriert.“ Fehmarn ist nicht Mallorca, das Buch ist klein und Farbe ist nicht, nicht einmal Fehmarn kann man hier wirklich erkennen.

Ich habe den Monte-Carlo-Circus im Fernsehen gesehen. Der weltbeste Jongleur, die meisten Bälle überhaupt gleichzeitig in der Luft. Bewegt die Arme rhythmisch fehlerfrei, wie eine Windmühle ihre Flügel, arbeitet zuverlässig wie die Betonmischmaschine auf der Baustelle um die Ecke — und hat auf einem Auge nur 10 Prozent Sehkraft, was von der Ansagerin ausführlich als seine extrabesondere Leistung (das auch noch) herausgestellt wird. Nie fällt dem was runter. Der Beste.

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